Unter den Bezeichnungen Laffly S 15 R, Hotchkiss W 15 R, Laffly S 15 T, Hotchkiss W 15 T und Citroën W 15 T wurden von 1937 bis 1940 eine größere Anzahl leichter allradgetriebener Dreiachsfahrzeuge an die französische Armee geliefert.
Fahrgestell Alle Fahrzeuge hatten – soweit nicht anders vermerkt – im Prinzip das gleiche Fahrgestell: Es hatte drei angetriebene Achsen (6×6), wobei der Antrieb der vorderen Achse zugeschaltet werden konnte. Das Getriebe hatte vier Vorwärtsgänge und einen Rückwärtsgang, dazu ein Vorgelegegetriebe. Vor der Vorderachse und zwischen Vorder- und erster Hinterachse waren kleine Hilfsräder angebracht, die ein Aufsitzen des Fahrzeugs in unebenem Gelände verhindern sollten. Der Radstand des Fahrgestells betrug 1840 mm + 1000 mm, die Spur vorne 1530 mm und hinten 1540 mm.
Als Antrieb diente einheitlich (außer beim Citroën W 15 T) ein Vierzylinder-Otto-Motor von Hotchkiss mit 86 mm Bohrung und 99,5 mm Hub (2312 cm³) mit einer Leistung von ca. 52 PS bei 3200/min.Vauvillier S. 168, 200.
Die Fahrzeugtypen unterschieden sich jedoch alle im Aufbau.
Der Typ Laffly S 15 R darf nicht verwechselt werden mit dem Laffly V 15 R, einem von Laffly und auch von der Firma Corre-La Licorne gebauten viersitzigen Vierrad-Pkw.
Aufbau
Laffly S 15 R mini|Laffly S 15 R im Panzermuseum Saumur, aufgenommen 2004
Der Urvater dieser Fahrzeugserie, der Laffly S 15 R, wurde 1935 von der vorher vor allem für Feuerwehrfahrzeuge bekannten Firma Laffly ab 1935 als geländegängiger sechssitziger Personenwagen („voiture de liaison tous terrains 6 places“) entwickelt. Die ersten Prototypen hatten den Motor des Peugeot 601.Vanderveen S. 96. Der oben offene, mit einem Stoffverdeck schließbare Aufbau enthielt zwei Sitze vorne und zwei Sitze sowie zwei Klappsitze hinten.
Die ersten 26 Exemplare wurden 1936 bestellt und im Winter 1937/8 an die französische Armee geliefert. Insgesamt wurden mindestens 755 Stück, davon die letzten 21 im Mai 1940, gebaut. Außerdem erhielt die rumänische Luftwaffe 10 von der Fa. Hotchkiss gebaute S 15 R.Vauvillier, Laffly S. 37.
Varianten: Im Mai 1940 wurde ein Fahrzeug probehalber als Materialtransporter für Pioniere (transport du matérial du génie) ausgestattet und geliefert.Vauvillier S. 171. Anfang 1938 wurden drei Fahrzeuge mit Pritsche und Einachsanhänger als geländegängige Versorgungsfahrzeuge für die Infanterie („allègement d' infanterie“) erprobt.Vauvillier S. 191. Kolonialtyp („Type colonies“): Im Frühjahr 1939 wurden sechs Laffly S 15 T (s. u.) und zwei S 15 R nach Nordafrika geliefert, bestimmt für die im Tschad stehenden Truppen. Die Fahrzeuge erwiesen sich jedoch unter den dort herrschenden klimatischen Bedingungen als im Wesentlichen unbrauchbar, weil sie zu empfindlich gegen Wüstensand waren. Ein weiterer Typ S 15 R und acht S 15 T sollen später noch für die Kolonien gebaut wurden sein.Vauvillier S. 225. geländegängiges Sanitätsfahrzeug, S. 15 C: 70 Stück 1936 für die französische Luftwaffe, geschlossener Kastenaufbau, eingerichtet für zwei liegende oder vier sitzende Verwundete, 4870 mm lang, 1880 mm breit, 2500 mm hoch. Vier weitere gleichartige Fahrzeuge gingen an die rumänische Luftwaffe.Vauvillier S. 187, Vauvillier Laffly S. 37. Nachrichtenfahrzeug S 15 L: im Frühjahr 1939 bestellte die französische Luftwaffe 30 Fahrzeuge mit geschlossenem Aufbau (ähnlich dem Sanitätsfahrzeug) für Nachrichtenzwecke, die im Oktober 1939 geliefert wurden. Bei diesen Fahrzeugen waren nur die beiden Hinterachsen angetrieben, die Vorderachse nicht.Vauvillier S. 182. Aus dem Laffly S 15 R wurde in den folgenden zwei Jahren eine ganze Reihe weiterer immer schwererer dreiachsiger Allrad-Zugmaschinen entwickelt: Laffly S 20 TL, Laffly S 25 T, Laffly S 35 T und Laffly S 45 T.
