Tanz der Teufel (Originaltitel The Evil Dead) ist ein US-amerikanischer Horrorfilm des Regisseurs Sam Raimi aus dem Jahr 1981. Er war bis August 2016 wegen der seinerzeit als drastisch wahrgenommenen Gewaltdarstellung in Deutschland beschlagnahmt und bis Oktober 2016 auf der Liste der jugendgefährdenden Medien. Es erschienen zwei Fortsetzungen, Tanz der Teufel II – Jetzt wird noch mehr getanzt und Armee der Finsternis. 2013 erschien mit Evil Dead eine Neuverfilmung. 2015 wurde die Handlung der ersten drei Filme in der Serie Ash vs Evil Dead fortgesetzt. 2023 erschien mit Evil Dead Rise ein weiterer Film in der Reihe.
Handlung Eine fünfköpfige Gruppe junger Erwachsener, die sich aus Ash, Cheryl, Linda, Scotty und Shelly zusammensetzt, fährt in den Urlaub zu einer abgeschiedenen Waldhütte in Tennessee. Als die fünf Freunde in ihrem Auto am Tage in das Waldstück fahren, passieren sie eine baufällige Brücke hoch über einem Fluss, die unter einem Reifen des Autos bedrohlich nachgibt, dennoch kommt die Reisegruppe sicher an der Hütte an. Nachdem sich die Gäste in der Waldhütte häuslich eingerichtet haben, sitzt nach Sonnenuntergang Cheryl, die jüngere Schwester von Ash, an einem offenen Fenster mit wehenden weißen Vorhängen und zeichnet mit einem Bleistift und Zeichenblock. Es tickt eine Uhr an der Wand mit römischen Ziffern, die Cheryl abzeichnet, bis plötzlich eine Holzluke im Boden, die in den Keller führt, wie von Geisterhand zu klappern beginnt. Vorübergehend ergreifen dämonische Kräfte Besitz von Cheryl, die mit wilder willenloser Bewegung der rechten Hand verkrampft die Umrisse eines dicken alten Buchs auf ihren Block kritzelt. Irritiert von diesem episodenhaften Anfall kommt Cheryl wieder zu Sinnen.
Später nehmen die Freunde gemeinsam um einen Tisch herum das Abendessen ein, um feierlich auf den bevorstehenden Urlaub anzustoßen. Mit einem Mal fliegt im Hintergrund die Bodenluke zum Keller weit auf und die Freunde schrecken hoch. Um nachzusehen, warum sich die Luke selbständig gemacht hat, geht Scotty die Treppe in den Keller hinab, woraufhin ihm sein Freund Ash mit einer brennenden Lampe folgt. Unten im Keller entdecken die beiden jungen Männer ein altertümliches Buch, das in Menschenhaut gebundene und mit Menschenblut geschriebene Naturon Demonto, und ein Tonbandgerät. Ash und Scotty nehmen das Buch und das Tonbandgerät mit hinauf in den Wohnraum. Unterdessen zieht im Freien ein lautes Gewitter auf. Inmitten des neugierigen Freundeskreises spielen sie das Tonband ab, auf dem ein Wissenschaftler über den genauen Inhalt des Buchs spricht, das in sumerischer Sprache verfasste Beschwörungsformeln und morbide Zeichnungen enthält. Dieses geheimnisvolle Buch handelt von Dämonen und der Wiederauferstehung von Toten. Mit dem unbedachten Abspielen des Tonbands erwecken die Freunde dämonische Kräfte zum Leben, die sich, von den Gästen unentdeckt, draußen vor der Hütte glutrot leuchtend aus dem Erdreich erheben.
