mini|hochkant=2.0|Bildungssystem in den Vereinigten Staaten Das Bildungssystem in den Vereinigten Staaten umfasst alle Einrichtungen des Schul- und Hochschulbereichs. Es ist in die drei Bereiche Elementary (Primary) Schools, Secondary Education und Postsecondary Education unterteilt. Die USA gaben 2017 rund 6,1 Prozent des BIP für die Bildung aus. Das bedeutete in der OECD Platz sechs. 2,5 Prozent für die Tertiäre Bildung war einer der höchsten Werte.

Schulsystem Das Schulsystem in den Vereinigten Staaten bestand im Jahr 2011 aus rund 99.000 Schulen, davon 23.000 High Schools (s. u. mit bis zu 4.000 Schülern in der Einzelschule). Ca. 3,3 Mio. Lehrkräfte unterrichten ca. 50 Mio. Schüler.

Aufgrund der föderalistischen Staatsform ist die Schule eine Angelegenheit der Bundesstaaten mit einer großen Vielfalt von Regelungen. Auf der Bundesebene gibt es seit 1980 das Bildungsministerium der Vereinigten Staaten, dessen Aufgaben nur darin besteht, finanzielle Förderprogramme des Bundes zu entwickeln und bildungsrelevante Bundesgesetze zur Privatsphäre und Gleichberechtigung durchzusetzen. Dazu wurden auch Organisationen zur nationalen Testung geschaffen, so das National Assessment of Educational Progress (NAEP). Grundlegende Entscheidungen werden lokal auf der Ebene der Schulbezirke gefällt, sodass selbst innerhalb der einzelnen Bundesstaaten zum Beispiel die Schulstufen von Ort zu Ort unterschiedlich gegliedert sind. Historisch ist das im Misstrauen der frühen Kolonialisten gegen zentralistische Bevormundung begründet. Zusätzliche Komplexität entsteht aufgrund des sehr umfangreichen Netzes privater und konfessioneller Einrichtungen neben den staatlichen Schulen.

Bildungspflicht Die Regelung der Bildungspflicht () ist in den Vereinigten Staaten Sache der einzelnen Bundesstaaten. Sie beginnt je nach Bundesstaat mit fünf, sechs oder sieben Jahren und endet mit sechzehn, siebzehn oder achtzehn Jahren; die Staaten Connecticut, New Mexico, Oklahoma und Virginia sowie der District of Columbia haben dabei mit der Spanne von fünf bis achtzehn Jahren die längste Bildungspflicht.State Compulsory School Attendance Laws

Unter bestimmten Bedingungen kann der Schulbesuch durch Unschooling (vom Kind geleitetes Lernen; wird in den USA äußerst selten praktiziert) oder Homeschooling (Hausunterricht) ersetzt werden. Dafür entscheiden sich etwa 2 % der Eltern in den USA. Gründe dafür sind z. B. religiöse Ansichten, besondere Bedürfnisse der Kinder (z. B. mit Behinderung), Probleme in herkömmlichen Schulen (Mobbing, Drogen usw.) oder ein zu langer Schulweg. Es gibt viele Stimmen gegen Homeschooling; diese äußern, dass die Schüler keine sozialen Kompetenzen entwickeln, dass die Lehrer (oft die Eltern) keine hinreichende Ausbildung haben und dass Extremismus gefördert werden könnte.

Stand 2009 bekamen etwa 1,5 Millionen Kinder in den Vereinigten Staaten Hausunterricht.

Amerikanische Schulen sind – von der Grundschule an – Ganztagsschulen, an denen der Unterricht aller Schüler morgens zum selben Zeitpunkt beginnt und nachmittags auch zum selben Zeitpunkt endet. Darum betreiben alle Schulen auch Kantinen, in denen die Schüler zu Mittag essen.

Öffentliche, private und konfessionelle Schulen Die meisten Schüler in den Vereinigten Staaten (2010: 87 %) besuchen staatliche Schulen. Diese werden aus Steuergeldern finanziert, sodass die Eltern kein Schulgeld zahlen müssen. Etwa 11  % der US-Schüler besuchen Privatschulen (private schools); für diese muss ein Schulgeld bezahlt werden. Historisch betraf dies vor allem die katholischen Schulen.

