mini|hochkant|Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten in der Luisenstraße, 1958 mini|Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten am Spreekanal 1972 (hinten das Zeughaus Unter den Linden) mini|Fassade des Außenministeriums und Skulpturen der Marx-Engels-Brücke, 1987
Das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten (MfAA) war das Außenministerium der Deutschen Demokratischen Republik. Es befand sich von 1967 bis 1990 auf dem 1965 entwidmeten Schinkelplatz (Hausanschrift Marx-Engels-Platz 2) auf dem Friedrichswerder im Berliner Ortsteil Mitte, unmittelbar neben der Friedrichswerderschen Kirche.
Geschichte des Gebäudes Als erstes Dienstgebäude des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten der DDR wurde seit Ende 1949 die einstige Tierarzneischule in der Luisenstraße 54–56Eigentümer des Gebäudes war vor 1945 der Fiskus: in Berlin genutzt. In diesem Gebäudekomplex hatte nach 1945 die sowjetische Kommandantur ihren Sitz.Jan Foitzik: Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) 1945–1949. Akademie-Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-05-002680-4, S. 450. Die Raumbedingungen in dem leicht umgebauten Schulkomplex waren nach Einschätzung des ehemaligen Protokollchefs Ferdinand Thun, der bis 1956 dort arbeitete, schwierig.Als,amtierender‘ Chef des Protokolls dabei. In: Berliner Zeitung, 29. Juli 1989, S. 13.
So beschloss die Regierung, nach einem umfassenden Wettbewerb zur sozialistischen Neugestaltung des Berliner Stadtzentrums an einem repräsentativen Ort einen kompletten Neubau zu errichten. Entlang des vormaligen Schinkelplatzes entstand von 1964 bis 1967 ein weißes, 145 m langes und zehn Etagen (44 m) hohes Hochhaus. Seine Fläche erstreckte sich vom kriegszerstörten Kommandantenhaus an der Straße Unter den Linden bis zur abgeräumten Berliner Bauakademie am Werderschen Markt, die für ihren Wiederaufbau bereits bis zum Rohbau rekonstruiert worden war. Die Pläne für den dreiteiligen Baukörper stammten von den Architekten Josef Kaiser, Heinz Aust, Gerhard Lehmann und Lothar Kwasnitza. In Veröffentlichungen zu diesem Neubau hieß es, die Fassade sei mit emaillierten Strukturelementen gestaltet worden. Beim Abriss stellte sich jedoch heraus, dass die Elemente aus weißem Kunststoff bestanden.
Zwischen 1995 und 1996 wurde das Gebäude aus städtebaulichen Gründen abgerissen, um Platz für die Rekonstruktion des historischen Stadtgrundrisses unter Neuanlage des Schinkelplatzes und dem Wiederaufbau des Gebäudes der Bauakademie zu schaffen. Lastkähne brachten den Schutt zu einer Recycling-Firma in Berlin-Neukölln.Jetzt beißen Riesenzangen den Beton. In: Berliner Zeitung, 27. Oktober 1995.
mini|hochkant=2.5|zentriert|Der Mensch gestaltet seine Welt – Wandbild von Walter Womacka im ehemaligen Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der DDR, beim Abriss des Gebäudes vernichtet
Außenminister der DDR von 1949 bis 1990 Das Außenministerium war verantwortlich für die auswärtigen Beziehungen der DDR, den Abschluss völkerrechtlicher Verträge und die Leitung des diplomatischen Dienstes. Es wurde durch den Außenminister, mehrere Stellvertreter des Ministers und den Staatssekretär vertreten. Vom tatsächlichen politischen Einfluss her stand der Außenminister hinter dem jeweiligen ZK-Sekretär für Internationale Verbindungen zurück, von 1966 bis 1989 Hermann Axen.
Nr. Name Lebensdaten Bild Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit Partei Amtsdauer in Tagen 1 (1902–1968) 120x120px|zentriert CDU 1192 2 1 (1905–1973) 120x120px|zentriert SED 260 3 (1903–1986) 120x120px|zentriert NDPD 4285 4 (1902–1975) 120x120px|zentriert SED 5 (1923–2020) 120x120px|zentriert SED 5520 6 (* 1952) 120x120px|zentriert SPD 131 7 2 (* 1940) 120x120px|zentriert CDU 44
1 kommissarisch 2 kommissarisch in Personalunion mit dem Amt des Ministerpräsidenten nach dem Rückzug der SPD aus der Regierung
Staatssekretäre/1. Stellvertretende Minister Otto Winzer (SED, 1959–1965), Staatssekretär und 1. Stellvertretender Minister Günter Kohrt (SED, 1966–1973), Staatssekretär Josef Hegen (SED, 1966–1968), Staatssekretär und 1. Stellvertretender Minister Ernst Scholz (SED, 1968–1973), Staatssekretär und 1. Stellvertretender Minister Oskar Fischer (SED, 1973–1975), Staatssekretär und 1. Stellvertretender Minister Herbert Krolikowski (SED, 1975–1990), Staatssekretär und 1. Stellvertretender Minister, zuständig für Kader und Ausbildung, Personal, sozialistische Integration, Südosteuropa, die UdSSR und andere sozialistische Länder Alfred Bruno Neumann (SED, 1968–1990), Generalsekretär des MfAA Frank Tiesler (DSU, 1990), Staatssekretär Hans-Jürgen Misselwitz (SPD, 1990), Staatssekretär Helmut Domke (parteilos, 1990), Staatssekretär
Stellvertretende Minister Stellvertretende Minister und deren Zuständigkeiten um Oktober 1984: Peter Florin (SED, 1973–1989), zuständig für Konsularangelegenheiten, Information, Kultur, Rechts- und Vertragsangelegenheiten, Reisen sowie Angelegenheiten der Vereinten Nationen und der UNESCO Gerd König (SED, 1982–1986), zuständig für Afrika, Lateinamerika, Naher Osten, Naher und Ferner Osten sowie Süd- und Südostasien Bernhard Neugebauer (SED, 1978–1990), zuständig für Grundsatzfragen, Internationale Informationen, Presseangelegenheiten und -beziehungen Kurt Nier (SED, 1973–1989), zuständig für Parlamentarische Kontakte, Australien, Japan, Nordeuropa, West-Berlin, Westdeutschland, Westeuropa und die Vereinigten Staaten Harry Ott (SED, 1982–1990), Ministerialrang als Ständiger Vertreter der DDR bei den Vereinten Nationen
Siehe auch Außenpolitik der DDR Liste der Botschafter der DDR Liste der deutschen Außenminister
Literatur Irma Leinauer: Das Außenministerium der DDR. Geschichte eines politischen Bauwerkes. Technische Universität Berlin, Universitätsbibliothek, Abt. Publikationen, 1996, ISBN 978-3-7983-1715-4. Dorothea Tscheschner: Das abgerissene Außenministerium der DDR in Berlin-Mitte: Planungs-und Baugeschichte. Kulturbuch-Verlag, Berlin 1997, ISBN 978-3-88961-027-0. Alexander Muschik: Die beiden deutschen Staaten und das neutrale Schweden. Eine Dreiecksbeziehung im Schatten der offenen Deutschlandfrage 1949–1972. Münster 2005, ISBN 3-8258-9044-9. Hermann Wentker: Außenpolitik in engen Grenzen. Die DDR im internationalen System. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2007, ISBN 978-3-486-58345-8 (= Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte).
Weblinks
DDR-Außenministerium: Ein Neuanfang mit großen Plänen. Orte der Einheit (Haus der Geschichte).
Einzelnachweise
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