mini|Wappen der Branković
Das Adelsgeschlecht Branković (serbisch: Бранковић, pl. Brankovići / Бранковићи) ist eine mittelalterliche serbische Dynastie, die schon zu Ende des 13. Jahrhunderts unter der Herrschaft der serbischen Könige und Kaiser aus der Dynastie der Nemanjić eine Rolle als Würdenträger bei Hof und als Magnaten spielte. Der Aufstieg zu Herrschern von Serbien beruhte auf einer zielgerichteten Heiratspolitik, auf taktischem Geschick und vor allem aber auf dem Niedergang des serbischen Zarenreiches in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts.
Durch die Heiratspolitik gelang es, nach dem Niedergang der Dynastie der Nemanjić Verbindungen zu den nunmehr aufsteigenden Dynastien in Serbien und selbst zu den letzten Vertretern der Nemanjić aufzubauen, was nicht nur dazu beitrug, die Machtbasis der Familie zu erweitern, sondern auch das Ansehen der Familie durch die Verwandtschaft zu historischen Herrschern und Heiligen der Serbisch-Orthodoxen Kirche erhöhte. Zur Absicherung der Herrschaft gegen das Vordringen der Osmanen wurde eine Tochter des Hauses, Mara Branković, mit dem Sultan der Osmanen Murad II. verheiratet. Wesentlich für den Aufstieg war jedoch der sich ab der Mitte des 14. Jahrhunderts abzeichnende Zerfall des serbischen Zarenreiches, das sich unter ehrgeizigen Lokalherrschern zunehmend in eine Reihe halbautonomer Teilstaaten auflöste, wobei die Branković erfolgreich bemüht waren, dies zur Erweiterung ihres Herrschaftsbereiches zu nutzen. mini|Der Balkan 1373–1395 Die Zeit der Herrschaft der Familie über das Despotat (Fürstentum) Serbien währte letztlich nur sehr kurz: von 1427 bis 1459, wobei es auf drei Fürsten beschränkt war: Đurađ Branković (1427–1456), Lazar Branković (1456–1458) und Stefan Branković (1458–1459), da Serbien 1459 vom Osmanischen Reich annektiert wurde.
Die Nachwirkung der Familie geht jedoch über die kurze Regierungszeit weit hinaus. Dies einerseits, da deren Mitglieder als heroische Kämpfer für den christlichen Glauben und zum Teil auch als Heilige der Serbisch-Orthodoxen Kirche bis heute verehrt werden, und andererseits, da sie – über ausheiratende Töchter – eine bis heute lebende Nachkommenschaft hinterlassen hat, die sich nicht nur regional am Balkan, sondern auf ganz Europa verteilt hat, sodass u. a. das gesamte Haus Habsburg-Lothringen – und damit eine Vielzahl europäischer Dynastien – zu den Nachkommen der Branković zählt, die bis heute leben und so die Gegenwart mit einer dramatischen Phase mittelalterlicher Geschichte am Balkan verbinden.
Herkunft Die Anfänge der Dynastie der Branković lassen sich bis in die Zeit des serbischen Königs Stefan Uroš II. Milutin aus der Dynastie der Nemanjić zurückverfolgen, der von 1282 bis 1321 regierte. Denn damals besaßen Vorfahren der Familie ausgedehnte Grundherrschaften bei Drenica im Kosovo. Die ältesten namentlich bekannten Vertreter waren zwei Brüder, Nicola und Mladen, die Gefolgsleute von König Stefan Uroš III. Dečanski († 1331) und von Zar Stefan Uroš IV. Dušan († 1355) von Serbien waren. Von den beiden Brüdern diente Nicola als Zupan (Graf) in Nordalbanien, während Mladen – der nähere Stammvater der Familie – unter der Regierung von König Stefan Milutin (1282–1321) von 1322 bis 1323 serbischer Woiwode (Militärkommandant) in Zahumlje war. Zum Namensgeber der Familie wurde dessen Sohn Branko Mladenović († 1365), der den hohen byzantinischen Titel „Sebastokrator“ trug, da spätere Mitglieder nach diesem den Namen Branković trugen.
Aufstieg Ihren Aufstieg vom Stand der Magnaten zu einer souveränen Herrscherfamilie verdankt die Familie verschiedenen Umständen: einer strategischen Heiratspolitik, die zur Vergrößerung des Einflusses, des Landbesitzes und des Ansehens führte, der Auflösung des serbischen Kaiserreiches in mehrere autonome Staaten unter ambitionierten Teilfürsten sowie dem Prestige, Nachkommen historischer berühmter Könige Serbiens und Heiliger der serbisch-Orthodoxen Kirche zu sein.
Heiratspolitik als Sicherheitspolitik Zum Aufstieg der Familie trug eine Heiratspolitik bei, die darauf abzielte, zu den führenden serbischen Dynastien familiären Beziehungen aufzubauen, um dadurch das Ansehen der eigenen Familie zu erhöhen und eigene Herrschaftsansprüche zu legitimieren.
