Die Internationale Eislaufunion (engl. International Skating Union, kurz ISU) ist der internationale Dachverband für Eisschnelllauf und Eiskunstlauf. Die ISU wurde 1892 im niederländischen Scheveningen gegründet und ist die älteste Wintersportföderation. Ihr Sitz ist derzeit in Lausanne in der Schweiz.

Geschichte mini|150px|links|Logo der Internationalen Eislaufunion bis 2025 Während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden Wettkämpfe im Eisschnelllauf und im Eiskunstlauf gelegentlich in verschiedenen Teilen der Welt organisiert. Mit dem Erscheinen von internationalen Wettkämpfen sowohl im Eisschnelllauf als auch im Eiskunstlauf sowie durch die Gründung von Eislaufvereinen und nationalen Verbänden wurde es erforderlich, internationale Standards und Regeln zu erarbeiten. Im Juli 1892 berief der niederländische Eislaufverein eine Versammlung für alle an internationalen Eislaufwettkämpfen interessierten Länder ein. Es folgte der Kongress in Scheveningen, in dessen Verlauf die ISU gegründet wurde.

Organisation

ISU Vision 2030 Laut Eigendarstellung des Verbandes verabschiedete die ISU auf ihrem Kongress 2024 unter Präsident Kim Jae-youl – dieser im Jahr 2026 im Rahmen des 60. ISU-Kongresses als Präsident wiedergewählt – einen strategischen Wachstumsplan unter der Bezeichnung „ISU Vision 2030“. Der Plan formuliert erstmals ein ausdrückliches Vision- und Mission-Statement des Verbandes und bündelt die mittelfristigen Ziele der Organisation in einem einheitlichen Rahmenwerk. Als Leitmotive nennt der Verband die Ausrichtung an Athleten („athlete-first“), an den Mitgliedsverbänden („Member-friendly“) und an den Zuschauern („fan-centric“). Der Zeitpunkt dieser Neuausrichtung ist nicht zufällig gewählt: Nur wenige Monate zuvor, am 21. Dezember 2023, hatte der Gerichtshof der Europäischen Union in der Rechtssache C-124/21 P (International Skating Union/Kommission)Urteil des Gerichtshofs (Große Kammer) 21. Dezember 2023(*), auf infocuria.curia.europa.eu das Rechtsmittel der ISU im Wesentlichen zurückgewiesen und bestätigt, dass deren Vorabgenehmigungs- und Zulassungsregeln – die Läufern bei Teilnahme an nicht genehmigten Wettbewerben lebenslange Sperren androhten – eine bezweckte Wettbewerbsbeschränkung im Sinne des Art. 101 AEUV darstellen. Ausgangspunkt war eine Beschwerde der niederländischen Eisschnellläufer Mark Tuitert und Niels Kerstholt, der die Europäische Kommission 2017 stattgegeben hatte. Über die Bestätigung der Kommissionsentscheidung hinaus hob der Gerichtshof das Urteil des Gerichts erster Instanz in dem Punkt auf, in dem dieses die Bewertung der ausschließlichen Zuständigkeit des Court of Arbitration for Sport beanstandet hatte, und stellte damit klar, dass auch die Schiedsregeln des Verbandes zur Verstärkung der Wettbewerbsbeschränkung beitrugen. Diese Entscheidung hallte auch außerhalb der Rechtswissenschaft in der weltweiten Medienlandschaft nach.

Erklärte Vision ist eine Welt, in der jeder Mensch Eislaufen erleben kann; als Mission benennt die ISU das nachhaltige Wachstum des Sports durch Priorisierung der Athleten, Einbindung der Fans, Pflege von Partnerschaften und Ansprache lokaler Gemeinschaften. Die Vision gliedert sich in fünf strategische Säulen mit insgesamt zwölf Zielen; die Anfangsbuchstaben der Säulen – Growth, Opportunity, Innovation, Safeguarding, Unity – ergeben das Akronym GOISU, die drei genannten Kernwerte (Inspiring, Supportive, Unstoppable) das Kürzel ISU.

Die erste Säule Growth betrifft die kommerzielle und mediale Entwicklung des Sportprodukts. Vorgesehen sind eine Straffung des Veranstaltungskalenders, die Überarbeitung bestehender Wettkampfstrukturen, die Erprobung neuer Formate einschließlich Wettbewerben an markanten Freiluftstandorten, eine verständlichere Darstellung von Regeln und Wertungen sowie höhere Preisgelder. Auf der Einnahmenseite nennt das Dokument eine überarbeitete Sponsoring- und Medienrechtestrategie, neue Geschäftsmodelle wie Lizenzierung, Merchandising und OTT-Angebote sowie eine mit einer externen Investmentgesellschaft umgesetzte Anlagepolitik.

Ein zweiter Schwerpunkt, Opportunity, zielt auf die Verbreiterung der Basis. Neben Breitensportprogrammen im Anschluss an den World Ice Skating Day und der Erschließung neuer Territorien nennt die ISU die Prüfung von Wettkampfzugängen für Läufer aus Ländern ohne ISU-Mitgliedschaft. Das seit über dreißig Jahren bestehende Entwicklungsprogramm soll stärker auf besonders förderbedürftige Mitgliedsverbände ausgerichtet und um bestehende Formate wie „Visiting Coaches“ und „Road to Ice“ erweitert werden.

Rund um die dritte Säule Innovation gruppieren sich technologische Vorhaben. Die ISU kündigt an, den Einsatz künstlicher Intelligenz zur Unterstützung von Kampfrichtern, in der Trainingsentwicklung sowie für Kommentierung und Fernsehgrafiken zu prüfen, die Technik hinter den Wertungssystemen weiterzuentwickeln und ihre IT-Systeme zu modernisieren. Hinzu treten der Ausbau des digitalen Ökosystems, eine zentrale Mediendatenbank, eine Fandatenbank sowie die gemeinsame Klärung von Musikrechten mit großen Labels.

