mini|Pour-le-Mérite-Träger Georg Sick im Feld Die ab 1938 als Sick-Kaserne bezeichnete Garnison in Neumünster beherbergte von 1872 bis 1897 eine Abteilung des Schleswig-Holsteinischen Feldartillerie-Regiments Nr. 9. Von 1897 bis 1918 war sie Heimat für das Schleswig-Holsteinische Infanterie-Regiment Nr. 163 der preußischen Armee. Nach einer zivilen Nutzung in der Weimarer Republik bezog die Wehrmacht 1934 mit dem Infanterieregiment 46 die Kaserne. 1938 erhielt sie ihren Namen nach dem preußischen Offizier Georg Sick. Nach der Befreiung Neumünsters durch die Alliierten nutzten britische Truppen, Polizei und Technisches Hilfswerk Teile der Kaserne, während andere Bereiche noch bis 1957 für die Unterbringung von Displaced Persons (Person, die nicht an diesem Ort beheimatet ist) dienten. Ab 1956 waren der Stab der Panzerbrigade 18 sowie weitere Einheiten der 6. Panzergrenadierdivision hier untergebracht. Die Kaserne umfasste etwa 7,56 Hektar. Nach ihrer Aufgabe durch die Bundeswehr Ende September 1994 wurde der technische Bereich der Kaserne abgerissen und es wurden dort Wohngebäude errichtet. Die denkmalgeschützten Kasernengebäude wurden erhalten und zu Wohnungen sowie einem Pflegeheim und einer Einrichtung für betreutes Wohnen umgenutzt.
Bau und Nutzungsgeschichte Als in Neumünster am 1. Oktober 1872 ein Bataillon des Infanterieregiments 85 und im November 1872 eine reitende Abteilung des Schleswig-Holsteinischen Feldartillerie-Regiments Nr. 9 stationiert wurden, fehlte es zur Unterbringung an einer Kaserne, so dass die Einheiten zunächst interimsweise Unterkünfte in mehreren Gebäuden im Stadtgebiet beziehen mussten. Die Stadt entschloss sich daher, an der Kreuzung der heutigen Werderstraße mit der Wippendorfstraße eine Artilleriekaserne zu errichten. Die Kosten für Zwischenunterkünfte und Kasernenneubau beliefen sich auf 76.000 Taler. Es entstanden 1873 das Hauptgebäude, ein Unterkunftsgebäude, Stallungen, Geräteschuppen und eine Reithalle. 1897 wurde die Artillerieabteilung nach Itzehoe verlegt. Für eine neue Stationierung von Militär wurde von der Stadt eine große zentrale Kaserne gefordert, die einem Regiment Platz bieten konnte. Neumünster erklärte sich trotz der Baukosten von 1.683.450 Reichsmark zur Erweiterung der Kasernenanlagen bereit. Im Gegenzug mietete die Preußische Armee für 25 Jahre die Kaserne zu einem jährlichen Mietzins von 101.007 Reichsmark. Am 1. April 1897 zogen zwei Bataillone des Infanterieregiments 163 mit 1.100 Mann zwar in die Kaserne ein. Die Bauarbeiten an den einzelnen Gebäuden waren jedoch längst nicht abgeschlossen. Erst am 19. August 1899 konnte mit dem Offizierskasino der vorerst letzte Bau seiner Bestimmung übergeben werden. Insgesamt waren vier Unterkunfts-, ein Wirtschafts- und ein Stabsgebäude sowie eine Wache und die Offiziersspeiseanstalt entstanden. 1913 wurde ein weiteres Gebäude für die neu geschaffene MG-Kompanie des Infanterieregiments im Bereich südlich der Roonstraße übergeben. Im August 1914 verließ das Infanterieregiment 163 Neumünster in den Ersten Weltkrieg. Am 27. November 1918 wurde das Regiment außer Dienst gestellt und am 19. August 1920 die Kaserne durch die Reichswehr aufgegeben. Die Stadt Neumünster nutzte die Gebäude daraufhin zivil für Wohnungen, Kataster- und Finanzamt sowie Gewerbebetriebe um. Obwohl nach dem Versailler Vertrag die Größe der Reichswehr begrenzt war, betrieben die Nationalsozialisten ab 1933 systematisch die Aufrüstung. Am 25. April 1934 kaufte das Dritte Reich von der Stadt Neumünster die Kaserne für 1,4 Millionen Reichsmark. Bis zum 3. September 1934 war die Kaserne geräumt, so dass am 4. Oktober 1934 das durch Abgaben aus dem Infanterieregiment 6 gebildete Infanterieregiment 46 mit Stab und einem Bataillon in das Objekt einziehen konnte. Gleichzeitig begannen Umbauarbeiten. 1938 wurde die Kaserne nach dem preußischen Offizier und ehemaligen Kommandeurs des Infanterieregiments 163 Georg Sick als „Sick-Kaserne“ offiziell benannt. Im Oktober 1944 wurden Teile der Kaserne, die 1873 als Artilleriekaserne errichtet worden waren, durch Bomben getroffen. Das ehemalige Hauptgebäude sowie Stallungen, Geräteschuppen und Reithalle wurden größtenteils zerstört. Die ab 1897 hinzugekommenen Teile der Kaserne blieben hingegen weitgehend unversehrt. Am 3. Mai 1945 wurde Neumünster kampflos den alliierten Truppen übergeben. Ein Gebäude wurde kurzfristig durch britische Truppen genutzt. Von 1949 bis 1958 nutzte die Polizeidirektion und das Technische Hilfswerk Teile der Kaserne. Hauptsächlich wurden jedoch bis 1957 Flüchtlinge und andere Displaced Persons untergebracht. Der 1948 geplante Bau eines Lichtspieltheaters auf dem Kasernengelände kam nicht zustande. Ab 1956 begann mit der Bildung der Bundeswehr die erneute militärische Nutzung der Sick-Kaserne: am 30. April warb eine Auskunftsstelle für den Dienst bei der Bundeswehr und am 5. Juli wurde die Standortverwaltung hier eingerichtet.Rolf Postel: Neumünster als Garnisonsstadt 1872–2003, in: Marianne Dwars/Alfred Heggen (Hrsg.): Neumünster. Stadt im Wandel 1870–2020. 1. Auflage, Kiel/Hamburg 2019, S. 140–145 m. w. N.
