Die Bahnstrecke Lyttelton–Invercargill (Main South Line) ist eine Bahnstrecke auf der Südinsel von Neuseeland, die die Städte Christchurch, Dunedin und Invercargill verbindet. Zugleich bildet zusammen mit der Bahnstrecke Christchurch–Picton (Main North Line) die South Island Main Trunk Railway, eine Relation, die sich nahezu über die gesamte Länge der Insel in Nord-Süd-Richtung erstreckt. Die Strecke ist – bis auf kurze Abschnitte – eingleisig und nicht elektrifiziert.
Bau Christchurch–Lyttelton mini|links|Eisenbahnanschluss im Hafen Lyttelton mini|links|Westportal des Lyttelton Rail Tunnel – ältester Eisenbahntunnel Neuseelands
Die Strecke schließt den ältesten Abschnitt des gesamten neuseeländischen Eisenbahnnetzes ein, der von der Provinzregierung von Canterbury errichtet und am 1. Dezember 1863 als Ferrymead Railway zwischen Christchurch und Ferrymead eröffnet wurde. Es war die erste öffentliche Eisenbahn Neuseelands. Zudem liegt auf der späteren Verlängerung nach Lyttelton der älteste Eisenbahntunnel Neuseelands, der Lyttelton Rail Tunnel – immer noch in Betrieb – und die Strecke war auch die erste elektrifizierte Vorortbahn des Landes. Die Strecke wurde ursprünglich in 1600 mm Breitspur errichtet und 1876 auf Kapspur umgespurt.
Diese erste Eisenbahn verband die Stadt Christchurch mit der Werft in Ferrymead. Weil der Hafen von Lyttelton durch eine Gebirgskette von Christchurch getrennt ist, legte der Schiffsverkehr am Kai von Ferrymead an, von wo aus Reisende und Güter nun per Bahn nach Christchurch transportiert wurden. Der Anschluss des Hafens Lyttelton wurde aber weiter angestrebt.
Der Bau des erforderlichen, langen und teuren Tunnels nach Lyttelton war in den 1850er und 1860er Jahren umstritten. Nach seiner Eröffnung am 9. Dezember 1867 verlor der Abschnitt der ursprünglichen Strecke von seinem Abzweig an der neuen Strecke bis Ferrymead seinen Verkehr und wurde ab 1868 zum Anschlussgleis. Bis 1878 wurde der Abschnitt nach Heathcote, dem Westportal des Tunnels, zweigleisig ausgebaut. Obwohl die Neuseeländische Staatsbahn (NZR) 1914 eine zweite Tunnelröhre erwog, wurde dies nie ausgeführt.
Um die Rauchbelästigung im Tunnel zu beseitigen und dem zunehmenden Verkehr gerecht zu werden, wurde die Strecke 1929 elektrifiziert.Mahoney, S. 92 In Anlehnung an die erfolgreiche Elektrifizierung des Otira-Tunnels unter Verwendung von 1500-Volt Gleichstrom mit Oberleitung wurde ein identisches System auch hier eingebaut. English Electric erhielt den Auftrag für die sechs Lokomotiven, die Stromversorgung und den Bau der Oberleitungen. Die Gesamtlänge der Oberleitung betrug 17,4 km, davon 6,9 km zweigleisig und 3,5 km (der Tunnelabschnitt) eingleisig. Es blieb ein Inselbetrieb.
1970 hatten die Elektrolokomotiven das Ende ihrer Lebensdauer erreicht. Die Kosten für die Instandhaltung des Unterwerks in Woolston und die Überholung der vorhandenen Lokomotiven oder deren Ersatz erschien zu teuer, ebenso der Inselbetrieb auf einer nur etwa 12 km langen Strecke. Es wurde beschlossen, die Strecke künftig mit Diesellokomotiven zu betreiben. Der letzte Zug mit elektrischer Traktion verkehrte am 18. September 1970. Die gesamte elektrische Infrastruktur auf der Strecke wurde anschließend abgebaut.
Christchurch–Dunedin mini|links|Güterbahnhof Dunedin
Der ersten Bahnstrecke von Christchurch nach Ferrymead und Lyttelton folgte das Vorhaben, eine Eisenbahn nach Süden in Richtung Dunedin voranzutreiben. Am 24. Mai 1865 begann der Bau der damals Canterbury Great South Railway genannten Eisenbahn. Die Canterbury Provincial Railways hatten eine Breitspur von 1.600 mm (5 ft 3 in). Der erste Abschnitt dieser Strecke ging am 13. Oktober 1866 bis Rolleston in Betrieb. Jenseits von Rolleston wurden drei Routen nach Süden in Betracht gezogen: Eine Strecke weit im Landesinneren, um größere Flüsse an engeren Stellen zu überqueren und aufwändige Brückenbauten zu vermeiden, eine Küstenlinie im landwirtschaftlich ertragreichen Flachland und ein Kompromiss zwischen den beiden, der dem direktesten Weg folgte. Gewählt wurde die dritte Option und die Strecke verlief so auch durch einen relativ unfruchtbaren Teil der Canterbury Plains in Richtung Rakaia. Als die Strecke im Oktober 1867 Selwyn, 35 km von Christchurch entfernt, erreichte, war die Provinzregierung so knapp bei Kasse, dass der Bau vorübergehend gestoppt wurde.
