mini|Haus zu Mittellöwen an der Amthausgasse 6 in Bern, ursprünglicher Fassadenaufbau von Niklaus Sprüngli (1946) mini|Wappen Sébastien de Montfalcon, Bischof von Lausanne am Montfalcon-Portal der Kathedrale Lausanne mini|Hauszeichen von Johann Friedrich Funk an der Marktgasse 11 (1732) Das Gesellschaftshaus zu Mittellöwen ist das Zunfthaus der Gesellschaft zu Mittellöwen, an der Amthausgasse 6, bzw. Marktgasse 11 in Bern.
Geschichte Das heutige Haus zu Mittellöwen erscheint mit 1389 erfolgten Einträgen im Udelbuch erstmals in den Quellen.Rageth 1987, S. 16. Als Mitbesitzer sind Peter Wiber und Heinrich Wanbescher namentlich bekannt.Rageth 1987, S. 16. Das Haus ging dann in den Besitz der Familie von Roll, später der Familie von Villarzel über.Rageth 1987, S. 16–17. Im Jahr 1465 war das Haus im Besitz von Guillaume de Varax, Bischof von Lausanne, der es als bischöfliches Sässhaus und für Gäste benutzte.Rageth 1987, S. 30. 1491 wurde Aymon de Montfalcon Bischof von Lausanne. Von seinem Wappenschild dürfte sich der später belegte Hausname Zum Falken herleiten.Rageth 1987, S. 33. Dessen Neffe und Nachfolger Sébastien de Montfalcon verkaufte den Falken 1529 an die Familie Reyff aus Fribourg.Rageth 1987, S. 35. Nächster Besitzer war der Venner Hans Rudolf von Graffenried.Rageth 1987, S. 37. Nach mehreren Besitzerwechseln kaufte die Stadt Bern die Liegenschaft und verpachtete sie mehrere Jahre.Rageth 1987, S. 37. Die Stadt verkaufte den Gasthof 1546 an den vermögenden Ulrich Koch., Bloesch 1957, S. 146. 1556 wird der Gasthof in den Quellen erstmals Zum Goldenen Falken genannt.Rageth 1987, S. 38. Möglicherweise liess die Familie Koch das Haus in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts neu errichten.Rageth 1987, S. 38. Weitere Besitzer waren Hans Grütter und ab 1640 Abraham Dick.Rageth 1987, S. 44–45. Durch Erbschaft ging das Haus an die Familie Wild, die den Falken 1712 an den Goldschmied Emanuel Küpfer veräusserte.Rageth 1987, S. 48. Dessen Schwiegersohn Pierre Isaac Bouquet aus Rolle kaufte den Gasthof 1719 und verkaufte diesen 1722 um 32'000 Pfund an die Gesellschaft zu Mittellöwen.Burgerbibliothek Bern: ZA Mittellöwen 583 (6). Von nun an diente das Haus als Gasthof und gleichzeitig als Zunfthaus.
Werkmeister Baumgartner wurde in den Jahren 1732 bis 1737 für Umbauarbeiten bezahlt.Zesiger 1908, S. 281. Aus dem Jahr 1732 hat sich das durch Johann Friedrich Funk geschaffene Hauszeichen an der Marktgasse 11 erhalten.Zesiger 1908, S. 282. Im Jahr 1765/66 erhielt das Haus an der Amthausgasse die heute noch teilweise erhaltene Fassade, welche aufgrund entsprechender Zahlungen in der Seckelmeisterrechnung an den Architekten Niklaus Sprüngli ihm zugeschrieben wird.Schnell 2015, S. 20. 1777 logierte Kaiser Joseph II. im Goldenen Falken.Bloesch 1957, S. 147.
1904 wurde das Haus abgerissen, nur die spätbarocke Fassade an der Amthausgasse wurde belassen. 1905/06 wurde das Haus durch Paul Lindt und Max Hofmann als Zunft- und Geschäftshaus neu errichtet.Schnell 2015, S. 10. Weitere Umbauten erfolgten 1935 durch Rudolf von Sinner, 1954 bis 1956 durch die Architekten von Sinner und Henry Daxelhofer.Schnell 2015, S. 24. Der Umbau 1962 hatte den Abbruch der Sprüngli-Fassade im Erdgeschoss zur Folge, indem die Wandgestaltung durch vier schmucklose Sandsteinpfeiler ersetzt wurde und so eine Laube entstand.Schnell 2015, S. 27. 1964 konnte die Gesellschaft das angrenzende Haus Amthausgasse 4 im Baurecht erwerben. Mit dem 1992 erfolgten Umbau erhielt der Gesellschaftssaal im ersten Obergeschoss mit einem Durchbruch zur Amthausgasse 4 eine Saalerweiterung, eine grössere Küche und weitere Räumlichkeiten. Im Sommer 2020 wurde der Gesellschaftsaal restauriert und das 1992 entstandene Sitzungszimmer der Waisenkommission aufgefrischt.
Quellen
Streubestände im Katalog der Burgerbibliothek Bern Streubestände zum Deskriptor Marktgasse 11Teilweise falsch gesetzte Deskriptoren. im Katalog der Burgerbibliothek Bern
Literatur Hans Bloesch: Das Hotel zum Falken. In: Berner Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde. Nr. 19 (1957), S. 145–156.
Dieter Schnell: Zur Entwicklung eines Berner Geschäftshauses im 20. Jahrhundert. Die Liegenschaften an der Markt- und Amthausgasse der Gesellschaft zu Mittellöwen. In: Das Gesellschaftshaus zu Mittellöwen im 20. Jahrhundert (= Geschichte der Berner Gesellschaft zu Mittellöwen. Bd. 5). Gesellschaft zu Mittellöwen, Bern 2015, S. 10–31. Margrit Rageth-Fritz: Der Goldene Falken. Der berühmteste Gasthof im alten Bern. Das Zunfthaus zu Mittellöwen. Bern 1987. Alfred Zesiger: Die Gesellschaft zu Mittelleuen. In: Neues Berner Taschenbuch auf das Jahr 1908. S. 199–299, doi:10.5169/seals-128331
Weblinks
Gesellschaftshaus zu Mittellöwen auf mittelloewen.ch
Einzelnachweise
Kategorie:Barockbauwerk in Bern Bern Kategorie:Erbaut in den 1730er Jahren Kategorie:Gesellschaft zu Mittellöwen