Später sitzen Ash und seine Freundin Linda, nichts von dem drohenden Unheil schwarzer Magie ahnend, auf einem Sofa und vertiefen ihre Liaison, indem Ash seiner Lebensgefährtin als Überraschung eine silberne Halskette schenkt und umhängt. Nachdem sich abends jeder in sein jeweiliges Schlafzimmer zurückgezogen hat, erklingen rund um die Hütte raunende körperlose Stimmen. Um den merkwürdigen Stimmen auf den Grund zu gehen, begibt sich Cheryl in einem weißen Mantel nach draußen in das Waldstück, woraufhin schlingende Äste der Bäume ihr die Kleidung vom Leib reißen und sich um ihre Gliedmaßen wickeln. In einem rohen Akt der Vergewaltigung stößt ein langer Ast dem Mädchen zwischen die gespreizten Beine in den Schritt. Schreiend rennt Cheryl, nachdem sie sich hat befreien können, quer durch den Wald und zurück in die Hütte, wo sie aufgelöst vor Schreck den Freunden davon erzählt. Die verängstigte Cheryl will den unheimlichen Ort schnellstmöglich verlassen und die Nacht in einem Hotel in der Stadt verbringen. Sie beschleicht das Gefühl, dass eine fremde Macht die Freundesgruppe an diesem gottverlassenen Ort festhalten will. Als Ash und Cheryl mit dem Auto zur Brücke über den Fluss fahren, müssen sie feststellen, dass diese in sich zusammengefallen ist und der Weg zurück in die Zivilisation versperrt ist, weshalb Cheryl, umgeben von waberndem Nebel, eine Panikattacke erleidet. Entmutigt kehren die beiden zur Hütte zurück.
Zur Beruhigung der Lage spielen Linda und Shelly Karten, bis plötzlich Cheryl, die aus dem Fenster in die Nacht starrt, herumfährt und mit gewandelter, dämonischer Fratze ihre Freunde anfaucht, während eine fremde, klagende Stimme den Satz „Ihr werdet sterben, genau wie die anderen vor euch!“ spricht. Bewusstlos fällt Cheryl vor den schreckensstarren Freunden zu Boden. Ash will sich um seine Schwester kümmern, doch die von einem Dämon beeinflusste Cheryl fährt hoch und rammt Linda einen Bleistift in den Knöchel des rechten Fußes. Mit einer Axt und Fußtritten stößt Scotty die verfluchte Cheryl in den Keller und verriegelt die Luke mit einer langen Kette. Es kehrt ein wenig Ruhe ein, jedoch versucht die dämonisch gewandelte Cheryl, aus ihrem Gefängnis auszubrechen, rüttelt unentwegt an der Kellerluke und beobachtet durch einen schmalen Spalt ihre vier Freunde im Wohnraum. Als die satanischen Kräfte auch in die anderen Freunde fahren, bleibt nur Ash verschont, der nun gegen seine besessenen Begleiter um sein Leben kämpfen muss, unter anderem mit einem Gewehr.
Nach einem längeren, brutalen Handgemenge mit den dämonischen Inkarnationen wirft Ash das Necronomicon, dessen furchterregende Fratze vorne im Menschenhauteinband kurzzeitig zu leben beginnt, in die Flammen des Kamins und kann dadurch den Bann der Dämonen brechen. Mit der Halskette seiner toten Freundin in der Hand verlässt er die Hütte und begibt sich ins Freie, wo bereits die Morgensonne am Horizont aufgeht. Plötzlich stürmt eine körperlose Macht auf den schreienden Ash zu – mit ungewissem Ausgang.
