Die Lettow-Vorbeck-Kaserne, bis 1964 Neue Kaserne, war eine Garnison der Bundeswehr in Bad Segeberg, die zwischen 1959 und 1961 errichtet wurde. Ihren Namen erhielt die Kaserne 1964 nach dem preußischen General der Infanterie Paul von Lettow-Vorbeck. Sie beherbergte von 1961 bis 2008 hauptsächlich ein Panzergrenadierbataillon der Panzerbrigade 18 der 6. Panzergrenadierdivision. Sie umfasste etwa 28,96 Hektar. Nach ihrer Aufgabe durch die Bundeswehr Ende 2008 wurde sie 2011 an private Investoren verkauft, die Gebäude, Einrichtungen und Flächen für gewerbliche Nutzungen vermieten. Seit 2016 wird ein Teil der Kaserne durch das Land Schleswig-Holstein für eine Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber genutzt.

Bau und Nutzungsgeschichte Durch die Gründung der Bundeswehr wurden für die Unterbringung der Einheiten neben den bereits vorhandenen Kasernenanlagen, die nicht durch Truppen anderer Partner der NATO weiter benötigt wurden, neue Standorte im Bundesgebiet gesucht. Zum einen konnten sich Kommunen um die Stationierung der Bundeswehr selbst bemühen, zum anderen trat die Wehrverwaltung auch an Städte und Gemeinden heran, um Flächen für den Bau neuer Kasernen zu erwerben. In Bad Segeberg entschied die Stadtverordnetenversammlung am 4. Juli 1956 mehrheitlich für die Errichtung einer Garnison im Westen der Stadt. Der erste Spatenstich erfolgte am 27. November 1959. Im Juli 1960 begann der Bau der Gebäude. Bereits Ende 1961 waren die Kasernenanlagen weitestgehend fertiggestellt, so dass zwischen dem 27. Dezember 1961 und dem 13. Januar 1962 das Panzergrenadierbataillon 182 einziehen konnte.Bernd Förstenberg/Heimatverein des Kreises Segeberg e. V. (Hrsg.): Bad Segeberg - 30 Jahre Garnison. In: Heimatkundliches Jahrbuch für den Kreis Segeberg 1992, 38. Jg., Verlag C. H. Wäser, Bad Segeberg, S. 144

Das Panzergrenadierbataillon war aus dem Grenadierbataillon 11 hervorgegangen, das am 1. Juli 1956 in der Hanseaten-Kaserne in Lübeck als Teil der Kampfgruppe B1 der 1. Grenadierdivision aufgestellt und am 24. August 1956 bereits nach Hamburg in die Boehn-Kaserne verlegt worden war. Am 1. April 1958 zog das Bataillon nach Boostedt in die Rantzau-Kaserne und wurde in Grenadierbataillon 46 umbenannt sowie der 6. Grenadierdivision unterstellt. Doch schon am 16. März 1959 folgte eine weitere Umgliederung: aus dem Grenadierbataillon 46 wurde das Panzergrenadierbataillon 182 der Panzerbrigade 18 der 6. Panzergrenadierdivision. Nach seiner Verlegung an den Standort Bad Segeberg Ende 1961 bzw. Anfang 1962 verblieb es bis zu seiner Auflösung zum 31. Dezember 2008 in der Lettow-Vorbeck-Kaserne.

Mit dem Panzergrenadierbataillon 182 zog auch die ihm unterstellte Ausbildungskompanie 13/6 in die Kaserne ein. Diese Einheit wurde am 1. Juli 1964 nach Boostedt in die Rantzau-Kaserne verlegt und ging am 1. Oktober 1967 in der Panzerjägerkompanie 180 auf. Das freiwerdende Gebäude wurde durch die 3./leichtes Pionierbataillon 537 belegt.Karl-Heinz Rütz/Pionierbataillon 61 (Hrsg.): 30 Jahre Pionierbataillon 61, 1963 – 1993, Geschichte und Chronik des Pionierbataillon 61 und seiner Vorgänger, lePiBtl 537, lePiBtl 13, lePiBtl 610, Lübeck o. J., S. 32.

