Die Cyclocross-Weltmeisterschaften 2018 fanden am 3. und 4. Februar im niederländischen Valkenburg statt. Sie waren die 69. Weltmeisterschaften in dieser Sportart. Bei den Männern wurde Wout van Aert zum dritten Mal in Folge Weltmeister, bei den Frauen konnte Sanne Cant ihren Titel verteidigen.
Ablauf
mini|hochkant|Zuschauer entlang der Strecke
Die Leitung der Union Cycliste Internationale hatte die Veranstaltung zwei Jahre zuvor an Valkenburg vergeben. Seit 2013 war dort jedes Jahr ein Rennen im UCI-Cyclocross-Weltcup ausgerichtet worden. Schauplatz war das Plateau des Caubergs rund um den Standort des Holland Casinos mit den angrenzenden Hängen. Ursprünglich war vorgesehen, die Rennen auf dem Grendelplein am Rande der Altstadt zu starten und über den aus dem Amstel Gold Race bekannten Anstieg auf den Cauberg zu gelangen, wo zu es jedoch letztlich nicht kam.
Der 2,9 km lange Rundkurs, der je nach Kategorie unterschiedlich oft befahren wurde, war von Ex-Weltmeister Adrie van der Poel gestaltet worden und galt als sehr schwer. Pro Runde waren 100 Höhenmeter Steigungen zu überwinden, zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Punkt lagen 40 Höhenmeter Unterschied. Durch starke Regenfälle in der Woche vor den Wettkämpfen war der Untergrund verschlammt, speziell die Steigungen mussten meist laufend zurückgelegt werden.
Es wurden fünf Wettbewerbe ausgetragen, bei den Männern in den Kategorien Elite, U23 und Junioren, bei den Frauen in den Kategorien Elite und U23. Zeitplan und Abfolge waren identisch zum Vorjahr: 3. Februar: Junioren (11 Uhr), Frauen U23 (13 Uhr), Frauen Elite (15 Uhr) 4. Februar: Männer U23 (11 Uhr), Männer Elite (15 Uhr)
An den Rennen beteiligten sich insgesamt 273 Fahrer aus 23 Nationen. Vor Ort verfolgten am ersten Tag 12.000 Zuschauer das Geschehen, am zweiten Tag 25.000. Die Zahl der Fernsehzuschauer wurde auf 40 Millionen geschätzt.
Ergebnisse
Junioren
Platz Name Zeit (min) 1 41:19 2 + 0:22 3 + 0:30 4 Tom Lindner + 0:34 5 Lane Maher + 0:35 6 + 0:36 7 Mees Hendrikx + 0:48 8 + 0:55 9 Ryan Cortjens + 0:59 10 Thibault Valognes + 1:10
Es gingen 74 Fahrer an den Start des Rennens über vier Runden. Zunächst führte Europameister Loris Rouiller aus der Schweiz das Feld an, bevor er weit zurückfiel und auf dem 16. Platz landete. In der zweiten Runde löste sich Ben Tulett aus einer sechsköpfigen Spitzengruppe und gewann 15 Sekunden Vorsprung. Gegen Ende der dritten Runde holte Weltcupsieger Tomáš Kopecký ihn ein. Als dieser in der Schlussrunde ausrutschte, erhielt Tulett einen entscheidenden Vorsprung und gewann. Er war nach Mathieu van der Poel erst der zweite Fahrer, der in seinem ersten Juniorenjahr Weltmeister wurde.
Frauen U23
Platz Name Zeit (min) 1 37:52 2 + 0:38 3 + 1:04 4 Harriet Harnden + 1:24 5 Fleur Nagengast + 1:40 6 gl. Zeit 7 + 1:59 8 + 2:03 9 Adéla Šafářová gl. Zeit 10 + 2:41
40 Fahrerinnen stellten sich der dritten Austragung der U23-Weltmeisterschaft der Frauen. Der Parcours war in so schlechtem Zustand, dass die Fahrerinnen selbst bergab Mühe hatten, auf dem Fahrrad zu bleiben. Bei Rundenzeiten von über 12 Minuten wurden nur drei Runden gefahren.
Die Vorjahressiegerin Annemarie Worst war altersbedingt in die Elite aufgerückt, doch ihre Vorgängerin Evie Richards war noch immer in der U23 startberechtigt und übernahm gleich in der ersten Runde die Führung, gefolgt von ihrer Landsfrau Harriet Harnden. Letztere wurde in der zweiten Runde von Nadja Heigl und Ceylin del Carmen Alvarado überholt, alle anderen Fahrerinnen kamen für die Medaillen schon nicht mehr in Frage.
Eingangs der dritten Runde stand Richards aufgrund eines Defekts nur noch der kleinste Gang zur Verfügung, doch ihr Vorsprung war so groß, dass ihr Sieg nicht in Gefahr geriet. Im Ziel verlor sie ob der Anstrengung kurzzeitig das Bewusstsein. Alvarado wurde Zweite, Heigl gewann die erste österreichische Medaille der WM-Geschichte. Harnden wurde mit nur 16 Jahren Vierte.
