mini|Gleitaar im Etosha-Nationalpark, Namibia mini|Eier des Gleitaars Der Gleitaar (Elanus caeruleus) ist eine Vogelart aus der Familie der Habichtartigen (Accipitridae). In Mitteleuropa ist er ein sehr seltener Irrgast, der vor allem in West- und Südmitteleuropa beobachtet wird.Hans-Günther Bauer, Einhard Bezzel, Wolfgang Fiedler (Hrsg.): Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas: Alles über Biologie, Gefährdung und Schutz. Band 1: Nonpasseriformes – Nichtsperlingsvögel. Wiesbaden 2005, S. 284 f.
Aussehen Er erreicht eine Spannweite von 80 bis 90 Zentimetern und wird etwa 30 bis 35 Zentimeter lang. Das Gewicht beträgt zwischen 197 und 343 Gramm. Der größte Teil des Vogels ist weiß, seine Schwingen sind hellgrau mit schwarzen Schultern. Sein Kopf ist relativ groß und der Schwanz sehr kurz. Darüber hinaus hat er leuchtend rote Augen und orange-gelbe Beine.
Der Ruderflug des Gleitaars ist von kurzen Gleitstrecken unterbrochen. Bei geeigneter Thermik schwebt er mit V-förmig gehaltenen Flügeln. Er rüttelt außerdem gegen den Wind, wobei der Flügelschlag langsamer ist als beim Turmfalken. Stoßflüge sind bei ihm selten. Typisch für diese Art ist ein stufenweises Absinken, das von Rüttelflügen unterbrochen ist. Häufig ist er auch bei der Ansitzjagd zu beobachten, wobei er besonders gerne auf hohen Warten sitzt.
Ernährung Ein Gleitaar ernährt sich von Kleinsäugern (hauptsächlich Nagetieren), verschiedenen Kleinvögeln oder den Jungtieren größerer Vögel und Reptilien (hauptsächlich Eidechsen). Vereinzelt stehen auch Insekten auf dem Speiseplan. Diese jagt er in einem langsamen Suchflug mit gelegentlichem Rütteln oder in der Ansitzjagd. Kleine Nagetiere, vor allem Wühlmäuse und Mäuse, machen etwa 95 % der Hauptbeute aus. Dies zeigten Untersuchungen in Südafrika, in Nordafrika und in Südeuropa.
Fortpflanzung Beim Horstbau gibt es eine Arbeitsteilung. Das Männchen bringt Material zum Horstbaum und das Weibchen verbaut das Material. Der Horst ist in der Regel auf Bäumen, aber auch Horste auf Büschen oder auf Strommasten sind vorgekommen. Der Horst wird 3 bis 12 m hoch angelegt. Das Gelege besteht dann in der Regel aus drei oder vier Eiern. Das Gelege kann aber auch aus nur zwei oder bis zu sechs Eiern bestehen. Die Brutzeit des Gleitaars ist variabel. In Nordafrika und Südwesteuropa wird überwiegend von Februar bis April gebrütet. In Afrika und Indien kann ganzjährig in Abhängigkeit vom Nahrungsangebot gebrütet werden. Es kann zu Mehrfachbruten im Jahr kommen. Bis zu vier Bruten jährlich sind nachgewiesen.
Verbreitung und Lebensraum mini|Verbreitung des Gleitaars mit Unterarten Gleitaare sind vorwiegend Standvögel, doch vereinzelt leben sie auch als Strichvögel. Sie leben in offenen Gegenden wie Steppen, Halbwüsten oder auch Kulturlandschaften mit vereinzelten Bäumen oder auch hohen Masten zum Ansitzen und Nisten.
