Die Ausgrabung (Originaltitel The Dig) ist ein britisches Filmdrama nach dem gleichnamigen Roman von John Preston.David Steinitz: Erotik der Erde. Süddeutsche Zeitung, Nr. 23 vom 29. Januar 2021, S. 10. Regie führte Simon Stone, das Drehbuch schrieb Moira Buffini. Die Hauptrollen übernahmen Carey Mulligan und Ralph Fiennes. Der Film erschien am 29. Januar 2021 bei dem Streaminganbieter Netflix.
Handlung Die englische Landbesitzerin Edith Pretty beauftragt 1939, wenige Monate vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, den Amateurausgräber Basil Brown, der auf ihrem Anwesen eine bedeutende archäologische Entdeckung macht. Es handelt sich um einen Schiffsrumpf, der sich später als angelsächsisches Schiffsgrab entpuppt. Nach Bekanntwerden des Fundes erklärt Charles Phillips, ein führender Archäologe aus Cambridge, die Ausgrabung zu einer Angelegenheit nationaler Bedeutung und sich selbst zum Grabungsleiter. Außerdem meldet er das Interesse des British Museum an den Funden an.
Als der Krieg beginnt und Edith Pretty immer stärker erkrankt, entscheidet sie, den Fund dem British Museum zu spenden unter der Bedingung, dass Brown als Entdecker anerkannt würde. Der Abspann erklärt, dass dies nicht geschehen ist und Browns Name erst viele Jahrzehnte später im British Museum erstmals erwähnt wird. Der Fund wird als Schatz von Sutton Hoo in die Geschichte eingehen.
Produktion Im August 2019 wurde Carey Mulligan für die Hauptrolle besetzt. Die Rechte an dem Film wechselten außerdem von BBC Films zu Netflix. Im Oktober 2019 kamen Johnny Flynn, Ben Chaplin, Ken Stott und Monica Dolan zur Besetzung des Films hinzu.
Die Dreharbeiten begannen im Oktober 2019 in Shackleford, Surrey, Großbritannien. In Suffolk – in der Nähe des ursprünglichen Fundortes – fanden die Hauptaufnahmen statt.
Synchronisation Die deutsche Synchronisation entstand nach einem Dialogbuch und unter der Dialogregie von Christian Schneider im Auftrag der Iyuno Media Germany GmbH, Berlin. Rolle Schauspieler Synchronsprecher Edith Pretty Carey Mulligan Maria Koschny Basil Brown Ralph Fiennes Udo Schenk Peggy Piggott Lily James Yvonne Greitzke Charles Phillips Ken Stott Lutz Schnell Stuart Piggott Ben Chaplin Matthias Klie Rory Lomax Johnny Flynn Konrad Bösherz May Brown Monica Dolan Silvia Mißbach Robert Pretty Archie Barnes Nikita Steinert James Reid Moir Paul Ready Peter Flechtner
Musik Für den australischen Komponisten Stefan Gregory ist es der erste Spielfilm, für den er die Filmmusik komponiert hat.Stefan Gregory Scoring Simon Stone’s Netflix Film ‘The Dig’ Film Music Reporter, 8. Dezember 2020, abgerufen am 5. Februar 2021 Simon Stone hat bereits in mehreren Bühneninszenierungen mit Gregory zusammengearbeitet. Soundtrack After You’ve Gone, Popballade zu einem Text von Henry Creamer, mit Turner Layton, Louis Armstrong, Leith Stevens La Réjouissance, aus: Music for the Royal Fireworks, HWV 35, arrangiert von Julian Kershaw; New York Philharmonic, Leitung: Pierre Boulez Standard of St. George, Text von Kenneth Alford; Alder Valley Brass Summertime, mit Louis Armstrong und Ella Fitzgerald, Delta Rhythm Boys Splankey, Count Basie, aus: The Atomic Mr. Basie Cutie Pie, Nathan Fox It’s Only a Paper Moon, Ella Fitzgerald, Delta Rhythm Boys Whiskey, Adam Townsend Take Me Home, Quin DeVaux Nature Boy, Nat King Cole Ain't Misbeavin', Zutty Singleton, Fats Waller (Drum Face, Vol.2.) I'm All Done, Nathan Fox I Loves You, Porgy, Nina Simone All my Fires, Adam Townsend Take Me Home, Quin DeVaux The Way You Look Tonight, Billie Holiday, Teddy Wilson & his Orchestra Thinking 'Bout Myself, Josh Teskey & Ash Grunwald Well Well Well, Seasick Steve Baby Let Me Have it All, Clint Johnson, Branford Marsalisplaylist Spotify, abgerufen am 8. Februar 2021
Historischer Hintergrund mini|Sutton Hoo Grabhügel, 2010 Bei Ausgrabungen im Jahr 1939 fand der Amateurarchäologe und Astronom Basil Brown (22. Januar 1888–12. März 1977) in Sutton Hoo ein angelsächsisches Schiffsgrab aus dem 7. Jahrhundert. Der Fund gilt als eine der bedeutendsten archäologischen Entdeckungen in Großbritannien.
