Bei den X. Olympischen Winterspielen 1968 in Grenoble fanden zwei Wettbewerbe im Skispringen statt. Diese galten gleichzeitig als 27. Nordische Skiweltmeisterschaften. Neben olympischen Medaillen wurden auch Weltmeisterschaftsmedaillen vergeben. Austragungsorte waren Autrans mit der Sprungschanze im Ortsteil Le Claret und dem provisorischen Skistadion südlich des Dorfes sowie Saint-Nizier-du-Moucherotte mit der Dauphiné-Schanze.
Bilanz Medaillenspiegel PlatzLand20x20px|Gold20x20px|Silber20x20px|BronzeGesamt111–221––13–1124––11Gesamt2226
Medaillengewinner DisziplinGoldSilberBronzeNormalschanze Jiří Raška (TCH) Reinhold Bachler (AUT) Baldur Preiml (AUT)Großschanze Wladimir Beloussow (URS) Jiří Raška (TCH) Lars Grini (NOR)
Ergebnisse
Normalschanze
Olympiasieger 1964: Toralf Engan (NOR) (Karriere beendet) / Weltmeister 1966: Bjørn Wirkola (NOR). Platz Land Athlet Weiten (m) Punkte 1Jiří Raška79,0 / 72,5216,5 2Reinhold Bachler77,5 / 76,0214,2 3Baldur Preiml80,0 / 72,5212,6 4Bjørn Wirkola76,5 / 72,5212,0 5Topi Mattila78,0 / 72,5211,9 6Anatoli Scheglanow79,5 / 74,5211,5 7Dieter Neuendorf76,5 / 73,0211,3 8Wladimir Beloussow73,5 / 73,0207,5 9Ladislav Divila76,5 / 73,0207,3 10Günther Göllner77,0 / 70,5207,1 10Gilbert Poirot76,5 / 73,5207,1 12František Rydval76,0 / 73,5206,8 13Lars Grini74,5 / 73,0206,1 14Manfred Queck75,5 / 72,5205,4 14Ludvik Zajc76,5 / 71,5205,4 14Gari Napalkow75,0 / 73,0205,4 17Veikko Kankkonen76,0 / 71,5205,1 18Alain Macle74,0 / 72,5204,0 19Zbyněk Hubač74,0 / 73,5203,6 20Wolfgang Stöhr73,5 / 71,0199,3 21Jan Olaf Roaldset73,0 / 73,0197,7 22Heini Ihle75,5 / 70,0197,4 23Yukio Kasaya71,0 / 72,0196,4 24Akitsugu Konno72,5 / 69,5196,3 25Giacomo Aimoni72,5 / 71,5195,0 26Takashi Fujisawa73,0 / 71,0194,5 27Józef Przybyła72,5 / 71,0193,7 28Henrik Ohlmeyer75,0 / 67,5193,6 29Sepp Lichtenegger72,5 / 70,0193,1 30Erwin Fiedor74,5 / 67,5191,8 31Jo Inge Bjørnebye73,5 / 67,0190,4 32Ryszard Witke73,5 / 68,5190,3 33John Balfanz72,5 / 68,5189,7 34László Gellér73,0 / 69,5189,6 35Józef Kocyan72,5 / 69,0189,0 36Max Golser74,0 / 65,0186,0 37Kurt Elimä71,0 / 69,5185,9 38Marjan Mesec73,5 / 69,0185,1 39Juhani Ruotsalainen70,0 / 68,0184,4 40Bill Bakke69,5 / 70,0180,8 41Maurice Arbez70,0 / 68,5178,7 42Jay Rand70,0 / 70,5178,4 43Tord Karlsson67,5 / 69,5175,8 44Adrian Watt71,0 / 68,0174,0 45Heikki Väisänen68,5 / 63,5170,8 46Marjan Pečar76,5 / 61,0170,1 47Masakatsu Asari72,5 / 59,5169,8 48Ulf Norberg65,5 / 66,0167,0 49Mats Östman67,5 / 64,0165,5 50Michel Saint Lezer67,0 / 64,0164,7 51Peter Eržen73,0 / 70,5163,2 52Sepp Zehnder73,5 / 67,5154,2 53Ulf Kvendbo61,5 / 63,0153,3 54Bernd Karwofsky72,0 / 67,0151,5 55John McInnes61,5 / 60,5148,3 55Wladimir Smirnow69,5 / 70,0148,3 57Claude Trahan61,5 / 56,0130,6 58Mihály Gellér64,0 / 67,5129,0 Datum: 11. Februar, 13:00 Uhr Schanze: Tremplin du Claret (Autrans); K-Punkt: 70 m 58 Teilnehmer aus 17 Ländern, alle in der Wertung.
Der weiteste Sprung je Durchgang wurde mit 60 Punkten bewertet, hinzu kamen maximal 60 Punkte für den Sprungstil. Jeweils die tiefste und höchste Wertung der fünf Kampfrichter waren Streichergebnisse. Maximal konnten 240 Punkte erzielt werden.
