Fritz Walter Mamat (* 21. März 1912 in Memel, Deutsches Reich; † 3. Juni 1976 in Lutherstadt Wittenberg, DDR) war ein deutscher Kunstmaler.Jörn Barfod: Kunstmaler aus Memel im Dienst der DDR. In: Preußische Allgemeine Zeitung vom 3. April 2025. Abgerufen am 26. August 2025. mini|hochkant|Walter Mamat
Leben und Werk Familie, Kindheit und Ausbildung Walter Mamats Eltern, der Maurer Rudolf Albert Mamat (geb. 13. April 1873) und die Schneiderin Anna Mamat geborene Doblies (geb. 6. November 1879) heirateten am 10. Dezember 1897 in Bommelsvitte, heute Teil von Klaipeda (damals Memel). Sein Bruder Emil Arthur wurde am 30. November 1899 im Haus Bommels Vitte 5, und sein Bruder Willy am 2. April 1902 ebenfalls in Bommelsvitte geboren. Sein Bruder Otto Alfred wurde am 11. Juni 1903 in Bommelsvitte, seine Brüder Ernst Kurt am 13. November 1905 und Hans Oskar am 23. November 1906 in Memel geboren. Ebenfalls in Memel geboren wurden seine Schwestern Anna Helene am 15. September 1908, Erna Charlotte am 27. Mai 1913 und Christiana Käthe am 19. Dezember 1914. Sein Bruder Willy starb mit 13 Jahren am 19. April 1915 im städtischen Krankenhaus in Memel.
Nach der Schulzeit ging Mamat bei einem Dekorations- und Kirchenmaler in die Lehre. Bei Carl Knauf in Königsberg, ab 1931 in Nidden, nahm er Unterricht in freier Malerei. Auch während seines Militärdienstes in der litauischen Armee von 1934 bis 1936 hielt er Kontakt zu Knauf, dessen Assistent er nach von 1937 bis 1940 war. Im April 1937 erscheint Mamat als Malergehilfe, im Oktober 1938 als Maler, jeweils wohnhaft in der Mühlentorstraße 93 in Memel.Ortsfamilienbuch Memelland Ausstellungen mit künstlerischen Arbeiten Mamats sind nicht bekannt.
Rolle in der NS-Zeit Zum 1. April 1939 trat Mamat in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 7.092.652).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/27491194 Ab 1940 arbeitete er nach eigener Aussage als Hilfszeichner in einem Rüstungsbetrieb, mit dem er im Oktober 1944 wegen der Kriegslage aus Memel evakuiert wurde.Mathias Tietke: Wittenberg. Alles außer Luther. 2018, S. 202.
Nachdem das NS-Regime 1939 die Abtretung des Memellandes von Litauen erzwungen hatte, lässt sich Mamat aber auch als Angestellter der deutschen Sicherheitspolizei in Memel nachweisen. Am 5. November 1940 hatte er beim Rasse- und Siedlungshauptamt der SS ein seit 1932 für SS-Angehörige verpflichtendes Verlobungs- und Heiratsgesuch gestellt, in dem er als Beruf „Kriminal-Angestellter“ angab und als SS-Bewerber geführt wurde. Im Anschreiben bat Mamat um zügige Bearbeitung, da es schwierig sei, für die Verlobung Urlaub zu erhalten – „gerade in meinem Beruf bei der Geheimen Staatspolizei“ und er im Januar mit einer Versetzung oder Abkommandierung zu einem Einsatzkommando rechne. Die SD-Einsatzgruppen wie z. B. das Einsatzkommando Tilsit sind für ihre Beteiligung an Massenmorden bekannt.s. a. https://www.topographie.de/veranstaltungen/detail/die-einsatzgruppen-der-sicherheitspolizei-und-des-sd-im-krieg-gegen-die-sowjetunion. Ob Mamat zur Zeit späterer Massaker noch in Ostpreußen stationiert war, ist Gegenstand aktueller Recherchen.