Frauen Elite
Platz Name Zeit (min) 1 49:34 2 + 0:12 3 + 0:26 4 + 0:55 5 + 1:26 6 + 1:45 7 + 1:49 8 + 1:57 9 + 2:10 10 + 2:38
mini|hochkant|Weltmeisterin Sanne Cant
Im Eliterennen der Frauen war das Tempo kaum höher als in der U23, doch wurde eine Runde mehr gefahren. Titelverteidigerin Sanne Cant führte nach der ersten Runde, doch zur Mitte der zweiten stieß Katherine Compton zu ihr. Für den Rest des Rennens kämpften Cant und Compton um den Sieg, während sich eine halbe Minute hinter ihnen Christine Majerus und Lucinda Brand die Bronzemedaille streitig machten. In der letzten Runde verschaffte sich Cant in einer Abfahrt einen kleinen Vorsprung und verteidigte diesen bis ins Ziel. Majerus schwanden am Ende die Kräfte, so dass Brand Bronze holte. Elisabeth Brandau, die nach dem Start ganz hinten im Feld gelegen hatte, wurde nach langer Aufholjagd noch Fünfte.
Cant krönte mit dem Sieg eine Saison, in der sie Welt-, Europa- und Landesmeisterin wurde sowie die Gesamtklassements der drei großen Rennserien Weltcup, Superprestige und Trofee gewann. Compton wurde im Alter von 39 Jahren zum vierten Mal Vizeweltmeisterin. Die anderen Ex-Weltmeisterinnen im Rennen, Marianne Vos (18.), Pauline Ferrand-Prévot (24.) und Thalita de Jong (33.), spielten keine entscheidenden Rollen.
Männer U23
Platz Name Zeit (min) 1 50:54 2 + 0:28 3 Yan Gras + 0:35 4 + 1:25 5 Thijs Aerts + 1:44 6 Antoine Benoist + 1:55 7 Sieben Wouters + 2:25 8 Jakob Dorigoni + 2:56 9 Gage Hecht + 3:04 10 + 3:11
Als Favoriten unter den 61 Fahrern galten der Titelverteidiger Joris Nieuwenhuis, sein Vorgänger Eli Iserbyt sowie Thomas Pidcock, der in seinem ersten U23-Jahr den Weltcup gewonnen hatte. Nieuwenhuis führte nach der ersten Runde, doch nachdem er zu Beginn der zweiten ausglitt und anschließend erst sein Rad, dann noch einen Schuh wechseln musste, zog Iserbyt an ihm vorbei und gewann nach fünf Runden ungefährdet das Rennen. In der vorletzten Runde bekam Nieuwenhuis noch Konkurrenz durch Yan Gras, konnte diesen aber im Kampf um die Silbermedaille bezwingen. Pidcock kam mit den Bodenverhältnissen nicht klar und endete auf dem 15. Platz.
Männer Elite
mini|hochkant|Weltmeister Wout van Aert
Platz Name Zeit (h) 1 1:09:00 2 + 2:13 3 + 2:30 4 + 3:16 5 + 4:29 6 + 4:42 7 + 4:56 8 + 5:21 9 + 5:30 10 + 5:51
Mathieu van der Poel galt als Favorit nach einer Saison mit 26 Siegen in 32 Rennen, viele davon gegen Titelverteidiger Wout van Aert, doch hatte letzterer mit Zeven und Namur zwei Weltcup-Rennen gewonnen, die in puncto Bodenbeschaffenheit bzw. Höhenprofil dem WM-Parcours ähnelten.
Van der Poel ging das Rennen schnell an, van Aert ging mit, und schon nach der ersten Runde lagen nur noch Michael Vanthourenhout und Toon Aerts in Sichtweite. In der zweiten Runde unterliefen van der Poel einige Fehler, und er fiel zu Vanthourenhout zurück. Van Aert baute seine Führung schnell aus, nach der dritten von sieben Runden betrug sein Vorsprung über eine Minute. Van der Poel musste in der fünften Runde auch Vanthourenhout ziehen lassen und wurde zwischenzeitlich noch von Aerts überholt. Van Aert gewann seinen dritten Titel in Folge, dies mit dem größten Vorsprung in einer WM seit 1979. Vanthourenhout wurde Zweiter, van der Poel fasste sich in der letzten Runde nochmal und distanzierte Aerts deutlich im Kampf um den dritten Platz. Nur 22 von 57 gestarteten Fahrern erreichten das Ziel, die übrigen wurden überrundet oder gaben auf.
Weblinks
Berichte und Ergebnisse auf CyclingNews Berichte und Ergebnisse auf Cyclocross Magazine Zusammenfassung des Männer-Rennens auf Sporza
Cyclocross-Weltmeisterschaften 2018 in der Datenbank von ProCyclingStats
Einzelnachweise
#2018 #2018 Kategorie:Radrennen 2018 Kategorie:Sportveranstaltung in Valkenburg aan de Geul