Die Ausbildungskompanie 15/6 wurde in der Kaserne in Bad Segeberg aufgestellt. Sie übernahm die Grundausbildung der Divisionstruppen, kam jedoch bereits 1964 nach Putlos.

In der Kaserne in Bad Segeberg wurde ab 16. Oktober 1963 das leichte Pionierbataillon 537 aufgestellt, jedoch zunächst nur mit drei Kompanien. Die Kasernenanlage war für die Unterbringung von zwei Bataillonen nicht ausgelegt. Am 3. November 1966 wurde bekannt, dass das Pionierbataillon in die Artilleriekaserne, die später in Trave-Kaserne umbenannt wurde, nach Lübeck verlegt werden sollte. Doch erst am 16. Oktober 1969 zogen die Pioniere aus der Kaserne in Bad Segeberg aus. Das leichte Pionierbataillon 537 erfuhr noch mehrere Umgliederungen und Umbenennungen, bevor es als Pionierbataillon 61 schließlich zum 30. September 1993 in Lübeck aufgelöst wurde.Karl-Heinz Rütz/Pionierbataillon 61 (Hrsg.): 30 Jahre Pionierbataillon 61, 1963 – 1993, Geschichte und Chronik des Pionierbataillon 61 und seiner Vorgänger, lePiBtl 537, lePiBtl 13, lePiBtl 610, Lübeck o. J., S. 17, 62 und 89.

Die Kasernenanlage in Bad Segeberg wurde zunächst „Neue Kaserne“ genannt, bevor am 30. Oktober 1964 die Truppenunterkunft den offiziellen Namen „Lettow-Vorbeck-Kaserne“ erhielt.Karl-Heinz Rütz/Pionierbataillon 61 (Hrsg.): 30 Jahre Pionierbataillon 61, 1963 – 1993, Geschichte und Chronik des Pionierbataillon 61 und seiner Vorgänger, lePiBtl 537, lePiBtl 13, lePiBtl 610, Lübeck o. J., S. 6, 23 und 37. Als ab Ende der 1990er Jahre die Rolle von Paul von Lettow-Vorbeck als Befehlshaber der Schutztruppe für Deutsch-Ostafrika im Ersten Weltkrieg sowie beim Kapp-Putsch kritisch hinterfragt wurde, regte sich auch Widerspruch gegen dessen Ehrung in Gestalt der Namensgebung für Kasernen der Bundeswehr.

1965 wurde die Skulptur „Kapitolinische Gänse“ des Bildhauers Karlheinz Goedtke als Kunst-am-Bau-Auftragsarbeit in der Lettow-Vorbeck-Kaserne aufgestellt. Dieses Werk erinnerte an die Überlieferung des römischen Historikers Livius, der aus dem Jahr 387 v. Chr. berichtete, dass die arglosen Bewohner der Stadt Rom durch Gänse vor dem Angriff der Kelten gewarnt wurden. Mit der Aufgabe der Kaserne wurde die Skulptur an die Gemeinde Henstedt-Ulzburg übergeben, wo sie einen neuen Platz auf einer Wiese vor dem Ratssaal fand.

Die am 1. Oktober 1967 in der Lettow-Vorbeck-Kaserne aus der Ausbildungskompanie 13/6 und dem Panzerjägerzug der 5./Panzergrenadierbataillon 182 gebildete Panzerjägerkompanie 180 wurde kurz nach ihrer Aufstellung in die Rantzau-Kaserne verlegt. Am 1. Oktober 1969 kehrte sie in die Lettow-Vorbeck-Kaserne nach Bad Segeberg zurück. Mit Einnahme der Heeresstruktur 3 wurde am 1. April 1971 die Panzerjägerkompanie 180 in Panzerjägerkompanie 170 umbenannt und der Panzergrenadierbrigade 17 unterstellt, währenddessen die bisherige Panzerjägerkompanie 170, die in der Sachsenwald-Kaserne lag, am 1. April 1971 zur Panzerjägerkompanie 160 wurde. Die neu benannte Panzerjägerkompanie 170 verblieb in der Bad Segeberger Kaserne.Uwe Walter: Die Strukturen und Verbände des deutschen Heeres. Teil 1. I. Korps (1956–1995), Edition Avra, 1. Auflage, Berlin 2017, S. 169Bernd Förstenberg/Heimatverein des Kreises Segeberg e. V. (Hrsg.): Bad Segeberg - 30 Jahre Garnison. In: Heimatkundliches Jahrbuch für den Kreis Segeberg 1992, 38. Jg., Verlag C. H. Wäser, Bad Segeberg, S. 146