Während die staatlichen Schulen in den Vereinigten Staaten stets weltlich, also nicht-konfessionell sind, wird bei den Privatschulen in weltliche und konfessionelle Schulen unterschieden. Der Begriff „konfessionell“ (parochial) wird hierbei erheblich weiter gefasst als vor dem Hintergrund der Konfessionen in Deutschland. Alle drei Gruppen staatliche Schulen, weltliche Privatschulen und konfessionelle Privatschulen – sind in allen Bereichen des Schulsystems von der Elementary School bis zur Universität vertreten. Auch in Privatschulen sind Schulgebete nicht erlaubt.

Während Privatschulen stets ein Schulgeld (tuition) erheben, ist der Besuch öffentlicher Schulen grundsätzlich kostenlos. Gebühren fallen lediglich an, wenn ein Kind eine öffentliche Schule in einem Schulbezirk besucht, der nicht der Schulbezirk der Wohnadresse ist. Neu ist das System der Charter School mit einer gemischten Finanzierung auch mit Bildungsgutscheinen. Dahinter steht die liberale Idee eines Wettbewerbs der Schulen untereinander.

Unterschiede zwischen deutschem und US-amerikanischem Schulsystem Das amerikanische Schulsystem sieht keine „vertikale Differenzierung“ vor, das heißt, unterschiedlich begabte Kinder werden zu keinem Zeitpunkt auf unterschiedliche Schulformen – wie Gymnasium, Realschule oder Hauptschule – aufgeteilt, sondern besuchen die für ihr Alter vorgesehene Schulstufe gemeinsam. Kinder mit speziellem Betreuungsbedarf (special needs children, z. B. Kinder mit geistiger Behinderung) besuchen allgemeine Schulen und werden dort entweder integrativ in normalen Klassenverbänden oder in Kleingruppen gefördert. Unterrichtet werden sie von speziell qualifizierten Fachlehrern; in integrativen Klassen arbeiten diese Seite an Seite mit den Klassenlehrern. Hochbegabte Kinder haben die Möglichkeit, einzelne Klassenstufen zu überspringen. In finanziell gut ausgestatteten Schulbezirken können Hochbegabte auch an besonderen Programmen (educational enrichment) teilnehmen. In Schulbezirken mit entsprechendem Budget bieten die Schulen Kindern, die dies benötigen, auch Leseförderung, Sprachtherapie und englische Sprachförderung (English for Speakers of Other Languages, kurz ESOL).

Von der Grundschule an werden die Klassenverbände jedes Jahr vollständig aufgelöst und neu zusammengesetzt. Auch die Klassenlehrer sind auf einzelne Jahrgangsstufen spezialisiert und wechseln meist jedes Jahr. Während die Neubildung der Klassenverbände in der Grundschulzeit vor allem darauf abzielt, Gruppenstrukturen mit günstigem Lernklima zu schaffen (z. B. Verhinderung von Cliquenbildung), geht es später, d. h. an der Middle School, vor allem darum, homogene Gruppen aus gleich begabten Kindern zu erzeugen. In den höheren Klassenstufen, also an den Junior Highschools und Highschools, gibt es keine Klassenverbände mehr. Ähnlich wie in der Gymnasialen Oberstufe in Deutschland belegen die Schüler hier Kurse, die gelegentlich sogar Klassenstufen-übergreifend durchgeführt werden. An die Stelle von Klassenlehrern treten an den Junior Highschools und Highschools Ansprechlehrer.

Schulbezirke und Bundesstaaten Anders als in Deutschland, wo die Schulpolitik Sache der Bundesländer ist, werden Entscheidungen, die die Schulstufen von der Elementary School bis zur High School betreffen, in den Vereinigten Staaten vor allem in den Schulbezirken gefällt. Schulbezirke bekommen aber auch strenge Richtlinien vom jeweiligen Department of Education des Bundesstaates. Der auf lokaler Ebene von der Bevölkerung gewählte Bildungsrat (Board of Education) legt innerhalb des Bezirks gewisse Bildungsrichtlinien und Schulsteuern fest, setzt Verwaltungs- und Lehrpersonal ein, richtet Schulen ein und unterhält sie mit staatlichen Geldern des Department of Education und auch von den oben genannten Quellen. Eigene Kurse werden so beschlossen und regionsspezifisch angeboten, beispielsweise haben Schulen in ländlichen Gebieten viele landwirtschaftliche Kurse im Angebot.

Die Ausbildung und Zulassung von Lehrern (Certification) ist hingegen eine Angelegenheit der Bundesstaaten.

