mini|hochkant=1.3|Die Rennsieger Baconin Borzacchini und Amedeo Bignami im Alfa Romeo 8C 2300 Spider Touring am Raticosapass mini|hochkant=1.3|Die zweitplatzierten Carlo Felice Trossi und Antonio Brivio am Futapass mini|hochkant=1.3|Rudolf Caracciola bei seiner Fahrt zur Führung in Rom mini|hochkant=1.3|Zwei Fiat 514 bei Radicofani. Vorne der Wagen von Arturo Mercanti, dahinter der CA Spider der Bettinazzi-Brüder Die sechste Mille Miglia fand am 10. und 11. April 1932 statt. Sie führte über 1635 km von Brescia nach Rom und wieder zurück nach Brescia.

Das Rennen Die Route Brescia – Cremona – Casalmaggiore – Parma – Reggio nell’Emilia – Modena – Bologna – Raticosapass – Futapass – Florenz – Siena – Radicofani – Viterbo – Monterosi – Rom – Terni – Spoleto – Perugia – Gubbio – Castelraimondo – Tolentino – Macerata – Porto Recanati – Ancona – Pesaro – Rimini – Cesena – Forlì – Bologna – Ferrara – Rovigo – Padua – Noale – Treviso – Feltre – Venedig – Verona – Brescia

Teams, Fahrzeuge und Fahrer Alfa Romeo gegen Rudolf Caracciola war die Ausgangslage vor der Mille Miglia 1931. Zwölf Werkswagen, verteilt auf die eigene Rennabteilung und die Scuderia Ferrari, reichten nicht aus, um den Gesamtsieg des deutschen Daimler-Benz-Werksfahrers Caracciola zu verhindern. 1932 blieben die Werks- und Privatfahrer, die mit Modellen des Mailänder Kraftfahrzeugherstellers an den Start gingen, im Rennen um den Gesamtsieg weitestgehend unter sich. Der 1931 vorgestellte Alfa Romeo 8C 2300 war innerhalb eines Jahres zum maßgeblichen Rennwagen Europas geworden. Vier Spider Touring meldete das Werksteam für Baconin Borzacchini, Giuseppe Campari, Tazio Nuvolari, Rudolf Caracciola – der nach Rückzug von Daimler-Benz vom internationalen Motorsport zu Alfa Romeo gewechselt war – und deren Co-Piloten. Wie im Jahr davor fungierte die Scuderia von Enzo Ferrari als B-Team von Alfa Romeo. Die 8C- und 6C-Modelle fuhren die Teams Carlo Felice Trossi/Antonio Brivio, Luigi Scarfiotti/Guido d’Ippolito, Guglielmo Carraroli/Mario Ghersi, Gianfranco Comotti/Antonio Bottoni, Alfredo und Augusto Caniato, Pietro Ghersi/Giulio Ramponi, Eugenio Siena/Piero Taruffi, Mario Tadini/Piero Bucci, Carlo Bruno/G. Zaccarini sowie Maria Antonietta Avanzo/ Francesco Severi. Trotz der Unterstützung durch das Alfa-Romeo-Stammwerk mit Material und Personal war es eine schwierige Aufgabe für die kleine Ferrari-Rennmannschaft, zehn Fahrzeuge an den Depots der 1000 Meilen langen Strecke zu betreuen.

Aus Tradition meldete die Geschäftsleitung der in Brescia ansässigen Officine Meccaniche ein Auto für ihren Werksfahrer Giuseppe Morandi. Mit dem technisch veralteten OM Tipo 665 SSMM hatte der Gewinner des Debütrennens jedoch keine Möglichkeit um den Gesamtsieg mitzufahren. Ermenegildo Strazza steuerte seinen bereits im Vorjahr aufgebauten Lancia Lambda mit Dilambda-Motor. 1931 nahm er wenige Tage vor dem Rennen das Angebot von Sebastiano Maino an, das Rennen als Co-Pilot in dessen werksunterstützten Mercedes-Benz SSK zu fahren. Der Wagen fiel schon nach wenigen Kilometern mit einer defekten Zylinderkopfdichtung aus. 1932 war der langjährige Lancia-Testfahrer Luigi Gismondi sein Teamkollege.

