Die 74. Internationalen Filmfestspiele von Cannes wurden vom 6. bis zum 17. Juli 2021 veranstaltet. Das Festival hatte im Vorjahr aufgrund der COVID-19-Pandemie nicht in seiner gewohnten Form stattfinden können. Es stand 2021 erneut unter der Leitung von Präsident Pierre Lescure, während Thierry Frémaux als Generaldelegierter für die künstlerische Leitung verantwortlich war.
mini|hochkant|Spike Lee (2011) Als Jurypräsident des Internationalen Wettbewerbs, in dem unter anderem die Goldene Palme für den besten Film des Festivals an Titane von Julia Ducournau vergeben wurde, fungierte der US-amerikanische Filmemacher Spike Lee. Als Moderatorin („maîtresse de cérémonie“) der Auftaktzeremonie und der abschließenden Preisgala wurde die französische Schauspielerin Doria Tillier ausgewählt.Festival de Cannes 2021: l'actrice Doria Tillier sera la maîtresse de cérémonie. In: francetvinfo.fr, 16. Juni 2021 (abgerufen am 2. Juli 2021).
Offiziell eröffnet wurde das Festival von dem koreanischen Filmemacher Bong Joon-ho, der 2019 für Parasite den Hauptpreis gewonnen hatte. Als Eröffnungsfilm wurde der Musicalfilm Annette von Leos Carax ausgewählt, als Abschlussfilm die französische Komödie OSS 117 – Liebesgrüße aus Afrika von Nicolas Bedos.OSS 117, Alerte rouge en Afrique noire (From Africa With Love) for the Final Screening of the 74th Festival de Cannes!. In: festival-cannes.com, 25. Juni 2021 (abgerufen am 2. Juli 2021).
Bereits vor Festivalbeginn als Laureaten fest standen Jodie Foster und Marco Bellocchio, die mit dem Ehrenpreis des Festivals (Palme d’or d’honneur) ausgezeichnet wurden.
Hintergrund hochkant|mini|Thierry Frémaux, künstlerischer Leiter des Filmfestivals Traditionell finden die Filmfestspiele von Cannes im Mai statt. Der ursprünglich geplante Termin, 11. bis 21. Mai 2021, konnte aufgrund der COVID-19-Pandemie nicht gehalten werden. Frémaux hatte bereits zuvor Ersatztermine für die erste und zweite Juli-Hälfte sowie für die zweite August-Hälfte in Aussicht gestellt (in der ersten August-Hälfte finden traditionell die Sommerferien in Frankreich statt). Wäre die Veranstaltung erst ab Mitte August abgehalten worden, hätte es ein kurzes Zeitfenster zu den konkurrierenden Filmfestspielen von Venedig gegeben, deren 78. Auflage vom 1. bis 11. September 2021 programmiert ist.Biennale Cinema 2021. labiennale.org; abgerufen am 13. Januar 2021.
Das offizielle Programm wurde am 6. Juni 2021 bekannt gegeben.The films of the Official Selection 2021. In: festival-cannes.com, 3. Juni 2021 (abgerufen am 3. Juni 2021). Bis zwei Tage vor Festivalbeginn wurden mehr als ein Dutzend weitere Filme in Nebensektionen nachgemeldet.74th Festival de Cannes: additions to the Official Selection. In: festival-cannes.com, 10. Juni 2021 (abgerufen am 12. Juni 2021).The new film by Mamoru Hosoda will world premiere. In: festival-cannes.com, 4. Juli 2021 (abgerufen am 5. Juli 2021).Cinema for the climate. In: festival-cannes.com, 18. Juni 2021 (abgerufen am 5. Juli 2021).
Offizielle Auswahl Internationaler Wettbewerb 2021 zum wiederholten Mal in den Wettbewerb um die Goldene Palme eingeladen (* = ehemalige Gewinner der Goldenen Palme) Regisseur/-in Einladungen Moretti* 8 Audiard* 5 Dumont, Farhadi, Ozon 4 Carax, Haroun, Penn, Verhoeven, Weerasethakul* 3 Anderson, Corsini, Hamaguchi, Kurzel, Serebrennikow, Trier 2
Wettbewerbsjury Als Nachfolger von Alejandro González Iñárritu, dem Jurypräsident des Jahres 2019, war Mitte Januar 2020 für die 73. Auflage Spike Lee bekannt gegeben worden.Spike Lee, President of the Jury at the 73rd Festival de Cannes. In: festival-cannes.com, 14. Januar 2020; abgerufen am 14. Januar 2021. Er wäre damit der erste afroamerikanischer Künstler gewesen, der diese Aufgabe bei einem der großen Filmfestivals innegehabt hätte.Spike Lee wird Jurypräsident in Cannes. Spiegel Online, 14. Januar 2020; abgerufen am 14. Januar 2021. Nach der Absage der 73. Auflage bestätigte Lee mehrere Male, dass er 2021 erneut als Jurypräsident nach Cannes reisen wird.Cannes: Spike Lee toujours partant pour être le président en 2021. allocine.fr, 12. Mai 2020; abgerufen am 13. Januar 2021.Clayton Davids: Spike Lee on Chadwick Boseman, Donald Trump and How Black and Brown People Rescued New York. variety.com, 7. Oktober 2020; abgerufen am 13. Januar 2021. Eine offizielle Bestätigung seitens der Festivalleitung erfolgte Mitte März 2021.President of the Jury Spike Lee returns for the 74th Festival de Cannes. In: festival-cannes.com, 16. März 2021 (abgerufen am 8. April 2021).