1870 verkündete Julius Vogel, damals Finanzminister Neuseelands, seine „Great Public Works Policy“ und gab dabei auch die Fertigstellung der Strecke bis Dunedin hohe Priorität. Die Strecke erhielt eine Ausnahmeregelung von der inzwischen getroffenen gesetzlichen Festlegung der Kapspur (1067 mm) als landesweiter Standard. So konnte in der Spurweite von 1600 mm weiter gebaut werden. Rakaia war am 2. Juni 1873 angeschlossen.
Am südlichen Ende wurde am 1. Januar 1873 die Dunedin and Port Chalmers Railway eröffnet, die erste Strecke mit einer Spurweite von 1067 mm in Neuseeland. Der größte Teil dieser Strecke wurde später in die Bahnstrecke Lyttelton–Invercargill einbezogen. Die Provinzregierung erkannte, dass ein Inselbetrieb in Breitspur keine Zukunft hatte und beschloss, die bereits gebaute Strecke der landesweit einheitlichen Spurweite anzupassen. Die Breitspur wurde bis zum 6. März 1876 auf Kapspur umgebaut.
Der Bau schritt nicht nur südlich von Christchurch voran. Auch nördlich von Dunedin wurde die Strecke nach Norden und von Timaru und Oamaru jeweils in beide Richtungen vorangetrieben. Der Bau ging in den 1870er Jahren zügig voran: Am 4. Februar 1876 waren Christchurch mit Timaru verbunden. Knapp ein Jahr später, am 1. Februar 1877, war die Strecke von Christchurch nach Oamaru durchgehend befahrbar.
Der Anstieg der Strecke nördlich von Dunedin führte durch schwieriges Gelände und die Bauarbeiten nahmen viel Zeit in Anspruch. Die Strecke traf deshalb auf den von Oamaru vorangetriebenen Ast in Goodwood, etwa 310 Kilometer südlich von Christchurch, aber nur 57 Kilometer nördlich von Dunedin. Am 7. September 1878 wurde die Strecke von Christchurch nach Dunedin insgesamt eröffnet.
Dunedin–Invercargill mini|links|Stellwerk des Bahnhofs Invercargill
Die Strecke von Dunedin nach Süden war eine der ersten, die im Rahmen von Vogels „Great Public Works Policy“ gebaut wurden. Genehmigt war sie durch den Railways Act 1870 zu Kosten von 5.000 £ pro Meile.An act to provide for the construction of certain Railways under the provisions of “The Immigration and Public Works Act 1870” out of Moneys authorized to be raised under “The Immigration and Public Works Loan Act 1870” vom 13. September 1870. In: New Zealand Acts As Enacted, Nr. 78, S. 337ff (online: www.nzlii.org/nz/legis/hist_act/ra187033a34v1870n78257/). Es war die erste Fernbahn in Neuseeland, die in Kapspur gebaut wurde. Der Bau ging zügig voran, und der erste, 10 km lange Abschnitt südlich von Dunedin nach Abbotsford wurde am 1. Juli 1874 eröffnet.Churchman / Hurst: South Island Main Trunk, S. 9 Am 1. September 1875 wurde der Abschnitt nach Balclutha eröffnet 84 Kilometer von Dunedin entfernt und damals die größte Stadt der im Clutha District.
Auch am anderen Ende wurde, von Invercargill ausgehend, gebaut. Die ersten 17 km nach Woodlands wurden am 11. Februar 1874 eröffnet, der gesamte Abschnitt nach Gore am 30. August 1875. Im weiteren Verlauf erforderte die hügelige Landschaft umfangreiche Erdarbeiten, um die Strecke bis Balclutha zu vollenden. Der Bau wurde am 22. Januar 1879 abgeschlossen. Eine Eröffnungsfeier wurde in Invercargill abgehaltenOpening of the Railway from Amberley to the Bluff. In: Grey River Argus vom 23. Januar 1879; Opening of the Dunedin and Invercargill Railway In: New Zealand Herald vom 23. Januar 1879; Particulars of Railway Opening. In: West Coast Times vom 24. Januar 1879 und die Strecke war nun zwischen Christchurch und Invercargill durchgehend befahrbar.
