mini|Griechischer Arzt, 2. Jh. v. Chr. Bakcheios aus Tanagra (, auch Bakchios, latinisiert Bacchius) lebte um 250 bis 200 v. Chr. in Alexandria. Er war ein griechischer Arzt sowie Kommentator und Herausgeber der Schriften des Hippokrates.

Zeitliche Einordnung Aus den erhaltenen Fragmenten seiner Bücher ergibt sich die 2. Hälfte des 3. Jahrhunderts v. Chr. als seine Wirkungszeit: Er war Schüler des Herophilos von ChalkedonGalen XVIII A 187. (um 325–255 v. Chr.) sowie Zeitgenosse des Arztes Philinos von KosErotianos 31, 13. (3. Jahrhundert v. Chr.) und zitierte den Philologen Aristophanes von ByzanzJoseph Klein: Erotiani vocum Hippocraticarum conlectio. Dykiana, Leipzig 1865, S. XXIV. (257–180 v. Chr.). Die Zeitzeugen lebten und lehrten wie er in Alexandria.

Bedeutung Er gehörte zur Alexandrinischen Schule, war einer der frühesten und wichtigsten Kommentatoren (Glossatoren) des Hippokrates von Kos und wurde als solcher in der Antike häufig benutzt und rezipiert (siehe Werk). Er ist grundlegend für die Hippokratesforschung.Max Wellmann: Hippokratesglossare. Springer, Berlin 1931, S. 6: Seine [des Bakcheios] ἒκδοσις [Ausgabe] war die editio princeps [Hauptedition] des alexandrinischen Corpus der sogenannten hippokratischen Schriften. Sie war aufgebaut auf den Handschriften des 4. Jahrhunderts.

Werk Von Bakcheios' Büchern sind nur noch Fragmente (Zitate) erhalten, überwiegend aus seinem dreibändigen Glossar des Hippokrates (). Dieses Glossar wurde von dem griechischen Grammatiker und Hippokrateskommentator ErotianosGriechischer Grammatiker des 1. Jahrhunderts. in seiner Sammlung der Wörter des Hippokrates () 64-mal, außerdem häufig von Galenos zitiert.

Von seinen übrigen Schriften ist kaum etwas erhalten, ihr Inhalt ist weitgehend unbekannt. Sie beschäftigten sich mit der Pulslehre, mit der Pathologie (siehe unten) und der Pharmakologie. Außerdem gab es ein Buch über die Schule des Herophilos: Erinnerungen an Herophilos als auch an die aus seinem Haus [= seine Schüler] ().Galen XVII B 145.

Pathologie und Heilmittel Er lieferte einen Beitrag zur Bestimmung der Blutfüsse, und zwar den des Ausschwitzens, überliefert von Caelius Aurelianus:Differentias etiam fluoris sanguinis veteres quaesierunt … Alii tres, eruptionis (vi manifesta), et putredinis (ex corrosione venarum), et osculationis, quam Graecis anastomosia vocant, ut Erasistratos. Alii quatuor, adjicientes expressionis, sive sudationis, ut Bacchius, adserens ex gingivis sanguinem fluere sine ulla vulneratione et incurationibus fracturarum saepe fasciolarum ligamenta maculis sanguinolentis aspersa reperire (Caelius Aurelianus, ed. Amman, Amsterdam 1755: De morbis acutis et chronicis = Über akute und chronische Krankheiten, Buch II, Kapitel 10: Quot, vel quae sint differentiae fluoris sanguinis = Wie viele, oder welche Unterschiede des Blutflusses gibt es, S. 390). Die Alten erforschten auch die Unterschiede des Blutfusses … Die einen nennen drei, die der Ruptur (durch sichtbare Gewalteinwirkung), und die der Fäulnis (durch das Zerfressen der Adern), und die einer Verbindung, die die Griechen Anastomose nennen, wie Erasistratos. Andere nennen vier, sie fügen einen Begriff hinzu, und zwar den des Ausschwitzens, wie Bakcheios, der hinzufügt, dass das Blut aus dem Zahnfleisch fließe ohne jede Verletzung, und dass man bei der Pflege von Brüchen das Gewebe der Binden oft mit blutigen Flecken benetzt auffinde.

Galenos berichtet, dass Gaius Iulius Caesar ein Malagma (weichmachender Umschlag mit Salbenmischung nach einem Rezept) des Bakcheios angewandt habe. (Galenos, ed. Kühn, Band 13, S. 987: aliud malagma Bacchii, quo Caesar usus est).

Literatur Werner Erwin Gerabek, Wolfgang Wegner und andere (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin 2004, ISBN 978-3-11-015714-7, S. 133–134.

Kurt Sprengel: Geschichte der Medicin im Alterthume. Band 1. 4. Auflage, mit Berichtigungen und Zusätzen versehen von Julius Rosenbaum. Gebauersche Buchhandlung, Leipzig 1846, S. 545 mit Anm. 6–8: Belegstellen und Erklärungen. Heinrich von Staden: Herophilus. The Art of Medicine in Early Alexandria. Cambridge University Press, Cambridge u. a. 1989, ISBN 0-521-23646-0; mehrere Kapitel über die Schüler des Herophilos; Kapitel XIV, S. 484–500: Bakcheios, Fragmente mit englischer Übersetzung und Interpretation.

Max Wellmann: Hippokratesglossare. Springer, Berlin 1931 (PDF); zeigt Bakcheios als wichtige Quelle. Ausgaben Joseph Klein: Erotiani vocum Hippocraticarum conlectio. Dykiana, Leipzig 1865 (Digitalisat; enthält die Fragmente des Bakcheios mit Interpretation). Ernst Nachmanson (Hrsg.): Erotiani vocum Hippocraticarum collectio cum fragmentis. Appelberg, Upsala 1918 (Digitalisat); textkritische Ausgabe des Erotianus mit den Fragmenten des Bakcheios.

Anmerkungen

Kategorie:Mediziner der griechischen Antike Kategorie:Person (Tanagra in der Antike) Kategorie:Grieche (Antike) Kategorie:Person (Alexandria) Kategorie:Geboren im 3. Jahrhundert v. Chr. Kategorie:Gestorben im 3. Jahrhundert v. Chr. Kategorie:Mann