mini|hochkant=1.3|Die Rennsieger Tazio Nuvolari und Giovanni Battista Guidotti mini|hochkant=1.3|Die späteren Rennsieger beim Start in Brescia mini|hochkant=1.3|Luigi Scarfiotti und Guglielmo Carraroli im Alfa Romeo 6C 1750 GS Spider der Scuderia Ferrari mini|hochkant=1.3|Die Werks- und ein großer Teil der privat eingesetzten Alfa Romeo 6C auf dem Werksgelände von Alfa Romeo in Mailand Die vierte Mille Miglia fand am 13. – 14. April 1930 statt und führte über 1654 km von Brescia nach Rom und wieder zurück nach Brescia.

Das Rennen

Die Route

Brescia – Montichiari – Asola – Piadena – Casalmaggiore – Parma – Reggio nell’Emilia – Bologna – Raticosapass – Futapass – Florenz – Poggibonsi – Siena – Radicofani – Viterbo – Monterosi – Rom – Terni – Sommapass – Spoleto – Perugia – Gubbio – Castelraimondo – Tolentino – Macerata – Loreto – Ancona – Pesaro – Rimini – Forlì – Bologna – Ferrara – Rovigo – Padua – Noale – Treviso – Feltre – Venedig – Verona – Brescia

Teams, Fahrzeuge und Fahrer

In ihrem vierten Jahr hatte sich die Mille Miglia endgültig als populärstes italienisches Straßenrennen etabliert. Um die Teilnahme für Amateurfahrer mit deren Straßenfahrzeugen zu reglementieren, wurden zwei Startbedingungen festgelegt: Ein Startgeld von 10.000 Lira und ein Fahrzeug mit einem Mindesthubraum von 1,1-Liter. Die Sechszylindermotoren der Alfa Romeo 6C 1750 leisteten inzwischen 100 PS. Dadurch wurde der 6C zum beliebten Modell von Profi-Rennfahrern, die Fahrzeuge privat meldeten. Unter anderem fuhren der zweifache Mille-Miglia-Gesamtsieger Giuseppe Campari (Beifahrer Attilio Marinoni) und Pietro Ghersi (Beifahrer Franco Cortese) einen Alfa Romeo 6C 1750 GS Spider Zagato. Die drei Werkswagen erhielten einen neuen Kompressor, der die Motorleistung gegenüber den Privatwagen um 10 % steigerte. Gefahren wurden die Wagen von Tazio Nuvolari/Giovanni Battista Guidotti, Achille Varzi/Carlo Canavesi sowie Franco Mazzotti/Aymo Maggi. Im November 1929 hatte der ehemalige Rennfahrer Enzo Ferrari mit finanzieller Unterstützung zweier Unternehmer und des Fahrerkollegen Mario Tadini einen eigenen Rennstall gegründet. Die Scuderia Ferrari wurde bei der Mille Miglia als B-Werksteam von Alfa Romeo bezeichnet, da die Mannschaft aus Modena Fahrzeuge, Ersatzteile und Mechaniker vom Alfa-Romeo-Stammwerk in Mailand erhielt. Mario Tadini fuhr einen Zagato mit Eugenio Siena, Alfredo Caniato (einer den beiden Unternehmer, die mit Kapital die Scuderia-Gründung ermöglichten) einen zweiten Zagato mit Carlo Sozzi. Einen 6C GS Spider mit herkömmlicher Karosserie steuerten Luigi Scarfiotti und Guglielmo Carraroli.

Das sportliche Reglement schrieb bereits seit 1927 zwei Fahrer pro Fahrzeug vor, die auch beide während des Rennens fahren sollten. Bisher wurde der Vollzug weder kontrolliert noch sanktioniert. Daher hielt sich kaum jemand an diese Vorschrift. Vor dem Rennen erklärten die Veranstalter diesmal strenger kontrollieren und auch vor Disqualifikationen nicht zurückschrecken zu wollen. Die Lancia-Teamführung meldete daher nur einen Wagen, einen Lancia Lambda Spider für Ermenegildo Strazza und Testfahrer Luigi Gismondi. Nicht weniger als 30 Officine Meccaniche waren am Start, obwohl das Unternehmer aus Brescia in diesem Jahre auf einen Werkseinsatz verzichtet hatte. Zwei Werkswagen brachte Maserati zum Rennen. Während Luigi Arcangeli einen Maserati 26M Sport erhielt, fuhren Ernesto Tamburi und Guglielmo Sandri einen neuen 26C. Zum vierten Mal war Luigi Fagioli mit seinem Salmson 1100 am Start und Piero Taruffi gab sein Mille-Miglia-Debüt auf einem Bugatti T43.

