mini|hochkant=1.4|Blick auf den westlich gelegenen Teil des Zentrums des Skulpturenparks Der Europa-Skulpturenpark in der oberpfälzischen Gemeinde Beratzhausen entstand ab dem Jahr 1992 und beinhaltet Bildhauerarbeiten aus Stein, Metall sowie Skulpturen aus Holz. Geschaffen wurde er, um nach dem Fall des Eisernen Vorhangs zunächst rumänischen Künstlern eine Bühne zu bieten und mithilfe der Kunst ost- und westeuropäische Länder und Völker zu verbinden.
Lage und Beschreibung des Geländes Der Skulpturenpark liegt zu einem Großteil im Kern von Beratzhausen, einer Marktgemeinde im westlichen Landkreis von Regensburg, am Ufer entlang des Flusses Schwarze Laber, auf den sogenannten Laberwiesen. Auf dem Gelände fanden im Laufe der Jahre 23 Kunstwerke namhafter regionaler, nationaler und internationaler Künstler Platz. Es wurde in den letzten Jahren auch auf andere Ortsteile erweitert. Aktuell beinhaltet der Park 43 Skulpturen, die sich im Eigentum des Marktes Beratzhausen und des Kuratoriums Europäische Kulturarbeit Beratzhausen befinden.
Entstehung und Entwicklung
Hintergründe mini|In diesem Stadel fertigten die Künstler während der Symposien ihre Werke Kurz nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1990 organisierten sich einige Beratzhausener Bürger, um einen Konvoi mit Hilfsgütern, darunter Krankenhausbetten, nach Rumänien zu bringen, um vor Ort humanitäre Hilfe zu leisten. Es folgten mehrere Hilfskonvois dieser Gruppe, die sich in den Folgejahren zur „Rumänienhilfe Beratzhausen“ vereinte. Während des ersten Konvois entstand die Idee, zunächst rumänischen Künstlern in Westeuropa eine Möglichkeit zu schaffen, sich zu präsentieren. Ziel war es, die Kunst als vereinendes Mittel zwischen Völkern zu nutzen. Bereits im Folgejahr veranstaltete die Organisation eine Deutsch-Rumänische Kulturwoche mit insgesamt 70 Künstlerinnen und Künstlern, von denen alle privat bei Familien in der Marktgemeinde untergebracht wurden. 1992, ein Jahr nach der Kulturwoche, organisierte man ein Bildhauer-Symposium mit sechs rumänischen Künstlern in Beratzhausen, die in ihrer Heimat, einer davon auch in den Vereinigten Staaten, bereits Berühmtheit erlangt hatten. Botschafter der Künstler und Ehrengast war der spätere Außenminister von Rumänien, Andrei Plesu. Als Arbeitsstätte für die Künstler wurde eine Scheune, die ebenfalls im Ortsteil Essenbügl liegt, saniert und ausgebaut. Es galt während der acht Wochen des Symposiums, Akzeptanz in der Bevölkerung für die Arbeit der Künstler zu schaffen und gleichzeitig die Kulturen durch ebendiese Kunst zusammenwachsen zu lassen.
Bestimmung des Geländes Die bedeutende, jedoch bis dahin aufgrund des Eisernen Vorhangs nahezu unbekannte, osteuropäische Kunst, sollte in der Marktgemeinde ein möglichst breites Publikum erreichen. Ein idyllischer Grünstreifen, die Laberwiesen, entlang der Schwarzen Laber, einem Zufluss der Donau, inmitten des Ortes gelegen, wurde deshalb dafür ausgewählt. Das Gelände liegt im Ortsteil Essenbügl. Gegen anfängliche Widerstände von einzelnen Bürgern erhielt dieser Standort im Gemeinderat parteiübergreifend den Zuschlag.
Eröffnung des Parks Eröffnet wurde der Skulpturenpark, nach Beendigung des Bildhauer-Symposiums 1992, mit den Kunstwerken der Künstler Mihai Buculei (Bukarest), Viorel Farcas (Philadelphia), Liviu Russu (Bukarest), Serban Dumitru (Arad), Napoleon Tiron (Bukarest), Aurel Vlad (Bukarest).
