mini|250px|Abtei Santa Maria di Valdiponte – Westseite Die Abtei Santa Maria di Valdiponte (auch Abtei Montelabate) ist eine ehemalige Benediktinerabtei, später Zisterzienserabtei nördlich von Perugia in Italien, in der Nähe der Weilers Montelabate.

Geschichte Gründung Das Gründungsdatum des Klosters lässt sich nicht genau bestimmen, aber kann in das 9. bis 10. Jahrhundert datiert werden. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 969: Papst Johannes XIII. bestätigte dem Abt Pietro mit einem Privileg die klösterlichen Besitztümer und beauftragte ihn mit der Wiederherstellung und Reform des Klosters nach der alten Regel des Heiligen Benedikts.... quia vero monasterium ipsum destructum esse videtur, tuo namque studio tuoque labore reedificare et ad pristinum revocare statum desideramus atque servos Dei monacos castamque vitam degentes secundum regulam beati Benedicti sub monastica disciplina inibi adgregare: vgl. Le più antiche carte dell'abbazia di S. Maria Val di Ponte (Montelabbate), Hrsg.: Vittorio De Donato, 2 Bd., Rom, Istituto Storico Italiano per il Medio Evo, 1962 und 1988, I, Dok. n. 1, p. 3. Daher kann angenommen werden, dass das Kloster bereits eine erste Entwicklungsgeschichte Gründung – Wachstum – Verfall hinter sich hatte.

In Wahrheit bereitet die Auslegung dieses Dokumentes einige Schwierigkeiten. Es existieren nur Abschriften des perugianischen Gelehrten Annibale Mariotti und Pater Giancolombino Fatteschi aus dem 18. Jahrhundert.Siehe: Diese Kopien stammen nicht vom Original, sondern von einer weiteren, nicht bekannten Abschrift. Vittorio De Donato, der Herausgeber der ältesten Dokumente des Klosters, konnte es nur durch die Namen des ScriniarioEiner der zwölf Mitarbeiter des päpstlichen Archivs, welche mit der Aufgabe betraut waren, päpstliche Bullen, Notariatsakten etc. zu verfassen. und des Datario Papst Johannes XIII. zuschreiben (zuvor hatten Gelehrte wie Amatori die Autorschaft Papst Johannes XIX. zugeschrieben und es damit um etwa ein Jahrhundert später, auf das Jahr 1030, datiertAmatoris Bewertungen, die er in seinem Manuskript Brevi notizie per la storia del monastero di Valdiponte, zu finden in Ettore Ricci, Santa Maria di Valdiponte, in "Bollettino della Regia Deputazione di Storia Patria per l’Umbria", XXXIII (1936), S. 249–324: S. 263, zum Ausdruck brachte. Ebenfalls in Raffaello Zampa, Illustrazione storico-artistica del monastero di Montelabbate nel Comune di Perugia, S. Maria degli Angeli, Tip. Porziuncola, 1908, S. 6–7. Andererseits gab Mariotti, getäuscht durch die Verwendung der Indiktion, das Jahr 970 an und Kehr datierte korrekt 969: Vgl. P.F. Kehr, Papsturkunden in Umbrien, in Papsturkunden in Italien. Reiseberichte zur "Italia pontificia", Bd. 6, Città del Vaticano, Biblioteca Apostolica Vaticana, 1977, I (1896–1899), S. 387–434: S. 409; Regesta pontificum Romanorum. Italia pontificia. Vol. IV: Umbria. Picenum. Marsia, Berolini apud Weidmannos, 1909, rist. anast. 1961, S. 76–77. Zur Datierung von De Donato vgl. Le più antiche carte, I, S. X, XIX und einführende Hinweise zum Dok. N. 1, S. 1. Für seine Identifizierung von Leos Scriniario und Guidos Datario und Bibliothekar benutzte er die Arbeit von Santifaller Saggio di un elenco di funzionari, impiegati e scrittori della cancelleria pontificia dall’inizio all’anno 1099, in "Bollettino dell’Istituto Storico Italiano per il Medioevo e Archivio Muratoriano", LVI (1940), S. 90–99.). Darüber hinaus besteht eine offensichtliche Gleichnamigkeit zwischen dem Abt von Valdiponte und dem Abt von San Pietro di Perugia (beide trugen anscheinend den Namen Pietro), der aller Wahrscheinlichkeit nach auch Empfänger einer Bulle von Johannes XIII. war. Dies veranlasste Giorgio Cencetti zu der Hypothese, dass das Originaldokument tatsächlich an letzteren adressiert war und dass das Dokument, von dem sich Kopien in den Archiven von Valdiponte befinden, im 18. Jahrhundert angefertigt wurden und in Wirklichkeit eine Fälschung von einem Mönch oder Notar ist.

