mini|Bergreviere Schwaz

In der Bergregion östlich und nordöstlich von Schwaz in Tirol wurden einige Jahrhunderte lang sehr ertragreiche Silber- und Kupfervererzungen abgebaut, die den Schwazer Bergbau weit über die Landesgrenzen bekannt gemacht haben. Erster Bergbau auf Kupfer wurde aus der Bronzezeit für 1250 vor Christus nachgewiesen. Die Bergbauregion Schwaz war aufgeteilt in drei Bergreviere: Falkenstein, Ringenwechsel und Arzberg.

Abgebaut wurden Silber- und Kupfererze, in geringem Umfang auch Eisenerze, im 20. Jahrhundert dann Dolomit. Die große Blütezeit war im 15. und 16. Jahrhundert. Im 17. und 18. Jahrhundert betrug die jährliche Silberförderung nur noch ein Fünftel der vorhergehenden Epoche. Der Bergbau bei Schwaz verhalf dem Handelshaus der Fugger und dem Königshaus der Habsburger zu beachtlichem Reichtum und Macht.

Um 1500 war Schwaz aufgrund des Bergbaus die zweitgrößte Gemeinde in Österreich nach Wien, eine der größten Bergstädte in Europa und lieferte 18,75 % des Silbers in Europa und 3,79 % der Silberproduktion in Europa inklusive der spanischen Kolonien. Um das Jahr 1600 trug Schwaz zu 8,71 % zur europäischen Silberproduktion bei. Der Erzbergbau endete 1957. Im Anschluss wurde nur noch Dolomit für den Straßenbau gewonnen. In Folge des großen Bergsturzes 1999 am Eiblschrofen endete der Bergbau schließlich vollständig.

Geologie Die Lagerstätte Schwaz ist Teil eines Erzfeldes, das sich von Schwaz bis Kundl südlich des Inn erstreckt. Innerhalb dieses Feldes gibt es drei vererzte Gesteinshorizonte. Während die Kellerjochgneise nur auf den Raum südlich von Schwaz beschränkt sind, ist der entscheidende Erzträger, der Schwazer Dolomit des Unterdevons, im gesamten Gebiet verbreitet. Vor allem im Raum Brixlegg sind auch die Rauwacken des Trias vererzt. Die zwischengeschalteten Horizonte des Buntsandsteins, entstanden an der Grenze zwischen Perm und Trias, spielen keine Rolle. Die Gesteine von Dolomit bis Rauwacke wurden in der Entstehungszeit der Alpen übereinander geschoben und in mehrere Blöcke zerbrochen.

Im Bereich der Kellerjochgneise gibt es neben dem großen Revier Arzberg mehrere kleine Bergreviere. Die hier aufsetzenden Spateisengänge streichen SW-NO. Die Vererzung besteht neben Spateisenstein aus Chalkopyrit, Galenit, Sphalerit, Fahlerz und Bi-Co-Ni-Erzen. Berühmt geworden sind diese im Ausnahmefall bis 5 m mächtigen Erzgänge, vor allem im Revier Alte Zeche/Zapfenschuh, für ihre teilweise reiche Führung von Silbererzen (Akanthit, Proustit).

Die wichtigsten, weitgehend monomineralischen Lagerstätten liegen im Schwazer Dolomit. Die Vererzung besteht aus Antimonfahlerzen der Tetraedritserie. Trotz teilweise hoher Quecksilbergehalte der Erze erfüllen diese die Anforderung zur Einstufung als Schwazit (Tetraedrit-Hg) nicht. Die Primärvererzung dieser Lagerstätte wird heute als hydrothermal-sedimentär beschrieben. Während der verschiedenen Faltungsetappen der Alpen wurden die Erze wieder mobilisiert und lagerten sich in Spalten- und Brekzienbereichen, teilweise auch gesteinsverdrängend, gang-, stockwerks- und butzenförmig wieder ab. Im Raum Brixlegg wird eine schlauchförmige Vererzung mit Durchmessern von 70–100 m beschrieben. Die seltene Vererzungsform des Schwazer Dolomits wird heute als Typ Schwaz beschrieben. Die großen Bergreviere erstrecken sich von Schwaz mit den Revieren Falkenstein und Ringenwechsel über Brixlegg mit den Revieren Kleinkogl und Großkogl bis Rattenberg mit dem Revier Thierbach über eine Strecke von 21 km. Am Falkenstein reichen die Abbaue von +300 m NN bis +1.700 m NN.

Südöstlich von Brixlegg liegen in den triassischen Rauwackeschichten die zwei kleineren Erzreviere Geyer und Silberberg. Die metasomatische Vererzung tritt in Form von Imprägnationen und kleinen Gängchen oder Trümern auf. Die Vererzung besteht aus Fahlerzen, Chalkopyrit, Sphalerit, Galenit, gediegen Silber, Akanthit, Proustit und Kobalterzen.

