mini|Das Landhaus Die Höhe in Eppenhain im Taunus, Ansicht aus nördlicher Richtung gen Süden, ca. 1912/13 mini|Landhaus Die Höhe, 1920er Jahre Die Villa Hochschild, zeitgenössisch als Die Höhe bzw. mundartlich als Die Höh’ bezeichnet,Renate Samelson: Renate’s Saga, autobiographische Aufzeichnungen mit 12 Fotos, Ann Arbor, Michigan, USA, abgeschlossen im Jahr 2002, 25 Seiten, unveröffentlicht; Renate Samelson (* 8. Dezember 1917 in Frankfurt am Main; † 13. Januar 2003 in Ann Arbor, Michigan, USA) ist die älteste Tochter der Anna Sara Reiner, geb. Hochschild, und deren Ehemanns Paul Reiner; sie war in den 1920er Jahren und bis in die frühen 1930er Jahre hinein zusammen mit ihren Familienangehörigen und weiteren Verwandten wiederholt (belegt durch erhaltene Fotografien) im Landhaus Die Höhe zu Besuch bei ihrer Großmutter Philippine Hochschild (geboren am 7. Juli 1859 in Frankfurt am Main; gestorben am 28. Dezember 1931 ebenda), geborene Ellinger, der Witwe des Bauherrn Zachary Hochschild.Dorf- und Hausbuch der Gemeinde Eppenhain (Taunus), Hausblatt Nr. 19, handschriftlich korrigiert auf: Nr. 23, Schloßbornerstraße No. 19, Hausname: Die Höhe, undatiert. In: Stadtarchiv Kelkheim, Bestand Eppenhain, Dorf- und Hausbuch; Zitiert nach: Faksimile des Originals, übermittelt durch Julian Wirth, Stadtarchiv Kelkheim, 21. Januar 2021Das handschriftlich erstellte Dorf- und Gemeindebuch der Gemeinde Eppenhain wurde im Hinblick auf das Landhaus Hochschild offensichtlich retrospektiv nach dem Zweiten Weltkrieg erstellt, ausweislich der altdeutschen Handschrift und der Orts- und Detailkenntnisse von einer/einem Einwohner/in der Gemeinde, die/der das Geschehen auf dem Anwesen über Jahrzehnte mitverfolgt hat. Dennoch sind die offenbar großteils aus der persönlichen Erinnerung gemachten Eintragungen nicht alle korrekt bzw. teils zweifelhaft und müssen daher mit den anderen zur Verfügung stehenden Quellen abgeglichen bzw. diesen gegenübergestellt werden.Die Bezeichnung Die Höhe bzw. mundartlich Die Höh’ entspricht derjenigen, die regional bis ins späte 18. Jahrhundert pauschal für den Taunus gebräuchlich war. Diese hat sich bis heute in Ortsnamen wie Bad Homburg vor der Höhe erhalten. Die Verwendung dieser Bezeichnung für das Landhaus Hochschild wird im retrospektiv verfassten Dorf- und Hausbuch der Gemeinde Eppenhain ebenso erwähnt wie in Renate Samelsons autobiographischen Aufzeichnungen Renate’s Saga. ist ein heute unter Denkmalschutz stehendes Wohngebäude in Eppenhain im Taunus in Hessen.Villa Hochschild. In: Landesamt für Denkmalpflege Hessen, auf: denkmalpflege-hessen.deDietrich Kleipa: Historische Gebäude in Kelkheim (Taunus) (PDF-Datei; 1 Megabyte), Magistrat der Stadt Kelkheim im Taunus (Hrsg.), undatiert, ohne Verlagsangabe und -ort, S. 10 Die Gründerzeit- bzw. Historismus-Villa des Frankfurter Unternehmers Zachary Hochschild wurde 1911–1912 südlich des Taunushauptkamms errichtet, nordwestlich des kleinen Ortskerns, am westlichen Ausläufer des Atzelberges, an den Gemeindewald Atzelberg angrenzend.Flurplan mit den erworbenen Flurstücken des Herrn Zachary Hochschild, Eppenhain i./T., eigenhändig signiert durch den vereidigten Landmesser Otto Faust, Frankfurt a/M. 1911, abgezeichnet durch den Bauherrn Zachary Hochschild
Charakterisierung mini|Landhaus Die Höhe (links) des Zachary Hochschild mit dem Ortskern (rechte Bildhälfte) von Eppenhain im Taunus, zeitgenössische Ansichtspostkarte, um 1935 Das dezidiert als Landhaus geplante,Bauplan Landhaus Z. Hochschild, Eppenhain i./T., eigenhändig signiert durch Otto Bäppler, Architekt, Frankfurt M. 1911, abgezeichnet durch den Bauherrn Zachary Hochschild an ein Herrenhaus und ansatzweise an eine barocke Sommerresidenz erinnernde herrschaftliche Hauptgebäude Die Höhe steht in Bezug zur umgebenden hügeligen und waldreichen Landschaft. Die Auswahl des Grundstücks an einem Berghang und am Waldrand außerhalb des Ortskerns bietet eine sonnige Lage mit südwestlicher Ausrichtung und erlaubt von der Terrasse des Landhauses einen guten Fernblick. Die Parkseite des Gebäudes bietet direkten Zugang zu einem mit Gras bewachsenen Hang geringen Gefälles, während der Zufahrtsweg rückseitig angelegt wurde.