Der Gleitaar ist in Südeuropa in Gebieten auf der Iberischen Halbinsel (Portugal, Spanien) und in Südwestfrankreich, in Nordafrika in Marokko, Algerien und Ägypten, aber auch im übrigen Afrika anzutreffen. In großen Teilen Südasiens kommt die Unterart E. c. vociferus vor. Außerdem gibt es noch vier weitere Unterarten auf südasiatischen Inseln. Vögel der östlichen Unterart E. c. vociferus aus Israel besiedelten die Südosttürkei. Im Jahr 2021 bestand ein Brutverdacht auf Zypern.
Die ersten unsteten Vorkommen gab es in Portugal in den 1940er, 1960er und 1970er Jahren. Erster Brutnachweis in Portugal war 1944. In Spanien gelang der erster Brutversuch um 1959. Die eigentliche Besiedlung Spaniens begann 1973. In Frankreich stieg der Bestand nach der ersten Brut 1990 stark an und es wurde der gesamte Südwesten des Landes besiedelt. In Europa schätzten Experten den Bestand 2016 bis 2019 auf etwa 1.300 bis 2.900 Paare. Im Rest Europas war der Gleitaar lange ein seltener bis extrem seltener Ausnahmegast. In den letzten Jahren werden sie hingegen immer häufiger nachgewiesen. Inzwischen wird die Art in Deutschland regelmäßig festgestellt. Schon 2019 gab es am niedersächsischen Balksee, Landkreis Cuxhaven, ein balzendes Paar. Im Jahr 2025 sind 57 Nachweise und 62 Individuen auf dem Beobachtungsportal ornitho.de dokumentiert. Darunter waren zwei Bruten: An der Südspitze des Jadebusens am Hekelner Kanal wurden drei Jungvögel flügge. Am Brutplatz gab es ein Massenvorkommen der Feldmaus. Auch aus einer Brut im Süden Bayerns flogen Jungvögel aus, fielen hernach allerdings Beutegreifern zum Opfer. Im selben Jahr kam es in Ungarn, im Körös-Maros National Park, und in Dänemark, bei Jersild in West-Jütland, zu Erstbruten. Der Gleitaar befindet sich mithin in einer anhaltenden Expansion des Verbreitungsgebietes. In den nächsten Jahren ist mit weiteren Bruten und Beobachtungen in Europa außerhalb von Frankreich, Spanien und Portugal zu rechnen.Thorsten Krüger, Jürgen Linnhoff & Henning Meinecke: Erster Nachweis einer Brut des Gleitaars Elanus caeruleus in Deutschland im Zuge anhaltender Arealexpansion in Europa. In: Die Vogelwelt. 142. Jahrgang, 2024, Heft 4, S. 241–256.
In der Schweiz wird der Gleitaar seit 2014 alljährlich beobachtet.Sommergrüsse aus dem Süden Schweizerische Vogelwarte, 2. Juni 2022. Abgerufen am 5. November 2025.
2019 wiesen Ornithologen in Österreich Gleitaare der westlichen und der östlichen Unterart nach. Bis Ende 2022 gab es 14 Nachweise des Gleitaars in Österreich.
Literatur Hans-Günther Bauer, Einhard Bezzel, Wolfgang Fiedler (Hrsg.): Das Kompendium der Vögel Mitteleuropas: Alles über Biologie, Gefährdung und Schutz. Band 1: Nonpasseriformes – Nichtsperlingsvögel. Aula-Verlag Wiebelsheim, Wiesbaden 2005, ISBN 3-89104-647-2 Benny Génsbøl, Walther Thiede: Greifvögel. Alle europäischen Arten, Bestimmungsmerkmale, Flugbilder, Biologie, Verbreitung, Gefährdung, Bestandsentwicklung. BLV Verlag, München 1997, ISBN 3-405-14386-1. Theodor Mebs: Greifvögel Europas. Biologie – Bestandsverhältnisse – Bestandsgefährdung. Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-440-06838-2.
Weblinks
Javier Blasco-Zumeta, Gerd-Michael Heinze: Geschlechts- und Altersbestimmung (PDF-Datei, englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Habichtartige