Der Schwarzbussard (Buteogallus urubitinga) ist ein großer, mächtiger Greifvogel aus der Gattung Buteogallus innerhalb der Unterfamilie der Bussardartigen (Buteoninae). Die fast gänzlich schwarze Art mit breiten, gerundeten Flügeln und einem kurzen, gebänderten Schwanz kommt von den Küstenbereichen Mexikos und Mittelamerikas, über das gesamte ostandische Südamerika, südwärts bis Nordargentinien vor. Westlich der Anden bestehen nur wenige Verbreitungsgebiete in Kolumbien, Ecuador und dem nördlichen Peru. Die Geschlechter sind weitgehend gleich gefärbt; Weibchen sind nur unmerklich größer, aber bis zu 28 % schwerer als Männchen. Jungvögel unterscheiden sich mit ihrer braunen Oberseite und der auf hellem Grund braun gesprenkelten Bauchseite deutlich von adulten Schwarzbussarden.
Die meisten Populationen scheinen Standvögel zu sein, doch deutet die Anwesenheit sehr großer, südlicher Vögel während des südlichen Winters in Kolumbien auch auf regelmäßige Wanderbewegungen hin. Buteogallus urubitinga ist ein ausgesprochener Nahrungsgeneralist, der sich von solchen Beutetieren ernährt, die sich am leichtesten erbeuten lassen und den größten Energiegewinn versprechen; Reptilien, darunter auch hochgiftige Schlangen, und Amphibien spielen aber immer eine prominente Rolle.
Die Art ist in manchen Regionen (Venezuela, Guayana) ein häufiger, im Großteil des riesigen Verbreitungsgebietes aber nur ein eher seltener, sehr lückenhaft verbreiteter Brutvogel. Obwohl in manchen Gebieten Entwaldung zum Verlust von Brutplätzen führt, ist die Art flexibel genug, um sich geänderten Lebensbedingungen anzupassen; sie wird deshalb von BirdLife International in keiner Gefährdungsstufe geführt (LC = Least Concern).BirdLife International (2019) Species factsheet: Buteogallus urubitinga. Heruntergeladen von BirdLife factsheet am 25. Dezember 2019
Aussehen mini|Adulter Schwarzbussard. Durch die breiten Flügel wirkt der Schwanz besonders kurz. Adult, Unterart B. u. ridgwayi mini|Der Schwarzbussard ist sehr hochbeinig. Adult, Nominatform mini|Schwarzbussard - Erstes Immaturgefieder mini|hochkant|Immaturer Schwarzbussard vor dem Wechsel in das Erwachsenengefieder Der Schwarzbussard ist ein massiger, kräftig gebauter, weitgehend schwarzer Greifvogel mit sehr breiten, gerundeten Flügeln, einem vergleichsweise kurzen Schwanz und langen Beinen. Im Sitzen überragt der Schwanz deutlich die Flügel, im Flug jedoch erscheint er annähernd in die Flügel eingebettet zu sein. Kennzeichnend sind die weißen Unterschwanzdecken und ein breites weißes Band gegen Ende der basalen Hälfte des weiß gerandeten Schwanzes. In vielen Flugpositionen kann ein markanter Flügelbug auffallen. Der Schwarzbussard fliegt mit langsamen, tief durchgezogenen Flügelschlägen und segelt mit annähernd waagrecht gehaltenen Flügeln. Häufig ist er laufend oder auch flughüpfend am Boden zu sehen. Die Geschlechter sind gleich gefärbt; der reverse Größendimorphismus ist mit 5 % – 7,2 %Richard P. Gerhardt, Nathaniel E. Seavy und Ricardo E. Madrid: Great Black Hawk In: David F. Whitacre (Hrsg.): Neotropical Birds of Prey S. 140 nicht wesentlich, wohl aber der reverse Gewichtsdimorphismus mit im Durchschnitt deutlich über 20 %. Der Überschneidungsbereich ist aber so groß, dass feldornithologisch eine sichere Geschlechtsbestimmung nur aus Verhaltensmerkmalen möglich ist. Die Größe schwankt zwischen 51 und 64 Zentimetern; das Gewicht der Männchen liegt im Durchschnitt bei 1135, das der Weibchen bei 1457 Gramm. Die Spannweite großer Weibchen kann 137 Zentimeter erreichen. Vögel der südlichen Nominatform sind im Durchschnitt größer und schwerer.J. van Dort: Great Black Hawk (Buteogallus urubitinga) In: Neotropical Birds Online (T. S. Schulenberg, Editor). Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA 2019. AppearanceR. O. Bierregaard Jr., P. Boesman und G. M. Kirwan: Great Black Hack (Buteogallus anthracinus). In: J. del Hoyo, A. Elliott, J. Sargatal, D. A. Christie, und E. de Juana (Hrsg.) Handbook of the Birds of the World Alive. Lynx Edicions, Barcelona 2019
Wesentlichster Verwechslungspartner ist der Krabbenbussard (etwas kleiner, keine weißen Unterschwanzdecken, deutliches Medialband) und in manchen Gebieten der Einsiedleradler, der wesentlich größer ist und ebenfalls keine weißen Unterschwanzdecken aufweist. Jungvögel können mit einer Reihe anderer juveniler Vögel aus der Unterfamilie der Bussardartigen verwechselt werden.