Die Fassade des eingeschossigen, breit gelagerten Baukörpers wurde auf der Parkseite repräsentativ gestaltet. Sie weist eine gleichmäßige Reihung von Fenstertüren mit Segmentbögen auf, darüber ein hohes ausgebautes Mansarddach, das in seinem unteren Bereich mit Satteldach-, im oberen mit Fledermausgauben besetzt ist.
Der als zweiachsiges Zwerchhaus hochgezogene Mittelrisalit ist mit einem Dreiecksgiebel versehen. Der dem Erdgeschoss an dieser Stelle vorgelegte halbrunde Anbau mit gleicher Fensterreihung dient in der Dachzone als Altan. Der Eingangsbereich auf der Rückseite ist deutlich schlichter ohne Risalit ausgeführt, vor dem mittig angeordneten Eingangsportal befindet sich eine kleine Treppenanlage.
Das Grundstück verfügt über einen weitläufigen Park mit altem Baumbestand, in dem sich seit den 1910er Jahren ein vierflügeliger Gutshof mit Toranlage befindet, im Zentrum des Innenhofes ein Brunnen mit Frauenskulptur.Bauplan Gutshof zum Landhause des Herrn Z. Hochschild, Eppenhain i./T., eigenhändig signiert durch Otto Bäppler, Architekt, Frankfurt M. 1911, abgezeichnet durch den Bauherrn Zachary Hochschild Außerdem wurde nordöstlich des Landhauses am Waldrand ein höher als das Hauptgebäude gelegener Aussichtstempel und eine überdachte Ziehbrunnenanlage errichtet. Zeitgenössische Laternen standen an den Wegen des weitläufigen Parkgeländes.
Als Villa Hochschild ist sowohl das Landhaus als auch der zugehörige Gutshof inkl. Anwesen heute aus historischen und künstlerischen Gründen als Kulturdenkmal ausgewiesen.
Bauherr, Architekt Der in Frankfurt am Main ansässige und beruflich für die Metallgesellschaft AG, die Metallurgische Gesellschaft AG und die Berg- und Metallbank AG tätige Unternehmer und Königliche Kommerzienrat Zachary Hochschild gab das Landhaus für seine Familie als außerhalb der Großstadt liegende Sommerresidenz bei dem in Frankfurt ansässigen Architekten Otto Bäppler in Auftrag, außerdem einen dazugehörigen vierflügeligen Gutshof.
