Bramsche ist ein Stadtteil von Lingen (Ems) im Landkreis Emsland in Niedersachsen. Bis 1974 war Bramsche Teil der Gemeinde Bramsche-Wesel und bildet seitdem zusammen mit den anderen Orten der ehemaligen Samtgemeinde Bramsche eine Ortschaft. Bramsche liegt an der B 70, die von Neermoor über Rheine nach Wesel am Niederrhein führt. Der Ort ist Mittelpunkt von acht Bauerschaften: Kring, Wesel, Sommeringen, Hüvede, Mundersum, Estringen, Rottum und Polle, die zum Teil früher Gemeinden waren.
Landschaft Die Landschaft um Bramsche ist geprägt von der Ems, dem Dortmund-Ems-Kanal und der Aa. Westlich des Ortsteils liegt das Landschaftsschutzgebiet Aaberge. Der renaturierte Südbach wurde zum Naturdenkmal erklärt. Ein Naturdenkmal war auch die so genannte „1000-jährige Eiche“, die angezündet und dadurch weitgehend zerstört wurde; es steht nur noch der Stamm. Zur Erholung der Einwohner dient eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete des Emslandes. Natur aus „zweiter Hand“ stellt der Seitenkanal Gleesen-Papenburg dar. Der Seitenkanal wurde vor dem Krieg als neues Kanalbett von Gleesen bis nach Papenburg geplant, aber nie fertiggestellt.
Geschichte Frühgeschichte Ausgrabungen sowie Hügel- und Steingräber (Großsteingrab Mundersum, Großsteingrab Mundersumer, Sand. Großsteingrab Gleesen Großsteingräber und Hügelgräber Gleesen. und Großsteingrab Bramsche-Wesel Großsteingräber und Hügelgräber Bramsche-Wesel.) belegen, dass in der Gegend von Bramsche schon in der mittleren Jungsteinzeit (ca. 4.000–2.000 v. Chr.) Menschen siedelten. Diese Großsteingräber wurden während der Trichterbecherkultur errichtet. In der Nähe des Großsteingrabes Mundersumer Sand fand der Heimatforscher Heinrich Bröcker reichverzierte Scherben und rund 50 Urnen. Er entdeckte zudem südlich von Bramsche an der Surbecke, etwa 200 Meter von der Weseler Straße entfernt, einen weiteren Urnenfriedhof.Helen Strube, Gestern und Heute (Die Entwicklung der Volksschulen in Bramsche, Mundersun und Estringen), Heimatverein Lingen-Bramsche, 1999, S. 45. In der Nähe der Bauerschaft Mundersum, nördlich von Bramsche, entdeckte der Heimatforscher Franz Wolf des Weiteren insgesamt 55 ur- und frühgeschichtliche Stätten, Steingräber mit Waffen, Gefäßen und Geräten aus der Steinzeit (4000–2000 v. Chr.), eine steinzeitliche Grubenwohnung, Hügelgräber aus der Bronzezeit mit zahlreichen Urnenfunden (2000–750 v. Chr.) sowie eine germanische Eisenschmelze in der Bauerschaft Hüvede.Helen Strube, Gestern und Heute (Die Entwicklung der Volksschulen in Bramsche, Mundersun und Estringen), Heimatverein Lingen-Bramsche, 1999, S. 127. In der Nähe der Bauerschaft Estringen, auf dem Lüberg, entdeckte des Weiteren der Heimatforscher Heinrich Timmerbeil eine Grabstätte mit mehreren Urnen und Grabbeigaben aus der Zeit um 800 n. Chr. Unter den Grabbeigaben befand sich eine Kette mit über 60 haselnuss-großen Tonperlen mit einem Verschluss aus Bronze. Dieser Fund ist im Städtischen Museum von Osnabrück ausgestellt.Helmut H. Boyer, Funde vom Lüberg, Jahrbuch des Emsländischen Heimatbundes, Bd. 30, 1984.
Mittelalter mini|Pfarrkirche St. Gertrudis Um das Jahr 1000 erschien Bramsche erstmals namentlich im Werdener Urbar als Teil des Venkigaus. Das Corveyer Heberegister erwähnt Bremesge ebenfalls um 1000. In einer Urkunde von 1463 heißt es: Bramesche op den Huuetfelde in den Ampte von Lynge belegen. Bramsche gehörte in der Neuzeit zur Grafschaft Lingen. Historische Karte der Grafschaften Lingen und Tecklenburg.
Im 15. Jahrhundert wurde südlich von Bramsche an der Großen Aa die Burg Spyck errichtet, deren Besitzer die münsterländische Familie von Senden gewesen sein soll. Allerdings sind bis heute keinerlei Aufzeichnungen bzw. Dokumente gefunden worden. Ebenso wurden keine Burgreste wie Fundamente auf dem heutigen Gutsbezirk entdeckt. Nachgewiesen ist, dass die Familie von Senden zwischen 1412 und 1463 Besitzer war. Die urkundlich erwähnte Burg Bramsche im Dorfkern, mit seinem Burgherrn Ritter Otto von Grothaus war zu dieser Zeit bereits zerstört.