Erwachsenengefieder Das gesamte Körpergefieder von Vögeln der Nominatform ist weitgehend ungezeichnet schwarz, manchmal weist es einen leichten schwarzbräunlichen Ton auf. Die Unterschwanzdecken sind weiß, ebenso fast die gesamte basale Hälfte des schwarzen Schwanzes. Das feine weiße Terminalband kann bei stark abgetragenem Gefieder (teilweise) fehlen. Die langen Beine sind bis zum Intertarsalgelenk meist völlig ungezeichnet schwarz gefiedert (seltener sind vereinzelte weiße Punkte oder Striche festzustellen); die Laufbeine sind gesättigt gelb, ebenso die relativ kurzen Zehen. Der mächtige Hakenschnabel ist im basalen Drittel von einer gelben Wachshaut überzogen, der Rest ist dunkel schiefergrau. Ein gelber Zügel kann aus der Nähe erkannt werden. Die Iris ist kastanien- bis rotbraun. Die Flügel sind mit zweifacher Körperlänge für einen Greifvogel kurz, sie sind gebuchtet und insgesamt sehr breit. Auf der Oberseite sind sie ungezeichnet schwarz, auf der Unterseite sind die Armschwingen sehr dezent heller gebändert (dieses Merkmal ist nur bei Hintergrundlicht erkennbar). An der Basis der äußersten Handschwingen zeigt sich oft ein länglicher hellerer Fleck. Deutlich sind im Flug der weiße Bürzel und die weiße Schwanzzeichnung.
Die Unterart B. u. ridgwayi unterscheidet sich neben der durchschnittlich geringeren Größe vor allem durch eine unterschiedliche Zeichnung der Beinbefiederung und des Schwanzes. Die gefiederten Teile des Beins sind auf schwarzem Grund oft sehr markant weiß gepunktet und gefleckt oder aber undeutlich grau gebändert. Die Unterflügeldecken sind meist deutlich weiß gepunktet. Der Schwanz weist an der Basis ein schmales und in der Mitte ein breites weißes Band auf. Er ist, wie bei B. u. urubitinga, an seinem Ende von einem schmalen, weißen Band begrenzt. Die Wachshaut wird bei Ferguson-Lees als schiefergrau beschrieben, bei Gerhardt aber als gelb. Der Zügel ist unauffällig schiefergrau.Gerhardt et al. S. 140
Jugendgefieder und Mauser Die Küken beginnen mit etwa 15 Tagen ins erste Jugendgefieder zu mausern, das sie beim Ausfliegen (mit noch nicht voll entwickelten Großfedern) tragen. Bis auf den hellen, nur spärlich dunkel strähnig gezeichneten Kopf ist das gesamte Oberseitengefieder braun. Der obere Rückenbereich ist intensiv hell gesträhnt, die Oberseitendecken und Schulter hellbraun gefleckt. Die Unterseite ist auf cremeweißem Grund deutlich dunkelbraun gefleckt. Die Unterflügeldecken sind unregelmäßig braun gefleckt oder getropft. Die Füße sind hellgelb, die Wachshaut ist gelblich und die Iris ist braun. Dieses Gefieder vermausern sie im nächsten Frühjahr in das erste Immaturgefieder, das weitgehend dem Jugendgefieder gleicht, jedoch insgesamt (vor allem auf der Oberseite) dunkler ist und weniger Zeichnungen aufweist. Auffällig ist ein cremefarbener Überaugenstreif. Der Schwanz ist bereits weiß begrenzt; er weist auf bräunlichem Grund auf Ober- und Unterseite einige dunkle Bänder auf. Die Unterseite der Schwingen ist schiefergrau mit nur undeutlicher dunklerer Bänderung. Die Mauser in das zweite Immaturgefieder beginnt im Jahr darauf. Dieses gleicht weitgehend dem Erwachsenengefieder, zeigt insgesamt aber eine stärkere dunkelbraune Tönung. Der Kopf, die Brust und die Unterflügeldecken zeigen unregelmäßig angeordnete Strähnen und Flecken, einige der inneren Handschwingen sind oft deutlich rehbraun gebändert. Die Schwanzzeichnung ist variabel: Häufig ist er so wie im ersten Immaturgefieder gefärbt, oder er ist deutlich (manchmal wellig) 2 – 4 mal weiß (Oberseite), beziehungsweise cremefarben (Unterseite) gebändert. Im darauffolgenden Jahr erfolgt die Mauser in das definitive Erwachsenengefieder, die sich jährlich wiederholt. Es werden aber nicht in jedem Zyklus alle Großfedern gewechselt.Steve N. G. Howell und Sophie Webb: A Guide to the Birds of Mexico and Northern Central Amerika. Oxford University Press 1995 (Auflage 2005) ISBN 978-0-19-854012-0 Tafeln: 4, 8, 10, 11; S. 193 – 194