Finanziert werden die Schulen aus den Steuern, die im Schulbezirk sowie im Bundesstaat als eine Art Grundsteuer erhoben werden (School Tax). Zusätzliche Zuschüsse erhalten sie aus den Steuereinnahmen des Bundesstaates. Viele Schulen werben darüber hinaus in eigener Initiative private Drittmittel (Fundraising) ein. Fundraising bietet z. B. die Möglichkeit, einer ganzen Klasse oder sogar einem ganzen Jahrgang für 1–2 Wochen eine besondere Klassenfahrt zu finanzieren. Die finanzielle Ausstattung der Schulen ist also etwas stärker vom Steueraufkommen des jeweiligen Schulbezirks abhängig.

Schulstufen Die Grundstufe des amerikanischen Schulsystems bildet die Elementary School. Was darauf folgt, ist von Schuldistrikt zu Schuldistrikt unterschiedlich.

Elementary School mini|Im Unterrichtsraum einer 1. Klasse mini|Über die Schulbibliothek hinaus besitzt jeder Klassenraum meist auch eine eigene kleine Bibliothek.

Die Kinder werden gewöhnlich mit vier oder fünf Jahren (siehe Grafik oben) in den sogenannten Kindergarten eingeschult, welches die obligatorische Vorschule in den USA darstellt, die zum Schulsystem gehört. In der International Standard Classification of Education entspricht dies der Stufe 0 Elementarbereich. Eine verpflichtende Vorschule gibt es, so wie in Deutschland, nicht. Davor haben die Kinder oftmals bereits ein privates oder öffentliches Betreuungsprogramm besucht (Day Care, Nursery School, Pre-school), welches in Deutschland dem eigentlichen Kindergarten entspricht. Es kommt daher regelmäßig zu Verwechslungen zwischen dem deutschen Kindergarten (in den USA „Pre-School“ oder „nursery school“ genannt) und dem amerikanischen „Kindergarten“, der in etwa der deutschen Vorschule entspricht. Mit „pK“ oder „preK“ werden Bildungsprogramme wie Day Care, Nursery School oder Pre-school bezeichnet, die vor dem „amerikanischen Kindergarten“ angeboten werden, was wiederum dem Kindergarten in den deutschsprachigen Ländern entspricht.

Die Elementary Schools, die auch als Primary Schools oder Grade Schools bezeichnet werden, umfassen die Klassenstufen vom Kindergarten bis zur vierten, fünften oder sechsten Klasse (je nach Schulbezirk). In Schulbezirken, in denen keine Middle Schools und Junior High Schools vorhanden sind, reichen sie auch bis zur achten Klasse. Diese Primarbildung entspricht dem Level 1 der ISCED.

Die Klassengröße beträgt etwa 18–24 Kinder. Anders als an britischen Schulen, wo die Schüler pupils genannt werden, ist in den Vereinigten Staaten bereits von der Kindergartenstufe an die Bezeichnung students üblich. Das Lehrpersonal an amerikanischen Grundschulen ist, wie in vielen anderen Ländern, mehrheitlich weiblich. Der Klassenlehrer, der über jeden Schüler eine individuelle Akte führt, wird – besonders in finanziell gut ausgestatteten Schulbezirken – oft von einem Assistenten (Teacher Assistant) unterstützt. In integrativen Klassen, in denen auch behinderte Kinder unterrichtet werden, können sogar noch mehr Fachkräfte und Assistenten eingesetzt werden. Daneben werden in allen Klassenstufen Fachlehrkräfte für Sport, Kunst- und Musikerziehung – in den höheren Klassenstufen manchmal auch für Naturwissenschaften – eingesetzt. Diese Fachlehrer verfügen meist über eigene Unterrichtsräume.

Der Schultag der Grundschüler hat unabhängig vom Alter der Kinder etwa sechs Stunden und schließt ein kostenpflichtiges Mittagessen in der Schulkantine ein. Der Schultag, der mit dem feierlichen Treuegelöbnis beginnt, ist straff organisiert und wird nur durch eine Pause am Mittag unterbrochen, die von den Kindern – außer an kalten oder regnerischen Tagen – auf dem Schulspielplatz verbracht wird; in manchen Schuldistrikten sind auch zwei Pausen üblich. In der Kindergartenstufe und an vielen Schulen auch in der ersten Klasse wird der Unterricht jedoch auch durch freie Spielzeiten im Unterrichtsraum (Centers) unterbrochen. Etwa von der dritten Klasse an erhalten die Schüler an vielen Schulen auch Zeit zum freien Arbeiten (Study Hall), in der Hausaufgaben erledigt oder Bücher aus der Schulbibliothek gelesen werden können. Obwohl der Schultag kaum vor 15 Uhr endet, werden bereits von der ersten oder zweiten Klasse an jedem Tag Hausaufgaben erteilt.