mini|Marienkapelle auf dem Ensdorfer Hasenberg mini|Altarkapelle auf dem St. Barbaraplatz auf dem Ensdorfer Hasenberg mini|Piusstein mini|Hauptallee des Marienparks mit Brunnenanlage mini|Brunnenanlage auf dem St. Barbaraplatz mini|Fatima-Platz mini|Skulptur der Madonna von Fatima mini|Lourdes-Platz mini|Die heilige Anna lehrt die Jungfrau Maria; Die Skulptur befindet sich vor einem Bunker des Westwalls mini|Haus Hasenberg mit Kreuz mini|Obstgarten hinter der Marienkapelle mit Votivzetteln in den Zweigen mini|Marienpark Hasenberg, Skulpturen der namensgebenden Hasen mini|Treppenanlage vor der Marienkapelle mini|Eingangsportal der Marienkapelle mini|Blick von Außen in das Inneres der Marienkapelle mini|Marienfenster von Jacques Le Chevallier aus dem Jahr 1956 (2,72 × 2,87 m), Spiegelverkehrt von außen mini|Auferstehungschristus an der Ostwand der Kapelle

Der Marienpark Hasenberg in Ensdorf an der Saar ist eine Kombination aus Marienwallfahrtsstätte, Friedensgedenkstätte und Erholungspark, die ab den 1950er Jahren als Parkanlage angelegt und von verschiedenen Künstlern gestaltet wurde.

Vorgeschichte Initiator der marianischen Parkanlage in der saarländischen Bergarbeitergemeinde Ensdorf an der Saar war der katholische Priester Josef Goergen (1904–1995). Er stammte aus dem benachbarten Fraulautern. Sein Vater Johann Goergen (geb. 1860) war als Architekt im Kirchenbau tätig gewesen. Nach der Priesterweihe im Jahr 1931 wirkte Josef Goergen in Bernkastel, Trier, Sien und Dillingen/Saar, ehe er Pfarrer von Ensdorf wurde. Dort war er 21 Jahre lang tätig. Im Jahr 1968 wurde er Pfarrer der Pfarrei St. Michael im Saarbrücker Stadtteil St. Johann sowie Dekan der Region Saarbrücken. Im Folgejahr 1969 übernahm er die Leitung des neugegründeten Katholischen Büros Saarland. An der Universität des Saarlandes in Saarbrücken lehrte er 21 Jahre lang Kirchen- und Staatskirchenrecht und trug die Ehrentitel „Päpstlicher Ehrenprälat“ und „Ehrendomherr an der Hohen Domkirche zu Trier“.Artikel „Prälat Prof. Dr. Josef Goergen †“, in: Saarheimat, Zeitschrift für Kultur, Landschaft und Volkstum, Offizielles Organ des Saarländischen Kulturkreises, 39. Jahrgang, 1–2/1995, S. 6.

Der jüngere, in Bayern wirkende Bruder von Josef Goergen, Aloys Goergen (1911–2005), war ebenfalls katholischer Priester und gehörte zu den Wegbereitern der Liturgiereform. Ebenso war ihm die Verbindung von Kunst und Kirche ein besonderes Anliegen. In den Jahren 1963 bis 1979 lehrte Aloys Goergen an der Akademie der Bildenden Künste in München Philosophie der Ästhetik, Ikonologie und Theorie des Sakralbaus und fungierte als zeitweiliger Präsident der Hochschule. Der nach dem Zweiten Weltkrieg ins Saarland zurückgekehrte Josef Goergen hatte ab dem Jahr 1946 im nahe bei Ensdorf gelegenen Dillingen/Saar den Wiederaufbau der katholischen Pfarrkirche Heilig Sakrament („Saardom“) mit modernen Bildhauerarbeiten ergänzen lassen und damit ein sichtbares Zeichen der künstlerischen Erneuerung in der Nachkriegszeit im öffentlichen Raum gegeben.Oranna Dimmig: Kunstort Hasenberg Ensdorf/Saar. (= Kunstlexikon Saar). hrsg. von Jo Enzweiler, Institut für aktuelle Kunst im Saarland, Saarbrücken 2014, S. 9.

Entstehung der Anlage

Der aus dem Zweiten Weltkrieg zurückgekommene Ensdorfer Kaplan Stephan Lorenz hatte sich in der unmittelbaren Nachkriegszeit gemeinsam mit anderen Kriegsheimkehrern das Ziel gesetzt, auf dem Gebiet der Gemeinde Ensdorf aus Dankbarkeit für die glückliche Heimkehr und zum Gedächtnis der Kriegstoten eine Muttergotteskapelle zu errichten. Die schnelle Umsetzung dieses Vorhabens wurde jedoch durch die Tatsache gebremst, dass Ensdorf – ein von Bergbau und Landwirtschaft geprägter Ort unweit der deutsch-französischen Grenze – wie viele andere saarländische und lothringische Orte besonders durch die schweren Kämpfe im Kriegswinter 1944/1945 stärkstens in Mitleidenschaft gezogen worden war und zunächst der Wohnungsbau dringend forciert werden musste.Oranna Dimmig: Kunstort Hasenberg Ensdorf/Saar. (= Kunstlexikon Saar). hrsg. von Jo Enzweiler, Institut für aktuelle Kunst im Saarland, Saarbrücken 2014, S. 6–7.