Hintergründe mini|Sam Raimi im Juli 2012
Uraufführung Seine Premiere feierte der Horrorfilm im Redford Theatre in Detroit, Michigan, am 15. Oktober 1981. Der Hauptdarsteller Bruce Campbell hatte sich in diesem alten Lichtspielhaus als Kind häufig Kinofilme angeschaut.Interview mit den Schauspielern Bruce Campbell, Theresa Tilly, Ellen Sandweiss und Betsy Baker im Dokumentarfilm (Featurette) „The Ladies of The Evil Dead meet Bruce Campbell“. 29 Minuten, enthalten im Bonusmaterial von Disc 2 der Doppel-Blu-ray Disc Tanz der Teufel, März 2017, Renaissance Pictures, New York City + Sony Pictures Home Entertainment GmbH, MünchenDokumentarfilm „One by one we will take you – The untold saga of The Evil Dead“. Regie: Gary Hertz, 54 Minuten, 2006, produziert von Anchor Bay Entertainment, enthalten im Bonusmaterial von Disc 2 der Doppel-Blu-ray Disc Tanz der Teufel, März 2017, Renaissance Pictures, New York City + Sony Pictures Home Entertainment GmbH, München
Vorproduktion 1978 drehten Sam Raimi, Rob Tapert und Bruce Campbell zunächst den Horror-Kurzfilm Within the Woods (Laufzeit: 32 min), der praktisch inhaltsgleich mit den beiden ersten Teilen von Tanz der Teufel ist, mit der Absicht, ihn als Demonstration zu verwenden, um von Investoren Kapital für einen richtigen Kinofilm zu erhalten. Im Gegensatz zum populären Langfilm verwandelt sich der Schauspieler Bruce Campbell in dem blutrünstigen Kurzfilm in eine dämonische Bestie, gegen die sich Schauspielerin Ellen Sandweiss mit scharfen Messern und einer Axt zur Wehr setzen muss. Zudem heißt Bruce Campbell in dem Kurzfilm nicht Ash, sondern tritt mit seinem realen Vornamen Bruce als Rollenname auf. Allerdings bekamen sie Probleme wegen der Urheberrechte der im Film gespielten Musik, so dass bis heute keine Veröffentlichung des Films im Handel erfolgt ist. Bruce Campbell hat allerdings mehrfach (inoffiziell) bestätigt, dass Raimi den Film für zu amateurhaft hielte und deshalb kein Interesse an einer Veröffentlichung habe. Eine qualitativ minderwertige, abgefilmte Kopie des Films ist mittlerweile im Umlauf.
Ursprünglicher Arbeitstitel des Horrorfilms war „Book of the Dead“ gewesen, bis sich das Filmteam um den Regisseur Sam Raimi dazu entschied, dem Film schließlich den Titel „The Evil Dead“ zu geben.Audiokommentar (Aufzeichnung: 14. Dezember 2009) von Regisseur Sam Raimi, Produzent Robert G. Tapert und Schauspieler Bruce Campbell, enthalten im Bonusmaterial von Disc 1 der Doppel-Blu-ray Disc Tanz der Teufel, März 2017, Renaissance Pictures, New York City + Sony Pictures Home Entertainment GmbH, München Als Sam Raimi junger Student der Michigan State University war, nahm er sich als Projekt den Dreh eines Horrorfilms vor, da sich solche Filme kostengünstig umsetzen ließen und gleichzeitig ein großes Publikum fanden. Mit diesem Horrorfilm zielte das Team von Raimi darauf ab, ihn nach Fertigstellung in verschiedenen Autokinos vorzuführen, weil Horrorfilme besonders in Autokinos großen Anklang fanden. „Das war in den 1970ern der Einstieg für junge Filmemacher. Es gab nicht das Sundance oder andere Indie-Filmfestivals, wo junge Filmemacher ihre Talente hätten zeigen können“, erklärt Regisseur Sam Raimi in einem Audiokommentar von Dezember 2009, der sich auf der 2017 erschienenen Doppel-Blu-ray Disc von „Tanz der Teufel“ abrufen lässt. Außerdem schildert Schauspieler Bruce Campbell in demselben Audiokommentar: „Tanz der Teufel hatte schon etwas von einem Schulprojekt. Die Idee entstand ja auf dem College. Aber trotzdem haben wir professionell gearbeitet.“
Charakteristisch für die gesamte Tanz-der-Teufel-Reihe sind die Merkmale eines B-Movies, was zum Teil an den niedrigen Kosten bei der Umsetzung des Films liegt. Maske und Splatterszenen sind von hoher Qualität, besitzen dennoch eine gewisse Komik. Auf das Motiv des Waldes, in dem unheimliche Bedrohungen lauern, stieß der Regisseur Sam Raimi während seines Studiums an der Michigan State University, wo er sich intensiv mit dem Gesamtwerk des britischen Dramatikers William Shakespeare beschäftigte.Biografie (Galerie/Bios) über Regisseur Sam Raimi, enthalten im Bonusmaterial von Disc 2 der Doppel-Blu-ray Disc Tanz der Teufel, März 2017, Renaissance Pictures, New York City + Sony Pictures Home Entertainment GmbH, München Als grundlegende Inspiration für den ersten Teil von „Tanz der Teufel“ diente Raimi der Klassiker Die Nacht der lebenden Toten des Filmemachers George A. Romero von 1968.