Die geplante Hochzeit fand am 2. April 1942 in Berlin-Prenzlauer Berg statt. Aktenkundig wird Mamat zu jener Zeit als Kriminalassistent-Anwärter in der Sicherheitspolizeischule Drögen bei Fürstenberg/Havel.Julius Jasper Topp: DDR-Künstler - und Täter? In: Mitteldeutsche Zeitung vom 6. Februar 2026
Tätigkeit nach 1945 Übersiedlung nach Wittenberg Ab Juli 1945 lebte Mamat in Wittenberg, wohin auch seine Schwester Helene mit Mann und Tochter übersiedelte.Ortsfamilienbuch Memelland In Wittenberg stellte er gleich nach seiner Ankunft einige seiner Bilder, die er bei der Evakuierung mitgenommen hatte, in der Aula des Melanchthon-Gymnasiums aus. Über Mamats Kunstwerke berichtete die Beilage der Volks-Zeitung am 5. Januar 1946: „Der aus Ostpreußen stammende Landschafter W. Mamat hat Bilder seiner Heimat ausgestellt. Seine Arbeiten sind gut und erfreuen durch Farbe und gute Zeichnung.“Mathias Tietke: Wittenberg. Alles außer Luther. 2018, S. 202.
Studium in Weimar Von 1946 bis 1948 studierte Mamat an der Weimarer Kunsthochschule bei Hermann Kirchberger und Otto Herbig und ließ sich auch in Figurenmalerei ausbilden. In der Galerie Hennig in Halle (Saale) zeigte Mamat im Februar 1949 laut Katalog 20 Ölbilder, 18 Aquarelle und fünf Pastelle; Porträts, Genrebilder und 21 Impressionen der Kurischen Nehrung. Ebenfalls 1949 beteiligte er sich an der Landeskunstausstellung Sachsen-Anhalt in der Moritzburg in Halle.Kunst des frühen 20. Jahrhunderts in deutschen Ausstellungen. Teil 2. Antifaschistische KünstlerInnen in Ausstellungen der SBZ und der DDR. VDG Weimar – Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften, Bonn 2000, ISBN 978-3-9589-9097-5, S. 140–142.
Tätigkeit als Kunstmaler Der Bildindex der Kunst & Architektur nennt Mamats Ölgemälde Gundel und der Wandteppich und Winterabende als Exponate auf der Dritten Deutschen Kunstausstellung in Dresden. Lt. Katalog war Mamat auf dieser Ausstellung nicht vertreten. Es ist zu vermuten, dass er die Bilder eingereicht hatte, er aber nicht berücksichtigt wurde. Bei Gundel handelte es sich um seine Tochter, die vor einem vom Künstler gestalteten Teppich stand. 1956 nahm Mamat an der Ausstellung „Deutsche Landschaften“ in der Moritzburg in Halle teil.
Gemeinsam mit Karlheinz Wenzel gestaltete Mamat einen Jahreskalender mit Impressionen aus der Stadt Wittenberg und deren Umgebung. Dieser Kalender wurde von der Werbeabteilung des VEB Wittol herausgegeben.
In den 1960er und Anfang der 1970er Jahre wurde Mamat in der Tageszeitung Freiheit häufig als „Maler der Arbeiterklasse“ bezeichnet. Hierbei wurde beispielsweise explizit auf sein Ölbild Gummi-Arbeiterin hingewiesen. Angelika Deparade, eine Arbeiterin des Wittenberger VEB Gummiwerkes Elbe (Elbit), hatte dafür Modell gestanden. Das Werk befindet sich im Bestand des Kunstmuseums Moritzburg. In dem Wittenberger Gummiwerk leitete Walter Mamat einen Mal-Zirkel für künstlerisch interessierte Laien. Er gestaltete in einem der Bürogebäude zudem ein 7 × 4 Meter großes Wandbild, das jedoch nach der Wende mit Tapete überklebt wurde.Mathias Tietke: Lost Places Wittenberg. 2020, S. 138 ff.
Mamat malte die Landschaften seiner Studienreisen 1957 nach Albanien, 1958 nach Bulgarien, 1974 in die Sowjetunion und nach Moskau, 1975 nochmals nach Bulgarien und zuletzt an die Wolga.