Die Ausbildungskompanie 9/6 wurde am 30. September 1972 aus der Rantzau-Kaserne in Boostedt nach Bad Segeberg verlegt und dem Panzergrenadierbataillon 182 einen Tag später unterstellt. Aus ihr ging am 1. Oktober 1980 die Ausbildungskompanie Stabsdienst/Militärkraftfahrer 2/6 hervor, die am 1. April 1985 in die Sick-Kaserne nach Neumünster kam. Sie sollte in Neumünster lediglich temporär bis zum Abschluss von Sanierungsarbeiten an der Segeberger Kaserne verbleiben. Sie wurde am 1. Juli 1987 dem Panzerartilleriebataillon 185 unterstellt, verblieb jedoch bis zu ihrer Auflösung in der Sick-Kaserne.Bernd Förstenberg/Heimatverein des Kreises Segeberg e. V. (Hrsg.): Bad Segeberg - 30 Jahre Garnison. In: Heimatkundliches Jahrbuch für den Kreis Segeberg 1992, 38. Jg., Verlag C. H. Wäser, Bad Segeberg, S. 148

Der Feldwebel für Reservisten 113 war vom 1. April 1978 bis zum 30. September 1994 in der Kaserne als Dienstposten eingerichtet.

Durch die Einführung der Heeresstruktur 4 wurde die Panzerjägerkompanie 170 am 1. Oktober 1980 in Panzerjägerkompanie 180 umbenannt. Zugleich wechselte sie in der Unterstellung zur Panzerbrigade 18. Des Weiteren wurden ab 1. April 1981 die Teileinheit 37 der 1./Panzerbataillon 181 und die 2./Panzerbataillon 182 in der Lettow-Vorbeck-Kaserne stationiert.

Der Dienstposten des Kasernenfeldwebels Bad Segeberg bestand vom 1. April 1981 bis 30. September 1994.

Ab Mitte der 1980er Jahre bis 1994 fanden umfassende Sanierungsarbeiten in der Kaserne statt, für die insgesamt 65 Millionen DM investiert wurden.Bernd Förstenberg/Heimatverein des Kreises Segeberg e. V. (Hrsg.): Bad Segeberg - 30 Jahre Garnison. In: Heimatkundliches Jahrbuch für den Kreis Segeberg 1992, 38. Jg., Verlag C. H. Wäser, Bad Segeberg, S. 150

Vom 1. Januar 1986 bis zum 31. März 1994 bestand die Fahrschulgruppe Bad Segeberg 1 in der Lettow-Vorbeck-Kaserne.

Das Ende des Kalten Krieges und die Deutsche Wiedervereinigung führten zur schrittweisen Reduzierung der Bundeswehr. Dies blieb nicht ohne Auswirkungen auf die Lettow-Vorbeck-Kaserne. Im April 1992 verlegte die Panzerjägerkompanie 180 in die Rantzau-Kaserne nach Boostedt. Dort erfuhr sie zum 30. Juni 1996 die Auflösung. Teile der Kompanie wurden zur Aufstellung der 6. (schweren) Kompanie des Panzergrenadierbataillons 182 verwendet. Zum 30. September 1992 wurden die Teileinheit 37 der 1./Panzerbataillon 181 und die 2./Panzerbataillon 182 aufgelöst.