Verbindung zur Dynastie der Mrnjavčević mini|König Vukašin Mrnjavčević, Psača Noch unter den serbischen Zaren stieg die kurzlebige Dynastie der Mrnjavčević zu Macht und Einfluss auf, wodurch Vukašin Mrnjavčević (ca. 1320–1371) von Zar Stefan Uroš V. 1365 den Titel König von Serbien erhielt. Auch mit dieser Familie bauten die Branković familiäre Beziehungen auf, da Nikola Radonja Branković, ein Bruder des näheren Stammvaters der Familie, Vuk Branković, mit Jelena Mrnjavčević († 1365), einer Schwester von König Vukaschin, verheiratet war, bevor er 1365 als Mönch Romanos in das Kloster Chilendar am Berg Athos eintrat, wo er 1399 verstarb. Die Bedeutung dieses Hauses endete jedoch durch den gleichzeitigen Tod von König Vukaschin und seines Bruders, des Despoten Jovan Uglješa am 26. September 1371 in der Schlacht an der Mariza gegen die Osmanen. In der Folge wurde Vukašins legendärer Sohn Marco Kraljevic ebenso zum türkischen Vasall wie der bulgarische Zar Iwan Schischman und der Despot von Welbaschd Konstantin Dragasch. Sie mussten auf türkischer Seite gegen die Walachen in den Kampf ziehen, den Türken stand damit die Eroberung Südosteuropas offen.
Verbindung zur Dynastie der Lazarević mini|Fürst Lazar Hrebeljanović, Fresco im Kloster Ravanica (um 1380) In der Folge stieg Lazar Hrebeljanović, Knez (Fürst) von Morava-Serbien, zum angesehensten der serbischen Teilfürsten auf, bis er in der ersten Schlacht auf dem Amselfeld am 15/28. Juni 1389 gegen das Heer von Sultan Bayezid I. (regierte 1389 bis 1402) fiel und seitdem als Märtyrer und Heiliger der Serbisch-Orthodoxen Kirche verehrt wird.
mini|Stefan Lazarevic-freska Auf ihn folgte dessen Sohn Stefan Lazarević (* 1377 in Kruševac; † 18. Juli 1427), der von 1389 bis 1402 als Knez (Fürst) von Serbien, der zugleich Literat, Begründer und Erbauer der serbischen mittelalterlichen Residenz in Belgrad und ein Erneuerer des spätmittelalterlichen Serbischen Reiches war. Allerdings war er gezwungen, osmanischer Vasall zu werden, musste diesen Waffendienste leisten und trug u. a. maßgeblich 1396 zum Sieg über die christliche Allianz in der Schlacht bei Nikopolis bei und kämpfte für diese auch am 20. Juli 1402 in der Schlacht bei Ankara, wo die Mongolen unter Timur Lenk den Osmanen eine schwere Niederlage zufügten und Sultan Bayezid I. in Gefangenschaft geriet. Immerhin ließ durch die folgenden Nachfolgekämpfe im Osmanischen Reich der Expansionsdruck auf die Balkanstaaten etwa ein Jahrzehnt lang nach. Stefan Lazarević verbündete sich anschließend mit Ungarn, erhielt dort große Lehen – darunter Belgrad und die Festung Golubac – und zwang die lokale Herrscherdynastie der Branković im Kosovo und Nordmazedonien unter seine Hoheit, gewann 1421 die Zeta (Montenegro) der Balšić und konnte so den größten Teil des alten Serbien, Zentralserbien bis vor Skopje, Montenegro, Nordalbanien sowie die Hälfte der heutigen Vojvodina unter seiner Herrschaft vereinigen.
Auch mit dieser Dynastie verband sich das Haus Branković, indem Vuk Branković Maria Lazarević († 12. April 1426) heiratete, die eine Tochter von Lazar Hrebeljanović und eine Schwester von Stefan Lazarević war. Trotzdem kam es zu einem längeren Konflikt zwischen Stefan Lazarević und seinem Neffen Đurađ Branković, der erst 1412 beendet wurde. Durch diese Ehe erwarben die Brankovic nicht nur Schwägerschaften zu regionalen Herrschern, wie dem Zaren Ivan Shishman von Bulgarien, Đurađ II Stracimirović, Herr von Zeta aus dem Haus Balšić, mit Sandalj Hranić, Woiwode von Bosnien aus dem Haus Kosača, und zu dem Palatin von Ungarn Nicholas II Garay, sondern auch zu den Sultanen der Osmanen, da Olivera (Despina) (* 1372; † nach 1444), eine Schwester von Stefan Lazaevic, seit 1390 mit dem osmanischen Sultan Bayezid I. verheiratet war. Entscheidend für den Aufstieg der Branković war auch der Umstand, dass Stefan Lazarević kinderlos blieb und schließlich noch zu Lebzeiten auf dem Staatsrat in Srebrenica 1426 seinen Neffen Đurađ Branković zu seinem Nachfolger bestimmte.
