Die Chrysanthemen (lateinisch Chrysanthema; von altgriechisch: χρυσός chrysós „Gold“ und ἄνθεμον ánthemon „Blume“) sind eine Pflanzengattung in der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Die über 40 Arten sind hauptsächlich in Ostasien verbreitet. Ihre vielen Sorten zählen zu den bedeutendsten Zierpflanzen.
Beschreibung Vegetative Merkmale Chrysanthemen-Arten sind ausdauernde, meist krautige Pflanzen, gelegentlich aber auch am Ansatz verholzende Halbsträucher. Die oberirdischen Pflanzenteile sind kahl oder behaart (Indumentum).
Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind mehr oder weniger lang gestielt oder ungestielt. Die Blattspreiten sind schwach bis stark gefiedert, handförmig, gelappt, gezähnt oder bisweilen ganzrandig.
Generative Merkmale Die körbchenförmigen Blütenstände stehen oft einzeln, oder sie stehen in lockeren, zymösen oder schirmtraubigen Gesamtblütenständen zusammen.
Im mehr oder weniger becher- oder selten glockenförmigen Involucrum liegen die Hüllblätter in vier oder fünf Reihen dachziegelartig übereinander. Die Hüllblätter sind breit häutig weiß, braun oder dunkelbraun gerandet oder die äußersten und mittleren sind krautig und fiederlappig bis fiederteilig. Der Korbboden ist konvex bis leicht kegelförmig. Spreublätter fehlen.
In den Blütenkörben sind Zungen- und Röhrenblüten vorhanden. Die in einer Reihe angeordneten (bei einigen Kulturformen sind es mehrere bis viele Reihen) Zungenblüten (= Strahlenblüten) sind weiblich, fruchtbar und weisen eine weiße, rosafarbene bis rote oder gelbe Zunge auf. Die vielen zwittrigen, fertilen Röhrenblüten (= Scheibenblüten) sind gelb, die röhren- bis kegelförmige Kronröhre ist fünflappig, drüsenhaarig und ungeflügelt. Die an ihrer Basis stumpfen Staubbeutel besitzen am oberen Ende lanzettlich-eiförmige oder schmal-elliptische Fortsätze. Bei den von Natur aus ungefüllten Blüten sind Nektarien vorhanden; hochgezüchtete Zierformen mit gefüllten Blüten sind für Bienen dagegen unbrauchbar, da die entsprechenden Organe in zusätzliche Blütenblätter umgebildet sind.für Bienen.
Die fast stielrunden oder verkehrt-eiförmigen Achänen sind schwach fünf- bis achtrippig. Ein Pappus fehlt.
Etymologie Der Gattungsname Chrysanthemum geht zurück auf die bereits bei Plinius dem Älteren verwendete Bezeichnung , latinisiert von „die Gold-Blüte, Gold-Blume“ aus „Gold“ und „Blüte, Blume“.
Systematik, botanische Geschichte und Verbreitung Die Gattung Chrysanthemum wurde 1753 durch Carl von Linné formal aufgestellt. Synonyme für Chrysanthemum sind: Arctanthemum , Dendranthema , Dendranthema sect. Arctanthemum , Pyrethrum sect. Dendranthema
De Candolle hatte 1834 die Sektion Dendranthema geschaffen, die Charles Robert Alexandre Des Moulins 1860 zum Gattungsnamen erhob, dem er unter anderem auch die Typusart Chrysanthemum indicum zuordnete. Der Name Dendranthema fand aber kaum Verwendung, bis ihn Nikolai Nikolaievich Tzvelev 1961 und Karl Bremer 1993 für gültig erklärten. Die Widerstände gegen diese Umbenennung führten 1995 zu dem Antrag von Piers Trehane, den Namen Chrysanthemum zu konservieren. 1998 entsprach das ICBN dem Antrag.
Die Gattung Chrysanthemum gehört zur Untertribus Artemisiinae aus der Tribus Anthemideae in der Unterfamilie Asteroideae innerhalb der Familie Asteraceae. Die Gattung Chrysanthemum steht einigen anderen Gattungen sehr nahe, insbesondere den Ajania. Natürliche wie künstliche Kreuzungen von Arten auch über Gattungsgrenzen hinweg (so mit Ajania, Crossostephium chinense, Nipponanthemum nipponicum, Leucanthemella linearis, Tanacetum vulgare oder Tanacetum parthenium) stellten die Abgrenzung der Gattung und ihrer verwandten Gattungen wiederholt in Frage. Bereits 2004 wurde vorgeschlagen, die Gattung Chrysanthemum mit den Gattungen Ajania, Arctanthemum und Phaeostigma zu vereinen. Molekulargenetische Untersuchungen stützten dies (mit Ausnahme von Phaeostigma), neueren Untersuchungen zufolge bilden die Chrysanthemen eine Klade gemeinsam mit den Ajania, Ophistopappus und Elachanthemum.
Gegliedert wird die Gattung Chrysanthemum in zwei Sektionen (Sect. Chrysanthemum und Sect. Chlorochlamys).