Die Idee des Ensdorfer Kaplans Stephan Lorenz und seiner Mitstreiter fand bei Josef Goergen, der seit Januar 1948 als Pfarrer in Ensdorf amtierte, offene Ohren. Als geeigneten Ort für die Errichtung der geplanten Muttergotteskapelle mit integrierter Gedächtnisstätte wählte man den am Ortsrand von Ensdorf gelegenen Hasenberg aus: „Dieser Berg, der im ersten und zweiten Weltkrieg wegen seiner besonderen, weite Übersicht gewährenden Lage strategischer Stütz- und Abwehrpunkt gewesen ist, sollte nunmehr für friedliche Dienste in Anspruch genommen werden. Wo ehedem Abwehrkanonen und Kampfbunker gestanden und Schützengräben das Gelände durchschnitten haben, sollte nunmehr ein Denkmal der Pietät gegenüber den Kriegsopfern, eine Stätte der Andacht und des Friedens entstehen. So war es gedacht.“Josef Goergen: Der Hasenberg. In: 1868–1968, Festschrift zur Hundertjahrfeier von Pfarrkirche und Pfarrgemeinde Ensdorf. unveränderte Wiederauflage. Ensdorf 1993, S. 157 (= 125 Jahre Pfarrkirche und Pfarrgemeinde Ensdorf 1868–1993)

Pfarrer Josef Goergen konnte durch seine Überzeugungskraft den Kirchenvorstand sowie die Kirchengemeinde St. Marien von der Idee des Kapellenbaus zu Ehren Mariens begeistern. Darüber hinaus gelang es ihm, durch Schenkung und den Kauf von Parzellen auf dem Endorfer Hasenberg die Grundlage zur Errichtung der Kapelle zu schaffen. Oft waren es Bergmannsfamilien, die ihre Grundstücke zur Verwirklichung des Vorhabens stifteten. Bald wuchs die Fläche weit über das für den unmittelbaren Kapellenbau notwendige Maß hinaus. Somit war es möglich geworden, den Plan insofern zu erweitern, dass es möglich wurde, um die Kapelle einen für Besucher frei zugänglichen Landschaftsgarten mit Wegen und Plätzen von über 12 Hektar zu gestalten. Viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer gingen daraufhin – unterstützt von der Zivilgemeinde Ensdorf und den Saarbergwerken bzw. der Direktion der Ensdorfer Grube Duhamel – mit großem Eifer, körperlichem Einsatz sowie ausgeprägter finanzieller Spendenbereitschaft an die Herrichtung, den Ausbau und die Bepflanzung des Hasenbergs.Oranna Dimmig: Kunstort Hasenberg Ensdorf/Saar. (= Kunstlexikon Saar). hrsg. von Jo Enzweiler, Institut für aktuelle Kunst im Saarland, Saarbrücken 2014, S. 13.

Bei der Erstellung der Marianischen Parkanlage auf dem Hasenberg verpflichtete Josef Goergen für die künstlerische Gestaltung und Ausstattung von Parkanlage und Kapelle in besonderem Maße junge saarländische Künstler wie Albert Johannes Zapp (1926–1963), Oswald Hiery (1937–2016), August Wilhelm Deppe (1925–2005), Karl Michaely (1922–2007) und Oskar Holweck. Diese Künstler waren an der im Jahr 1946 unter französischer Regie gegründeten Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk in Saarbrücken ausgebildet worden. Rudi Schillings (1925–2003) und der französische Künstler Jacques Le Chevallier (1896–1987) wurden als Glasgestalter beauftragt. Die beiden Altarplastiken der Kapelle ließ Josef Goergen von Heinrich Kirchner, einem an der Akademie in München tätigen Bildhauer, erstellen. Kirchners religiöse Kunst fand seit 1954 starke Anregung durch die beiden Theologen Romano Guardini und Aloys Goergen.Dorothee Höfert: Heinrich Kirchner, Das plastische Werk. hrsg. von Michaela Kirchner, Heidelberg 1992, S. 97.

