mini|hochkant=0.8|Stolpersteine in Külsheim Die Liste der Stolpersteine in Külsheim beschreibt besondere Pflastersteine in Gehwegen, die an die Opfer der nationalsozialistischen Diktatur in Külsheim im Main-Tauber-Kreis, Baden-Württemberg, erinnern sollen. Die Stolpersteine wurden vom Künstler Gunter Demnig konzipiert und werden von ihm in fast ganz Europa verlegt.

Die erste Verlegung von Stolpersteinen in Külsheim fand am 10. Juli 2014 statt. Pater-Alois-Grimm-Schule (PAGS) Külsheim, 15. Juli 2014.

Juden in Külsheim

1939 veranstalteten die Nationalsozialisten vor Ort ein Demütigungsspektakel, die sogenannte Brunnentaufe. Alle Männer jüdischer Konfession wurden an einem Samstag, dem Schabbat, dem heiligen Tag der Juden, zwangsweise im Brunnen der Stadt „getauft“. Auch angesehene, vormals beliebte Bürger der Stadt wie der Metzger Max Brückheimer wurden nicht verschont.Auf den Spuren jüdischer Bürger. In: Fränkische Nachrichten, 20. Juli 2002

Verlegte Stolpersteine In Külsheim wurden bis Ende 2020 fünfzehn Stolpersteine verlegt.

Die Tabelle ist teilweise sortierbar; die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach dem Familiennamen des Opfers. Stolperstein Inschrift Verlegeort Name, Leben 120px HIER WOHNTEBERTA BÄRGEB. HAUSMANNJG. 1886DEPORTIERT 1940GURSINTERNIERT DRANCY1942 AUSCHWITZERMORDET Spitalstraße 14 , geborene Hausmann, wurde am 28. August 1886 in Flehingen geboren. Sie war verheiratet mit dem Handelsmann Samuel Bär. Das Paar hatte zwei Töchter, Ruth (geboren am 27. April 1913) und Luise (geboren am 7. Juni 1922). Am 22. Oktober 1940 wurde Berta Bär zusammen mit ihrem Mann von Baden aus nach Gurs deportiert. Von dort wurden sie in das Sammellager Drancy überstellt. Am 10. August 1942 wurde das Ehepaar Bär ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Berta Bär und ihr Mann haben die Shoah nicht überlebt.

Ihre Tochter Luise, die als Hausangestellte tätig war und zuletzt in Mainz lebte, wurde im März 1942 von Darmstadt aus in der Durchgangslager Piaski deportiert. Sie hat die Shoah ebenfalls nicht überlebt.Biografische Datenbank jüdisches Unterfranken: Bär, Luise, abgerufen am 5. Juni 2021 120px HIER WOHNTESAMUEL BÄRJG. 1883'SCHUTZHAFT' 1938DACHAUDEPORTIERT 1940GURSINTERNIERT DRANCY1942 AUSCHWITZERMORDET Spitalstraße 14 wurde am 8. Februar 1883 in Wenings geboren. Er war Schuhmacher, Handelsmann und Wortführer der jüdischen Gemeinde in Külsheim. Er heiratete Berta Hausmann. Das Paar hatte die 1913 geboren Tochter Ruth und die 1922 geborene Tochter Luise. Während der Reichspogromnacht 1938 wurde Samuel Bär verhaftet und bis zum 10. Dezember 1938 im KZ Dachau inhaftiert. Am 2. September 1939, bei der sogenannten Brunnentaufe besonders gequält. Am 22. Oktober 1940 wurde er zusammen mit seiner Frau von Baden aus nach Gurs deportiert. Von dort wurde das Paar in das Sammellager Drancy überstellt, am 10. August 1942 wurden sie ins Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Samuel Bär und seine Frau haben die Shoah nicht überlebt.

Auch seine Tochter Luise, die in Mainz lebte, wurde 1942 deportiert und hat die Shoah nicht überlebt. 120px HIER WOHNTEFEIST BAUMJG. 1870DEPORTIERT 1940GURSTOT 10.9.1941 Hauptstraße wurde am 15. Februar 1870 in Külsheim geboren. Seine Eltern waren der Viehhändler Samuel Baum und dessen Ehefrau Sara geb. Uhlfelder. Sein Vater starb 1872, im selben Jahr wurde seine Schwester Johanna, genannt Hannchen, geboren. Er leitet ein Fuhrunternehmen und heiratete Mathilde Hohbach aus Großeicholzheim. Das Paar hatte eine Tochter, Hilda, geboren am 8. Juni 1904 in Külsheim. Die Schwester blieb unverheiratet, betrieb ein Hutmachergeschäft und wohnte im selben Haus. Feist Baum, seine Frau und seine Schwester zählten zu den letzten 13 Külsheimer Juden, die am 22. Oktober 1940 im Rahmen der Wagner-Bürckel-Aktion verschleppt wurden. Sie kamen in das Camp de Gurs, gelegen am Fuße der Pyrenäen im Südwesten Frankreichs. Dort verlor Feist Fritz Baum im Folgejahr, am 10. September 1941, sein Leben.

