Das North American Aerospace Defense Command (NORAD; ) ist eine gemeinsame Einrichtung der Vereinigten Staaten von Amerika und Kanadas zur Luftraumüberwachung, -kontrolle und Luftverteidigung des gemeinsamen Anteils am nordamerikanischen Kontinent sowie einiger Inseln, nicht aber Hawaiis. Als bilaterale Institution zweier Staaten, die eine gegenseitige Übertragung und kollektive Durchführung hoheitlich-territorialer Aufgaben vorsieht, ist das NORAD weltweit einmalig.

Gliederung Die Einrichtung wird von einem Befehlshaber geführt, der direkt vom Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika und dem Premierminister Kanadas bestimmt wird. Gleichzeitig ist dieser Kommandeur auch der Kommandierende General des übergeordneten Regionalkommandos US Northern Command (NORTHCOM), das für den nordamerikanischen Kontinent zuständig ist. Das Hauptquartier liegt auf der Peterson Space Force Base (Colorado). Im Cheyenne Mountain (Colorado) befindet sich die zentrale Koordinierungsstelle für sämtliche Sensorendaten. Es gibt drei regionale Kontrollzentren; sie befinden sich auf der Elmendorf Air Force Base (Alaska), der Tyndall Air Force Base (Florida) sowie der Canadian Forces Base North Bay (Ontario, Kanada).

Traditionell ist der Befehlshaber US-Amerikaner und sein Stellvertreter Kanadier.

Auftrag NORAD ist die zentrale Führungsstelle für die Luftverteidigung und Frühwarnung der amerikanischen und kanadischen Luftstreitkräfte auf dem nordamerikanischen Kontinent. Gleichzeitig ist es auch für die Weltraumüberwachung und Verfolgung von gestarteten Interkontinentalraketen zuständig.

Die Überwachung schließt von Raketen übrig gebliebenen Weltraumschrott sowie das Aufspüren, Validieren und Warnen vor Angriffen auf Nordamerika mit Flugzeugen, Raketen oder Weltraumfahrzeugen ein.

Als oberster Einsatzführungsstab der Luftverteidigung ist NORAD vorgesetzte Kommandodienststelle der Air Force North, dem Air-Force-Komponentenkommando des NORTHCOM, welches die 1st Air Force (1. Luftflotte) des Air Combat Command führt.

Geschichte mini|links|Organisation

Hintergrund mini|Nördlicher Eingang von NORAD im Cheyenne Mountain Anfang der 1950er Jahre wuchs in Nordamerika die Bedrohung durch sowjetische, mit Atombomben bewaffnete Langstrecken-Bomber, was die Regierungen der Vereinigten Staaten und Kanadas zur Zusammenarbeit in der Luftraum-Verteidigung von Nordamerika bewog. Sie vereinbarten die gemeinsame Errichtung und Nutzung einer Reihe von Radarstationen an Amerikas Nordgrenze, um einen sowjetischen Angriff über den Nordpol frühzeitig aufspüren zu können. Die ersten Radaranlagen wurden 1954 in Dienst gestellt, befanden sich im Süden Kanadas nahe der Grenze zu den USA und wurden als Pinetree Line bezeichnet. Aufgrund von technischen Defiziten mussten aber weitere Anlagen errichtet werden. 1957 wurde die Mid-Canada Line errichtet, welche sich ca. 480 km nördlich der Pinetree Line befand und größtenteils entlang des 55. Breitengrades führte. Sie konnte mit ihren Dopplerradaranlagen auch tieffliegende Flugzeuge aufspüren. Die dritte Linie wurde als Distant Early Warning Line (DEW Line) bezeichnet und wurde ebenfalls 1957 fertiggestellt. Diese war ein Verbund von 57 Stationen entlang des 70. Breitengrads. Alle drei Radarlinien ermöglichten eine Vorwarnzeit von drei Stunden vor einem Bomberangriff für alle größeren Städte. Angriffe über den Pazifik oder den Atlantik wären von AWACS-Flugzeugen, Schiffen und Luftschiffen der US Navy oder von seegestützten Radaranlagen aufgespürt worden. Die Führung und Leitung dieses komplexen Systems wurde zu einer großen Herausforderung.