Die ausländischen Starter führte Achille Varzi im Werks-Bugatti Type 55 an. Zwei Fahrzeug-Meldungen kamen von britischen Adeligen. Edward Russell, 26. Baron de Clifford, kam mit seinem MG Midget Kompressor nach Italien. Der zweite Wagen war ein Talbot AV105, den Fox & Nicholl für Brian Lewis, 2. Baron Essendon betreute. Erwähnenswert ist auch der Start des deutschen Rennfahrers Albert Broschek in einem ehemaligen Werks-Mercedes-Benz SSK. Sein Beifahrer war Wilhelm Sebastian, der die Mille Miglia im Vorjahr mit Rudolf Caracciola gewonnen hatte.

Der Rennverlauf Seine erneuten Ambitionen auf den ersten Mille-Miglia-Sieg zeigte Achille Varzi auf dem Weg nach Bologna. In der Hauptstadt der Emilia-Romagna war er mit seinem Bugatti der einzige Fahrer, der das Tempo der Alfa-Romeo-Piloten mitfahren konnte. In Führung lag Tazio Nuvolari, vor Varzi, Caracciola und Eugenio Siena. Alle vier unterboten die beste Zwischenzeit von Caracciola aus dem Vorjahr deutlich. Varzis engagierte Fahrt endete bei der Überquerung des Apennin. Ein aufgewirbelter Stein hatte ein Leck in den Treibstofftank geschlagen. Nachdem alle Versuche die Tankwanne zu reparieren gescheitert waren, musste Varzi schwer enttäuscht aufgeben. Auch Nuvolari scheiterte früh. Abgelenkt durch das am Wegrand stehende Alfa-Romeo-Wrack Pietro Ghersis – Ghersi und Giulio Ramponi blieben bei ihrem Unfall unverletzt – verlor er die Herrschaft über seinen Wagen, prallte gegen eine Begrenzungsmauer und beschädigte den Vorderwagen so schwer, dass eine Weiterfahrt nicht mehr möglich war.

In Rom lag Rudolf Caracciola, der den Fluch „wer in Rom führt, kann die Mille Miglia nicht gewinnen“ unbedingt durchbrechen wollte, vor Siena und Campari in Führung. Der Vorsprung auf den zweitplatzierten Siena betrug bereits 11 Minuten. Hinter Baconin Borzacchini und Trossi platzierte sich der überraschend stark fahrende Broschek im Mercedes als Sechster. In Siena lag er, die Streckenkenntnisse seines Co-Piloten Willhelm Sebastian optimal nutzend, noch an der zweiten Stelle. Technische Probleme am Mercedes warfen in zurück.

Der in Rom Führende gewann auch 1932 nicht. Erst musste Caracciola bei einem unplanmäßigen Depotstopp die völlig abgefahrenen Bremsbeläge der Alfa-Romeo-Trommelbremsen wechseln lassen. Dabei verlor er die Führung und fiel hinter Campari und Borzacchini zurück. Endgültig abstellen musste er den Wagen knapp nach Ancona. Das Chassis war vor der hinteren Aufhängung gebrochen. Camparis Siegchancen beendete dessen am Steuer sitzender Co-Pilot Carlo Sozzi, der den klar führenden Alfa Romeo 8C 2300 Spider Touring gegen eine Mauer fuhr. Am Unfallort anwesende Zuschauer mussten den aufgebrachten Campari davon abhalten, gegen seinen Teamkollegen handgreiflich zu werden. Siena und Taruffi stoppte in der Nähe von Bologna ein defekter Zylinder und Broschek gab mit einem Kupplungsschaden auf.

Borzacchini gewann mit 15 Minuten Vorsprung auf das Team Trossi/Brivio und führte zu einem totalen Triumph von Alfa Romeo. Elf der ersten zwölf Fahrzeuge des Gesamtklassements waren Alfas. Nur Strazza und Gismondi konnten mit ihren achtplatzierten Lancias diese Phalanx sprengen. Der spätere Automobildesigner und Journalist Giovanni Lurani, damals 27 Jahre alt, erreichte im Alfa Romeo 6C 1500 den viel beachteten neunten Endrang.

Ergebnisse Schlussklassement