Der Filmregisseur, Drehbuchautor, Filmeditor und -produzent gilt als Begründer und Ikone des New Black Cinema sowie als Entdecker und Förderer anderer schwarzer Regisseure und Schauspieler, darunter die späteren Hollywood-Stars Halle Berry und Denzel Washington.Spike Lee. In. Internationales Biographisches Archiv 24/2016 vom 14. Juni 2016, ergänzt um Nachrichten durch MA-Journal bis KW 49/2019 (abgerufen via Munzinger Online). Lee präsentierte sein Spielfilmdebüt Nola Darling beim Festival von Cannes 1986, wo er auch einen Preis gewann. Mit Do the Right Thing (Wettbewerb 1989), Jungle Fever (Teilnahme 1991), Summer of Sam (Teilnahme 1999) und dem Episodenfilm Ten Minutes Older – The Trumpet (Teilnahme 2002) erhielt er weitere Einladungen. Der große Erfolg stellte sich beim Festival 2018 mit der Einladung von BlacKkKlansman ein, der im Wettbewerb um die Goldene Palme konkurrierte und mit dem Großen Preis der Jury die zweitwichtigste Auszeichnung erhielt. 2020 hätte sein Kriegsdrama Da 5 Bloods in Cannes außer Konkurrenz gezeigt werden sollen, womit nach einem Streit 2017 auch wieder eine Netflix-Produktion in die Auswahl gelangt wäre.
Jurypräsident Spike Lee stehen bei der Vergabe der Festivalpreise acht Jurymitglieder zur Seite, die am 24. Juni 2021 benannt wurden. Zum vierten Mal in der Geschichte des Festivals nach 2009, 2014 und 2018 besteht die Jury mehrheitlich aus Frauen:
Mati Diop, franko-senegalesische Regisseurin (Großer Preis der Jury 2019) Mylène Farmer, franko-kanadische Sängerin Maggie Gyllenhaal, US-Schauspielerin und Regisseurin Jessica Hausner, österreichische Filmregisseurin und Produzentin (Teilnehmerin am Wettbewerb 2019) Mélanie Laurent, französische Schauspielerin Kleber Mendonça Filho, brasilianischer Regisseur (Preis der Jury 2019, Wettbewerbsteilnehmer 2016) Tahar Rahim, französischer Schauspieler Song Kang-ho, koreanischer Schauspieler
Spielfilme Anfang Juni 2020 wurde als erster Wettbewerbsfilm das Historiendrama Benedetta von Paul Verhoeven von Frémaux bestätigt, das bereits 2020 um die Goldene Palme hatte konkurrieren sollen.Jérôme Lachasse: Festival de Cannes: un film déjà sélectionné pour l’édition 2021. bfmtv.com, 4. Juni 2020; abgerufen am 13. Januar 2021. Insgesamt wurden 24 Filmproduktionen in den Wettbewerb eingeladen, darunter drei Projekte von vorherigen Wettbewerbssiegern. Acht Filmemacher konkurrieren zum ersten Mal um den Hauptpreis. Mit Rollen in drei Wettbewerbsfilmen war die französische Schauspielerin Léa Seydoux vertreten, die ihre Teilnahme am Festival aufgrund eines positiven COVID-19-Tests aber absagen musste.Tom Grater, Joe Utichi: Lea Seydoux Officially Cancels Cannes Trip Following Positive Covid Test Last Week. In: deadline.com, 14. Juli 2021 (abgerufen am 14. Juli 2021).