Die Panzerbrigade 18 war in der Sick-Kaserne mit Stab und Stabskompanie beheimatet. Sie war aus der am 1. Juli 1956 in Neumünster aufgestellten Kampfgruppe B 1 entstanden, die zunächst in Kampfgruppe B 6 zum 1. April 1958 umbenannt wurde. Am 16. März 1959 erfolgte aus Teilen der Kampfgruppe B 6 die Bildung der Panzerbrigade 18 der 6. Panzergrenadierdivision. Am 26. April 1988 erhielt sie den Beinamen „Holstein“ verliehen. Sie verblieb bis zum 1. Halbjahr 1994 in der Sick-Kaserne in Neumünster und musste sodann aufgrund der Aufgabe dieser Liegenschaft in die Hindenburg-Kaserne umziehen. Am 17. September 1997 wechselte sie von der aufgelösten 6. zur 14. Panzergrenadierdivision „Hanse“. Am 4. April 2003 verlegte die Panzerbrigade 18 „Holstein“ mit ihrem Hauptquartier aus der zu räumenden Hindenburg-Kaserne in Neumünster nach Boostedt in die Rantzau-Kaserne. Ihre Zeit in der Boostedter Kaserne währte allerdings nicht lang: zum 31. Dezember 2008 wurde sie außer Dienst gestellt.Uwe Walter: Die Strukturen und Verbände des deutschen Heeres, Teil 1: I. Korps (1956 – 1995), 1. Auflage, Berlin 2017, S. 166
Das Panzerjägerbataillon 3 wurde ab dem 24. Juli 1956 in der Sick-Kaserne aufgestellt. Doch bereits Anfang 1957 erfolgte die Verlegung in die Scholtz-Kaserne in Neumünster. Das Bataillon wurde am 16. März 1959 wieder aufgelöst. Teile wurden am 1. April 1959 zur Aufstellung des Panzerbataillon 184 verwendet. Des Weiteren wurde die 1. Kompanie zur Panzerjägerkompanie 320, die 2. Kompanie zur Panzerjägerkompanie 170 und die 3. Kompanie zur Panzerjägerkompanie 160 umgegliedert. Die Einheiten kamen teilweise an neue Standorte.
Durch die Verlegung des Panzerjägerbataillons 3 wurde Platz für das Quartiermeisterbataillon 3. Diese Einheit war am 16. Juli 1956 bei Strande-Altbülk in der Anlage Belvedere, einer ehemaligen Marinekaserne, aufgestellt worden. Mit zwei Transport- und einer Stabskompanie kommt das Bataillon am 1. April 1957 in die Sick-Kaserne nach Neumünster. Aber auch diese Einheit verweilt hier nur kurz: am 15. März 1958 geht es weiter nach Delmenhorst in die Caspari-Kaserne. Dort wird es zunächst am 1. April 1959 zum Versorgungsbataillon 316 umgegliedert. Am 30. Mai 1973 wird aus ihm das Versorgungsbataillon 11 und zum 1. Oktober 1975 das Nachschubbataillon 11. Am 31. Dezember 2003 erfährt es in Delmenhorst schließlich die Auflösung.
Die leichte Feldzeuginstandsetzungskompanie 6, die 1957 in der Steuben-Kaserne in Achim für die 6. Panzergrenadierdivision aufgestellt worden war, wurde im Januar 1958 in die Sick-Kaserne nach Neumünster verlegt und im Zuge der Umstellung auf die Heeresstruktur 2 im Jahre 1959 aufgelöst.
