Bei den XVII. Olympischen Spielen 1988 in Calgary fanden acht Wettbewerbe im Skilanglauf statt. Austragungsort war das Nordic Centre in Canmore.
Das Wettkampfprogramm erfuhr Veränderungen. Nachdem immer mehr Skilangläufer die Skating-Technik, die schnellere Zeiten ermöglichte als die klassische Technik, für eine gesamte Strecke anwendeten, schrieb die FIS bei den Großveranstaltungen vor, ob die jeweilige Disziplin in klassischem oder freiem Stil zu laufen sei. Für die kommenden Jahre standen noch weitere Veränderungen im Skilanglauf bevor. In den Langläufen der Frauen dominierten vor allem die Sportlerinnen aus der Sowjetunion, die außer der 5-km-Distanz alle anderen Disziplinen für sich entscheiden konnten.
Bilanz Medaillenspiegel Platz Land 20px|Gold 20px|Silber 20px|Bronze Gesamt 1 5 5 3 13 2 2 – – 2 3 1 – 2 3 4 – 2 1 3 5 – 1 – 1 6 – – 1 2 7 – – 1 3 Gesamt 8 8 8 24
Medaillengewinner Männer DisziplinGoldSilberBronze 15 km klassisch Michail Dewjatjarow (URS) Pål Gunnar Mikkelsplass (NOR) Wladimir Smirnow (URS) 30 km klassisch Alexei Prokurorow (URS) Wladimir Smirnow (URS) Vegard Ulvang (NOR) 50 km Freistil Gunde Svan (SWE) Maurilio De Zolt (ITA) Andy Grünenfelder (SUI) 4 × 10 km Staffel Freistil
Frauen DisziplinGoldSilberBronze 5 km klassisch Marjo Matikainen (FIN) Tamara Tichonowa (URS) Vida Vencienė (URS) 10 km klassisch Vida Vencienė (URS) Raissa Smetanina (URS) Marjo Matikainen (FIN) 20 km Freistil Tamara Tichonowa (URS) Anfissa Reszowa (URS) Raissa Smetanina (URS) 4 × 5 km Staffel Freistil
Ergebnisse Männer 15 km klassisch Platz Land Sportler Zeit (min) 1 Michail Dewjatjarow 41:18,9 2 Pål Gunnar Mikkelsplass 41:33,4 3 Wladimir Smirnow 41:48,5 4 Oddvar Brå 42:17,3 5 Uwe Bellmann 42:17,8 6 Maurilio De Zolt 42:31,2 7 Vegard Ulvang 42:31,5 8 Harri Kirvesniemi 42:42,8 9 Marco Albarello 42:48,6 10 Giorgio Vanzetta 42:49,6 21 Holger Bauroth 43:59,2 22 Jürg Capol 43:59,5 23 Jochen Behle 43:59,7 27 Walter Kuß 44:29,0 31 Alois Schwarz 45:06,9 32 André Blatter 45:15,2 35 Andy Grünenfelder 45:35,5 36 Alois Stadlober 45:38,5 42 Johann Standmann 46:04,6 50 Benjamin Eberle 46:49,3 51 Patrick Hasler 47:07,3 Datum: 19. Februar 1988, 09:30 Uhr Höhendifferenz: 150 m; Maximalanstieg: 104 m; Totalanstieg: 617 m 90 Teilnehmer aus 32 Ländern, davon 85 in der Wertung.
Das Rennen zählte auch zum Weltcup. Sieger Dewetjarow erklärte, dass der Einsatz der sowjetischen Läufer in zwei Weltcuprennen und das Training richtig getimt gewesen seien. Es waren in seiner Heimat Strecken mit ähnlichem Profil angelegt worden und er empfand den olympischen Wettkampf als leicht. Für die Schweizer war das Ergebnis das schlechteste seit Olympia 1980, als Franz Renggli Rang 27 belegt hatte.«Die Probleme um die Staffel»: In: Sport Zürich, 22. Februar 1988, S. 11.«Olympia Total»: In: Sport Zürich, 22. Februar 1988, S. 15.