Zum ersten Mal seit 1927 gab es, wenn auch spärliche, ausländische Konkurrenz für die italienischen Teams. Tim Birkin meldete einen Bentley 4 ½ Litre, allerdings gelang es ihm nicht das Fahrzeug fristgerecht rennfertig zu machen. So blieb es den beiden Deutschen Rudolf Caracciola und Christian Werne vorbehalten, die italienischen Fahrer herauszufordern. Daimler-Benz-Werksfahrer Carraciola steuerte einen werksunterstützten Mercedes-Benz SSK mit kurzem Fahrgestell und 7-Liter-Sechszylinder-Motor, der durch die Zuschaltung eines Roots-Gebläses die für die damalige Zeit enorme Leistung von 225 PS erreichte. Sein Beifahrer Christian Werner hatte Erfahrung mit anstrengenden Straßenrennen. 1924 hatte er als dritter Nichtitaliener die Targa Florio gewonnen.

Der Rennverlauf

Vor dem Start wurde bei einer kleinen Zeremonie Gastone Brilli-Peri geehrt, der wenige Tage vor der Mille Miglia beim Training zum Gran Premio di Tripoli tödlich verunglückte. Auf dem Weg nach Bologna kristallisierten sich bereits die Protagonisten des Rennens heraus. Nuvolari und Varzi in den Werks-Alfa Romeos, Campari in einem weiteren Alfa Romeo und Mercedes-Pilot Carraciola. In der Hauptstadt der Emilia-Romagna führte Luigi Arcangeli im Maserati, der bei der Überquerung des Apennin einen Unfall nach einem Bremsdefekt hatte und die folgende Nacht mit leichten Verletzungen in einem örtlichen Krankenhaus verbringen musste. In Rom lagen die beiden Alfa Romeo von Nuvolari und Varzi zeitgleich in Führung. Dritte waren Angelo Bassi und Carlo Gazzabini im bestplatzierten OM vor Campari und Carraciola. Dieser hatte ohne jedwede Streckenkenntnis den schweren und unhandlichen Mercedes mit Bravour über die Apenninpässe gesteuert.

Da Nuvolari vor Varzi in Brescia gestartet war, ging Varzi nach dem Zwischenstopp in Rom als erster wieder auf die Strecke. Inzwischen war die Nacht hereingebrochen und es begann das große Duell zwischen den beiden Alfa-Romeo-Werkspiloten. In Ancona führte Nuvolari mit dem Vorsprung von einer Minute auf Varzi, der auf der Strecke vor ihm fuhr. Wie im Vorjahr entschieden äußere Einflüsse das Rennen zu Ungunsten von Varzi. Diesmal waren es zwei Reifenschäden, die ihm auf der Küstenstraße entlang der Adria sieben Minuten Zeitverlust einbrachten. Knapp nach Bologna kam es zum legendären und in vielen Publikationen beschrieben Überholmanöver zwischen Nuvolari und Varzi. Nuvolari hatte Varzi auf der Straße inzwischen eingeholt und sah ihn vor sich fahren, als er in der Morgendämmerung des Sonntags das Vorderlicht an seinem Alfa Romeo abdrehte und aus der Dunkelheit an Varzi vorbeifuhr, der den Rivalen nicht kommen sah. Wenig begeistert von dem Vorgang soll Alfa-Romeo-Teamleiter Vittorio Jano gewesen sein, der ob der ungestümen Fahrweise von Nuvolari eine Gegenaktion Varzis fürchtete und den Gesamtsieg der Werksmannschaft schwinden sah. Nuvolari überquerte die Ziellinie 52 Sekunden vor Varzi und gewann das Rennen mit einem Vorsprung von knapp 11 Minuten. Mit einer Fahrzeit von 16:18:59,400 Stunden war er fast zwei Stunden schneller als Giuseppe Campari im Vorjahr, der als dritter ins Ziel kam. Carraciola verlor mehr als eine Stunde auf den Sieger und erreichte den sechsten Endrang.

Wie nicht anders zu erwarten, kümmerten sich die Spitzenfahrer nicht um die Fahrerwechselvorgaben der Rennleitung, was ebenso wenig überraschend ohne Folgen blieb. Weder Nuvolari, nach Varzi, Campari oder Carraciola, ließen ihre im Cockpit anwesenden Rennfahrerkollegen auch nur einen Meter auf der Strecke fahren.

Nach dem tödlichen Unfall von Elindo Ugolini 1928, mussten 1930 zwei weitere Todesfälle betrauert werden. Enrico Benini, Abkömmling einer wohlhabenden Florentiner Familie, war Beifahrer von Count Giacomo Vinci. Sie fuhren einen Alfa Romeo 6C 1750 SS Spider Zagato, der auf der Ferlata-Brücke bei Buonconvento gegen das Brückengeländer prallte. Dabei wurde Benini aus dem Wagen vier Meter in eine Schlucht geschleudert. Er wurde mit schweren Verletzungen in ein örtliches Krankenhaus gebracht, wo er vier Stunden nach dem Unfall starb. Bei einem weiteren Unfall an derselben Stelle überfuhr der Parlamentsabgeordneter der Partito Nazionale Fascista, Giuseppe Moretti in einem OM Tipo 665 SMM ein junges Mädchen, das noch an der Unfallstelle starb.Die tödlichen Unfälle der Mille Miglia 1930

Ergebnisse

Schlussklassement