Die Gattung Chrysanthemum ist hauptsächlich in Ostasien verbreitet (China, Korea, Japan, Russland). In China kommen etwa 22 Arten vor, 13 davon nur dort.
mini|Blütenkörbe von Chrysanthemum crassum mini|Herbst-Chrysantheme (Chrysanthemum indicum) mini|Habitus, Laubblätter und Blütenkörbe einer Wildform von Chrysanthemum indicum mini|Blütenkörbe von Chrysanthemum makinoi mini|Blütenkorb von Chrysanthemum naktongense mini|Gold-und-Silber-Chrysantheme (Chrysanthemum pacificum) mini|Chrysanthemum zawadzkii mini|Gefüllte Sorten der Garten-Chrysantheme (Chrysanthemum ×morifolium)
Die Gattung Chrysanthemum umfasst 37 bis über 40 Arten: Chrysanthemum aphrodite : Sie kommt auf der japanischen Insel Honshu vor. Chrysanthemum arcticum : Sie kommt in der chinesischen Provinz Hebei, in Russlands Fernen Osten und im westlichen Nordamerika vor. Chrysanthemum argyrophyllum : Sie gedeiht auf Felsen von Berghängen in Höhenlagen von 1400 bis 2100 Metern in den chinesischen Provinzen Henan sowie Shaanxi vor. Chrysanthemum arisanense : Sie kommt in Taiwan und in der chinesischen Provinz Jiangsu vor. Chrysanthemum chalchingolicum : Sie kommt in der Mongolei vor. Chrysanthemum chanetii (Syn.: Chrysanthemum erubescens , Chrysanthemum maximoviczianum ): Sie kommt in Russland, Korea, in der Mongolei, in der Inneren Mongolei, Taiwan und in den chinesischen Provinzen Gansu, Hebei, Heilongjiang, Jilin, Liaoning, Ningxia, Shaanxi, Shandong sowie Shanxi vor. Chrysanthemum crassum : Dieser Endemit kommt nur auf den japanischen Inseln Kyushu sowie den Ryūkyū-Inseln vor. Chrysanthemum dichrum : Dieser Endemit gedeiht an Berghängen nur in Neiqiu in Hebei. Chrysanthemum foliaceum : Dieser Endemit gedeiht an Straßenrändern in Höhenlagen von 100 bis 300 Metern nur in Jinan in Shandong. Chrysanthemum glabriusculum (Syn.: Chrysanthemum brachyglossum ): Sie gedeiht an Berghängen in Höhenlagen von 900 bis 2600 Metern in den chinesischen Provinzen Shaanxi, Sichuan sowie Yunnan. Chrysanthemum horaimontanum : Sie gedeiht an felsigen Hängen in Höhenlagen von 1200 bis 1400 Metern nur in Taiwan. Chrysanthemum hypargyrum (Syn.: Chrysanthemum licentianum , Chrysanthemum neo-oreastrum ): Sie gedeiht Wiesen an Berghängen in Höhenlagen von 1400 bis 3900 Metern in den chinesischen Provinzen Shaanxi und Sichuan. Herbst-Chrysantheme (Chrysanthemum indicum , Syn.: Chrysanthemum indicum var. coreanum , Chrysanthemum indicum var. edule , Chrysanthemum indicum var. hibernum , Chrysanthemum indicum var. litorale , Chrysanthemum indicum var. lushanense , Chrysanthemum lushanense , Chrysanthemum nankingense , Chrysanthemum procumbens , Chrysanthemum sabinii ): Sie ist in Usbekistan, Russland, Indien, Bhutan, Nepal, Japan, in Nord- und Südkorea, in Taiwan und in den chinesischen Provinzen Anhui, Fujian, Guangdong, Guangxi, Guizhou, Hebei, Heilongjiang, Henan, Hubei, Hunan, Jiangsu, Jiangxi, Shandong, Sichuan sowie Yunnan weitverbreitet. Chrysanthemum indicum var. iyoense : Dieser Endemit kommt nur auf der japanischen Insel Shikoku bei Ehime sowie Kagawa vor. Chrysanthemum japonense : Dieser Endemit kommt nur auf den japanischen Inseln Kyushu und Shikoku vor. Chrysanthemum lavandulifolium : Es gibt mindestens drei Varietäten: Chrysanthemum lavandulifolium var. discoideum : Dieser Endemit gedeiht an Berghängen in Höhenlagen von etwa 2700 Metern nur in Kangding in Sichuan. Chrysanthemum lavandulifolium var. lavandulifolium (Syn.: Chrysanthemum bellum , Chrysanthemum boreale non , Chrysanthemum indicum var. acutum , Chrysanthemum jucundum , Chrysanthemum lavandulifolium var. acutum , Chrysanthemum lavandulifolium var. jucundum , Chrysanthemum lavandulifolium var. sianense , Chrysanthemum namikawanum , Chrysanthemum seticuspe , Chrysanthemum wilsonianum ): Sie kommt in Indien, Korea Japan, in der Mongolei und in den chinesischen Provinzen