30 km klassisch Platz Land Sportler Zeit (h) 1 Alexei Prokurorow 1:24:26,3 2 Wladimir Smirnow 1:24:35,1 3 Vegard Ulvang 1:25:11,6 4 Michail Dewjatjarow 1:25:31,3 5 Giorgio Vanzetta 1:25:37,2 6 Pål Gunnar Mikkelsplass 1:25:44,6 7 Gianfranco Polvara 1:26:02,7 8 Marco Albarello 1:26:09,1 9 Harri Kirvesniemi 1:26:59,6 10 Gunde Svan 1:27:30,8 13 Giachem Guidon 1:28:25,9 15 Uwe Bellmann 1:28:37,2 18 Alois Schwarz 1:29:34,4 22 Holger Bauroth 1:30:03,4 23 Jochen Behle 1:30:08,3 26 Jeremias Wigger 1:30:47,2 30 Jürg Capol 1:31:36,1 33 Alois Stadlober 1:32:00,0 40 Stefan Dotzler 1:33:06,1 44 Johann Standmann 1:34:24,8 47 Benjamin Eberle 1:34:53,8 58 Konstantin Ritter 1:37:47,6 74 Patrick Hasler 1:43:26,7 Datum: 15. Februar 1988, 09:50 Uhr Höhendifferenz: 112 m; Maximalanstieg: 62 m; Totalanstieg: 1194 m 90 Teilnehmer aus 32 Ländern, davon 87 in der Wertung.
Bis zur 20-km-Marke führte Smirnow, wobei bei der 10-km-Marke noch Ulvang vor Prokurorow auf Rang 2 platziert war. Andy Grünenfelder (SUI) gab nach 24 km wegen falscher Wachswahl auf. Rang 18 für Alois Schwarz war die beste je von einem Österreicher in dieser Disziplin erzielte Platzierung. Er sagte, er habe sich seine Kräfte gut eingeteilt, konnte im Finish zusetzen und hatte gut präparierte Skier.«An der Wachswahl gescheitert» und «OLYMPIA TOTAL» sowie «Österreichische Fahnen schon wieder auf Halbmast»: In: Sport Zürich, 17. Februar 1988, S. 12, 13, 28.
50 km Freistil Platz Land Sportler Zeit (h) 1 Gunde Svan 2:04:30,9 2 Maurilio De Zolt 2:05:36,4 3 Andy Grünenfelder 2:06:01,9 4 Vegard Ulvang 2:06:32,3 5 Holger Bauroth 2:07:02,4 6 Jan Ottosson 2:07:34,8 7 Kari Ristanen 2:08:08,1 8 Uwe Bellmann 2:08:18,6 9 Pål Gunnar Mikkelsplass 2:08:20,0 10 Gianfranco Polvara 2:08:40,3 13 Giachem Guidon 2:09:02,3 14 Jeremias Wigger 2:09:05,4 19 André Blatter 2:10:43,4 33 Herbert Fritzenwenger 2:13:27,6 34 Georg Fischer 2:13:31,3 35 Markus Fähndrich 2:13:33,2 36 Johann Standmann 2:13:39,3 41 Alois Schwarz 2:17:03,5 Datum: 27. Februar 1988, 08:30 Uhr Höhendifferenz: 130 m; Maximalanstieg: 56 m; Totalanstieg: 1794 m 74 Teilnehmer aus 25 Ländern, davon 61 in der Wertung.
Es war dies bis dato der schnellste Marathon aller Zeiten. Rang 3 für Grünenfelder war ein Meilenstein in der Geschichte des Schweizer Langlaufsports. Svan führte schon nach 15 km mit 41,1 s vor Bauroth und Grünenfelder, De Zolt war Achter. Nach Rennhälfte lag der Schwede vor Grünenfelder (+ 1:07,5) und De Zolt (+ 1:09,0), nach 40 war de Zolt bereits Zweiter (+ 1:27,9), Grünenfelder auf Rang drei (+ 1:43,3) und Bauroth auf Rang vier (+ 1:49,2). Doch der DDR-Läufer baute gegen Schluss hin ab, während der Schweizer zulegen konnte.«Ein Meilenstein im Schweizer Langlauf» und «Andi Grünenfelder: Dies ist mein absolut größter Erfolg». In: Sport Zürich, 29. Februar 1988, S. 15.