Verbindung mit der Dynastie der Kantakuzenos Die Ambitionen der Brancović reichten jedoch über die Verbindung zu den regionalen Herrschern hinaus bis zur historischen Vormacht am Balkan, zum Byzantinischen Kaiserreich. Daher heiratete Đurađ Branković nach Donald NicolDonald Nicol: The Byzantine Family of Kantakouzenos (Cantacuzenus) ca. 1100–1460: a genealogical and prosopographical study. Dumbarton Oaks Center for Byzantine Studies, Washington 1968 (Dumbarton Oaks studies, Bd. 11). in erster Ehe Ne Megale Komnene. Diese war eine Schwester von Johannes IV. (* 1403; † vor 22. April 1460), Kaiser von Trapezunt (1429–1460), und eine Tochter des Kaisers von Trapezunt Alexios IV., der von 1417 bis 1429 regierte, und dessen Gemahlin Theodora Kantakuzene. In zweiter Ehe heiratete Đurađ Branković am 26. Dezember 1414 Eirene (Jerina) Kantakuzene († Rudnik 3. Mai 1457), eine Tochter des Theodoros Palaiologos Kantakuzenos, der ein Nachkomme von Johannes VI. Kantakuzenos war, der von 1341 bis 1354 als Kaiser von Byzanz regiert hatte.
Verbindung zur Dynastie Nemanjić mini|Milica Nemanjić, Heilige der Serbisch-Orthodoxen Kirche, Fresko im Kloster Ljubostinja Einen besonderen Stellenwert hatte naturgemäß eine verwandtschaftliche Beziehung zur Dynastie der Nemanjić, die bis 1371 jahrhundertelang Serbien – zuletzt als „Zaren der Serben und Griechen“ – regiert hatte. Eine für die Legitimierung des eigenen Herrschaftsanspruches wesentliche Beziehung zu diesem Haus ergab sich aus der Ehe von Vuk Branković († 6. Oktober 1398) mit Mara Lazarević, der Tochter von Lazar Hrebeljanović, des damals mächtigsten Fürsten in Serbien, da deren Mutter Milica Nemanjić war, die als Tochter des Knez (Fürsten) Vratko NemanjićEuropäische Stammtafeln Neue Folge Band III, I Tafel 188. aus einem Seitenzweig des serbischen Königshauses Nemanjić stammte.
mini|Jovan Uroš Nemanjić auf einem Fresko im Kloster Metéora Eine weitere noch bedeutendere Verbindung ergab sich später aus der Ehe von Đurađ Branković mit Eirene (Jerina) Kantakuzene, einer Tochter des Theodoros Kantakuzenos, da deren Mutter eine Tochter von Jovan Uroš Nemanjić († 1422), Mitkaiser von Serbien, war. Die Identität der Mutter dieses Theodoros Kantakuzenos wurde erst spät durch das Dokument „Dell’Imperadori Constantinopolitani“, ein Manuskript in der Vatikanischen Bibliothek geklärt, das auch als „Massarelli Manuscript“ bekannt ist, da es unter den Papieren von Angelo Massarelli (1510–1566), dem Generalsekretär des Konzils von Trient, gefunden wurde. Es handelt sich demnach um Helena Ouresina Palaiologina Nemanjić, eine Tochter von Jovan Uroš Nemanjić († 1422), der von seinem Vater Simeon Uroš 1356 zum Mitkaiser erhoben worden war und der als letzter Kaiser der Serben und Griechen und bis 1373 als letzter serbischer Herrscher über Thessalien regierte.Charles Cawley: BRANKOVIĆI 1427–1457. In: Serbia: Chapter 5 – PRINCES of SERBIA 1385–1457. Foundation for Medieval Genealogy 2021. Auf FMG.ac (englisch), abgerufen am 7. August 2021.
Damit konnten die Branković sich nicht nur auf die Abstammung von byzantinischen Kaisern, sondern auch darauf berufen, dass sie von dem letzten Kaiser aus dem Haus Nemanjić abstammten.
Verbindung mit den Sultanen der Osmanen mini|Sultan Bayezid I. Eine erste – indirekte – Verbindung des Hauses Brankovic zu den Herrschern des Osmanischen Reiches bestand über Mara Lazarević, die Ehefrau von Vuk Branković, da deren Schwester Olivera (Miljava) Lazarević (* 1372; † nach 1443), genannt Despina Hatun, mit Bayezid I. (* 1360; † 8./9. März 1403 in Akşehir) verheiratet war, der 1389 auf seinen Vater Murad I. folgte, nachdem dieser bei der Schlacht auf dem Amselfeld (1389) getötet worden war.