Erweiterung des Areals Im Lauf der Zeit wurde das Gelände mehrfach ausgeweitet: Es entstand, ebenfalls am Ufer der Schwarzen Laber und im Ortskern gelegen, auf den sogenannten Laberwiesen ein weiterer Teil des Parks. Inzwischen umfassen das Gelände des Europa-Skulpturenparks entlang des Flussufers 23 Kunstwerke. Die Erweiterung des Europa-Skulpturenparks erlangte im Jahr 1998 eine neue, bis dahin ungeplante Dimension: Waren zuvor die Skulpturen aus Stein und Holz entlang der Schwarzen Laber errichtet worden, verlagerte sich der Park nunmehr auch dezentral auf die umliegenden Ortsteile. Den Anfang machte dabei Schrotzhofen. Im Laufe der Jahre erweiterte sich der Skulpturenpark auf die Ortsteile Oberpfraundorf, Unterpfraundorf, Rechberg, Schwarzenthonhausen, Mausheim und Pexmühle, sodass inzwischen ein Großteil der Gemeinde als Bestandteil des Europa-Skulpturenparks genannt werden kann. Sogar ein eigener Wanderweg verbindet den dezentralen Skulpturenpark.
Kuratorium Europäische Kulturarbeit mini|Das Logo des Kuratoriums Europäische Kulturarbeit Beratzhausen e.V. Das Kuratorium Europäische Kulturarbeit e. V. ist Trägerverein des Skulpturenparks. Der Verein entstand aus der Rumänienhilfe Beratzhausen, die ab 1990 Hilfskonvois nach Rumänien organisierte. 1995, drei Jahre nach dem ersten Symposium und der Entstehung des Skulpturenparks, gründete sich das Kuratorium. Nachdem 1995 beim Symposium der Konkreten Kunst zwölf Künstler aus zehn europäischen Ländern zu Gast waren, nannte man sich „Kuratorium Europäische Kulturarbeit“. Zuvor organisierte die Gruppe die Entwicklung des Parks noch ohne offizielle Eintragung. Die Gründungsmitglieder bildeten gleichzeitig eine parteiübergreifende Gruppe im Gemeinderat von Beratzhausen. Derzeit ist der Direktor der Katholischen Jugendfürsorge in der Diözese Regensburg, Vorsitzender des Kuratoriums. Das Ziel des Vereins bleibt, durch Kultur die Völker Europas zu vereinen.
Werke in der Dauerausstellung Eine Besonderheit des Europa-Skulpturenparks in Beratzhausen ist es, dass jeder der an den regelmäßig stattfindenden Kunst-Symposien teilnehmende Künstler dem Kuratorium sein Kunstwerk überlässt. Daraus entstand eine Dauerausstellung, die inzwischen 43 Kunstwerke aus Stein, Holz und Metall umfasst und als Wanderweg entlang der Gemeinde Beratzhausen gelegen ist.
Die Werke in der Dauerausstellung:
„Erhebung“ von Viorel Farcas mini|Erhebung von Viorel Farcas Das Werk entstand während des Bildhauer-Symposiums 1992. Die Erhebung zeigt die Auferstehung einer Figur aus der Materie, dessen Konturen noch spiegelbildlich in der Steinplatte sind. Viorel Farcas stellt mit der Skulptur den Menschen als Wesen der Schöpfung, der aus der Erde geschaffen ist, aber auch die Auferstehung Jesu, der gewaltsam die Grabplatte sprengte, in den Mittelpunkt. Die Ausrichtung der Skulptur in dem Skulpturenpark ist dabei nicht zufällig gewählt: Farcas setzte die Figur in Richtung Osten auf; ein Symbol für das rebellische Aufbegehren seiner Heimat Rumänien. Sowohl die horizontalen, als auch die vertikalen Elemente des Werkes haben ihre endgültig waagrechte bzw. senkrechte Position (noch) nicht erreicht. Auch das ist ein Symbol des Umbruchs Anfang der Neunziger Jahre.
„Die Geburt“ von Dumitru Serban mini|Die Geburt von Dimitru Serban Dumitru Serban verewigte sich während des Symposiums 1992 mit einer steinernen Darstellung der Geburt. Sein Werk ist eine abstrakte Darstellung der Entwicklung des Lebens. Förmlich aus der Erde, in kleinen Wellen, entwickelt sich der Mensch. Im oberen Teil ist ein Mensch im Werden zu erkennen. Die nicht ganz symmetrische Arbeit ist aus zwei Elementen gefertigt, die ein Spalt in der Mitte trennt. Aus dieser Öffnung entspringt neues Leben in Form von Pflanzen, die sich ihren Weg bahnen. Auch die Geburt Jesu lässt sich interpretieren, die durch seine Menschwerdung die religiösen Traditionen aufbricht.