Als großer Favorit in allen Langlaufwettbewerben der Männer galt der 26-jährige Schwede Gunde Svan, der bereits vier Jahre zuvor bei den Spielen in Sarajevo zweimal Gold und je einmal Silber und Bronze gewonnen hatte (zwischen 1985 und 1991 konnte er siebenmal WM-Gold erringen). Doch begannen die Spiele von Calgary für ihn sehr zäh: Einem zehnten Platz über 30 Kilometer folgte ein 13. Rang über die 15-km-Distanz. Nachdem er mit der schwedischen Mannschaft den Staffeltitel verteidigt hatte, gelang ihm am vorletzten Tag der Winterspiele über die Marathondistanz mit einer guten Minute Vorsprung vor dem Italiener Maurilio De Zolt doch noch das ersehnte Einzelgold, womit er mit der schwedischen Langlauf-Legende Sixten Jernberg gleichzog, der von 1956 bis 1964 ebenfalls viermal Gold erringen konnte.
4 × 10 km Staffel Freistil Platz Land Sportler Zeit (h) 1 Jan Ottosson Thomas Wassberg Gunde Svan Torgny Mogren 1:43:58,6 2 Wladimir Smirnow Wladimir Sachnow Michail Dewjatjarow Alexei Prokurorow 1:44:11,3 3 Radim Nyč Václav Korunka Pavel Benc Ladislav Švanda 1:45:22,7 4 Andy Grünenfelder Jürg Capol Giachem Guidon Jeremias Wigger 1:46:16,3 5 Silvano Barco Albert Walder Giorgio Vanzetta Maurilio De Zolt 1:46:16,7 6 Pål Gunnar Mikkelsplass Oddvar Brå Vegard Ulvang Terje Langli 1:46:48,7 7 Georg Fischer Walter Kuß Jochen Behle Herbert Fritzenwenger 1:48:05,0 8 Jari Laukkanen Harri Kirvesniemi Jari Räsänen Kari Ristanen 1:48:24,0 9 Yves Bilodeau Al Pilcher Pierre Harvey Dennis Lawrence 1:48:59,7 10 André Blatter Alois Schwarz Johann Standmann Alois Stadlober 1:49:14,5 11 Patrick Rémy Jean-Luc Thomas Dominique Locatelli Guy Balland 1:49:15,9 12 Swetoslaw Atanassow Iwan Smilenow Atanas Simittschiew Todor Machow 1:49:27,9 13 Todd Boonstra Dan Simoneau Bill Spencer Joe Galanes 1:50:27,6 14 Atsushi Egawa Kazunari Sasaki Taniyuki Yuki Masaharu Yamazaki 1:51:10,7 15 Hong Kun-pyo Park Ki-ho Cho Sung-hoon Jun Jeung-hae 1:59:00,4 16 John Spotswood Ewan McKenzie Marty Watkins Andrew Wylie 1:59:39,3 Datum: 22. Februar 1988, 09:30 Uhr Höhenunterschied: 108 m; Maximalanstieg: 50 m; Totalanstieg: 440 m 16 Staffeln am Start, alle in der Wertung.
Für die Tschechoslowakei war der dritte Platz der größte Triumph seit Falun 1974 (50-km-Silber von Stanislav Henych), für die Schweiz war Platz 4 das beste Ergebnis seit Bronze 1972 in Sapporo. Sieger Schweden profitierte auch von den Stürzen von Dewjatjarow und Prokurorow. Italien konnte in die Medaillenentscheidung nie eingreifen, Norwegens Untergang begann mit dem Sturz von Startläufer Mikkelsplass und setzte sich durch eine schwache Leistung von Brå fort. Die Finnen hatten Probleme mit dem Freistil. Bei Österreich fehlte der erkrankte Markus Gandler (für ihn lief Standmann); zur Halbzeit übergab Schwarz mit 6,4 s Rückstand auf die Tschechoslowakei, doch die Staffel fiel auf Platz 10 zurück.«Schweizer Medaillentraum knapp verfehlt» und «Mit Spezialvorbereitung». In: Sport Zürich, 24. Februar 1988, S. 8.
