mini|hochkant|Kirche St. Mariä Empfängnis in Neviges mini|Gottesdienst in der Pfarrkirche Neviges (2020) mini|Inneres (vor 1904) Die Kirche St. Mariä Empfängnis ist eine römisch-katholische Kirche in Neviges. Sie wurde 1728 als Wallfahrtskirche für die Marienwallfahrt Neviges gebaut und 1968 in dieser Funktion durch den Nevigeser Wallfahrtsdom abgelöst. Daneben diente sie bis zum 31. Januar 2020 als Klosterkirche des Franziskanerklosters Neviges. Seit dem 1. Januar 2010 ist sie (zusammen mit der Kirche St. Antonius von Padua in Velbert-Tönisheide) Pfarrkirche der Pfarrei „Maria, Königin des Friedens“ im Kreisdekanat Mettmann.
Geschichte An der Stelle des Chors der heutigen Kirche wurde zunächst eine kleine, der heiligen Anna gewidmete Kirche errichtet, als erste katholische Kirche in Neviges nach der Reformation. Hier wurden 1675 drei Franziskanerpatres eingeführt, um die Seelsorge in der kleinen Gemeinde zu übernehmen.Paschalis Ruez: Teure Heimat. Neviges 1959, S. 17. Im Jahr 1670 sind in der Hardenbergischen Herrschaft nur 70 Katholiken ansässig.Paschalis Ruez: Teure Heimat. Neviges 1959, S. 39.
Ein Kloster für die Franziskaner konnte noch nicht errichtet werden, da sich die Situation der Patres im reformierten Land als zu schwierig erwies.Ruez, Paschalis: Teure Heimat. Neviges 1959, S. 19.
Entstehung der Wallfahrtskirche Der Franziskaner Antonius Schirley hörte 1680 eine Stimme von einem Bildchen der Gottesmutter her. Diese forderte ihn auf, dass das Bild im Hardenbergischen verehrt werden solle. Zwei beeindruckende Heilungen – die des Fürstbischofs von Paderborn und die des Schlossherrn von Neviges – bestätigten die Aufforderung. So entstand im evangelischen Herzogtum Berg eine Marienwallfahrt zum Bild, das eine Darstellung der Unbefleckten Empfängnis zeigt.
Die 1681 begründete Wallfahrt zum Gnadenbild in der St.-Anna-Kirche auf dem Hardenberg in Neviges war so erfolgreich, dass an der gleichen Stelle (auf Anregung des frommen Landesherrn Jan Wellem) eine größere Kirche gebaut wurde. Die Kirche wurde am 26. Juni 1728 geweiht.Paschalis Ruez: Teure Heimat. Neviges 1959, S. 25. Diese trug – dem Gnadenbild entsprechend – das Patrozinium „St. Mariä Empfängnis“. Sie diente als Wallfahrtskirche und war zugleich die Klosterkirche des 1683 gebauten Franziskanerklosters (4-Flügelanlage mit Kreuzgang), bis zu dessen Auflösung 2020.
Der Bau der Kirche an der Stelle der St.-Anna-Kirche begann 1719. Errichtet wurde eine Kirche von 43,6 Metern Länge und 13,55 Metern Höhe. Diese Kirche scheint in das ältere Kloster wie hereingerückt worden zu sein.Jule Brückelmann: Die Pfarrkirche St. Mariä Empfängnis in Neviges. Bachelorthesis, Wuppertal 2022, S. 12.
Erweiterungen und Entwicklung Der marmorne Marienaltar stammt noch aus der alten Anna-Kirche. Er steht heute auf der der Straße zugewandten Seite der Kirche. Hinter dem goldenen Gitter wurde bis 1968 das Gnadenbild zur Verehrung der Gläubigen ausgestellt. Der Altar war eine Stiftung des in Düsseldorf residierenden Fürsten von Berg, Jan Wellem, und trägt dessen Wappen.Paschalis Ruez: Teure Heimat. Neviges 1959, S. 21. Ihr gegenüber, auf der Klosterseite der Kirche, wurde ein entsprechender Antonius-Altar errichtet, allerdings diesmal als hölzerne Ausführung in Marmor-Optik.
Die beiden Seitenaltäre schließen den Chorraum ab, mit dem Hochaltar an dessen Kopfseite. Dieser wurde 1749 fertiggestellt. Die Bildhauerstücke stammen von W. B. Kuhle.Jule Brückelmann: Die Pfarrkirche St. Mariä Empfängnis in Neviges. Bachelorthesis, Wuppertal 2022, S. 52. 1735 wurden die Kanzel und die Kommunionbank eingebaut sowie das Chorgestühl und die Beichtstühle auf der Straßen-Seite der Kirche.Paschalis Ruez: Teure Heimat. Neviges 1959, S. 26.