Nur einer der Favoriten, Jiří Raška, wurde den Erwartungen gerecht. Nach dem ersten Sprunglauf gab es geringe Abstände. Raska wies die Punktezahl 115,2 vor Preiml 113,8, Mattila 111,1, Scheglanow 110,0 sowie Wirkola und Neuendorf mit je 108,7 auf. Die beste Weite überhaupt hatte zwar Preiml mit 80 m im ersten Durchgang erzielt, doch Raška hatte hier für seine 79,5 m die besseren Haltungsnoten erhalten; Bachler lag auf Rang 8. Für den 2. Durchgang war der Anlauf verkürzt worden. (Die Weiten wurden nicht unerheblich gemindert.) Preiml erwischte die Spur nicht gut (er war von drei Spuren in die langsamste geraten und hatte auch den richtigen Absprung verpasst), seine 72,5 m ließen ihn letztlich auf den Bronzeplatz zurückfallen (in einer Reihung des zweiten Durchgangs kam er mit 98,8 Punkten nur auf Rang 19). Bachler sprang auf 76,0 m, wofür er 106,4 Punkte erhielt und nicht nur im 2. Durchgang letztlich Platz 1 belegte, sondern im Ablauf des Springens auch auf Platz 1 vorstieß. Nur Raška blieb unschlagbar; er setzte erneut einen sauberen Sprung (72,5 m), für den ihm 101,3 Punkte zuerkannt wurden (zwar bedeutete diese Note im 2. Durchgang "nur" Rang 8, aber sie reichte für den Erfolg). Trotzdem stellte das Ergebnis der Österreicher mit zwei Medaillen angesichts der sonstigen Dominanz anderer Nationen eine Überraschung dar, wenngleich anderseits Max Golser mit einem Sprung auf sogar 82,0 m im Training hatte aufhorchen lassen. Der amtierende Doppelweltmeister Wirkola sprang 76,5 m und 72,5 m, sodass er hier wie auch später auf der Großschanze ohne Medaille blieb.
Nach dem Probedurchgang hatte es eine österreichische Dreifachführung mit Preiml (78,0 m), Bachler (75,5 m) und Golser (74 m) gegeben.„Silber für Bachler, Bronze für Preiml“ in »Welt und Sport« (= Montagausgabe der »Volkszeitung Kärnten«) Nr. 1049 vom 12. Februar 1968, S. 1.
58 Teilnehmer aus 17 Ländern, alle in der Wertung.
Großschanze
Olympiasieger 1964: Veikko Kankkonen (FIN) / Weltmeister 1966: Bjørn Wirkola (NOR). Platz Land Sportler Weiten (m) Punkte 1Wladimir Beloussow101,5 / 98,5231,3 2Jiří Raška101,0 / 98,0229,4 3Lars Grini99,0 / 93,5214,3 4Manfred Queck96,5 / 98,5212,8 5Bent Tomtum98,5 / 95,0212,2 6Reinhold Bachler98,5 / 95,0201,7 7Wolfgang Stöhr96,5 / 92,5205,9 8Anatoli Scheglanow99,0 / 92,0205,7 9Ludvik Zajc96,5 / 93,5203,8 10Gilbert Poirot97,0 / 94,0203,7 11Gari Napalkow96,5 / 90,5203,1 12Rudolf Höhnl98,5 / 91,5202,8 13Jan Olaf Roaldset100,5 / 91,5202,6 14Józef Przybyła98,0 / 90,5199,2 15Dieter Neuendorf93,0 / 92,0198,8 16Giacomo Aimoni93,0 / 92,0195,3 17Alain Macle89,5 / 93,5194,0 18Takashi Fujisawa101,0 / 82,5192,7 19László Gellér95,0 / 90,0191,3 20Akitsugu Konno91,5 / 90,5191,1 20Yukio Kasaya91,0 / 88,5191,1 22Max Golser95,0 / 91,5190,4 23Bjørn Wirkola93,0 / 87,0189,3 24Veikko Kankkonen89,5 / 89,5188,9 25Zbyněk Hubač95,0 / 87,0188,6 26Seiji Aochi90,5 / 87,5185,0 27František Rydval92,0 / 88,0184,8 28Sepp Lichtenegger91,0 / 91,0184,6 29Günther Göllner93,0 / 85,0183,5 30Erwin Fiedor92,0 / 84,0179,7 31Ryszard Witke88,5 / 88,0179,4 32Tord Karlsson91,0 / 87,5179,2 33Henrik Ohlmeyer90,5 / 86,0177,9 34Bill Bakke90,5 / 87,5175,5 35Jay Rand90,0 / 86,0174,7 36Franz Keller90,5 / 84,0174,1 37Kurt Elimä87,5 / 85,5174,0 38Peter Štefančič94,0 / 85,0173,4 39Marjan Pečar91,0 / 81,5172,8 40Seppo Reijonen87,0 / 85,0170,1 41Wladimir Smirnow88,0 / 83,5169,9 42John Balfanz84,5 / 85,5169,8 43Jay Martin85,0 / 85,0163,8 44Peter Eržen96,0 / 87,5161,7 45Józef Kocyan80,0 / 88,0159,0 46Heini Ihle82,0 / 84,5156,4 47Sepp Zehnder84,0 / 79,5153,2 48Baldur Preiml80,5 / 87,0152,3 49Topi Mattila85,0 / 90,5150,5 50Juhani Ruotsalainen78,0 / 80,5149,2 50Maurice Arbez87,0 / 79,0149,2 52Mats Östman83,0 / 79,5148,8 53Kjell Sjöberg85,5 / 73,0145,2 54Michel Saint Lezer85,5 / 76,0142,9 55Ulf Kvendbo76,5 / 77,0138,7 56Mihály Gellér85,5 / 92,0138,7 57John McInnes71,5 / 73,5120,3 58Claude Trahan64,0 / 69,091,0 Datum: 18. Februar, 13:00 Uhr Schanze: Tremplin du Dauphiné (Saint-Nizier-du-Moucherotte); K-Punkt: 90 m 58 Teilnehmer aus 17 Ländern, alle in der Wertung.