Geschichte des Schwazer Silber- und Kupferbergbaus Bronze- und Eisenzeit mini|Abbau durch Feuersetzen

Bergbau bei Schwaz fand bereits in der Bronzezeit statt. Bei archäologischen Ausgrabungen 1992 am Eiblschrofen wurden die Reste der vermutlich zuletzt erfolgten Feuersetzung aufgefunden. Neben Holzkohleresten wurde auch Keramik aufgefunden. Nach der C14-Datierung der dortigen Holzkohle, liegt das Alter bei 1250 v. Chr. Erster Schwazer Bergbau fand also bereits vor über 3200 Jahren statt. In weiteren archäologischen Untersuchungen wurden in 15 Stollen am Eiblschrofen bronzezeitliche Relikte des Bergbaus gefunden, u. a. Steinschlägel, Fäustel, Unterlagsplatten und Knochenwerkzeuge, sowie Reste von Feuerstellen. Im Revier Ringenwechsel wurde oberhalb der Ruine Rottenburg eine bronzezeitliche Ofenbatterie mit vier Schmelzöfen aus der Zeit um 1200 vor Chr. ausgegraben. Besonders in den Teilrevieren Eiblschrofen, Burgstall und Rotenstein liegen zahlreiche prähistorische Pingenfelder. Zwei umfangreiche Urnenfeldfriedhöfe bei Schwaz aus der gleichen Zeit belegen eine größere bronzezeitliche Siedlung. Archäologen gehen deswegen von einem umfangreichen Kupferbergbau in der Region Schwaz und Brixlegg in der Bronzezeit aus.Peter Gstrein: Vom prähistorischen Bergbau in Tirol. 2013.Beatrix Nutz: Der bronzezeitliche Kupferbergbau. Mathoi Zentrum für Geschichte & Kultur der Silberstadt Schwaz (online, abgerufen am 28. Dezember 2020).Gert Goldenberg: Bronzezeitlicher Kupferbergbau in Tirol. Universität Innsbruck, Archäologie Online, 2001 (online, abgerufen am 28. Dezember 2020).

Auch für die auf die Bronzezeit folgende Eisenzeit wurde Bergbau bei Schwaz belegt. Keramiken aus der Hallstattzeit wurden im Ivanusstollen im Teilrevier Burgstall östlich von Schwaz gefunden und auf die Zeit 800 bis 450 v. Chr. datiert.Peter Gstrein: Prähistorischer Bergbau am Burgstall bei Schwaz (Tirol). 1981.M. v. Isser: Schwazer Bergwerks-Geschichte. 1905, S. 15.

Silber in Europa im 15./16. Jahrhundert Mehrere Faktoren führten im 15. Jahrhundert zu einem gestiegenen Interesse an der Silbergewinnung in Mitteleuropa:

In der Karolingischen Münzreform 793/794 wurde der goldene Solidus durch den silbernen Denarius (Pfennig) abgelöst. Der zunehmende Fernhandel als Folge der sich herausbildenden gewerblichen Produktion und dem zunehmenden Geld-Ware-System gegenüber dem Güteraustausch, machte eine größere Münze notwendig. Im 13./14. Jahrhundert wurde deshalb der Groschen als neue Kurantmünze neben dem Pfennig ausgeprägt. Ab 1266 in Frankreich als Turnose, ab 1300 in Kuttenberg als Prager Groschen und ab 1338 in Freiberg als Meißner Groschen. Die benötigten Silbermengen kamen neben den Ausbringen der großen Lagerstätten Harz, Freiberg und Iglau vor allem aus Kuttenberg. Hier wurden jährlich 6–7 t Silber ausgebracht. Neben dem zunehmenden Geldbedarf der sich langsam entwickelnden Wirtschaft waren große Geldmengen zur Bezahlung der ständigen kleinen Kriege der europäischen Herrscher untereinander und der Habsburger beim Aufstieg zur europäischen Zentralmacht sowie der ab 1453 beginnenden Türkenkriege, die in der Belagerung Wiens im Jahr 1529 gipfelten, notwendig. Auch die teilweise utopischen politischen Ambitionen einiger europäischer Herrscher dürfen finanziell nicht unterschätzt werden. So kostete die Wahl Karl V. 1519 zum König/Kaiser ca. 850.000 fl. Das sind umgerechnet ca. 25 t Silber.Richard Ehrenberg: Das Zeitalter der Fugger. 1922, S. 107. Nach der großtechnischen Einführung des Saigerverfahrens etwa ab 1450 wurde auch die Verhüttung silberarmer Kupfererze lohnend. Die kostengünstige und effektive Verhüttung des Schwazer Fahlerzes gelang aber erst mit der Entwicklung und hüttentechnisch anwendbaren Tiroler Abdarrprozess etwa ab 1500. Das führte neben den schon im Abbau befindlichen reichen Silbererzlagerstätten zur Einbeziehung von Silber/Kupfer-Erzlagerstätten mit geringem Silbergehalten in die Silbergewinnung. Möglich wurde dieser Prozess, da Handelshäuser mit zentraler Steuerung, Planung und Finanzierung (z. B. die Fugger) diesen Bergbau als neue Geldquelle entdeckten. Ihr Engagement führte zu einer raschen Verbreitung des Wissens, der Technologien und der Investitionskraft in Mitteleuropa.