„Winkel des Lebens“ von Napoleon Tiron mini|Winkel des Lebens von Napoleon Tiron Die in Winkelform ausgearbeitete Bank entstand 1992. Sie symbolisiert den langen Lebensweg des Menschen, der niemals gleichmäßig, sondern in vielen Ecken und Winkeln verläuft. Die stumpfe Spitze des Winkels zeigt auf die auf einer Anhöhe gelegenen Kirche „Maria Hilf“. Die beiden Schenkel des Kunstwerkes verlaufen mit der Schwarzen Laber, auf deren Ufer es angelegt wurde. Die eigenwillige und nur auf den ersten Blick einfache Arbeit zeichnet sich dadurch aus, dass sie sich harmonisch der Landschaft anpasst und filigrane Strukturen an der Oberfläche ausweist. Napoleon Tiron hat damit eine Funktionalskulptur geschaffen, von der er sich wünscht, dass sich Mütter und Kinder ausruhen und dem Leben im Fluss zusehen.
„Festung“ von Liviu Russu mini|Festung von Liviu Russu Für den Betrachter spielt Russu mit dem Steinmaterial aus geschwungenen und kantigen Formen. Die Oberflächen des ebenfalls während des ersten Bildhauer-Symposiums 1992 entstandenen Werks sind gegensätzlich strukturiert oder glatt. Weich und dahingestreckt in die Natur des Flussufers integriert, verkörpert das Werk Russus das Beschützende in einer mittelalterlichen Festung, die den Menschen, die in ihr leben, Geborgenheit gab. Ein Tor zum Betreten und Verlassen ist klar erkennbar. Die abstrakte Figur soll die Fantasie der Betrachter herausfordern. Der Mensch braucht den Schutz einer Gemeinschaft, die ihm Wärme und Freundschaft zuteilwerden lässt. Die Arbeit, entstanden wenige Jahre nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, gilt damit als Symbol der Völkerverständigung.
„Kreuzweg“ von Aurel Vlad mini|Kreuzweg von Aurel Vlad Das Werk gleicht einem steingewordenen Scherenschnitt, durchsichtig und filigran. Die Arbeit Vlads aus dem Jahr 1992 ist figurativ und lässt wenig Spielraum für eigene Interpretationen. Klar und deutlich zeigen seine rechtwinkligen Verschnitte zwei Szenen: Der Eine zeigt die Flucht von Maria und Jesus nach Ägypten. Der zweite Verschnitt zeigt die Pieta, also die Kreuzabnahme. Dieses religiöse Werk basiert auf der byzantinisch orthodox geprägten Welt von Aurel Vlad. Die Anlehnung dieser Skulptur an die traditionelle Volkskunst Südeuropas lässt vielen Betrachtern die Arbeit als besonders verständlich erscheinen.
„Brücke zur Seligkeit“ von Mihai Buculei mini|Brücke zur Seligkeit von Mihai Buculei Das Monumentalwerk bildete den Abschluss des ursprünglichen Geländes des Skulpturenparks. Ein mächtiger Quader führt als Brücke über einen Wassergraben. Der natürlich entstandene Graben und die durch Buculei eingesetzte Brücke symbolisieren das Diesseits und das Jenseits. Gegenüber auf einem horizontal ausgerichteten Thron liegt schräg eine mumienartige Gestalt, die zur Kirche „Maria Hilf“ hin ausgerichtet ist. Im Spannungsfeld zwischen Universum und Erde soll die Figur den Geist des Menschen verkörpern, der seine Kraft und Energie vom Himmel erhält und dennoch mit der Erde verwurzelt ist. Dabei fallen viele künstlerische Feinarbeiten auf: Der zurückgezogene Vorhang am Thron, die nahezu perfekte Wicklung der Figur und der abgebogene Aufgang zur Brücke, der die vielen Hindernisse des Lebens verdeutlichen soll.
„Paracelsus vor dem Zehentstadl“ von Mihai Buculei mini|Paracelsus von Mihai Buculei Mit diesem Werk würdigte der Künstler 1995 die Kulturstätte des Marktes Beratzhausen: Der Zehentstadel ist ein Veranstaltungsort, der seit seiner Renovierung vielen bekannten Künstlern eine Bühne bietet. Buculei erschuf die Figur von Paracelsus, eigentlich Theophrastus von Hohenheim, der im Jahr 1530 hier weilte und seine berühmten Bücher vollendete. Er erwähnte den Markt in seinem Buch Paragranum: „Der genius loci Beratzhausen ist’s, der mich ruft.“ Weiter beschrieb er die Weltoffenheit dieses Ortes. Diese Weltoffenheit nahm sich Buculei zum Vorbild: Der Zehentstadl bietet inzwischen unzähligen Kunstwerken von Künstlern aus aller Welt ein zuhause. Die Arbeit Buculeis ist eines von insgesamt elf Werken in der Dauerausstellung des Skulpturenparks, die nicht während eines Symposiums entstand.
„Argula von Grumbach“ von Mihai Buculei mini|Argula von Grumbach von Mihai Buculei