Gręblin (kaschubisch Grãblënò, deutsch Gremblin, auch Adl. Gremblin) ist ein Dorf der Stadt-und-Land-Gemeinde Pelplin im Powiat Tczewski (Dirschau) der Woiwodschaft Pommern, Polen. Es hat (2011) 695 Einwohner.Statistik. polskawliczbach.pl; abgerufen am 1. Januar 2021.
Geographische Lage Gręblin liegt an der Droga krajowa 91 (ehemals Landesstraße 1). Der Ort liegt etwa 6 km nordöstlich von Pelplin, 16 km südlich von Tczew und 46 km südlich der Regionalhauptstadt Danzig. Er befindet sich in der ethnokulturellen Region Kociewie in der historischen Region Pommerellen. Ein Nachbardorf ist Rudno, etwa 3,5 km südlich von Gręblin.
Geschichte mini|Landschaft bei Gręblin, 2017 Gręblin/Gremblin war ein königliches Dorf der polnischen Krone, das heute administrativ im Landkreis Tczew in der Woiwodschaft Pommern liegt.Marian Biskup, Andrzej Tomczak: Mapy województwa pomorskiego w drugiej połowie XVI w. Toruń 1955, S. 110–111 (polnisch).
1229 erhielt das Kloster Oliva das Mewer Land als Schenkung von Herzog Sambor II., und in diesem Zusammenhang wurde die Stadt Mewe erstmals erwähnt. Theodor Hirsch, Max Toeppen und Ernst Strehlke werteten die das Kloster betreffenden Urkunden aus:
Mit Urkunde vom 18. November 1292, ausgestellt in Schwetz, bestätigte Herzog Mestwin II. dem Kloster Oliva die Dörfer Raikau, Rathstube, Bresnow, Osterwiek und Schönwarling.Max Perlbach (Bearb.): Pommerellisches Urkundenbuch. Danzig 1882, S. 440.
1309 gelangte Pommerellen in den Besitz des Deutschen Ordens und somit zum Deutschordensstaat Preußen, der das Gebiet 1466 als Königliches Preußen an die Krone Polens abtreten musste. Von der Reformation blieb dieser Teil Pommerellens weitgehend unbeeinflusst, lediglich einige Mennoniten siedelten ab dem 17. Jahrhundert in der Gegend, sie verließen aber Westpreußen zwischen 1772 und 1870 wieder.Herbert Wiebe: Die niederländischen (mennonitischen) Ansiedlungen in Pommerellen auf den Ländereien der polnischen Krone im 17. Jahrhundert. 1939, S. 45–47, 53–55 (= Mennonitische Blätter, 86).
Liebenau, Rauden, Gremblin und Janischau, stattliche Bauerndörfer auf dem fruchtbaren Höhenrand vor der Weichselniederung, gingen seit langem eigene Wege als Gratialdörfer im Pacht- oder Pfandbesitz von bedeutenden Adligen. Liebenau, Rauden und Gremblin erscheinen zusammen im Besitz von Gerhard Dönhoff, Hauptmann von Berent und Fellin, Administrator (Oeconomus) von Marienburg, seit 1643 Schatzmeister für das polnische Preußen und Woiwoden von Pommerellen.Arthur Semrau: Beiträge zu der Geschichte der Stadt Neumark. Marienwerder 1893, S. 81. Gustav Sommerfeldt: Zur Geschichte des Pomerellischen Woiwoden Grafen Gerhard von Dönhoff († 23. Dezember 1648). In: Zeitschrift des Westpreußischen Geschichtsvereins, 1901, 43, S. 219–265.
1772 kam Gremblin vom Königlichen Preußen zum Königreich Preußen. Fürst Adam Kasimier Czartoryski in Warschau trat 1787 die Rechte an seinen ihm auf Lebenszeit überlassenen Gratialgütern Liebenau, Rauden und Gremblin an den polnischen Oberstleutnant Johann Ludwig von Katzler ab.Mitteilungen der Königlich Preußischen Archivverwaltung, 1911, S. 4. Im Geheimen Staatsarchiv Berlin lagert ein Schriftwechsel des Oberstleutnants Johann Ludwig von Katzler (Katzeler) bei Liebenau, Rauden und Gremblin von 1787. (GStA Berlin, GD WP, Tit. XLIX, Sect. 1, Nr. 1, 3, 4, 5, 11.)
Der Eintrag in der Volständigen Topographie des Königreichs Preußen (1789) lautet: „Die Gratial-Güter Gremblin, Rauden mit einer lutherischen und Liebenau mit einer katholischen Kirche, alle drei im Amtsbezirke Mewe.“Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. 2. Teil, Westpreußen enthaltend. Marienwerder, gedruckt in der Königl. West-Preuß. Kanterschen Hofbuchdruckerei, 1789, S. 70.
Das Domänenrentamt Mewe zeigte in einem Bericht vom 17. Januar 1848 an, dass sämtliche Grundstücke in Rauden, Gremblin, Liebenau und Gartz seit Fundation der Kirche zu Rauden bis etwa zum Jahr 1839 stets nur in Händen evangelischer Besitzer gewesen seien.Theodor Striethorst (Hrsg.): Archiv für Rechtsfälle, die zur Entscheidung des Königlichen Ober-Tribunals gelangt sind. J. Guttentag, Berlin 1858, S. 230.