Gansu, Hebei, Hubei, Jiangsu, Jiangxi, Jilin, Liaoning, Qinghai, Shaanxi, Shandong, Shanxi, Sichuan, Yunnan, Zhejiang sowie in Xinjiang vor. Chrysanthemum lavandulifolium var. tomentellum (Syn.: Chrysanthemum boreale var. tomentellum ): Sie gedeiht an Berghängen in Höhenlagen von 2000 bis 2500 Metern Taiwan und in den chinesischen Provinzen Jiangsu, Yunnan sowie Zhejiang. Chrysanthemum longibracteatum : Dieser Endemit gedeiht an den Rändern von Waldland nur entlang von Pfaden in Höhenlagen von etwa 100 Metern nur in Jinan in Shandong. Chrysanthemum makinoi (Syn.: Chrysanthemum japonicum ): Dieser Endemit kommt nur auf den japanischen Inseln Honshu und Shikoku vor. Chrysanthemum mawii : Sie kommt nur in Marokko vor. Chrysanthemum maximowiczii : Sie kommt in der Inneren Mongolei, in Korea und in Russlands Fernen Osten vor. Chrysanthemum mongolicum : Sie kommt in Sibirien, in Russlands Fernen Osten, in der Mongolei und in der Inneren Mongolei vor. Chrysanthemum morii : Diese seltene Art gedeiht an Kalksteinfelswänden in Höhenlagen von 400 bis 2400 Metern nur in Taiwan. Chrysanthemum naktongense (Syn.: Chrysanthemum zawadskii subsp. latilobum , Chrysanthemum zawadskii var. latilobum , Chrysanthemum zawadskii subsp. naktongense ): Sie kommt in Korea, in Russland, in der Mongolei, in der Inneren Mongolei und in den chinesischen Provinzen Gansu, Hebei, Heilongjiang, Jilin, Liaoning, Shandong sowie Shanxi vor. Chrysanthemum okiense : Dieser Endemit kommt nur im japanischen Shimane sowie Yamaguchi vor. Chrysanthemum oreastrum (Syn.: Chrysanthemum sibiricum var. alpinum , Chrysanthemum zawadskii var. alpinum ): Sie kommt in Korea und in Russlands Fernen Osten und in den chinesischen Provinzen Hebei, Jilin sowie Yunnan vor. Chrysanthemum ornatum Gold-und-Silber-Chrysantheme (Chrysanthemum pacificum , Syn.: Ajania pacifica , Dendranthema pacificum ): Dieser Endemit kommt nur auf der japanischen Insel Honshu vor. Chrysanthemum parvifolium : Sie ist nur vom Typusmaterial bekannt und wurde an einem felsigen Hang in der Nähe eines kleinen Flusses in Guizhou gesammelt. Chrysanthemum potentilloides : Sie gedeiht im Vorgebirge niedriger Bergketten in Höhenlagen von 1000 bis 1500 Metern in den chinesischen Provinzen Shaanxi und Shanxi vor. Chrysanthemum rhombifolium : Dieser Endemit gedeiht an Berghängen nur im Kreis Wushan im nordöstlichen Chongqing. Chrysanthemum sinuatum : Sie kommt in der Mongolei und im Altai vor. Chrysanthemum vestitum : Es gibt seit 2010 zwei Varietäten: Chrysanthemum vestitum var. latifolium : Sie wurde 2010 erstbeschrieben und gedeiht an schattigen Hängen an Fließgewässern in Höhenlagen von etwa 1500 Metern in den chinesischen Provinzen Anhui und vielleicht Henan. Chrysanthemum vestitum var. vestitum: Sie gedeiht an tiefgelegenen Berghängen und auf Hügeln in Höhenlagen von 300 bis 1500 Metern in den chinesischen Provinzen Anhui, Henan, Hubei sowie Shaanxi. Chrysanthemum weyrichii : Sie kommt auf den russischen Sachalin Inseln und auf der japanischen Insel Hokkaido vor. Chrysanthemum yoshinaganthum : Dieser Endemit kommt nur auf der japanischen Insel Shikoku vor. Chrysanthemum zawadzkii (Syn.: Chrysanthemum gmelinii , Chrysanthemum hwangshanense , Chrysanthemum maximoviczianum var. dissectum , Chrysanthemum naktongense var. dissectum , Chrysanthemum sibiricum , Chrysanthemum zawadskii subsp. acutilobum ): Sie kommt Russland, in der Mongolei, in der Inneren Mongolei und in den chinesischen Provinzen Anhui, Gansu, Hebei, Heilongjiang, Hubei, Jilin, Liaoning, Ningxia, Shaanxi, Shandong sowie Shanxi vor.
mini|Die Sorte ‘Dance’ mini|Die Sorten ‘Enbee Wedding Golden’ und ‘Feeling Green’
Nutzung Geschätzt ist besonders die Garten-Chrysantheme, die in China seit 1600 Jahren kultiviert wird; bereits im elften Jahrhundert gab es dort 36 Sorten. Die Garten-Chrysantheme (Chrysanthemum ×morifolium , Syn.: Chrysanthemum sinense ) ist in Kultur entstanden aus verschiedenen Arten.