Seine Frau wurde in das Vernichtungslager Auschwitz verschleppt und dort ermordet. Die Schwester wurde im November 1943 in Perpignan ermordet.

Seine Tochter Hilda hatte 1927 den aus Gerolstein stammenden und in Trier lebenden Viehhändler Adolf Baum geheiratet. Dieser war 1938 in Luxemburg gemeldet.120px HIER WOHNTEJOHANNA BAUMJG. 1872DEPORTIERT 1940GURSTOT 3.11.1943PERPIGNAN Hauptstraße , genannt Hannchen, wurde am 6. Mai 1872 in Külsheim geboren. Ihre Eltern waren der Viehhändler Samuel Baum und dessen Ehefrau Sara geb. Uhlfelder. Ihr Vater starb im Jahr ihrer Geburt. Sie hatte einen zwei Jahre älteren Bruder, Feist, der später ein Fuhrunternehmen führte. Sie selbst blieb unverheiratet und führte ein Hutmachergeschäft. Johanna Baum, ihr Bruder und ihre Schwägerin zählten zu den letzten 13 Külsheimer Juden, die am 22. Oktober 1940 im Rahmen der Wagner-Bürckel-Aktion verschleppt wurden. Sie kamen in das Camp de Gurs im Südwesten Frankreichs, gelegen am Fuße der Pyrenäen. Dort verlor ihr Bruder am 10. September 1941 sein Leben. Die Schwägerin wurde nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Johanna Baum wurde in ein Internierungslager nahe Perpignan überstellt, wo sie am 3. November 1943 ums Leben kam.JOHANNA BAUM (Bundesarchiv), Yad Vashem, abgerufen am 28. Dezember 2020 120px HIER WOHNTEMATHILDE BAUMGEB. HOHBACHJG. 1877DEPORTIERT 1940TOT INGURS Hauptstraße , geborene Hohbach, wurde 1877 in Großeicholzheim geboren. Sie war verheiratet mit dem Fuhrunternehmer Feist Baum. Das Paar hatte eine Tochter, Hilda (geboren 1904). Mathilde Baum, ihr Mann und ihre Schwägerin Johanna zählten zu den letzten 13 Külsheimer Juden, die am 22. Oktober 1940 im Rahmen der Wagner-Bürckel-Aktion deportiert. Mathilde Baum verlor ihr Leben entweder im Camp de Gurs oder in Auschwitz.

Ihr Ehemann verlor sein Leben im Camp de Gurs, ihre Schwägerin verlor in einem Lager in Perpignan ihr Leben. Ihre Tochter Hilda hatte 1927 den aus Gerolstein stammenden und in Trier lebenden Viehhändler Adolf Baum geheiratet. Dieser war 1938 in Luxemburg gemeldet.120px HIER WOHNTEFANNY BRÜCKHEIMERJG. 1879DEPORTIERT 1940GURSINTERNIERT DRANCY1942 AUSCHWITZERMORDET Boxtalstraße 8 wurde am 4. Juli 1879 in Külsheim geboren. Ihre Eltern waren der Metzger Meier Löb Brückheimer und Maria Anna, geborene Bach. Sie hatte einen Bruder, Max (geboren 1882). Sie half im Metzgergeschäft ihres Bruders. Gemeinsam mit ihrem Bruder wurde sie am 22. Oktober 1940 von Baden aus nach Gurs deportiert. Von dort wurden beide ins Sammellager Drancy überstellt und am 10. August 1942 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Fanny Brückheimer hat die Shoah nicht überlebt.Fränkische Nachrichten: Die Erinnerung an ermordete Mitbürger wach halten, abgerufen am 6. Juni 2021

Auch ihr Bruder wurde in Auschwitz ermordet.120px HIER WOHNTEMAX BRÜCKHEIMERJG. 1882'SCHUTZHAFT' 1938DACHAUDEPORTIERT 1940GURSINTERNIERT DRANCY1942 AUSCHWITZERMORDET Boxtalstraße 8 wurde am 28. Februar 1882 in Külsheim geboren. Seine Eltern waren der Metzger Meier Löb Brückheimer und Maria Anna, geborene Bach. Er hatte eine ältere Schwestern, die 1879 geborene Fanny. Er heiratete Saly Bär, geboren am 4. Dezember 1872 in Hohebach. Das Paar hatte mehrere Kinder, darunter Lena (geboren 1908), Irwin (geboren 1910), Herbert (geboren 1912). Während der Novemberpogrome 1938 wurde Brückheimer verhaftet und vom 11. November bis 29. Dezember 1938 im KZ Dachau inhaftiert. Wie andere Külsheimer Juden wurde auch er am 2. September 1939 ein Opfer der sogenannten Brunnentaufe. Gemeinsam mit seiner Schwester wurde er am 22. Oktober 1940 von Baden aus nach Gurs deportiert. Von dort wurden beide ins Sammellager Drancy überstellt und am 10. August 1942 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Max Brückheimer hat die Shoah nicht überlebt.

