Siegfried Berisch (* 15. Januar 1877 in Boskowitz, Mähren, Österreich-UngarnLandesarchiv Berlin, Heiratsregister Standesamt Berlin IX, Nr. 65/1909; † 4. Oktober 1933 in Wien) war ein österreichisch-mährischer Schauspieler beim deutschen Theater und Film.
Leben und Wirken Siegfried Berisch begann seine Bühnenlaufbahn wohl kurz vor Jahrhundertwende und kam frühzeitig nach Berlin, wo er in der ausgehenden Kaiserzeit an kleinen Revuebühnen wie dem Folies Caprice (erstmals nachgewiesen in der Spielzeit 1908/09) auftrat. In der Spätphase des Ersten Weltkriegs wirkte er am Central- und Metropoltheater seines Bruders Emil Berisch. In Komödien und Revuen der deutschen Reichshauptstadt wie Das hat die Welt noch nicht geseh’n erlangte der Künstler, körperlich von sehr schmächtiger Statur, seine größten Erfolge; so auch 1925/26 unter Erik Charells Leitung am Großen Schauspielhaus, 1926/27 an den Saltenburg-Bühnen Heinz Saltenburgs und von 1928 bis 1930 am Lustspielhaus. Zu Beginn der 1930er Jahre gehörte Berisch zwei Spielzeiten lang der Komischen Oper Berlin an, sein letztes Engagement führte ihn in der Spielzeit 1932/33 an das Theater in der Behrenstraße. Anschließend erhielt der jüdische Schauspieler und Sänger kein Angebot mehr.
Bereits kurz vor dem Ersten Weltkrieg stieß Siegfried Berisch zum deutschen Film, für den ihn Oskar Messter gewinnen konnte. Vor der Kamera verkörperte Berisch in einer Fülle von nicht allzu bedeutenden Unterhaltungsproduktionen zunächst tragende Rollen, später jedoch immer häufiger Parts von zunehmend chargenhafter Größe. Dabei umfasste die Rollenpalette eine große Bandbreite, vom Korpsdiener in Ein toller Einfall, einem Verteidiger in Sie und die Drei und einem Feuerwehrhauptmann in Der bekannte Unbekannte über einen Spieler in Die Königin des Weltbades und einen Tierhändler in Sensations-Prozeß bis zu einem Gauner in Kehre zurück! Alles vergeben!, einen Theateragent in Der Liebesarzt und einen Pensionsgast in Hilfe! Überfall!. Bisweilen nutzte man seinen Namen auch zu einem hintersinnigen Wortspiel, das nicht jeder gleich durchschaute: In einer Pressekritik zu Fräulein Lausbub heißt es etwa über den jüdischen Interpreten: „Der witzigste Einfall: Siegfried Berisch als Stallmeister Arisch; leider verschwindet er, ehe er sich arischer bzw. berischer entfalten kann.“Kritiker Lot. in Tempo. Berlin, Nr. 24 vom 29. Januar 1930
Siegfried Berisch blieb bis kurz vor seinem Tode bühnen- und filmaktiv, dann erzwang die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Januar 1933 in seiner Wahlheimat Deutschland die Heimkehr des Alt-Österreichers nach Wien, wo er kurz nach seiner Ankunft an den Folgen eines Schlaganfalls starb.
Filmografie 1910: Schmidt will nicht heiraten 1913: Aus eines Mannes Mädchenzeit 1914: Die zerbrochene Puppe 1914: Wollen Sie meine Tochter heiraten? 1916: Die Klabriaspartie 1916: Die Bierleitung 1916: Heiratskontor Lindenbaum 1916: Ein toller Einfall 1917: Fortunios Liebeslied 1918: Das Adoptivkind 1922: Der bekannte Unbekannte 1922: Sie und die Drei 1923: Der Tiger des Zirkus Farini 1924: Dr. Wislizenus 1925: Die Kleine aus der Konfektion. Großstadtkavaliere 1925: Aschermittwoch 1925: Das alte Ballhaus (2 Teile) 1925: Krieg im Frieden 1925: Gräfin Mariza 1926: Die drei Mannequins 1926: Hölle der Liebe 1926: Die Königin des Weltbades 1927: Der falsche Prinz 1927: Die raffinierteste Frau Berlins 1928: Sensations-Prozess 1928: Ein Tag Film 1929: Ja, Ja, die Frau’n sind meine schwache Seite 1929: Fräulein Lausbub 1929: Mutterliebe 1929: Kehre zurück! Alles vergeben! 1930: Der Nächste, bitte 1930: Ein Walzer im Schlafcoupé 1930: Liebling der Götter 1930: Die blonde Nachtigall 1930: Zapfenstreich am Rhein 1931: Der Liebesarzt 1931: Das Geheimnis der roten Katze 1931: Der Herr Bürovorsteher 1931: Keine Feier ohne Meyer 1931: Berlin – Alexanderplatz 1931: Man braucht kein Geld 1932: Aus einer kleinen Residenz 1932: Ballhaus Goldener Engel 1932: Großstadtnacht
Literatur Trapp, Frithjof; Mittenzwei, Werner; Rischbieter, Henning; Schneider, Hansjörg: Handbuch des deutschsprachigen Exiltheaters 1933–1945 / Biographisches Lexikon der Theaterkünstler. Band 2, Teil 1 A–K. S. 79. München 1999
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