In der Stadt Frankfurt unterhielt die Familie zwei weitere Domizile in der Friedberger Anlage 29 am Bethmannpark, im Zweiten Weltkrieg durch alliierte Bombenangriffe zerstört,Schriftliche Auskunft durch das Institut für Stadtgeschichte in Frankfurt am Main, Tobias Picard, vom 13. Januar 2021 und das heute ebenfalls unter Denkmalschutz stehende spätklassizistische Wohngebäude Feuerbachstraße 19 im Westend.Frankfurt-Westend, Feuerbachstraße 19. In: Landesamt für Denkmalpflege Hessen, auf: denkmalpflege-hessen.de
Geschichte Die veröffentlichten Angaben zum Baujahr der Villa Hochschild schwanken zwischen 1910 und 1914; der erhaltene Bauschein mit der Genehmigung des Königlichen Landrats datiert auf den 27. Mai 1911,Bauschein No. 110 vom 27. Mai 1911, ausgestellt durch den Königlichen Landrat in Homburg vor der Höhe, unter Bezug auf den Antrag vom 1. Mai 1911 auf Erteilung der Bauerlaubnis für ein Landhaus; Zitiert nach: Faksimile des Originals, übermittelt durch das Stadtarchiv Kelkheim, Julian Wirth, 27. Januar 2021 die erhaltenen Baupläne des Architekten weisen alle das Jahr 1911 aus, das retrospektiv nach dem Zweiten Weltkrieg verfasste Dorf- und Hausbuch der Gemeinde hingegen das Jahr 1913. Es ist davon auszugehen, dass der Bau des Landhauses 1911/12 begonnen wurde, der Bau des zugehörigen Gutshofes 1912.mini|Flurplanausschnitt: Anwesen des Zachary Hochschild mit Landhaus, Gutshof und Aussichtstempel in Eppenhain, 1911 Zachary Hochschild erwarb in der Gemarkung Eppenhain im Taunus ein weitläufiges Grundstück, das zuvor als unfruchtbares Ackerland ausgewiesen war.
Die Entscheidung zum Erwerb des Grundstücks (Flur 10, Flurstück 241/2, 241/3) und zur Errichtung des Landhauses fiel zu einem Zeitpunkt,Heidi Stögbauer: Juden in Kelkheim und seinen Stadtteilen. In: Stadt Kelkheim (Hrsg.): Kelkheim in der Zeit des Nationalsozialismus – eine Spurensuche. Societäts-Verlag, Frankfurt am Main 2018. ISBN 978-3-95542-271-4, S. 69–95 (Zitatstelle: S. 71–73) als die Frankfurter den Taunus bereits als Ausflugs- und Erholungsziel nutzten. Der kleinen Gemeinde Eppenhain war sehr daran gelegen, städtische Ausflügler und Gutverdiener in der so genannten Sommerfrische beherbergen und bewirten zu dürfen, aber sie auch als dauerhaft dort residierende Nachbarn zu begrüßen,Die Gemeinde Eppenhain im Taunus warb noch um 1935 offensiv um wohlhabende Neubürger, belegt beispielsweise durch Ansichtspostkarten, auf den gedruckt stand: „Eppenhain i. Taunus, Höhenluftkurort. Nestartig wohlgeborgen und geschützt zwischen den drei Bergfreunden des Hochtaunus: Rossert, Atzelsberg (sic!) und Hainkopf, nach Süden und Südwesten offen liegt das kleine Dörfchen Eppenhain, umrahmt von schönen Laub- und Nadelholzwäldern, eines der schönsten Fleckchen des Taunus. Villenvorort von Frankfurt am Main, Baugelände für Landhäuser vorhanden. Näheres durch das Bürgermeisteramt.“ (Ansichtspostkarte mit Ortsansicht aus der Luft, Nr. 26891/KL/fG 31, Copyright by Luftverkehr Strähle, Schorndorf/Württ. Freig. durch RLM, Aero-Bild-Verlag, Leipzig C1); Zitiert nach: Faksimile der Ansichtspostkarte mit Vogelperspektive, übermittelt durch das Stadtarchiv Kelkheim, Julian Wirth, 27. Januar 2021 da es ihr an Wirtschaftskraft mangelte.
Das Areal habe Zachary Hochschild für 160.000 Goldmark erworben; jährlich seien 13.000 Goldmark Grundsteuern zu entrichten gewesen. Auf dem Gelände in Hanglage wurde ausweislich der Baupläne Boden abgetragen, um das Terrain für den Bau einzuebnen. Das Landhaus sei für rund 1 Million Goldmark errichtet worden, ausgeführt durch die Baufirma Marnet aus Königstein im Taunus. Es ist davon auszugehen, dass der genannte Betrag eine Gesamtsumme darstellt, welche die Errichtung des Gutshofes beinhaltet. Die erwähnten Beträge stellten damals enorme Summen dar, die nur sehr wohlhabende Großbürger aufbringen konnten, vor allem auch die Fixkosten inklusive des Unterhalts für das vielköpfige Hauspersonal.