Das Altarkreuz der Marienkapelle auf dem Hasenberg schuf Johannes Dumanski, der in München Bildhauerei bei Toni Stadler und Heinrich Kirchner studiert und Vorlesungen von Romano Guardini gehört hatte. Josef Goergens Ziel war es, christologische Vorstellungen in zeitgemäß-modernen und qualitativ anspruchsvollen Kunstwerken Gestalt zu geben. Althergebrachte Formen vorgeprägter christlicher Bildtypen – besonders die Formensprache des 19. Jahrhunderts – sollten dabei vermieden werden. Diese Zielsetzung traf vor Ort in Ensdorf besonders hinsichtlich von Kirchners Bronzeplastiken „Mutter-Königin zeigt Jesus, den Christus“ sowie „Pietà“ auf erhebliches Unverständnis in der Bevölkerung, sodass sich Josef Goergen veranlasst sah, die theologische Bedeutung und künstlerische Stellung der beiden Bildwerke in einem Aufsatz ausführlich darzulegen.Josef Goergen: Der Hasenberg. In: 1868–1968, Festschrift zur Hundertjahrfeier von Pfarrkirche und Pfarrgemeinde Ensdorf. unveränderte Wiederauflage. Ensdorf 1993, S. 157–186 (= 125 Jahre Pfarrkirche und Pfarrgemeinde Ensdorf 1868–1993) Neben der Ausstattung der Hasenberganlage vergab Josef Goergen auch weitere Aufträge für die Pfarrei St. Marien in Ensdorf an moderne Künstler.

Der vorläufige Abschluss des Wiederaufbaus Ensdorfs fiel dann zeitlich zusammen mit dem Marianischen Jahr, das Papst Pius XII. am 8. September 1953 mit der Enzyklika Fulgens corona verkündet hatte. Es erinnerte an das Jahrhundertjubiläum der feierlichen Verkündigung des Dogmas der Unbefleckten Empfängnis im Jahr 1854 durch Papst Pius IX. sowie an das von Pius XII. im Jahr 1950 verkündete Dogma von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel. Die marianische Anlage des Ensdorfer Hasenberges gehört zu einer ganzen Reihe von marianischen Denkmälern im Saarland, die anlässlich des marianischen Jahres entstanden, so etwa die Mariensäulen in Bous, Schwalbach, Wadern (Bellscheid), Bildstock, Neunkirchen und St. Ingbert oder der Saarlouiser Marienbrunnen, der Bau des „Marienturmes“ der Pfarrkirche Hl. Dreifaltigkeit in Fraulautern, der marianische Stationsaltar im Ortszentrum von Beckingen sowie der marianische Fensterzyklus in der Klosterkirche des Klosters Heiligenborn in Bous. Auch die saarländische Post gab aus Anlass des marianischen Jahres eine Briefmarkenserie mit Muttergottesdarstellungen heraus. Zudem war mit dem tiefgläubigen Katholiken Johannes Hoffmann ein Ministerpräsident im Amt, der die Förderung des christlichen Glaubens zur Überwindung der Folgen der antihumanistischen NS-Diktatur und als Schutzschild gegen kommunistische Strömungen als dringliche politische Aufgabe empfand. Somit war die Proklamation des Mariendogmas und des marianischen Jahres im Saarland auf äußerst fruchtbaren Boden gefallen. Über die Marienverehrung sollte das religiöse Bekenntnis im historisch stark katholisch geprägten Land an der Saar gestärkt sowie eine gewisse „nationalsaarländische Identität“ in der saarländischen Bevölkerung entwickelt werden.Oranna Dimmig: Kunstlexikon Saar. Kunstort Hasenberg Ensdorf/Saar, hrsg. vom Institut für aktuelle Kunst im Saarland, Saarbrücken 2014, S. 9–12.

Das Saarland, zu jener Zeit ein mit Frankreich in Wirtschafts- und Währungsunion verbundener Staat, hatte in seiner Verfassung vom 15. Dezember 1947 die Kirchen und Religionsgemeinschaften als Bildungsträger anerkannt, worin „für die gesamte kirchliche Bildungsarbeit außerordentlich schätzenswerte Möglichkeiten“ lagen.Josef Goergen: Der Hasenberg. In: 1868–1968, Festschrift zur Hundertjahrfeier von Pfarrkirche und Pfarrgemeinde Ensdorf. unveränderte Wiederauflage. Ensdorf 1993, S. 325 (= 125 Jahre Pfarrkirche und Pfarrgemeinde Ensdorf 1868–1993).

In Ensdorf, dessen Einwohner zu circa 95 % der katholischen Konfession angehörten, gab die Ausrufung des Marianischen Jahrs den entscheidenden Impuls, die Idee des inzwischen verstorbenen Kaplans Stephan Lorenz von der Errichtung einer der Gottesmutter Maria geweihten Gedächtniskapelle in die Tat umzusetzen. Der erste Spatenstich für die Marienkapelle erfolgte am 15. August 1954, dem Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel. In den folgenden Jahren realisierte man folgende Baumaßnahmen: Marienkapelle (Einweihung 1956) Kreuzweg (1956) Brunnenanlage (1956) Fatimaplatz mit Marienstatue (1957) Platz der Lourdesgrotte (1958) Rosenkranzweg (1958) Piusstein, Annaplatz, Josefsplatz mit Fischteich und Pergola, Barbaraplatz mit Hochkreuz (alle 1959) Aufstellung der Annastatue auf dem Annaplatz (1960) Haus Hasenberg für Bildungsveranstaltungen (Eröffnung 1963) Mehrzwecktribüne (1965)