Seine Frau Sali war 1941 in Hadamar in einem dortigen Judenhaus untergebracht, ihr gelang noch im selben Jahr die Flucht in die USA. Seine Tochter Lena heiratete Walter Rosendahl und hatte mit ihm den Sohn Kurt. Laut Angabe verlor Lena Rosendahl 1938 ihr Leben auf Grund der Verfolgung durch die Nazis, sie lebte in Gelsenkirchen.The Central Database of Shoah Victims’ Names: LENA ROSENDAHL Gedenkblatt eingereicht von ihrem Sohn Kurt Rosendahl, wohnhaft in New York Herbert Brückheimer heiratete Henriette Nachmann aus Hadamar, sie konnten ebenfalls in die USA auswandern, er starb 1985.120px HIER ARBEITETEBERNHARD HAHNJG. 1880'SCHUTZHAFT' 1938DACHAUERMORDET 1.12.1938 Molkereiweg 4 wurde am 17. Juli 1880 in Külsheim geboren. Seine Eltern waren der Viehhändler Samuel Hahn und dessen Ehefrau Hannchen geb. Strauß. Er heiratete Berta Grün. Das Paar hatte zwei Kinder: Hertha (geboren 1909) und Irwin (geboren 1913). Bernhard Hahn war der erste Külsheimer Jude, der verhaftet und verschleppt wurde. Im Zuge der Novemberpogrome 1938 wurde er verhaftet und am 18. November 1938 in das Konzentrationslager Dachau überstellt. Dort kam Bernhard Hahn am 1. Dezember 1938 ums Leben.

Seine Frau Berta wurde 1940 nach Gurs deportiert, ihr gelang es von dort aus in die USA auszuwandern.Main-Echo: Systematische Zerstörung in Külsheim, abgerufen am 6. Juni 2021 HIER WOHNTEMALCHEN KAHNJG. 1882GEDEMÜTIGT / ENTRECHTETTOT 1940KRANKENHAUS FÜRTH Hauptstraße 52 , geborene Lissberger, wurde am 26. März 1882 geboren. Sie heiratete Moritz Kahn. Ihre Schwiegermutter war Sophie Kahn. Das Paar hatte eine Tochter, Rosi (geboren 1913). Ihr Ehemann fiel im Ersten Weltkrieg. Danach führte Malchen Kahn das Schuhgeschäft ihres Mannes weiter. Nach der Machtergreifung Hitlers Ende Januar 1933 nahm der Druck der Nazis, vor allem aus Wertheim, schlagartig zu. Jüdische Menschen, insbesondere Kaufleute, wurden offen terrorisiert. 1936 flüchtete die Tochter mit ihrem Ehemann Ludwig Baumann – zuerst in die Tschechoslowakei, später in die Vereinigten Staaten. 1938 starb Sophie Kahn. Malchen Kahn erkrankte an Asthma und starb am 20. Juli 1940 im jüdischen Hospital von Fürth.

Ihre Tochter und ihr Schwiegersohn bekamen einen Sohn, James. Rosi Baumann starb 1984 in den Vereinigten Staaten. 120px HIER WOHNTEROSI KAHNVERH. BAUMANNJG. 1913FLUCHT 1936TSCHECHOSLOWAKISCHEREPUBLIK1938 USA Hauptstraße 52 , später verheiratete Baumann, wurde am 3. Dezember 1913 als einzige Tochter von Moritz Kahn und Malchen Kahn geboren. Ihr Vater fiel im Ersten Weltkrieg, am 1. Juli 1916 mit 31 Jahren. Ihre Mutter führte sein Schuhgeschäft weiter. Nach der Machtergreifung Hitlers Ende Januar 1933 nahm der Druck der Nazis, vor allem aus Wertheim, schlagartig zu. Jüdische Menschen, insbesondere Kaufleute, wurden offen terrorisiert. Rosi Kahn, die Ludwig Baumann geheiratet hatte, flüchtete 1936 mit ihrem Ehemann – zuerst in die Tschechoslowakei, später in die Vereinigten Staaten. Die Ausschreitungen in Külsheim während der Novemberpogrome 1938 erlebte sie nicht mehr mit, auch nicht die Zerstörung der Synagoge, die Verbrennung der Thora-Rollen und den Diebstahl der Silberleuchter. Das Ehepaar Baumann hatte mindestens einen Sohn, James, der regelmäßig Külsheim besucht. Rosi Baumann starb 1984 in den Vereinigten Staaten, ihr Ehemann starb 1994.Main-Echo: Ein Zeichen gegen das Vergessen, 7. November 2013 (mit einem Porträt von Alfred Bauch)