Ab 1888 wurde seitlich des Kirchenschiffs eine Beichtkapelle angebaut, die einen guten Teil des Innenhofs des Klosterkreuzgangs ausfüllte.Paschalis Ruez: Teure Heimat. Neviges 1959, S. 68. Diese wurde mit dem Bau des Mariendoms mit seiner Beicht-Krypta überflüssig und ist deshalb im 20. Jahrhundert wieder abgebrochen worden. Eine Glasfront schließt die Kirche in diese Richtung heute ab.
Für die Wallfahrt war die Kirche mit ihren knapp 200 Plätzen stets zu klein. Deshalb wurde regelmäßig der Ruf nach einer größeren Wallfahrtskirche laut – der Wunsch wurde jedoch erst 1968 mit der Einweihung des Mariendoms realisiert.Alexius Turinsky: Bau der Wallfahrtskirche. In: Rhenania Franciscana 46 (4a) 1993, 261–316, S. 263. Im 20. Jahrhundert wurden in Neviges sonntags bis zu 40 heilige Messen zelebriert, für die in der Kirche nur fünf Altäre zur Verfügung standen, sodass man möglichst oft auf die Freiluftaltäre am Marienberg und am Kreuzberg auswich. Dort wurden die Gottesdienste jedoch häufig durch Regen gestört.Alexius Turinsky: Bau der Wallfahrtskirche. In: Rhenania Franciscana 46 (4a) 1993, 261–316, S. 264.
Obwohl Gottfried Böhm, der Erbauer des höher liegenden Mariendoms, Skizzen für eine Umgestaltung der Pfarrkirche eingereicht hatte, erfolgte die Restaurierung schließlich ab 1972 durch den Kölner Architekten Kurt Günssler.Jule Brückelmann: Die Pfarrkirche St. Mariä Empfängnis in Neviges. Bachelorthesis, Wuppertal 2022, S. 52–55.
Beschreibung Die franziskanische Klosterkirche ist als einschiffiger Saalbau in gotischer Formensprache ausgeführt. Ein einfacher Dachreiter ersetzt den Glockenturm, wie es bei mittelalterlichen Bettelordenskirchen üblich war.
Innenraum Die Altäre sind in barockem Stil ausgeführt. Der Marienaltar auf der linken Seite ist der ehemalige Gnadenaltar. Anstelle des Gnadenbildes der Unbefleckten Empfängnis, das 1968 in den Mariendom überführt wurde, befindet sich hinter dem goldenen Gitter eine einfache Marienstatue.
Das Gemälde des Hochaltars zeigt die Himmelfahrt Mariens. Es ist ein Werk des Venezianers Jacopo Palmas und wurde 1953 seitens des Erzbistums Köln für die Nevigeser Kirche erworben.Jule Brückelmann: Die Pfarrkirche St. Mariä Empfängnis in Neviges. Bachelorthesis, Wuppertal 2022, S. 45. Es ersetzt ein durch Bomben zerstörtes Kreuz-Gemälde, das ursprünglich den Gnadenstuhl vervollständigte, der heute noch in der Gottvater-Skulptur und der Heilig-Geist-Taube oberhalb des neuen Gemäldes erkennbar ist.
Der Volksaltar besteht aus mit einem Netz aus Zinn überzogenem Holz und trägt eine Reliquie des heiligen Vincentius.Jule Brückelmann: Die Pfarrkirche St. Mariä Empfängnis in Neviges. Bachelorthesis, Wuppertal 2022, S. 56.
Orgel Die erste Orgel der Kirche mit prächtigem westfälischem Barockprospekt war ein Geschenk des Provinzials der Sächsischen Ordensprovinz, übergeben 1748, und stammt aus der Werkstatt Cappelmann aus Geseke. Sie war vorher bereits in Benutzung, allerdings an unbekanntem Ort.