Am 1. März 1958 wurde in der Sick-Kaserne das Fernmeldebataillon 6 der 6. Panzergrenadierdivision aufgestellt, jedoch am 6. und 7. April 1959 in die Hindenburg-Kaserne in Neumünster verlegt. Dort blieb es und wurde am 1. April 1993 zum Stabs- und Fernmeldebataillon 6 umgegliedert. Mit Auflösung der Division trat es zum 31. März 1997 außer Dienst.
Das Feldartillerieregiment 6 erlebte ab 1. Oktober 1958 in der Sick-Kaserne seine Aufstellung. Am 16. März 1959 wurde es in Artillerieregiment 6 umbenannt. Die Aufstellung der Stabsbatterie war zum 1. September 1959 abgeschlossen. Die Bildung der dem Regiment unterstellten Einheiten erfolgte schrittweise an anderen Standorten. Am 1. März 1965 verlegte das Artillerieregiment in die neu errichtete Kaserne nach Kellinghusen. Dort wurde es schließlich am 31. März 1997 aufgelöst.
Des Weiteren konnte ab 1. April 1959 in der Sick-Kaserne in Neumünster das Versorgungsbataillon 186 der Panzerbrigade 18 gebildet werden. Diese Einheit verblieb bis zum 30. September 1972 in der Kaserne, wobei die einzelnen Kompanien an unterschiedlichen Standorten untergebracht waren. Die 1. Kompanie des Bataillons ging sodann zum 1. Oktober 1972 in der 1./Versorgungsbataillon 6 mit neuem Standort in der Rantzau-Kaserne in Boostedt auf. Aus der 3. Kompanie wurde die Instandsetzungskompanie 180 und aus der 4. Kompanie die Nachschubkompanie 180. Die 2. Kompanie war als Geräteeinheit bereits am 1. Juli 1972 dem Sanitätsbataillon 6 unterstellt worden.
Auch das Verbindungskommando Luftwaffe zu Brigadekommando Panzerbrigade 18 war ab 1. April 1959 in der Sick-Kaserne untergebracht und verblieb hier bis zu seiner Auflösung.
Am 1. Oktober 1961 zog in die Sick-Kaserne der Panzerspähzug 180 der Panzerbrigade 18 ein. Diese Einheit war aus der am 16. September 1958 in der Scharnhorst-Kaserne in Lingen (Ems) aufgestellten Panzeraufklärungskompanie 180 entstanden. Die Kompanie, die am 7. Januar 1959 zunächst in die Anlage Belvedere nach Strande-Altbülk und im August 1959 in die Freiherr-von-Fritsch-Kaserne nach Breitenburg verlegt worden war, wurde am 30. September 1961 schließlich aufgelöst. Der aus ihr hervorgegangene Panzerspähzug 180 blieb als Brigadespähzug in der Sick-Kaserne, bis er 1980 als IV. Zug der 4. Kompanie in das Panzeraufklärungsbataillon 6 in Eutin integriert wurde.
In der Sick-Kaserne war die Bundeswehrfachschulkompanie Neumünster ab 1. November 1965 bis zur Aufgabe der Liegenschaft stationiert.
Mit der Bildung des Territorialkommandos Schleswig-Holstein der Territorialverteidigung am 1. Juli 1969 erfolgte auch die Aufstellung des Sanitätskommandos 600 in der Sick-Kaserne. Im Zusammenhang mit der Auflösung des Territorialkommandos Schleswig-Holstein zum 31. März 1994 wurde auch das Sanitätskommando 600 außer Dienst gestellt.
Die aus der aufgelösten 4./Versorgungsbataillon 186 hervorgegangene Nachschubkompanie 180 der Panzerbrigade 18 verblieb zunächst in der Sick-Kaserne in Neumünster. Zwischen dem 28. November und dem 20. Dezember 1984 verlegte sie in die Rantzau-Kaserne nach Boostedt. Hier löste sie sich am 31. März 1994 auf und ging in der 2. und 6. Kompanie des Nachschubbataillons 6 auf.
Die aus der Ausbildungskompanie 9/6 am 1. Oktober 1980 hervorgegangene und in der Lettow-Vorbeck-Kaserne in Bad Segeberg stationierte Ausbildungskompanie Stabsdienst/Militärkraftfahrer 2/6 kam am 1. April 1985 in die Sick-Kaserne nach Neumünster. Sie sollte in Neumünster lediglich temporär bis zum Abschluss von Sanierungsarbeiten an der Segeberger Kaserne verbleiben. Sie wurde am 1. Juli 1987 dem Panzerartilleriebataillon 185 unterstellt, verblieb jedoch bis zu ihrer Auflösung hier.Bernd Förstenberg/Heimatverein des Kreises Segeberg e. V. (Hrsg.): Bad Segeberg - 30 Jahre Garnison. In: Heimatkundliches Jahrbuch für den Kreis Segeberg 1992, 38. Jg., Verlag C. H. Wäser, Bad Segeberg, S. 148