Stimme Schwarzbussarde sind akustisch sehr auffallende Vögel, auch außerhalb der in dieser Hinsicht besonders intensiven Vorbrutzeit. Hauptruf ist ein eigenartig langsamer, langgezogener, gepresst wirkender Ruf mit fast technischer, maschineller Anmutung. Er setzt plötzlich ein und klingt ansteigend aus. Dieser Ruf ist von beiden Partnern sowohl im Flug als auch sitzend zu hören; er scheint als universaler Anwesenheits- und Kommunikationsruf zu dienen.xeno-canto: Kommunikationsruf Auf größere Erregung deuten sehr schnell gereihte, kurze, hohe Ruffolgen hin.xeno-canto: Ruffolge
Verbreitung und Lebensraum Brutgebiet mini|250px|Verbreitungsgebiet des Schwarzbussards Die nördlichsten Brutvorkommen liegen in den nördlichen Provinzen Mexikos (Sonora und Tamaulipas), sowohl an der pazifischen als auch an der Golfküste. Südwärts ist die Halbinsel Yucatán sowie Mittelamerika an beiden Küstenbereichen Brutgebiet. Das gebirgige Binnenland ist hier, wie auch in Mexiko, nicht besiedelt. (Ob dies für alle Binnenregionen Mexikos gilt, ist zweifelhaft: Schwarzbussarde wurden regelmäßig im Osten des Bundesstaates Morelos beobachtet.Fernando Urbina-Torres: New distributional information of birds from the State of Morelos, Mexico. In: Bulletin of the British Ornithologists’ Club. Jhrg. 120; Folge 1; 2000. S. 8 – 15 BHL) Im nördlichen Südamerika brütet die Art an der karibischen Küste Kolumbiens und im Tiefland rund um den Maracaibo-See in Venezuela. In den fast an die Küste reichenden Ausläufern der Anden und den östlich daran anschließenden Küstengebirgen ist der Schwarzbussard kein Brutvogel. Nach dieser Verbreitungslücke beginnen geschlossene Vorkommen, die den gesamten nördlichen Küstenbereich Südamerikas und das Amazonasbecken umfassen. Nach Westen ist es durch den Hauptkamm der Anden begrenzt, nach Osten durch den Atlantischen Ozean. Südlich des Amazonasbeckens reichen die Brutvorkommen im Westen bis Nordwestargentinien im Osten bis zur Mündung des Río de la Plata, in dessen Tiefländern auch der Schwerpunkt der südamazonischen Verbreitung der Art liegt. Alfred Laubmann hatte für sein Werk Die Vögel von Paraguay einen Balg, gesammelt von Michael Mathias Kiefer (1902–1980) in Puerto Casado im Gran Chaco, zur Verfügung. Außerdem lag ihm noch ein Exemplar gesammelt von Emil Weiske (1867–1950) und Berthold Krüger in Concepción vor. Laubmann sah in Hypomorphnus urubitinga azarae die verbreitete Unterart für Paraguay. In der Literatur betrachte er in einem von Richard Otto Rohde (1855–1912) gesammelten Exemplar aus Lambaré durch Hans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch, bei Fortin Donovan am Río Pilcomayo durch John Graham Kerr, in Sapucai durch Charles Chubb, in Tayru und Pilar durch Claude Henry Baxter Grant, am Oberlauf des Río Paraná durch Arnaldo de Winkelried Bertoni und in Puerto Pinasco im Departamento Presidente Hayes durch Alexander Wetmore Nachweise für das Land. Zusätzlich erwähnte er Gavilane mixto del chorreado und Gavilane mixtodel negro von Félix de Azara. Der Schwarzbussard brütet auf Tobago und in geringer Zahl auf Trinidad. Ob die Art entlang des Río Magdalena oder des Río Meta ins Binnenland Kolumbiens vordringt, ist nicht bekannt.
Westlich der Anden kommt die Art an mehreren pazifischen Küstenabschnitten Kolumbiens und etwas ausgedehnter entlang der Pazifikküste Zentral- und Südecuadors (vom Golf von Guayaquil und Puná) südwärts bis Nordperu vor.
Lebensraum mini|links|Baumbestandene, zumindest temporär vernässte Gebiete sind ein bevorzugter Lebensraum