Die Zeit der Reformation Konrad von Tecklenburg-Schwerin, Graf der Grafschaft Lingen, führte 1543 die Reformation ein, so auch in Bramsche. Seelsorger in Bramsche wurde der calvinistische Prediger Joh. Horstel. Nach der Niederlage des Schmalkaldischen Bundes musste Konrad von Tecklenburg-Schwerin im Jahr 1548 die Grafschaft Lingen abtreten. Durch den Verlust seiner Regentschaft im Jahre 1548 wurde Bramsche wieder katholisch. (PDF; 65 kB) Reformed History and Theology (Lesson 4: Reformed Confessionalisation in Germany and Upper Germany), Georg Plasger, 2004. Von 1597 bis 1605, als die Grafschaft Lingen Teil der Utrechter Union war, predigte Pfarrer Albertus Hoett in Bramsche. Geschichte des Kreises Lingen: Die allgemeine Geschichte, R von Acken, S. 218 und 223. Nachdem der Prinz von Oranien die Grafschaft Lingen erneut 1633 in Besitz genommen hatte, ließ er die Pfarreien in der Grafschaft mit calvinistischen Predigern besetzen; die kleinere Gemeinde Bramsche wurde den Katholiken gelassen. Geschichte des vormaligen münsterschen Amtes Meppen von J. B. Diepenbrock, S. 371. Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges bekam auch die Gemeinde Bramsche einen calvinistischen Prediger. Die Kirchenverordnung der Oranier verbot es, dass katholische Priester und Küster in Bramsche wirkten, sodass die Bramscher Katholiken bis zum Jahre 1702 in der Tegder Scheune in Gleesen zur Messe gingen.Helen Strube, Gestern und Heute (Die Entwicklung der Volksschulen in Bramsche, Mundersun und Estringen), Heimatverein Lingen-Bramsche, 1999, S. 12.
Das 19. Jahrhundert Durch die Annexion nordwestdeutscher Gebiete ab dem 1. Januar 1811 durch das napoleonische Kaiserreich wurde Bramsche Teil Frankreichs. Es gehörte zum Département de l’Ems-Supérieur (Departement Ober-Ems). Das napoleonische Kaiserreich brachte die Errungenschaften der Französischen Revolution nach Bramsche, den Liberalismus: Rechtsgleichheit, die Reisefreiheit, die Gewerbefreiheit, die Trennung von Kirche und Staat, den Schutz des Privateigentums und den Code civil („Code Napoléon“). Im November 1813 endete mit den Befreiungskriegen die französische Herrschaft über Bramsche.
Durch den Verzicht Preußens auf die Grafschaft Lingen wurde 1814 Bramsche Teil des auf dem Wiener Kongress neugegründeten Königreiches Hannover. Am 25. Juni 1822 erfolgte durch die Kulturverordnung (sowie des Nachtrages von 12. März 1824) des Königreiches Hannover die rechtliche Weisung zur Simultannutzung der Bramscher Kirche. Diese Verordnung wurde aber schon 1827/1830 aufgrund des nicht endenden Streites um die Kirchennutzung wieder aufgehoben. Im Jahre 1848 wurde die Bramscher Kirche den Katholiken, mit einem Drittel des Kirchenvermögens, übertragen. Der protestantische Pfarrer der Bramscher Gemeinde wurde drauf hin Pfarrer in Baccum.Geschichte des Kreises Lingen: Die allgemeine Geschichte R. von Acken, S. 360 und 400. Im Rahmen der Kulturverordnung wurde zudem am 14. September 1825 die Aufsicht über die Schule in Bramsche katholischen Lehrern angetragen. Nach dem verlorenen Österreichisch-Preußischen Krieg von 1866 annektierte Preußen das Königreich Hannover, das zur preußischen Provinz Hannover wurde. Somit wurde Bramsche durch die Annexion des Königreiches Hannover Teil des deutschen Zollvereins.
Das 20. Jahrhundert mini|Gedenkstätte der Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges
Die Zeit des Ersten Weltkrieges von 1914 bis 1918 brachte die Zwangsverpflichtung vieler Bramscher zum Kriegsdienst. Insgesamt 43 Bramscher fielen vornehmlich an der Westfront.