Am 7. Mai 1874 erfolgte die Bildung des Amtsbezirks Adlig Liebenau aus den Landgemeinden Adlig Liebenau, Adlig Gremblin, Adlig Rauden, Groß Gartz und Sprauden. Er wurde zunächst verwaltet vom Amtsvorsteher Gutsbesitzer Deichhauptmann Adolph Ziehm in Liebenau für 6 Jahre.Amtsbezirk Adlig Liebenau. Territorial.de; abgerufen am 1. Januar 2021.
Im 19. Jahrhundert werden in verschiedenen wissenschaftlichen Publikationen die örtlichen Güter der Gutsbesitzer Rohrbek und Ziehm genannt, ferner (1887) G. Meves, Besitzer der Meiereien zu Gremblin und Mewe.Stenographische Berichte, Reichstag, Aktenstück Nr. 56. (Drittes Verzeichniß der bei dem Reichstage eingegangenen Petitionen.), S. 545, Berlin, den 29. März 1887.
1896 wurde eine Schmalspurbahn nach Gręblin gebaut, die den Ort mit der Zuckerfabrik in Pelplin verband. Von hier aus führte die Linie weiter nach Wielki Garc (Groß Gartz) und Międzyłęż (Mösland).Ariel Ciechański: Rozwój i regres sieci kolei przemysłowych w Polsce w latach 1881–2010 (= Die Entwicklung und Regression der industriellen Schienennetze in Polen in den Jahren 1881–2010). Instytut Geografii i Przestrzennego Zagospodarowania im. Stanisława Leszczyckiego Polskiej Akademii Nauk, 2013, S. 58. Der Betrieb wurde 1977 eingestellt.
Am 10. Januar 1920, nach dem Ersten Weltkrieg, wurde der Amtsbezirk Adlig Liebenau und damit auch die Landgemeinde Gremblin als Teil des so genannten Polnischen Korridors an Polen abgetreten.
Während der deutschen Besetzung Polens verübten deutsche Soldaten im Oktober 1939 ein Massaker an mehreren polnischen Dorfbewohnern.Maria Wardzyńska: Był rok 1939. Operacja niemieckiej policji bezpieczeństwa w Polsce. (Es war 1939. Eine Operation der deutschen Sicherheitspolizei in Polen.) Intelligenzaktion, IPN, Warszawa 2009, S. 274 (polnisch); przystanekhistoria.pl (PDF; 2,6 MB). Die polnischen Lehrer in der Umgebung wurden neben vielen anderen am 20. Oktober 1939 im Zuge der sogenannten „Intelligenzaktion Pommern“ im Wald bei Szpęgawsk ermordet.Maria Wardzyńska: Był rok 1939. Operacja niemieckiej policji bezpieczeństwa w Polsce. (Es war 1939. Eine Operation der deutschen Sicherheitspolizei in Polen.) Intelligenzaktion, IPN, Warszawa 2009, S. 150 (polnisch). Dutzende polnischer Familien wurden in das Generalgouvernement ausgewiesen, wegen Zwangsarbeit nach Deutschland deportiert oder neuen deutschen Kolonisten als Zwangsarbeiter zugeteilt.Maria Wardzyńska: Był rok 1939. Operacja niemieckiej policji bezpieczeństwa w Polsce. (Es war 1939. Eine Operation der deutschen Sicherheitspolizei in Polen.) Intelligenzaktion, IPN, Warszawa 2009, S. 56, 132 (polnisch).
In den Jahren 1975 bis 1998 gehörte Gręblin zur Woiwodschaft Danzig. Im Jahr 2006 zählte der Ort 520 Einwohner.
Persönlichkeiten Adam Czartoryski (1734–1823), polnischer General und österreichischer Feldmarschall, Kommandant der Polnischen (Galizischen) Leibgarde, gemeinsam mit Gemahlin Izabela Czartoryska, geb. Gräfin von Flemming, bis 1787 Besitzer der Gratialgüter Liebenau, Rauden und Gremblin Eugen Ziehm (1866–1945), Gutsbesitzer, Amtsvorsteher des Amtsbezirks Adlig Liebenau
Literatur M(ax) Toeppen: Historisch-comparative Geographie von Preußen. Nach den Quellen, namentlich auch archivalischen dargestellt. Gotha 1858, S. 231. Bernhard Stadié: Geschichte der Stadt Stargard, aus vielen, bisher ungedruckten archivalischen Quellen, und älteren Chroniken, sowie aus größern Geschichtswerken gesammelt und bearbeitet. Zugleich ein Beitrag zur Geschichte des Kreises. Kienitz, Pr. Stargard 1864 (Dissertation) (Volltext). Ernst Ziehm: Aus dem Lande meiner Väter. Zoppot 1935; momente-im-werder.net (PDF; 1,3 MB). Otto Korthals: Chronik des Kreises Dirschau. Mitarbeit von Werner Schultz, Franz Manthey, Gerhard Neumann, Gerhard Born, Emil Wiebe, Willi Frey, Albert Hacker und anderen. Witten 1969, S. 475 ff. Halina Bugalska: Toponimia byłych powiatów gdańskiego i tczewskiego. Ossolineum, Breslau 1985, S. 42. Matthias Blazek: „Wie bist du wunderschön!“ Westpreußen – Das Land an der unteren Weichsel. ibidem-Verlag, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-8382-0357-7.
Weblinks
Ortsgeschichte von Gręblin. historyczny.epelplin.pl (polnisch). Offizielle Website der Gemeinde Pelplin (mehrsprachig).
Einzelnachweise
Kategorie:Ort der Woiwodschaft Pommern Kategorie:Gmina Pelplin