Nachleben Nachlasspflege Nach dem Tod Mamats wurde sein künstlerisches Erbe nicht gepflegt und geriet in Vergessenheit. Mamat wurde vielfach als Künstler des sozialistischen Realismus betrachtet. Ein Ehepaar, das die Villa erwarb, in der Mamat über Jahrzehnte gelebt und gearbeitet hatte, übernahm mit dem Erwerb des Hauses auch unwissentlich den Bestand der Kunstwerke. Diese werden seitdem im Keller gelagert und blieben der Öffentlichkeit verborgen. Mathias Tietke: Von Memel nach Wittenberg: Walter Mamat (1912 - 1976): S. 49
Mathias Tietke präsentierte im Sommer 2018 einen Querschnitt des Schaffens von Walter Mamat innerhalb der Ausstellung 10 Wittenberger Künstler_innen des 20. Jahrhunderts im Alten Rathaus von Wittenberg.Karina Blüthgen: Ausstellung im Alten Rathaus: Zehn Wittenberger Künstler sind unvergessen. In: Mitteldeutsche Zeitung vom 19. Juni 2018.
Kunstwerke Mamats befinden sich größtenteils in Privatbesitz. Drei seiner Bilder mit Motiven der Stadt Memel und der Kurischen Nehrung befinden sich im Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg. Das Haus der Geschichte Wittenberg bekam ein Konvolut von Mamat-Bildern geschenkt und präsentiert diese in einer sogenannten „Sachzeugensammlung“ online. 2025 zeigte das Ostpreußische Landesmuseum eine Sonderausstellung seiner Werke.Auferstanden aus Ruinen. Der Maler Walter Mamat (1912–1976). In: Ostpreußisches Landesmuseum. Abgerufen am 26. August 2025.
Aufdeckung möglicher NS-Verstrickungen Im Dezember 2025 ergaben von der Stadt Wittenberg beauftragte wissenschaftliche Forschungen des Historikers Thomas Pruschwitz in den Beständen des Bundesarchivs Hinweise auf eine Tätigkeit Mamats für die Gestapo und die SS. Mathias Tietke, der 2025 eine Biographie Mamats publizierte, ohne darin auf die bislang unbekannte Rolle Mamats im NS-Staat einzugehen, bestritt dies in einer ersten Reaktion und erstattete Anzeige wegen Verleumdung, nachdem der Wittenberger Oberbürgermeister Torsten Zugehör Mamats mutmaßliche NS-Verstrickungen im Stadtrat öffentlich machte. Soweit eine SS-Mitgliedschaft im Raum steht, fehlen dafür bislang einschlägige Belege. Anders als SS-Anwärter waren SS-Bewerber nämlich keine Angehörigen der Schutzstaffel.s. SS-Bewerber Mamat selbst hat angegeben: „Nach dem Anschluss des Memellandes an das Reich 1939 war ich politisch nicht organisiert.“Mathias Tietke: Von Memel nach Wittenberg: Walter Mamat (1912–1976), S. 97. Der seinerzeitige Oberbürgermeister von Wittenberg bestätigte dem Künstler am 15. Oktober 1945 die politische Unbedenklichkeit. Diese wurde am 8. März 1946 vom Amt für Volksbildung bestätigt.Mathias Tietke: Von Memel nach Wittenberg: Walter Mamat (1912–1976). S. 16.
Literatur Katalog 22, Walter Mamat, Wittenberg, Ölbilder, Pastelle, Aquarelle. Februar 1949. Galerie Henning, Halle 1949. Mathias Tietke: Wittenberg. Alles außer Luther. Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2018, ISBN 978-3-95462-895-7, S. 202–209 (Walter Mamat wird vorgestellt und drei seiner Bilder werden gezeigt.) Von Memel nach Wittenberg. Der Künstler Walter Mamat (1912–1976). Verlag Tredition, Hamburg 2025, ISBN 978-3-384-52035-7.
Weblinks Werke von Walter Mamat im museum-digital:sachsen-anhalt
Einzelnachweise
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