Die erste sichere Erwähnung von Valdiponte in einem Originaldokument, ist die Erwähnung in einem Testament vom September 995, das im Staatsarchiv Perugia erhalten ist.Le più antiche carte, I, Dok.Nr. 2, S. 4. Vgl. auch Sergio Mochi Onory, Ricerche sui poteri civili dei vescovi nelle città umbre durante l’alto Medio Evo, Rom, Rivista di storia del diritto italiano, 1930, S. 141, 201–202; Attilio Bartoli Langeli, Il regista. Urso (Perugia, 995), in Notai, Rom, Viella, 2006, S. 37–58.

Erweiterung Das 11. und 12. Jahrhundert war für die Abtei die Phase der Expansion ihres Grundbesitzes und der Bestätigung ihrer Vorherrschaft über ein weiträumiges Territorium, das, ohne die weiter entfernten und isolierten Besitzungen mitzuzählen, im Westen bis zum Trasimenischen See, im Süden bis zur Stadt Perugia, im Osten sogar bis zur Diözese Gubbio und im Norden bis zum heutigen Umbertide reichte.Le più antiche carte, II, S. XII. Der Aufbau eines solchen Vermögens erfolgte, typisch für die klösterlichen Stiftungen jener Zeit, durch Schenkungen pro anima oder die Abtretung von Rechten.

Entscheidend für das weitere Schicksal des Mönchsklosters war die direkte Unterwerfung unter den Heiligen Stuhl und die Befreiung von jeglichem Anspruch der lokalen bischöflichen Macht. Valdiponte erreichte dieses Ziel auf indirektem Weg. Im Laufe der Geschichte vereinigte es sich mit zwei anderen wichtigen klösterlichen Einrichtungen des Gebietes, wiederum San Pietro di Perugia und San Salvatore di Monteacuto. Von Benedikt IX. (1034) und Gregor VI. der Gerichtsbarkeit des Bischofs Andrea von Perugia unterstellt, hoben dessen Nachfolger Clemens II. und Leo IX., die Verfügung auf, um die Zersplitterung der Güter zu stoppen.Der Bischof hatte es zur Aufstockung der Mensa des Domkapitels von Perugia verwendet, Vgl. Memorie istoriche de' castelli e ville del territorio di Perugia raccolte da Annibale Mariotti. Porta Sole, Perugia, Archivio del monastero di San Pietro, c.m. 294, S. 270–271. Sie bestätigten den jeweiligen Äbten ihre beweglichen und unbeweglichen Besitztümer, sowie das Recht auf den Erhalt von Zehnten und Erstlingsfrüchten, die Befugnis einen beliebigen Bischof für die Weihe von Klerikern zu wählen, sowie ihre unmittelbaren Unterordnung unter den Papst, womit die Abtei Valdiponte eine weitreichende Exemtion erlangt hatte.Ugolino Nicolini, Note su Gregorio VII e i suoi rapporti con le Abbazie Benedettine umbre, in Aspetti dell’Umbria dall’inizio del secolo VIII alla fine del secolo XI. Atti del III Convegno di Studi Umbri (Gubbio, 23–27 Mai 1965), Hrsg. Facoltà di Lettere e Filosofia dell'Università degli Studi di Perugia, Gubbio, Centro di Studi Umbri, 1966, S. 273–282: S. 275–276; Una chiesa attraverso i secoli. Conversazioni sulla storia della Diocesi di Perugia, unter der Leitung von Giovanna Casagrande und Luciano Tosi, 3 Bd., Perugia, Quattroemme, 1995, I: Le origini e l’età medievale, a cura di Giovanna Casagrande, S. 17, 83, 85–86.

Im 11. und 12. Jahrhundert verbreiteten sich in Europa klösterliche Reformbewegungen, beginnend mit Cluny und Cîteaux, und endend mit den neuen Konzepten, die von Kamaldulenser, Vallombrosaner usw. ausgearbeitet wurden. Valdiponte blieb jedoch außerhalb dieser allgemeinen Erneuerungstendenz: die Abtei wurde nicht Teil einer neuen Kongregationsstruktur und blieb eine Benediktinerabtei der primitiven Observanz, autonom und exempt mit der direkten Unterordnung unter den Papst (erst 1749 wurde die Zisterzienserreform eingeführt).

Ab dem 13. Jahrhundert ändert sich die Art der Dokumentation: Die Quellen bestehen aus dem diplomatischen Fundus (die ersten im Register aufbewahrten Aufzeichnungen existieren ab 1265), aber Schenkungen und Erwerbungen werden seltener und weichen einer zunehmende Anzahl von Erbpachtverträgen mittlerer und langer Laufzeit an vom Kloster abhängigen Laien.