Einrichtung Am 1. August 1957 kündigten die USA und Kanada an, ein gemeinsames Kommando einzurichten, das North American Air Defense Command. Am 12. September 1957 wurde der Betrieb in Colorado aufgenommen. Das formelle Abkommen zwischen beiden Regierungen wurde am 12. Mai 1958 unterzeichnet.A Brief History of NORAD., NORAD, S. 5 (PDF; 2,3 MB, englisch), abgerufen am 2. März 2023. In den frühen 1960ern waren bereits rund 250.000 Personen in Arbeiten am NORAD involviert.

Umbenennung Als Ende der 1950er Jahre der Sputnikschock die USA erfasste und damit die Möglichkeit von Angriffen mit Interkontinentalraketen gegeben war, wurde beiden Staaten bewusst, die Überwachungsmaßnahmen erweitern zu müssen. Es wurde daraufhin ein Weltraumüberwachungs- und Raketenwarnsystem errichtet, um weltweite Raketenstarts aufspüren, verfolgen und identifizieren zu können. Diese Erweiterung der Aufgaben führte zur Umbenennung in North American Aerospace Defense Command.

1963 wurde damit begonnen, die Air Force zu verkleinern und die nun überholten Radaranlagen abzuschalten. Es wurden zwei unterirdische atombombensichere Operationsbasen eingerichtet: die erste im Cheyenne Mountain in Colorado und eine zweite an der North Bay in Ontario. In den frühen 1970ern wuchs die Erkenntnis, dass bei einem Einsatz von Nuklearwaffen sowohl der Angegriffene als auch derjenige, der den atomaren Erstschlag ausgeführt hat, zerstört werden würden (siehe Zweitschlagskapazität). Dies führte zu einer Kürzung des Luftverteidigungsbudgets und einer Neuausrichtung der Ziele von NORAD hin zu einer Wahrung der Sicherheit im Weltraum in Friedenszeiten. Es folgte eine signifikante Reduzierung der Luftverteidigungsanlagen bis in die 1980er Jahre.

Einer Studie der USA und Kanada, genannt Joint US-Canada Air Defense Study (JUSCADS), aus dem Jahr 1979 zufolge musste die Luftüberwachung mit Hilfe der Distant Early Warning Line durch eine verbesserte Radarlinie in der Arktis, das North Warning System (NWS), ersetzt werden. Außerdem sollten dem NORAD mehr moderne Jagdflugzeuge zugeteilt sowie mehr Verwendung der AWACS-Flugzeuge genehmigt werden. Diese Empfehlungen wurden 1985 durch die Regierungen genehmigt. Zusätzlich wurde das neue United States Space Command im September 1985 gegründet, was als Unterstützung zum NORAD geplant war.

Fehlalarme Mindestens dreimal löste das NORAD-System einen Fehlalarm aus, der zu einem Weltkrieg hätte führen können:

Am 9. November 1979 lud ein Techniker ein Band mit Testdaten eines simulierten Angriffs durch sowjetische U-Boote, vergaß aber, den Systemstatus auf Test zu schalten. Ein Strom konstanter Falschmeldungen alarmierte weltweit die US-Verteidigungsstellungen. Erst nach sechs Minuten wurde der Alarm als fehlerhaft erkannt und rückgängig gemacht.

Am 3. Juni 1980 verursachte ein fehlerhafter Computerbaustein Warnmeldungen, dass eine große Anzahl sowjetischer Interkontinental- und U-Boot-Raketen mit Atomsprengköpfen im Anflug auf die USA sei. Die US-amerikanische Atombomber-Flotte mit rund 100 achtstrahligen Boeing B-52 wurde startklar gemacht. 153 Raketenbesatzungen der Minuteman- und Titan-Interkontinentalraketen und zwei Dutzend Atom-U-Boote, die mit Wasserstoffbombenköpfen bestückt sind, wurden in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Erst nach drei Minuten wurde der Alarm als fehlerhaft erkannt. Es dauerte 20 Minuten, bis alle US-Stellungen zur normalen Alarmbereitschaft zurückgekehrt waren.

Am 6. Juni 1980, nur drei Tage später, gab es erneut einen Fehlalarm.

Neudefinition des Auftrages Nach dem Ende des Kalten Krieges mussten die Ziele von NORAD neu definiert werden. Um Kürzungen zu vermeiden, wurde ab 1989 auch damit begonnen, Anti-Drogen-Operationen zu unterstützen, z. B. durch die Radarverfolgung von kleinen Flugzeugen. Die Distant-Early-Warning-Line-Anlagen in den Cheyenne Mountains wurden zwischen 1986 und 1995 durch Radare des North Warning System ersetzt.

2006 wurde NORAD offiziell vom Tiefbunker im Cheyenne Mountain auf die Peterson Space Force Base verlegt. Der Bunker im Cheyenne Mountain wurde in den Status „warm standby“ (Alternate Command Center, in Reserve bei sofortiger Einsatzbereitschaft) versetzt. Außerdem dient er NORAD zu Trainingszwecken. About — Cheyenne Mountain Complex. Abgerufen am 16. Juni 2019. Mit dieser Maßnahme will man in Krisen schneller und flexibler reagieren können. Die Aufgaben haben sich in Richtung Luftraumkontrolle und Terrorabwehr entwickelt. In: Kleine Zeitung, abgerufen am 11. November 2010.

Liste der NORAD-Kommandeure und Vize-Kommandeure

mini|hochkant|General Gregory M. Guillot, Kommandeur seit 4. Februar 2024

Liste der NORAD-Kommandeure

Die Kommandeure des NORAD sind Generäle und Admiräle der US-Streitkräfte; im Detail der United States Air Force (USAF) oder der United States Navy (USN).

Nr. Name Beginn der Berufung Ende der Berufung 1 General Earle E. Partridge (USAF) 12. September 1957 30. Juli 1959 2 General Laurence S. Kuter (USAF) 1. August 1959 30. Juli 1962 3 General John K. Gerhart (USAF) 1. August 1962 30. März 1965 4 General Dean C. Strother (USAF) 1. April 1965 29. Juli 1966 5 General Raymond J. Reeves (USAF) 1. August 1966 31. Juli 1969 6 General Seth J. McKee (USAF) 1. August 1969 30. September 1973 7 General Lucius D. Clay Jr. (USAF) 1. Oktober 1973 29. August 1975 8 General Daniel James Jr. (USAF) 1. September 1975 5. Dezember 1977 9 General James E. Hill (USAF) 6. Dezember 1977 31. Dezember 1979 10General James V. Hartinger (USAF) 1. Januar 1980 30. Juli 1984 11 General Robert T. Herres (USAF) 30. Juli 19845. Februar 1987 12 General John L. Piotrowski (USAF) 6. Februar 1987 30. März 1990 13 General Donald J. Kutyna (USAF) 1. April 1990 30. Juni 1992 14 General Charles A. Horner (USAF) 30. Juni 1992 12. September 1994 15 General Joseph W. Ashy (USAF) 13. September 1994 26. August 1996 16 General Howell M. Estes III (USAF) 27. August 1996 13. August 1998 17 General Richard B. Myers (USAF) 14. August 1998 22. Februar 2000 18 General Ralph E. Eberhart (USAF) 22. Februar 2000 5. November 2004 19 Admiral Timothy J. Keating (USN) 5. November 2004 23. März 2007 20 General Victor E. Renuart, Jr. (USAF) 23. März 2007 19. Mai 2010 21 Admiral James A. Winnefeld, Jr. (USN) 19. Mai 2010 3. August 2011 22 General Charles H. Jacoby, Jr., (USA) 3. August 2011 5. Dezember 2014 23 Admiral William E. Gortney, (USN) 5. Dezember 2014 13. Mai 2016 24 General Lori J. Robinson (USAF) 13. Mai 2016 24. Mai 2018 25 General Terrence J. O’Shaughnessy, (USAF) 24. Mai 2018 20. August 2020 26 General Glen D. VanHerck, (USAF) 20. August 2020 4. Februar 2024 27 General Gregory M. Guillot, (USAF) seit 4. Februar 2024

mini|hochkant|Blaise F. Frawley, Vize-Kommandeur seit 2. Juni 2023

Liste der Vize-NORAD-Kommandeure

Die Vize-Kommandeure des NORAD sind Generäle der kanadischen Streitkräfte Canadian Forces (CF) oder des kanadischen Verteidigungsministeriums Canadian Defence (CD). Im Besonderen der Royal Canadian Airforce (RCAF).