Kritiken
Die Ausgrabung erhielt ein gutes Presseecho, was sich auch in den Auswertungen US-amerikanischer Aggregatoren widerspiegelt. So erfasst Rotten Tomatoes größtenteils positive Besprechungen und ordnet den Film dementsprechend als „Zertifiziert Frisch“ ein. Laut Metacritic fallen die Bewertungen im Mittel „Grundsätzlich Wohlwollend“ aus.
Das Internet-Filmjournal The Spool betitelt seine ausführliche Filmkritik mit „Der Film erforscht unser schmerzendes Verlangen, im Gedächtnis behalten zu werden“wörtlich; „“The Dig” Explores our Aching Need to be Remembered.“ und lobt den Regisseur Simon Stone, dem es gelinge, ein exquisites Drama über die Bedeutung von Geschichte für die Geschichte unseres eigenen Lebens und für die Geschichte der Gesellschaft zu schaffen. „Es ist eine wunderbare, überraschend anmutige Darstellung, wie wir uns erinnern und wie man sich erinnert.“ Der Rezensent lobt außer der starken Leistung der beiden Hauptdarsteller ausdrücklich den Blick von Kameramann Mike Eley auf die englische countryside, „sonnendurchtränkt von ihrer besten und regendurchtränkt von ihrer schlechtesten Seite“. Movies, Reviews thespool.net, abgerufen am 5. Februar 2021
Auch Andreas Kilb von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung lobt die Leistungen der Hauptdarsteller und des Kameramanns, kommt aber dann zu dem Schluss: „„Die Ausgrabung“, mit anderen Worten, ist einer jener Filme, die in den achtziger und neunziger Jahren von James Ivory gedreht wurden […]. Nur stammten Ivorys Vorlagen von den besten Autoren der angelsächsischen Moderne – Henry James, E. M. Forster –, während Simon Stone sich auf einen Recherche-Roman des Journalisten John Preston […] stützen musste. Dass ihr Vehikel nur eine alte Schubkarre ist, muss Stone und seinem Kameramann Mike Eley frühzeitig klargeworden sein, denn sie geben sich alle Mühe, ihr Sutton-Hoo-Tableau durch dramatische Toneffekte, schwelgerische Küstenpanoramen und reichlich Klaviergeklimper im Fluss zu halten. Aber es hilft nichts, „Die Ausgrabung“ fließt einfach nicht. Zum Trost gibt es […] ein paar kostbare Augenblicke mit Carey Mulligan und Ralph Fiennes. Der Rest liegt im British Museum in den Vitrinen.“
Sebastian Groß zieht in seiner Kritik für moviebreak.de folgendes Fazit: „Bei Die Ausgrabung handelt es sich nicht um ein Drama, das sich einzig und allein an seiner Kulisse ergötzt und noch weniger geht es um eine aufkeimende Romanze. Diese Dinge sind Regisseur Simon Stone herzlich egal. Stattdessen ist sein Netflix-Film eine zurückhaltende Meditation über das, was uns alle heimsuchen wird: Vergänglichkeit.“The Dig, die Ausgrabung moviebreak.de, abgerufen am 19. Februar 2021
Auszeichnungen British Academy Film Awards 2021 Nominierung als Bester britischer Film Nominierung für das Beste adaptierte Drehbuch (Moira Buffini) Nominierung für das Beste Szenenbild (Maria Djurkovic & Tatiana Macdonald) Nominierung für das Beste Kostüm (Alice Babidge) Nominierung für die Beste Maske (Jenny Shircore)Andreas Wiseman: BAFTA Nominations 2021: ‘Nomadland’ & ‘Rocks’ Lead Highly Diverse Field In: deadline.com am 9. März 2021, abgerufen am 10. März 2021.
Artios Awards 2021 Nominierung in der Kategorie Independent-Film – DramaErik Pedersen: Artios Awards Film Nominations: ‘Borat’, ‘Da 5 Bloods’, ‘Chicago 7’, ‘One Night In Miami’ & More Up For Casting Society Prizes In: Deadline.com am 19. Februar 2021, abgerufen am 19. Februar 2021.
London Critics’ Circle Film Awards 2021 Nominierung als Beste britische Darstellerin (Carey Mulligan, auch für Promising Young Woman)Andreas Wiseman: Female Filmmakers Lead Nominees For London Critics’ Circle Film Awards In: deadline.com am 12. Januar 2021, abgerufen am 12. Januar 2021.
Weblinks
Andrew Clarke: How the The Dig's Simon Stone fell in love with Suffolk – Interview mit Simon Stone. In: East Anglian Daily Times, 29. Januar 2021
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 2021 Kategorie:Britischer Film Kategorie:Filmdrama Kategorie:Zweiter Weltkrieg im Film