Im Zweiten Weltkrieg, am 7. April 1945, wurde Bramsche nach viertägigen Kämpfen durch britische Truppen besetzt. Unter den vielen Gebäuden, die beschädigt wurden, befand sich die Schule und der Gasthof Heskamp. Die Pfarrkirche St. Gertrudis trug ebenfalls einige Schäden davon. Das Kirchendach war schwer beschädigt und die Kirchenfenster waren zertrümmert. Bei den Kämpfen in Bramsche wurden elf deutsche Soldaten getötet und in zwei Massengräbern an der Kirche beigesetzt. Zudem befand sich zwischen Bramsche und Gleesen eine Flak-Stellung. Dieses Gelände wird heute durch einen Hundeverein genutzt. Wesel, mit dem Militärflugplatz Plantlünne/Wesel, konnte erst am 9. April 1945 durch britische Truppen besetzt werden.
In Wesel, beiderseits der Bundesstraße 70 in Höhe der Mülldeponie Venneberg, befand sich der Militärflugplatz Plantlünne/Wesel mit der III./Jagdgeschwader 26. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges war der Flugplatz, auf dem 60 bis 120 Flugzeuge standen, einsatzfähig. Der Flughafen wurde von Strafgefangenen errichtet. Diese zogen in langen Kolonnen, von Wärtern bewacht, vom Militärflugplatz Plantlünne/Wesel zum Dortmund-Ems-Kanal, um dort mit Schaufeln und bloßen Händen Schiffsladungen mit Baustoffen und Pflastermaterial für den Flugplatzausbau auf Feldbahnloren oder Lkw zu verladen.Alfons Wolbers – St. Gertrudis-Pfarrgemeinde in Bramsche. Nach mehreren Bombardierungen nahmen die Briten am 9. April 1945 den Flugplatz in Besitz und flogen von dort aus britische Einsätze. Ein tragischer Irrtum nahm hier am 3. Mai 1945 seinen Anfang. Britische Kampfflugzeuge stiegen auf und versenkten in der Lübecker Bucht die Cap Arcona und Thielbek, auf denen sich zahlreiche KZ-Häftlinge des KZ Neuengamme befanden. Militärgeschichte im Gebiet Niedersachsen und Bremen.
Bramsche wurde nach dem Zweiten Weltkrieg durch polnische Truppen besetzt und war Teil der britischen Besatzungszone. Erst nach dem Abzug der polnischen Truppen im April 1947 konnte der Schulhof und die Lehrerwohnung wieder durch die Gemeinde in Obhut genommen werden.Helen Strube, Gestern und Heute (Die Entwicklung der Volksschulen in Bramsche, Mundersun und Estringen), Heimatverein Lingen-Bramsche, 1999, S. 57. Im Zweiten Weltkrieg fielen 59 Bramscher als Kriegsverpflichtete.
Die Nachkriegszeit war durch die Not der Heimatvertriebenen geprägt. Zu dieser Zeit waren zeitweise zwei Drittel der Bevölkerung Bramsches Flüchtlinge. Nach 1950 entwickelte Bramsche sich von einer landwirtschaftlich geprägten Gemeinde zu einem Ort mit geschäftlicher und handwerklicher Orientierung. Es sind außerdem mehrere große Industriebetriebe und das Kernkraftwerk Lingen hier angesiedelt. Im Jahr 1964 schlossen sich die vier Gemeinden Bramsche-Wesel, Sommeringen-Hüvede, Mundersum und Estringen zur Samtgemeinde Bramsche zusammen. Diese wurde zehn Jahre später zu einem Stadtteil von Lingen (Ems).
Am 1. März 1974 wurde die Gemeinde Bramsche-Wesel in die Stadt Lingen (Ems) eingegliedert.
Herleitung der Namen und Geschichte der Ortschaften Beim Namen Bramsche (alt: Bremesge, später Bramesche) leitet sich das Bestimmungswort von germ. brem, bram = Dorn, Stachel; aus idg. bhrom/bhrem = eine Spitze bilden, vgl. althochdtsch. bráma = Dornstrauch, Dornengestrüpp. Evtl. kann bram auch für Ginster stehen. Das Grundwort esge wird noch plattdtsch. als eske = (Esch), für eine Fläche ohne Baumbestand benutzt. Es handelte sich somit entweder um einen mit Dornengestrüpp bewachsenen, baumlosen Versammlungsort oder einen Esch im Ginstergelände.
Kring, von germ. crange = kreisförmiger Ort; ursprüngliches Gebiet der Gerichtsbarkeit und des Asylrechts der Herrschaft des Gutes Spyck. Die hier vorhandenen Höfe waren alle eigenhörig. Der Sage nach soll die Größe dieses Ortes durch Umspannen mit einem Seidenfaden festgestellt worden sein. Kring war nicht selbstständig. Die Verwaltung erfolgte durch Bramsche.
Wesel (alt: Weselo), von wis = Wasser und lo, loh = Gehölz bedeutet Holzbestand in nassem Gelände. Wesel liegt südlich von Bramsche. Hier sind, besonders in Lögerings Tannen, viele vorgeschichtliche Funde gemacht worden.