An einem strategisch wichtigen Punkt zwischen den beiden Städten Perugia und Gubbio gelegen, unterhielt das Kloster Beziehungen zu beiden Gemeinden. Nach den Dokumenten scheinen die Beziehungen zu Perugia intensiver gewesen zu sein, aber im Großen und Ganzen ruhig, die zu Gubbio eher sporadisch, aber mit Spannungen. Die vielleicht größten Reibereien zwischen dem Kloster und Gubbio ereigneten sich in den Jahren 1270 bis 1276, als Gubbio versuchte, die Kontrolle über das Castrum Fiblini zu erlangen. Diese Episode muss in den größeren Kontext der Beziehungen zwischen der Stadt und Perugia gestellt werden. Die Abtei spielte eine vermittelnde Rolle und war am 21. Juni 1259 der Sitz für die Festlegung des Kompromisses zwischen den beiden Kommunen.V. Ansidei, L. Giannantoni, I codici delle Sommissioni del Comune di Perugia, in "Bollettino della Regia Deputazione di storia patria per l’Umbria", III (1897), S. 191–210: S. 201, und Pio Cenci, Le relazioni fra Gubbio e Perugia nel periodo comunale, in "Bollettino della Regia Deputazione di storia patria per l’Umbria", XIII (1907), S. 521–572: S. 555.

Im Großen und Ganzen ist das 13. Jahrhundert das Jahrhundert des größten Erfolgs für Valdiponte. Im September 1277 wurde der Abt, zusammen mit den Vertretern aller wichtigen religiösen Körperschaften des Territoriums (die Äbte von San Paolo di Valdiponte und von San Salvatore di Monte Acuto; die Prioren von Sant'Agnese, von Santa Maria Rossa, von San Giovanni del Prugneto, des Hospitals von Castiglione Ugolino, die Präzeptoren von San Giustino d’Arno und von San Girolamo) von den städtischen Behörden von Perugia, in der Residenz und in Anwesenheit des Bischofs und Fra Bevignate zu zwei Treffen über das Aquädukt eingeladen, um konkrete Hilfe für die Verwirklichung des Werkes zu leisten, auf das sich in jenen Jahren die Energien und Ressourcen der gesamten Gemeinschaft konzentrierten und das in der Fontana Maggiore von Nicola und Giovanni Pisano gipfelte.Archivio di Stato di Perugia (=ASP), Giudiziario antico, Capitano del Popolo, 4/4, c. 77r. In Abschnitt 412 des Statuts von Perugia aus dem Jahr 1279 wird derselbe Abt zusammen mit denen von S. Pietro, S. Salvatore di Monte Acuto, S. Paolo di Valdiponte, dem Bischof von Perugia und dem Erzpriester von S. Lorenzo ausdrücklich unter den omnes prelat[i] civitatis, comitatus et districtus Perusii genannt. Mit diesen mussten der Podestà und der Capitano del Popolo, unterstützt von den Konsuln der Künste und von sapientes, verhandeln, um die gemeinsame Ernennung von zwei Richtern zu beschließen, die für die Verfahren zwischen den Geistlichen und den Laien der Stadt und des Landes zuständig waren.Statuto del Comune di Perugia del 1279, Text herausgegeben von S. Caprioli, Perugia, Deputazione di storia patria per l'Umbria, 1996 (Fonti per la storia dell'Umbria, 21), 2 Bd., I, rubr. 412, S. 375–376: Qualiter potestas et capitaneus tractent cum domino episcopo et aliis prelatis quod questiones inter clericos et laicos in civitate Perusii per iudices communes decidantur. Diese führende Position wird auch durch die zahlreichen Architektur- und Bauprojekte bestätigt, die in dieser Zeit aufeinander folgten: Von Abt Oratore (1205–1222) wurde der Kreuzgang umgebaut, wie eine Inschrift auf einem Kapitell bezeugt; 1234 wurde die Kirche zusammen mit dem Chor restauriert; 1269 baute Abt Trasmondo (1266–1285) den Glockenturm, und derselbe Abt ließ auch den Kapitelsaal von einem unbekannten Künstler mit Fresken ausmalen; 1297 ließ Abt Deodato (1286–1302) die obere Loggia des Kreuzgangs bauen, um sie auf das Niveau der Kirche zu bringen. Im Jahr 1315 ließ Abt Uguccione Monalducci (1302–1338) ein neues Portal mit einer Fensterrose errichten.

Beginn des Niedergangs