Ergebnisse Frauen 5 km klassisch Platz Land Sportlerin Zeit (min) 1 Marjo Matikainen 15:04,0 2 Tamara Tichonowa 15:05,3 3 Vida Vencienė 15:11,1 4 Anne Jahren 15:12,6 5 Marja-Liisa Kirvesniemi 15:16,7 6 Inger Helene Nybråten 15:17,7 7 Marie-Helene Westin 15:28,9 8 Swetlana Nageikina 15:29,9 9 Marianne Dahlmo 15:30,4 10 Raissa Smetanina 15:35,9 13 Simone Opitz 15:41,1 14 Evi Kratzer 15:42,8 15 Christine Gilli-Brügger 15:44,5 19 Kerstin Moring 16:01,6 20 Cornelia Sulzer 16:09,7 25 Silke Braun 16:22,5 28 Karin Jäger 16:28,0 34 Maria Theurl 16:36,6 35 Marianne Irniger 16:37,5 36 Margot Kober 16:39,2 37 Susann Kuhfittig 16:41,9 40 Karin Thomas 17:04,1 43 Stefanie Birkelbach 17:09,1 44 Birgit Kohlrusch 17:10,3 45 Hildegard Embacher 17:18,6 48 Sonja Bilgeri 17:33,2 Datum: 17. Februar 1988, 09:45 Uhr Höhenunterschied: 50 m; Maximalanstieg: 37 m; Totalanstieg: 223 m 55 Teilnehmerinnen aus 17 Ländern, davon 53 in der Wertung.
10 km klassisch Platz Land Sportlerin Zeit (min) 1 Vida Vencienė 30:08,3 2 Raissa Smetanina 30:17,0 3 Marjo Matikainen 30:20,5 4 Swetlana Nageikina 30:08,3 5 Tamara Tichonowa 30:38,9 6 Inger Helene Nybråten 30:51,7 7 Pirkko Määttä 30:52,4 8 Marie-Helene Westin 30:55,3 9 Marja-Liisa Kirvesniemi 30:57,0 10 Simone Opitz 31:14,3 11 Evi Kratzer 31:16,7 18 Christine Gilli-Brügger 31:37,4 21 Simone Greiner-Petter 31:53,0 23 Susann Kuhfittig 32:01,5 24 Karin Jäger 32:09,5 25 Kerstin Moring 32:12,8 26 Cornelia Sulzer 32:17,1 32 Sandra Parpan 33:02,0 34 Margot Kober 33:22,2 42 Hildegard Embacher 34:53,2 43 Marianne Irniger 34:58,3 44 Sonja Bilgeri 35:07,0 Datum: 14. Februar 1988, 10:00 Uhr Höhenunterschied: 112 m; Maximalanstieg: 62 m; Totalanstieg: 398 m 52 Teilnehmerinnen aus 17 Ländern, davon 51 in der Wertung. Aufgegeben: Maria Theurl (AUT).
Nach 4,6 km führte Smetanina vor Westin und Vencienė, während Matikainen auf Rang 11 lag. Nach 7,3 km hieß der Stand: Smetanina, Vencienė, Matikainen. Enttäuschend verlief das Rennen für die Norwegerinnen, die als zweitbeste Läuferin Brit Pettersen auf Rang 14 hatten.«Matikainen durchbrach UdSSR-Phalanx» und «OLYMPIA TOTAL». In: Sport Zürich, 15. Februar 1988, S. 9 und 27.
20 km Freistil Platz Land Sportler Zeit (min) 1 Tamara Tichonowa 55:53,6 2 Anfissa Reszowa 56:12,8 3 Raissa Smetanina 57:22,1 4 Christine Gilli-Brügger 57:37,4 5 Simone Opitz 57:54,3 6 Manuela Di Centa 57:55,2 7 Kerstin Moring 58:17,2 8 Marianne Dahlmo 58:31,1 9 Anna-Lena Fritzon 58:37,4 10 Marie-Helene Westin 58:39,4 14 Evi Kratzer 58:56,1 15 Simone Greiner-Petter 59:01,2 16 Karin Thomas 59:17,2 30 Marianne Irniger 61:51,5 35 Karin Jäger 62:24,6 37 Cornelia Sulzer 63:01,2 38 Susann Kuhfittig 63:05,8 41 Birgit Kohlrusch 63:16,2 45 Stefanie Birkelbach 64:40,5 50 Hildegard Embacher 67:35,1 Datum: 25. Februar 1988, 09:30 Uhr Höhenunterschied: 98 m; Maximalanstieg: 51 m; Totalanstieg: 738 m 55 Teilnehmerinnen aus 18 Ländern, davon 52 in der Wertung. Disqualifiziert: Nina Gawriljuk.