Es galt dasselbe Wertungssystem wie auf der Normalschanze mit maximal 240 Punkten. Beloussow erzielte in beiden Durchgängen die beste Weite.
Da es am 16. Februar wegen Nebels kein Training gegeben hatte, war sogar in Betracht gezogen worden, den Bewerb selbst erst einen Tag nach dem vorgesehenen Ende der Spiele, also am 19. Februar, durchzuführen. Es gab auch einen Fehler durch den Veranstalter, als er den Probedurchgang als ersten Wertungsdurchgang ankündigte (hier waren die Österreicher Bachler (101,5 m) und Preiml (98,0 m) am weitesten gesprungen). Tatsächlich hätte der Probedurchgang nur bei einem Ausfall eines Wertungsdurchgangs gezählt.
Beloussow war der erste Sowjetsportler, der im Spezialsprunglauf eine Olympiamedaille gewann. Er galt für die meisten als Außenseiter, doch er hatte das Qualifikationsspringen der Sowjet-Springerelite gewonnen und auch in zwei vorherigen Konkurrenzen Raška geschlagen. Bereits im Probedurchgang war er der Beste gewesen, vor Wirkola und Bachler, die ihre Leistung nicht bestätigen konnten. Ähnlich schlecht sprang auch Veikko Kankkonen.
Für seinen ersten Sprung erhielt Beloussow 118,0 Punkte, Raška 116,3, dazwischen lag der Japaner Takashi Fujisawa, dem 116,8 Punkte zuerkannt worden waren. Im zweiten Durchgang (bei verkürztem Anlauf) schaffte Raška mit 98 Metern vorerst den weitesten Sprung der Medaillenanwärter, doch Beloussow war noch um einen halben Meter besser. Der einzige, der noch Gold hätte holen können, war Fujisawa, der nun den Absprung verfehlte, gerade noch einen Sturz verhindern konnte und auf Rang 18 zurückfiel. Der Japaner war zwar gut weggekommen, bekam aber Oberluft und musste den Sprung vorzeitig abbrechen. Die großen Verlierer waren die Nordländer, trotz Bronze für Lars Grini und Rang 5 für Bent Tomtum, denn Rang 23 für Wirkola und 24 für Olympiasieger Kankkonen stellten aus deren Sicht eine schwere Niederlage dar. Bei den Österreichern entsprachen die Leistungen von Golser und Lichtenegger den Erwartungen; Bachler konnte sich noch von Rang 8 auf 6 verbessern. Preiml hatte den ersten Sprung total verhaut (Rang 55).«Revolution der Springer: ¸König’ Wirkola abgedankt. Junger Russe triumphierte – Bachler schwächer»; Kleine Zeitung, Steiermark-Ausgabe vom 20. Februar 1968, S. 31.«Bei Bachler und Preiml klappte nur der Probedurchgang – Russen-Sieg»; Kronen-Zeitung Wien vom 19. Februar 1968.„Junger Russe distanzierte Weltelite“ in Welt und Sport (= Montagausgabe der Volkszeitung Kärnten) Nr. 1050 vom 19. Februar 1968, S. 2.
Weblinks
Offizieller Bericht der Olympischen Winterspiele 1968 (PDF; 19,4 MB)
Einzelnachweise
#1968 Skispringen #1968 Kategorie:Sportveranstaltung in Autrans-Méaudre en Vercors Kategorie:Saint-Nizier-du-Moucherotte #1968 Kategorie:Männerskisprungwettbewerb Kategorie:Skispringen (Frankreich)