Einen vierten Bereich bildet Safeguarding. Er umfasst Maßnahmen zur körperlichen und psychischen Gesundheit der Athleten, den Ausbau von Safeguarding-Officer-Strukturen auf Ebene der Mitgliedsverbände, verstärkte Meldemechanismen unter zentraler Rolle der Skating Integrity Unit sowie die Moderation von Online-Anfeindungen. Im Antidopingbereich sieht der Plan die vollständige Auslagerung des ISU-Programms an die International Testing Agency vor; ergänzend werden Klimaziele für Veranstaltungen, eine Zusammenarbeit mit der IIHF zu nachhaltigen Eisflächen und ein Engagement zum Gletscherschutz genannt.

Regelwerk und Zusammenarbeit stehen im Zentrum der fünften Säule Unity. Extern strebt die ISU eine engere Abstimmung mit dem IOC über die Olympischen Winterspiele hinaus, mit anderen internationalen Fachverbänden sowie mit staatlichen und zwischenstaatlichen Stellen an. Intern sieht der Plan eine Modernisierung des Verfassungsrahmens der ISU, eine Umgestaltung des Kongresses und die Einrichtung dreier Gremien vor: einer Skating Integrity Unit, eines Wahlausschusses sowie eines Audit-, Risiko- und Investitionsausschusses. Diese Governance-Reform wurde mit der 2024 beschlossenen und in der Folge in Kraft gesetzten neuen Verfassung umgesetzt.

Zeittafel

Jahr Ereignis Ort Anmerkung 1889 Austragung der ersten Eisschnelllauf-Weltmeisterschaft nur Männer 1891 Austragung der ersten Eisschnelllauf-Europameisterschaft und Eiskunstlauf-Europameisterschaft, letztere ausgerichtet vom Österreichischen und Deutschen Eissport-Verband nur Männer 1893 Die Europameisterschaft im Eisschnelllauf und Eiskunstlauf 1896 Die erste Eiskunstlauf-Weltmeisterschaft nur Männer 1897 Die erste Eisschnelllauf-Weltmeisterschaft außerhalb Europas nur Männer 1906 Die erste ISU Eiskunstlaufmeisterschaft für Damen 1908 Die erste ISU Eiskunstlaufmeisterschaft im Paarlaufen Eiskunstlaufen (einschließlich Einzelläufe der Damen und Herren, Paarlaufen und Spezialfiguren) war der erste Wintersport, der in das Programm der Olympischen Spiele aufgenommen wurde. 1908 im Programm der Olympischen Sommerspiele 1924 Eisschnelllauf und Eiskunstlauf gehören zum Programm der ersten Olympischen Winterspiele. Erste Eiskunstlauf-Weltmeisterschaft der Frauen und die erste im Paarlauf 1930 Erste Eiskunstlauf-Weltmeisterschaft außerhalb Europas (Damen- und Männereinzel, Paarlauf) 1936 Ersten Eisschnelllauf-Weltmeisterschaft für Frauen 1952 Eistanzen wurde in die ISU-Eiskunstlaufmeisterschaften integriert. 1970 Erste Eisschnelllauf-Sprintmeisterschaft für Männer und Frauen Die ISU-Meisterschaft wurde nachträglich zur Weltmeisterschaft erklärt 1976 Eistanz wurde in das offizielle Programm der Olympischen Winterspiele aufgenommen 1985/86 Erster Eisschnelllauf-Weltcup ausgerichtet Neun Stationen in sieben Ländern Einzelstrecken-Weltcup 1995/96 Einführung des Eiskunstlauf-Grand Prix 1996 Erste Eisschnelllauf-Einzelstreckenweltmeisterschaften 1999 Erste Vier-Kontinente-Meisterschaften im Eiskunstlauf Afrika, Amerika, Asien, Australien (mit Ozeanien) 2000 Erste Weltmeisterschaft im Synchroneiskunstlauf 2006 Die Eisschnelllauf-Disziplin Team-Verfolgung wurde in das Programm der Olympischen Winterspiele aufgenommen 2014 Erstmals wurde bei Olympischen Winterspielen ein Eiskunstlauf-Teamwettbewerb ausgetragen

Wettbewerbe Die ISU führt Wettbewerbe in den Disziplinen Eiskunstlauf, Synchroneiskunstlauf, Eisschnelllauf (Longtrack) und Shorttrack durch.

Eiskunstlauf Weltmeisterschaften Juniorenweltmeisterschaften Europameisterschaften Vier-Kontinente-Meisterschaften Grand-Prix-Serie Junioren-Grand-Prix-Serie ISU-Challenger-Serie World Team Trophy

Synchroneiskunstlauf Weltmeisterschaften Juniorenweltmeisterschaften Junioren World Challenge Cup

Eisschnelllauf Sprintweltmeisterschaft Einzelstreckenweltmeisterschaften Mehrkampfweltmeisterschaft Europameisterschaften Juniorenweltmeisterschaften Weltcup Juniorenweltcup

Shorttrack Weltmeisterschaften Juniorenweltmeisterschaften Europameisterschaften Weltcup

Präsidenten 1892–1895 1895–1925 1925–1937 1937–1945 1945–1953 1953–1967 1967–1967 1967–1980 1980–1994 1994–2016 2016–2022 seit 2022 Kim Jae-youl

Mitgliedsverbände Der ISU gehören folgende 101 Mitgliedsverbände (Stand: August 2026) an: