Stadler TinaBetreiber: HEAG (Darmstadt)BLT (Basel-Land)RSAG (Rostock)HAVAG (Halle (Saale))HTM (Den Haag)GVB (Gera)GVB (Görlitz)SVZ (Zwickau)Anzahl: 217 (inklusive Bestellungen)Hersteller: Stadler RailBaujahr: ab 2022Spurweite: 1000 mm, 1435 mmLänge über Kupplung: 30,4–45,5 mHöchstgeschwindigkeit: 70–80 km/hStromsystem: 600 V =, 750 V =Betriebsart: Einrichtungs- oder ZweirichtungsfahrzeugSitzplätze: 64–100Stehplätze: 103–173Weitere Daten:Variantenübersicht Die Stadler Tina (Eigenschreibweise TINA für „Total integrierter Niederflurantrieb“) sind vom Schweizer Eisenbahnhersteller Stadler Rail konstruierte und hergestellte Straßenbahntriebzüge.
Stadler bezeichnete die Fahrzeuge bis 2021 als „Straßenbahnen der nächsten Fahrzeug-Generation“.
Ab 2024 wurde in Darmstadt und Basel über erhebliche Konstruktionsmängel berichtet, die zu einem deutlich erhöhten Geräuschpegel und starken Vibrationen führen. Stand Februar 2026 sind die Lärm‑ und Erschütterungsprobleme trotz erprobter technischer Änderungen weiterhin nicht behoben.
Technik mini|Stufenfreier Fahrgastraum über einem Drehgestell eines Den Haager Fahrzeugs Die niederflurigen Straßenbahntriebwagen des Typs Tina verfügen über große Fenster und breite Durchgänge, beispielsweise 660mm in der Ausführung für Den Haag. Herzstück der Fahrzeuge sind neu entwickelte, kompakte Laufwerke für Meter-, Normal- oder Breitspur, die sowohl als echte Drehgestelle mit bis zu 12° Ausdrehung gegenüber dem Wagenkasten als auch nur sehr begrenzt um 2° ausdrehbar verwendet werden können. Sie können als Trieb- oder Lauffahrwerke ausgeführt und mit konventionellen Radsätzen oder Losradsätzen ausgerüstet werden. Bei den ersten vier Bestellungen wurden jeweils konventionelle Radsätze gewählt. Auch mit diesen kann der Fahrgastraum stufenfrei ausgeführt werden, dann sind jedoch Rampen notwendig. Die an den Laufwerken befestigten Motoren können mit einer Dauerleistung von je 40 oder 50 kW ausgeführt werden. Die beispielsweise für Erschütterungsemissionen relevante unabgefederte Masse ist mit rund einer Tonne pro Radpaar nicht so groß wie zum Beispiel beim Fahrzeugtyp Variobahn, aber auch nicht besonders gering. Vor dem Bau der ersten Serienfahrzeuge wurden die Drehgestelle 2021 bei der Straßenbahn Krakau in einem ansonsten den dortigen Tangos entsprechenden Erprobungsträger getestet.
In den beiden ersten Einsatzorten Darmstadt und Basel kam es zu Beschwerden aus der Bevölkerung über Lärm und von den Fahrzeugen verursachte Erschütterungen. In Basel führte dies zum Spitznamen „Erdbebendrämmli“. In Darmstadt gründete sich 2025 eine Bürgerinitiative, die insbesondere ein Nachtfahrverbot fordert. Wegen der Problematik wurden Messungen an Fahrzeugen und Strecken durchgeführt, die erhöhte Erschütterungs- und Körperschall-Immissionen bestätigten. Die Beteiligten kündigten Nachbesserungen an den Fahrzeugen an, während flächendeckende infrastrukturseitige Anpassungen als nicht realisierbar eingestuft wurden. Auch in Halle (Saale) kamen bereits während der Probefahrten entsprechende Beschwerden auf. Die Problematik betrifft nur die meterspurigen Varianten.
Im August 2025 stellten Stadler und Baselland Transport (BLT) schließlich ein nachgerüstetes Fahrzeug vor, bei dem zumindest die Geräuschentwicklung ungefähr auf das Niveau der BLT-Tangos gesenkt werden konnte. Dazu hatte das Fahrzeug insbesondere zusätzliche Dämpfungselemente erhalten, aber auch Anpassungen an Radprofil, Bremssätteln, Verkleidung und Magnetschienenbremsen. Stadler kündigte an, bis Ende 2026 alle Baselbieter Tinas auf eigene Kosten entsprechend nachzurüsten. Maßnahmen gegen die Erschütterungen waren erst bei Messfahrten im Dezember 2025 in Darmstadt erfolgreich. Mit technischen Modifikationen am Fahrwerk konnten sie im Mittel um ein Drittel reduziert werden. Darüber hinaus wurde durch Stadler eine zusätzliche technische Maßnahme entwickelt und durch erste Messungen in Basel validiert. Die Erprobung einer anderen Bauart gummigefederter Räder an einem Fahrzeug der BLT wurde für Juli 2026 angekündigt. Allerdings entschieden noch im Mai 2026 die Basler Verkehrs-Betriebe, wegen der Erschütterungen keine Fahrzeuge des Typs Tina zu bestellen, obwohl dieser in einer Ausschreibung das einzige und ansonsten den Anforderungen entsprechende Angebot war.
Für den Einsatz in Mehrfachtraktion können die Fahrzeuge mit einer Vielfachsteuerung ausgerüstet werden; dies erfolgte bisher jedoch erst bei den Fahrzeugen in Den Haag.
Kunden HEAG mobilo mini|Tina der Straßenbahn Darmstadt Bestellung Im Januar 2020 bestellte die HEAG mobilo für die Darmstädter Straßenbahn 14 Triebwagen des Typs ST15 (Straßenbahn-Triebwagen 15) für 62 Millionen Euro. Es besteht eine Option auf bis zu 30 weitere Einheiten. Die Serie ist nach den ST13 und ST14 der dritte Niederflur-Triebwagentyp in Darmstadt. Die Fahrzeuge wurden in der Schweiz entwickelt und sollten ursprünglich in Berlin produziert werden. Der Bau erfolgt jetzt jedoch auch in Bussnang.
Im Juli 2021 wurde bekannt, dass die HEAG mobilo einen Teil der Option einlöste und elf weitere ST15 bestellte. Das Volumen der beiden Aufträge stieg nun auf 100 Millionen Euro. Die Wagen der zweiten Bestellung werden für ein neues Verkehrskonzept mit Streckenerweiterungen benötigt.
Ausstattung Ein Triebwagen ist 43 Meter lang und besteht aus fünf Wagenkästen, wobei der erste, dritte und fünfte auf je zwei zweiachsigen Drehgestellen laufen. Der zweite und vierte Wagenkasten ist laufwerkslos und auf die jeweils benachbarten Wagenkästen aufgesattelt. Alle fünf Wagenkästen weisen pro Seite eine Tür auf. Es wurden konventionelle Radsätze und eine Motorisierung mit 12 Fahrmotoren zu je 40 kW gewählt. Die Einstiegshöhe liegt bei 280 mm über der Schienenoberkante. In den Drehgestellbereichen liegt der Fußboden 170 mm höher bei 450 mm. Zur Überwindung dieses Unterschieds wählte die HEAG Stufen statt der von Stadler angebotenen Rampen.
Pro Fahrzeug gibt es 108 Sitz- und 171 Stehplätze, insgesamt können also 279 Personen befördert werden. Von jeder Fahrzeugtür aus sind Sitzplätze barrierefrei erreichbar. Die Wagen sind mit modernen CO2-Klimaanlagen und mit einem Fahrerassistenzsystem mit Verkehrsschildererkennung ausgerüstet.
Einsatz Mit der Indienststellung der ST15 sollten die Hochflur-Triebwagen der Serie ST12 schrittweise außer Dienst gestellt werden. Im Sommer 2022 sollten die ersten vier ST15 ausgeliefert werden. Nach erfolgtem Testbetrieb war ihr Einsatz ab Herbst 2023 vorgesehen. Weitere zehn Fahrzeuge sollten bis Oktober 2023 folgen. Bis Sommer 2024 sollte die zweite Serie abgeliefert sein. Im Oktober 2023 begann der Probebetrieb mit Fahrgästen.
Die ST15 sollten auf allen Linien eingesetzt werden. An der Strecke der Linie 3 waren hierfür noch Umbauten notwendig.
Ab Juni 2024 verweigerte die HEAG die Annahme der letzten vier zu diesem Zeitpunkt noch zu liefernden Fahrzeuge. Stadler lagerte diese nach Fertigstellung in einem Fabrikgelände in der Ostschweiz ein.
Die Betriebsgenehmigung des zuständigen Regierungspräsidiums Darmstadt stand im Mai 2025 noch aus und wurde wegen der ungelösten Probleme mit den durch die Tinas verursachten Erschütterungen und dem Zweifel, ob die Wagen dem Stand der Technik entsprechen, als schwierig eingeschätzt.
Baselland Transport (BLT) mini|Tina der BLT in Arlesheim 2023 bis 2025 erhielt die BLT 25 Tina-Straßenbahntriebwagen zum Ersatz der mehr als vierzig Jahre alten Schindler-Trams auf den von ihr betriebenen Überlandlinien im Netz der Strassenbahn Basel. Die Triebzüge werden in der Schweiz im Werk Bussnang gefertigt. Der Auftrag für die Fahrzeuge, Ersatzteile und optional für den Unterhalt hat ein Volumen von 125 Millionen Franken.
Die siebenteiligen Trams sind 45,5 Meter lang, 2,3 Meter breit, für eine Geschwindigkeit von 80 km/h ausgelegt und bieten 100 Sitz- und 157 Stehplätze. Die klimatisierten Triebzüge sind Multigelenkwagen mit aufgesattelten Endwagenkästen. Sie ähneln damit in der Konfiguration den bisherigen Tango-Trams der BLT, besitzen jedoch statt des Jakobs-Drehgestells zwischen dem dritten und vierten Wagenteil einen weiteren kurzen Wagenkasten mit einem nicht ausdrehbaren Laufgestell. Die Drehgestelle am Anfang und Ende des Fahrzeugs sorgen für gute Laufruhe und wenig Verschleiß. Es wurden konventionelle Radsätze gewählt. Der Innenraum der Wagen ist im Gegensatz zu den »Tango«-Vorgängern von der ersten bis zur letzten Fahrgasttür stufenfrei. Zu den Bereichen über den Drehgestellen müssen hingegen zwei Stufen überwunden werden. Sie verfügen über ein Fahrgastinformationssystem, ein Kollisionswarnsystem wie die Tramlink der Waldenburgerbahn und sind für einen späteren Einbau von Schiebetritten vorbereitet.
Ursprünglich sollte der Probebetrieb mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2023 beginnen. Der Betrieb mit Fahrgästen sollte im Frühling 2024 aufgenommen werden und die Auslieferung bis 2025 abgeschlossen werden. Der Ersteinsatz verzögerte sich jedoch bis zum 3. September 2024.
Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) alternativtext=Ein dreiteiliger Straßenbahntriebwagen, fotografiert von vorn rechts. Er ist blau, um die Fenster herum schwarz und an der Dachkante sowie unter den Scheinwerfern weiß lackiert. Er befindet sich auf einer zweigleisigen Strecke mit Betonschwellen in Schotter im Bereich einer Haltestelle mit breiten Seitenbahnsteigen. Die Strecke führt unter niedrigen Brücken hindurch, die auch eine mehrstreifige Fahrbahn überspannen.|mini|Tina der Straßenbahn Rostock (2026, noch ohne Drehgestellabdeckungen) Im Juni 2022 gaben Stadler Rail und die Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) den Abschluss eines Vertrages über die Lieferung von 28 Triebwagen des Typs Tina bekannt. Das gesamte Auftragsvolumen liegt bei 98,2 Millionen Euro. Die rund 32 Meter langen, dreiteiligen Einrichtungsfahrzeuge werden seit Februar 2025 geliefert. Das erste Fahrzeug verkehrt seit dem 12. Dezember 2025 im Planbetrieb. Bei Lieferung des ersten Fahrzeugs wurde abweichend eine Gesamtstückzahl von 29 Fahrzeugen genannt, die bei der der Inbetriebnahme des ersten Triebwagens auf nochmals 30 korrigiert wurde. 216 Fahrgäste finden in dem vollklimatisierten Fahrzeug Platz, davon 75 auf gepolsterten Holzsitzen. Für sie stehen WLAN, USB-Ladebuchsen und ein bargeldloser Ticketautomat zur Verfügung. Die Fahrzeuge sollen einen Teil der in Betrieb befindlichen Wagen vom Typ 6N1, die aus den Jahren 1994 bis 1996 stammen, ersetzen. Die Einheiten bestehen aus zwei Endwagenkästen, die auf je zwei Drehgestellen mit konventionellen Radsätzen laufen und einem dazwischen eingehängten und laufwerkslosem Mittelteil. Die Fertigung erfolgt im ehemaligen Solaris-Werk im polnischen Środa Wielkopolska. Die Fahrzeuge können im gesamten Netz eingesetzt werden, verkehren zunächst jedoch vorzugsweise auf den stärker ausgelasteten Linien 1 und 5.
Hallesche Verkehrs-AG (HAVAG) mini|Tina der Straßenbahn Halle (Saale), Variante MGT-XL Die HAVAG unterzeichnete im August 2022 einen Liefervertrag über 39 dreiteilige und 17 fünfteilige Triebwagen des Typs Tina. Das gesamte Auftragsvolumen lag bei 172 Millionen Euro.https://havag.com/unternehmen/havag/presse?id=86404 Die rund 30 bzw. 45 Meter langen Zweirichtungsfahrzeuge sind klimatisiert. 166 bzw. 268 Fahrgäste finden in den vollklimatisierten Fahrzeugen Platz, davon 64 bzw. 96 auf Sitzplätzen.Thomas Griesser Kym: Für 168 Millionen Euro: Stadler liefert 56 Trams nach Deutschland. In: St. Galler Tagblatt (online), 24. August 2022. Das erste Fahrzeug der fünfteiligen, seitens der HAVAG als MGT-XL bezeichneten Variante wurde im Dezember 2024 ausgeliefert. Der Einsatz im Fahrgastbetrieb begann Anfang September 2025. Der erste dreiteilige Wagen, seitens der HAVAG als MGT-M bezeichnet, erreichte Halle im April 2025. Der Ersteinsatz erfolgte Ende Januar 2026. Insbesondere wegen der Erschütterungsproblematik entschied die HAVAG jedoch im Frühjahr 2026, vorerst keine weiteren Triebwagen in Betrieb zu nehmen bzw. ausliefern zu lassen.