Der Auszug der Panzerjägerkompanie 180 sollte ermöglichen, in der Lettow-Vorbeck-Kaserne das Panzergrenadierbataillon 172 ab 1. Oktober 1992 als Geräteeinheit aufzunehmen, das aus der Hanseaten-Kaserne in Lübeck am 18. September 1992 auszog und zu einem gekaderten Aufwuchsbataillon umgegliedert wurde. Das Bataillon wurde dem Panzergrenadierbataillon 182 unterstellt und mit ihm zum 31. Dezember 2008 aufgelöst.Bernd Förstenberg/Heimatverein des Kreises Segeberg e. V. (Hrsg.): Bad Segeberg - 30 Jahre Garnison. In: Heimatkundliches Jahrbuch für den Kreis Segeberg 1992, 38. Jg., Verlag C. H. Wäser, Bad Segeberg, S. 150Bundesarchiv/Militärarchiv Freiburg im Breisgau: Bestandsbeschreibung BArch BH 9-18 Panzerbrigade 18 - Holstein - 1956 - 1994

Das Panzergrenadierbataillon 182 war ab Januar 2004 am Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr beteiligt. 2003 begann hierfür in der Lettow-Vorbeck-Kaserne die Ausbildung. 2006 wurde bekannt, dass Soldaten der Lettow-Vorbeck-Kaserne in Bad Segeberg in Afghanistan mit Totenschädeln für Fotoaufnahmen posiert haben sollen. Drei in der Kaserne stationierte Soldaten legen daraufhin Geständnisse ab.

Am 2. November 2004 wurde die Stationierungsentscheidung des Bundesverteidigungsministeriums bekannt, in deren Konsequenz die Lettow-Vorbeck-Kaserne in Bad Segeberg als einer von 105 Standorten zu schließen war. Ab 2005 wurde das Material abgesteuert, so dass am 5. März 2007 der letzte Panzer aus der Kaserne abtransportiert wurde. Am 19. Juni 2008 fand der Auflösungsappell der Panzerbrigade 18 und des Panzergrenadierbataillons 182 statt. Am 19. Dezember 2008 verließen die letzten Soldaten das Gelände.

Die Lettow-Vorbeck-Kaserne wurde zum 31. Dezember 2008 geschlossen.

Zur medizinischen Versorgung war vom 1. Juli 1972 bis 30. Juni 1997 in der Lettow-Vorbeck-Kaserne der Sanitätsbereich 11/18 mit Material ausgestattet. Die Zahnarztgruppe 107/4 bestand zwischen dem 1. April 1973 und dem 31. Dezember 1999. Zudem war die Standortfernmeldeanlage 117/313 eingerichtet und die Fernmelderevisionsdienstgruppe 117/20 vom 1. April 1981 bis zum 30. September 1994 aktiv.

Der Standort verfügte über den Standortübungsplatz Wittenborn mit ca. 330 Hektar Gesamtfläche, auf dem die Übungsschießanlage Fliegerabwehr aller Truppen 113/1 zwischen dem 1. Oktober 1975 und dem 31. Dezember 1999 eingerichtet war. Die Bundeswehr gab den Übungsplatz 2009 auf. 280 Hektar wurden daraufhin 2016 zum Naturschutzgebiet Wittenborner Heide erklärt, während 50 Hektar für eine mögliche Trasse der Nordwestumfahrung Hamburg im Zuge der Bundesautobahn 20 freigehalten werden. Die Fläche wird vom Bundesforstbetrieb Trave betreut. Ein Bundeswehrübungshaus soll zum Fledermausquartier umgenutzt werden. Die auf dem Übungsplatz befindliche Panzerwaschanlage wurde 2019 abgerissen.

Des Weiteren waren bei Todesfelde die Standortschießanlage 113/3 zwischen dem 1. September 1972 und dem 30. November 2000 und die Standortmunitionsniederlage 113/5 zwischen dem 1. April 1981 und dem 31. Dezember 2000 eingerichtet.