Hotchkiss W 15 R Im Laufe des Jahres 1939 hatte die Firma Hotchkiss die Firma Laffly übernommen. Weitere Bestellungen des sechssitzigen Geländewagens für die französische Armee – die schließlich die Höhe von 350 Stück erreichten – gingen daher ab 1939 an Hotchkiss und hießen jetzt W 15 R. Das Hotchkiss-Fahrzeug glich völlig seinem Vorgänger von Laffly, lediglich der Rahmen war etwas tiefergelegt, um dem Fahrzeug einen möglichst niedrigen Aufzug zu geben. Indessen war die Firma Hotchkiss mit anderen Rüstungsaufträgen derart ausgelastet, dass die Lieferung dieser neu bestellten Fahrzeuge auf das Jahr 1941 verschoben wurde. Nach der Niederlage Frankreichs Ende Juni 1940 kam es zu keiner Lieferung mehr.Vauvillier S. 168. In der unmittelbaren Nachkriegszeit 1945/46 baute Hotchkiss allerdings diesen Typ nochmals in einigen Stücken aus vorhandenen Restteilen.Vanderveen S. 74.
Laffly S 15 T Der Laffly S 15 T war eine Zugmaschine für leichte Feldartillerie-Geschütze, namentlich für die 75-mm-Kanone 97 und die 105-mm-Haubitze 35. Der Prototyp wurde 1936 erfolgreich getestet, ein erstes Los noch in diesem Jahr bestellt, dessen Auslieferung ab Ende 1937 erfolgte. Im Zeitraum 1936 bis Frühjahr 1939 wurden insgesamt 411 Stück bestellt, von denen 380 bis zum September 1939 ausgeliefert wurden.Vauvillier S. 200. Die Fertigstellung der restlichen 31 Stück erfolgte im September 1939 beziehungsweise Februar 1940.Vauvillier S. 160.
Das Fahrzeug ersetzte in den motorisierten leichten Batterien der Feldartillerie die bis dahin benutzte Halbkettenzugmaschine Citroën-Kégresse P17. In der Kriegsgliederung hatte eine Batterie zu vier Geschützen insgesamt zehn Zugmaschinen Laffly S 15 T: vier zum Ziehen der Geschütze, sechs zum Ziehen der sechs Munitionsprotzen.
Weitere zehn Stück S 15 T lieferte Hotchkiss an die rumänische Luftwaffe.Vauvillier Laffly S. 37.
Varianten: Nachrichtenfahrzeug: Am 20. Februar 1940 wurden drei Laffly S 15 T „pour telephonistes“ zur Erprobung an die französische Armee geliefert. Sie hatten einen oben offenen Aufbau und einen Einachsanhänger mit Fernsprechgerät und waren dazu gedacht, in den Nachrichtengruppen der Feldartillerie-Batterien Personal und Material zu transportieren, das erforderlich war, um die für die Batterie erforderlichen Nachrichtenverbindungen zu erstellen und zu betreiben. Ende Mai 1940 wurden die drei Fahrzeuge an den Hersteller zur Durchführung von Abänderungen zurückgegeben. Eine spätere Serienfertigung sollte als Unterart der Zugmaschine Hotchkiss W 15 T erfolgen. Kolonialfahrzeug: Zusammen mit zwei Laffly S 15 R wurden im Februar 1940 acht Laffly S 15 T einer Variante „porte canon“ nach Nordafrika geliefert.Vauvillier S. 160,225. Der Zusatz „porte canon“ deutet darauf hin, dass das Geschütz nicht gezogen, sondern auf einer Ladefläche verlastet werden sollte, was eine entsprechende Änderung des Aufbaus voraussetzt. Wie dieser geänderte Aufbau aussah, ist nicht mehr bekannt, sicher ist nur, dass die Fahrzeuge den klimatischen Bedingungen (Wüstensand) nicht gewachsen waren (s. o.). Tankfahrzeug: Die rumänische Luftwaffe bestellte und erhielt von der Firma Hotchkiss 29 Tankfahrzeuge des Typs S 15 TL mit 1400-Liter-Tank.Vauvillier Laffly S. 37.