Zu dieser Zeit waren bedeutende mitteleuropäische Lagerstätten mit silberhaltigem Kupfererz in Tirol (Schwaz-Brixlegg, Rattenberg, Kitzbühel), in der Grafschaft Mansfeld (Hettstedt, Eisleben, Mansfeld), im Harz, im Erzgebirge, in Böhmen (Kuttenberg) und in Niederungarn (Neusohl).Rainer Sennewald: Frühe Kupferverwendung, Saigerhüttenzeit in Mitteleuropa. 2012, S. 7 f. Weitere wichtige Vorkommen gab es in der Slowakei (Banská Štiavnica) und im Südschwarzwald.

Schwaz-Brixlegg, Mansfeld und Neusohl stiegen ab 1470 zu den wichtigsten Kupferproduzenten in Kontinentaleuropa auf, sie waren für 80–90 % der europäischen Kupferproduktion verantwortlich.Rainer Sennewald: Frühe Kupferverwendung, Saigerhüttenzeit in Mitteleuropa. 2012, S. 27–31 f.

Beginn des Schwazer Bergbaus bis 1470 Über die Zeit nach dem bronze- und eisenzeitlichem Bergbau bei Schwaz bis zum Beginn des neuzeitlichen Bergbaus im 15. Jahrhundert gibt es keine Urkunden oder Berichte.

Der exakte Beginn des neuzeitlichen Bergbaus bei Schwaz lässt sich nicht eindeutig bestimmen. Die Entdeckung der Erzvorkommen am Falkenstein wird in einer örtlichen Sage der Dienstmagd „Gertrud oder Margaret Kandleryn“ zugesprochen: Diese habe um 1409 auf der Viehweide zu Kogelmoos durch Zufall die erste Erzlagerstätte entdeckt, da dort ein Stier mit seinen Hufen und Hörnern die oberflächennahe Lagerstätte freigewühlt hätte. Tatsächlich gibt es zwei Gruben, Jakob am Stier und Gertraud am Stier. Diese liegen allerdings nicht am Koglmoos, sondern am Eiblschrofen. mini|Herzog Friedrich IV Der erste Hinweis auf den Bergbau am Falkenstein liefert die Schwazer Chronik, die für das Jahr 1420 von reichen Erzgruben am Falkenstein berichtet.M. v. Isser: Schwazer Bergwerks-Geschichte. 1905, S. 299. Allerdings ist diese Chronik erst im 18. Jahrhundert entstanden und beruht für die frühe Zeit auf mündlichen Überlieferungen.

Dieselbe berichtet 1426 von der Aufnahme einer Alten Zeche im Bergbaugebiet am Arzberg. Weiterhin wird noch darauf verwiesen, dass sich in dem Revier noch weitere alte Gruben befinden, die älter sind als der Bergbau am Falkenstein. In einer Urkunde Herzog Friedrichs, ausgestellt in der Fastenzeit 1427, werden vier namentlich genannten Personen je zwei neue Gruben auf Silber und Eisen am Berg von Schwaz verliehen.Archiv für Geschichte und Alterthumskunde Tirols. Band 1, 1864, S. 317. Es handelt sich hier mit Sicherheit um Gruben im Gebiet des Arzberges, da hier Eisen- und Silbererzgänge zusammen auftreten.

mini|Herzog Siegmund Am 26. Juni 1427 erließ Herzog Friedrich eine neue Bergordnung für die Bergwerke in Gossensass. Diese Bergordnung war auf zwei Jahre begrenzt. Sie galt für alle Bergwerke in Tirol. Namentlich wird neben Gossensaß aber nur Schladming erwähnt. Der Bergbau in Schwaz hatte noch keine Bedeutung.

In einem Bittbrief an Herzog Friedrich, ausgefertigt vor 1440, machen Gewerken und Knappen auf die Missstände im Schwazer Bergbau aufmerksam. Kritikpunkte sind die hohen Abgaben auf das geschmolzene Silber und die hohen Preise für Blei und Holzkohle, die zum Silberschmelzen gebraucht werden. Weiterhin wird die Versorgung der Bergleute durch die Freundsberger als Grundherren zu überhöhten Preisen beklagt. Die Folge dieser Missstände ist die Abwanderung von Bergleuten.Stephen Worms: Schwazer Bergbau im fünfzehnten Jahrhundert. 1904, S. 108.

Nach dem Tod von Herzog Friedrich im Jahr 1439 war aber keine Besserung zu erwarten. Am 7. April 1446 wurde Herzog Siegmund aus der Vormundschaft König Friedrichs III. entlassen und nahm seine Regentschaft über Tirol und Vorderösterreich auf.Josef Egger: Geschichte Tirols von den ältesten Zeiten bis in die Neuzeit. 1872, S. 544.