Zwischen 1862 und 1870 wurde das Werk durch Franz Wilhelm Sonreck erneuert. 1974 wurden durch die Firma Verschueren einzelne Register hinzugefügt, und 2001 erfolgte durch die Werkstatt Hubert Fasen eine Generalüberholung. Disposition und Entstehungszeit der Register Hauptwerk C–g3 Bourdon 16′ (ab c) (1862) Montre 8′ (1974) Gambe 8′ (1862) Bourdon 8′ (1862) Prestant 4′ (1862) Flûte 4′ (1862) Nasard 2 2/3′ (1862) Doublette 2′ (1862) Cornet 5-fach, Haute (1862) Fourniture 3-4-fach (1862) Trompette 8′ Haute/Basse (1862) Tramblant Unterwerk C–g3 Bourdon 8′ (1862) Prestant 4′ (1974) Octave 2′ (1870) Larigot 1 1/3′ (1870) Sifflet 1′ (1974) Cymbale 3-4-fach (1870) Cromhorne 8′ (1974) Tramblant Pedal C–f1 Subbass 16′ (1862) Octavbass 8′ (1870) Gedacktbass 8′ (1870) Choralbass 4′ (1870) Rauschbass 3-fach (1870) Trompete 8′ (2001) Posaune 16′ (1870) Koppeln: I/II, P/I, P/II
Pfarrer in Neviges (Auswahl) 1670–1679: Karl Offermann (dann Niederwenigern, † 1703) 1679–1680: Heinrich Schauenburg OFM († 1780) 1680–1687: Kaspar Niessing OFM 1687–1691: Theodor Ahagen OFM 1691–1693: Nikolaus Borchorst 1696–1697: Kaspar Niessing OFM 1697–1702: Modestus Arnoldi OFM 1703–1706: Wilhelm Holtmann OFM 1706–1709: Kaspar Niessing OFM 1709–1714: Matthias Stoltenkamp 1727–1730: Alois Cordes OFM 1735–1741: Anselmus Henrichmann OFM 1744–1747: Akkursius Evermann OFM († 1758 in Münster) 1748–1753: Candidus Schwarte OFM 17??–17??: Landelin Kotter OFM (1765 nachgewiesen) 1768–1769: Illuminatus Gerling OFM 1769–1772: Celerius Güldenarm OFM 1772–1775: Pergentius Heeb OFM 1775–1786: Lucinius Stallmann OFM 1786–1795, 1798–1801, 1806–1811: Dionysius Kleine OFM († 1811) 1812–1820: Bernardin Aulinck OFM 1820–1847: Florian Bierdrager OFM (1778–1847, ab 1843 Provinzial der Sächsischen Franziskanerprovinz) 1848–1851: Kasimir Heffels OFM 1851–1857: Bonifatius Ostendorf OFM († 1865) 1857–1868: Georg Bartels OFM 1868–1872: Xaverius Kaufmann OFM (1825–1888, 1852–1855 Provinzial) 1872–1894: Basilius Pfannenschmid OFM (1853 Priesterweihe, 1894–1897 Provinzial, † 1898) 1894–1898: Anselmus Alterauge OFM 1898–1901: Zosimus Steinich OFM (Schlesier) 1901–1903: Ambrosius Eich OFM 1903–1909: Marzellinus Blum OFM 1909–1924: Wenzeslaus Straußfeld OFM (1867–1933, 1903–1909 Provinzial) 1925–1925; Viktorin Christians OFM († 1925) 1926–1929: Symphorian Rodermund OFM 1929–1938: Baptista Engel OFM (1889–1959) 1938–1947: Alberich Gödde OFM (1902–1961) 1947–1959: Egon Schmidgen OFM (1905–1983) 1959–1968: Paschalis Ruez OFM (1912–1978) 1968–1980: Erich Jansen OFM (1915–1992) 1980–1995: Thomas Köster OFM (1919–2002) 1995–2000: Robert Jauch OFM 2000–2007: Klemens Maria Banse OFM 2007–2010: Damian Bieger OFM 2010–2018: Frank Krampf OFM 2018–2020: Jakobus Maria Raschko OFM 2020: Kreisdechant Daniel Schilling 2020– : Thomas Diradourian (Priestergemeinschaft Sankt Martin)
Literatur Gerhard Haun: Franziskaner-Kloster Hardenberg-Neviges. Renovierung 1992 bis 1998. In: Rhenania Franciscana. 51, Heft 1a, 1998. Gerhard Haun: Die Wallfahrt nach Neviges. Frohn Verlag, Wuppertal 1981. Petrus Lohe (Hrsg.): Teure Heimat. Handbüchlein. Unsere Hardenberger Pfarrgemeinde. Neviges 1959
Weblinks
Website der Kirchengemeinde Website der Marienwallfahrt Beschreibung der Kirche auf der Website des Fördervereins Nevigeser Wallfahrtsstätten e. V. Eintrag in der Denkmalliste Stadt Velbert, bebildert Regionale Seite zur Kirche, bebildert Eintrag im Portal kirchbau.de Bericht über die Orgelrenovierung
Einzelnachweise
Kategorie:Kirchengebäude in Velbert Kategorie:Baudenkmal in Velbert Kategorie:Maria-Immaculata-Kirche Kategorie:Kirchengebäude im Erzbistum Köln Kategorie:Saalkirche in Nordrhein-Westfalen Kategorie:Erbaut in den 1720er Jahren Maria Empfangnis Kategorie:Kirchengebäude in Europa Neviges