Laffly S 15 TOE mini|Laffly S 15 TOE in Nordafrika In Algerien und den afrikanischen Kolonien wurde ein neues gepanzertes Fahrzeug gebraucht, um die dort noch im Einsatz befindlichen Radpanzer Laffly 50 AM und Panhard 175 TOE abzulösen. Man griff auf das allradgetriebene Fahrgestell des Laffly S 15 T zurück und versah dieses mit einem gepanzerten Aufbau und MG-Turm; das so entstandene Fahrzeug hieß Laffly S 15 TOE (Théâtre d' Opérations Extérieures). Die Motorleistung wurde (bei gleichbleibendem Hubraum) auf 60 PS gebracht. Ein Prototyp zu Testzwecken wurde 1934 geliefert, eine Serie von 45 Fahrzeugen wurde 1937 bestellt und im Frühjahr 1939 ausgeliefert.Francois Vauvillier: Tous les blindés de l'armée francaise 1914–1940. Paris 2014, S. 113. Von den Fahrzeugen kamen 25 nach Tunesien und 20 nach Subsahara-Afrika.Vauvillier S. 238. Etwa die Hälfte von ihnen erhielt eine besondere Funkausstattung.Vauvillier S. 180. Im Rahmen der französisch-italienischen Auseinandersetzungen im Juni 1940 gerieten vier dieser Fahrzeuge in italienische Hände und wurden von den Italienern noch einige Zeit weiter benutzt.
Hotchkiss W 15 T Die Zugmaschine S 15 T sollte von der Firma Hotchkiss als W 15 T weitergebaut werden, wobei – wie beim W 15 R – der Rahmen tiefergelegt werden sollte. Die ersten Bestellungen erfolgten bereits 1938, eine Serienfertigung sollte bei Hotchkiss im Dezember 1939 mit 40 Stück im Monat beginnen und sich bis Mai 1940 auf 300 im Monat steigern. Vorgesehen war die Fertigung des Fahrzeugs in zwei Varianten: zum Ziehen von 75-mm-Kanone oder 105-mm-Haubitze und der Munitionsprotzen hierzu, wie der Laffly S 15 T, zum Ziehen der neu eingeführten 47-mm-Panzerabwehrkanone, als Nachrichtenfahrzeug, wie der Laffly S 15 T. Die Motorleistung konnte – bei gleichem Hubraum – um 4 PS gesteigert werden und betrug jetzt 56 PS.Vauvillier S. 202.
Indessen war Hotchkiss mit anderen Rüstungsaufträgen völlig überlastet. Eine erste Auslieferung erfolgte daher erst im April 1940 mit 20 Stück, alle zum Ziehen der 47-mm-Panzerabwehr-Kanone (PaK). Im Mai 1940 folgten weitere 90 Stück, teils als Zugmaschinen für die 47-mm-PaK, teils in der Ausführung W 15 TCC (s. u.). Im Juni folgte bis zur Besetzung von Paris durch die Wehrmacht am 14. Juni 1940 eine weitere unbekannte Stückzahl, meist wohl in der Variante W 15 TCC, aber darunter auch drei Zugfahrzeuge für 75-mm-Kanonen.Vauvillier S. 161.
Laffly W 15 TCC Es entstand zu Kriegsbeginn im französischen Heer die Idee, die gerade in der Einführung befindliche 47-mm-Panzerabwehrkanone auf einem Pivot auf der Ladefläche der Zugmaschine W 15 T aufzubauen, um dadurch ein schnelleres Instellunggehen, vielleicht sogar ein Feuern aus der Bewegung heraus zu ermöglichen.Vauvillier S. 203. Zeitgleich gab es ähnliche Überlegungen in anderen Staaten, welche z. B. in Deutschland zu Versuchen mit der 3,7-cm-PaK 36 auf Fahrgestell der Krupp-Protze führten. Zwar saß die Bedienung des Geschützes oben auf der Ladefläche und damit relativ hoch „auf dem Präsentierteller“, diesen Nachteil wollte man indessen durch eine Panzerung des Aufbaus ausgleichen. Ein erster Prototyp wurde im März 1940 fertig und dem Militär vorgeführt. Der gesamte Aufbau war gepanzert, was dazu führte, dass das Geschütz nur nach rückwärts mit beschränktem Seitenrichtbereich feuern konnte.Abbildung Vauvillier S. 203 und Vanderveen S. 104.