Film Regie Land Darsteller (Auswahl) Annette Frankreich, USA, Mexiko Adam Driver, Marion Cotillard Bergman Island Frankreich, Schweden, Belgien, Deutschland Mia Wasikowska, Vicky Krieps, Tim Roth, Anders Danielsen Lie Benedetta Frankreich, Niederlande Virginie Efira, Daphné Patakia, Charlotte Rampling, Lambert Wilson Drive My Car (ドライブ・マイ・カー)(Doraibu mai kā) Japan Hidetoshi Nishijima, Masaki Okada, Reika Kirishima Flag Day USA Sean Penn, Dylan Penn, Josh Brolin, Miles Teller In den besten Händen(La fracture / The Divide) Frankreich Pio Marmaï, Valeria Bruni Tedeschi, Marina Foïs, Jean-Louis Coulloc’h France Belgien, Frankreich, Luxemburg Léa Seydoux, Blanche Gardin, Benjamin Biolay, Juliane Köhler The French Dispatch Deutschland, USA, Frankreich Timothée Chalamet, Frances McDormand, Bill Murray, Christoph Waltz, Tilda Swinton Die Geschichte meiner Frau(A feleségem története / L’histoire de ma femme / The Story of My Wife) Deutschland, Frankreich, Italien, Ungarn Gijs Naber, Léa Seydoux, Louis Garrel Ha’derech (הדרך)(Le genou d’Ahed / Ahed’s knee) Frankreich, Israel Nur Fibak, Avshalom Pollak Haut et fort(Casablanca Beats) Marokko, Frankreich Anas Basbousi, Ismail Adouab, Meryem Nekkach, Nouhaila Arif Ghahreman (قهرمان)(Un héros / A Hero) Iran, Frankreich Amir Jadidi, Mohsen Tanabandeh, Sarina Farhadi Abteil Nr. 6(Hytti nro 6 / Compartment No. 6) Finnland, Russland, Estland, Deutschland Juri Borissow, Seidi Haarla Les intranquilles(The Restless) Belgien, Frankreich, Luxemburg Leïla Bekhti, Damien Bonnard, Gabriel Merz Chammah, Luc Schiltz Lingui – Heilige Bande(Lingui, the Sacred Bonds) Frankreich, Deutschland Achouackh Abakar, Rihane Khalil Alio, Youssouf Djaoro Memoria Apichatpong Weerasethakul Thailand, Kolumbien, Vereinigtes Königreich, Frankreich, Deutschland, Mexiko, VR China, Schweiz Tilda Swinton, Jeanne Balibar, Elkin Díaz, Daniel Giménez Cacho Nitram Australien Caleb Landry Jones, Judy Davis, Essie Davis, Anthony LaPaglia Les Olympiades(Paris 13th District) Belgien, Frankreich, Luxemburg Lucie Zhang, Makita Samba, Noémie Merlant, Jehnny Beth Petrovy v grippe (Петровы в гриппе)(Petrov’s Flu / La fièvre de Petrov) Frankreich, Russland, Deutschland, Schweiz Semjon Sersin, Tschulpan Chamatowa Red Rocket USA Simon Rex, Bree Elrod, Suzanna Son Titane Frankreich, Belgien Vincent Lindon, Agathe Rousselle, Dominique Frot, Myriem Akheddiou Alles ist gut gegangen(Everything Went Fine) Frankreich Sophie Marceau, André Dussollier, Géraldine Pailhas, Charlotte Rampling Drei Etagen(Three Floors) Italien Riccardo Scamarcio, Margherita Buy, Alba Rohrwacher, Nanni Moretti Verdens verste menneske(Julie (en 12 chapitres)) Frankreich, Norwegen, Dänemark, Schweden Renate Reinsve, Anders Danielsen Lie, Herbert Nordrum
Außer Konkurrenz
Aline (Aline, the Voice of Love) – Regie: Valérie Lemercier (Frankreich, Kanada, Belgien) – mit Valérie Lemercier, Sylvain Marcel, Danielle Fichaud Bac Nord – Regie: Cédric Jimenez (Frankreich) – mit Gilles Lellouche, Karim Leklou, François Civil Bi-Sang-Seon-Eon (Emergency Declaration) – Regie: Han Jae-rim (Südkorea) – mit Song Kang-ho, Jeon Do-yeon, Lee Byung-hun In Liebe lassen (De son vivant) – Regie: Emmanuelle Bercot (Frankreich) – mit Benoît Magimel, Catherine Deneuve, Cécile de France OSS 117 – Liebesgrüße aus Afrika (Abschlussfilm) – Regie: Nicolas Bedos (Frankreich) – mit Jean Dujardin, Fatou N’Diaye, Pierre Niney, Natacha Lindinger, Wladimir Yordanoff Stillwater – Gegen jeden Verdacht (Stillwater) – Regie: Tom McCarthy (USA) – mit Matt Damon, Camille Cottin, Abigail Breslin The Velvet Underground – Regie: Todd Haynes (USA) – Dokumentarfilm Wo ist Anne Frank (Where Is Anne Frank) – Regie: Ari Folman (Belgien, Frankreich, Niederlande, Luxemburg, Israel) – Animationsfilm
Cannes Premières
Diese Reihe wurde erstmals bei der Auflage 2021 für Filme eingeführt, für die kein Platz im Wettbewerb war.Anderson, Farhadi, Moretti und Hansen-Løve im Wettbewerb von Cannes. In: spiegel.de, 3. Juni 2021 (abgerufen am 6. Juni 2021). Belle (竜とそばかすの姫 / Belle: Ryū to Sobakasu no Hime) – Regie: Mamoru Hosoda (Japan) – Animationsfilm Cette musique ne joue pour personne (Love Songs For Tough Guys) – Regie: Samuel Benchetrit (Frankreich, Belgien) – mit François Damiens, Ramzy Bedia, Vanessa Paradis Cow – Regie: Andrea Arnold (Vereinigtes Königreich) – Dokumentarfilm Evolution – Regie: Kornél Mundruczó Dangsin-Eolgul-Apeseo (In Front Of Your Face) – Regie: Hong Sang-soo (Südkorea) Jane par Charlotte (Jane by Charlotte) – Regie: Charlotte Gainsbourg (Frankreich) – Dokumentarfilm