1908 wurde der Abschnitt Dunedin–Mosgiel zweigleisig ausgebaut. Das zweite Gleis wurde hier zwischen 1984 und 1991 wieder abgebaut. Auch der Abschnitt zwischen Dunedin und Port Chalmers wurde zweigleisig ausgebaut, das zweite Gleis aber im Bereich des Dammes durch den Otago Harbour abschnittweise zurückgebaut.Yonge, Taf. 25
Betrieb mini|links|Bahnhof Dunedin
Personenfernverkehr Für lange Zeit war der Personenverkehr zwischen Christchurch und Dunedin das Aushängeschild der Bahn. Als die Strecke im späten 19. Jahrhundert fertiggestellt wurde, brauchten die Züge 11 Stunden für die Fahrt von Christchurch nach Dunedin. Der erste „Express“ des Landes fuhr am 6. September 1878, war ein Sonderzug, der von der neuen Rogers-Lokomotive der Baureihe K „Washington“ gezogen wurde. Der Zug verließ Christchurch um 6 Uhr morgens und kam um 18.40 Uhr in Dunedin an, wobei allerdings in Oamaru ein Frühstück mit dem Gouverneur und anderen offiziellen Gästen eingelegt wurde.Sinclair, S. 1–7
Ab November 1904 sah der Fahrplan einen Zug vor, der die Strecke zwischen Christchurch und Invercargill an einem Tag zurücklegte, ab 1906 wurde die Baureihe A auf der Strecke eingeführt, die die Fahrt zwischen Christchurch und Dunedin in acht Stunden schaffte. Die Baureihen J und JA bewältigten die Strecke ab 1939 vor dem South Island Limited in 7 Stunden und 9 Minuten.
Ab dem 1. Dezember 1970 wurde der South Island Limited durch den Southerner ersetzt, der von dieselelektrischen Lokomotiven der Baureihe DJ geführt wurde. Er fuhr nach einem Fahrplan mit noch kürzeren Fahrzeiten als der South Island Limited. Die Fahrt zwischen Christchurch und Dunedin dauerte zunächst 6 Stunden 14 Minuten und wurde durch den Einsatz von zwei Lokomotiven der Baureihe DJ nördlich und drei auf der Strecke südlich von Oamaru auf 5 Stunden 55 Minuten verkürzt. Ein Teil dieser Fahrzeiteinsparung resultierte daraus, dass der Southerner keine Post mehr beförderte, während der South Island Limited für den Postumschlag längere Haltezeiten benötigte. Mitte des 20. Jahrhunderts verkehrte ein abendlicher Triebwagendienst, der 6 Stunden und 10 Minuten zwischen Christchurch und Dunedin benötigte. Er wurde im April 1976 eingestellt.
Dampflokomotiven beförderten weiterhin noch die Freitag- und Sonntagnacht-Schnellzüge, die letzten planmäßigen mit Dampflokomotiven bespannten Leistungen im Personenverkehr Neuseelands. Das lag daran, dass die Personenwagen der Züge Dampfheizungen hatten, so dass separate Heizwagen mit Kesseln nicht mitgeführt werden mussten. Ein solcher Schnellzug von Christchurch nach Invercargill war am 26. Oktober 1971 der letzte fahrplanmäßige Personenzug, der in Neuseeland von einer Dampflokomotive gezogen wurde.
Am 10. Februar 2002 wurde der Personenverkehr über die Strecke aufgegeben, da er angeblich nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden konnte. Seit Januar 2020 nutzen nur noch zwei regelmäßige Personenzüge einen kleinen Abschnitt der Strecke: Zwischen Christchurch und Rolleston fährt hier der TranzAlpine, bevor er auf der Bahnstrecke Christchurch – Greymouth abbiegt und bei Dunedin nutzt die Taieri Gorge Railway einen Abschnitt, bevor sie auf ihre Stammstrecke abbiegt.
Personennahverkehr mini|links|Souvenir zur Eröffnung des elektrischen Betriebs zwischen Christchurch und Lyttelton
Auf dem Abschnitt Lyttelton–Christchurch wurde der Personenverkehr zunächst mit gemischten Zügen abgewickelt, die zunächst sechsmal täglich verkehrten. Erst am 5. November 1872 wurden die gemischten Züge durch fünf täglich verkehrende Personenzüge ersetzt, deren Zahl ab dem 9. Februar 1876 auf täglich sieben Züge erhöht wurde. Dieser Vorortverkehr diente Schülern aus Lyttelton, die zum Unterricht nach Christchurch, und Arbeitern, die von Woolston und Heathcote zur Arbeit nach Lyttelton fuhren. Die Fahrzeiten lagen zwischen 15 und 25 Minuten.