Gumprecht I. von Neuenahr-Rösberg (* um 1370; † zwischen 8. Juli 1409 und 14. September 1413) war ein deutscher Adliger, durch Erbe Herr von Rösberg, Pfandherr von Drimborn und Dollendorf.

Leben Gumprecht I. kam als Sohn von Johann III. von Neuenahr († 1405), Herr zu Rösberg, und (⚭ um 1360) Alveradis von Alpen († nach 1416) zur Welt, einer Tochter des Gumprecht I. von Alpen (Alpheym) und Garsdorf († um 1381) aus dem Haus HeppendorfUrkunden vom 23. Oktober 1351, 6. Januar und 19. Juli 1353; Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 1037 Raitz von Frentz (Familie), Hausarchiv Haus Schlenderhahn, A 39/3; Bestand 271 Weiße Frauen, U 2/102; Bestand 1 Haupturkundenarchiv, U 1/2072). und der Gräfin Elisabeth von der Mark.

Gumprechts I. von Neuenahr Onkel Gumprecht II. von Alpen († 1423),Manfred Wolf: Der Streit um die Verpfändung Alpens. In: Hans-Georg Schmitz (Hrsg.): Alpen. Festbuch zur 900-Jahr-Feier. o. O. o. J. [Büderich 1974], S. 20–30, bes. S. 30; Heike Hawicks: Die Vögte zu Köln bzw. Grafen von Neuenahr, Herren zu Alpen. In: dies.: Xanten im späten Mittelalter. Stift und Stadt im Spannungsfeld zwischen Köln und Kleve. (Rheinisches Archiv 150). Böhlau, Köln / Weimar / Wien 2007, S. 345. verheiratet mit ElseUrkunde vom 24. März 1386; Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 1 Haupturkundenarchiv, U 2/3740GB); Urkunde vom 28. Oktober 1407; Günter Aders (Bearb.): Urkunden und Akten der Neuenahrer Herrschaften und Besitzungen. (Inventare nichtstaatlicher Archive 21). Landschaftsverband Rheinland, Köln 1977, Nr. 409, S. 128. bzw. Swe(g)nold d. J. von Harff († nach 1423),Zuvor Kanonisse im Kloster Mariagraden (1376); Leonhard Korth (Bearb.): Das Gräflich von Mirbach’sche Archiv zu Harff, Bd. I 1144 bis 1430. In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 55 (1892), S. 1–349, bes. Nr. 108 (Harff 8), S. 152f Anm. 1 (Digitalisat im Internet Archive).Urkunden vom 3. November 1390 und 14. April 1410; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (AA 0021 / Jülich, Urkunden AA 0021, Nr. 442–445; AA 0581 / Heinsberg, Urkunden AA 0581, Nr. 269). war von etwa 1381 bis 1418/22 Kölner Erbvogt.Vgl. Urkunden vom 1. Oktober 1387, 24. Juni 1394 und 31. August 1400 u. ö.; Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 160 Armenverwaltung, U 1/1594; Bestand 310 Reichskammergericht – Buchstabe M, A 76; Bestand 21 Briefeingänge datiert, A 783). Seine Tante Elisabeth (Elsgen) von Alpen war verheiratet mit Heinrich von Kuesin d. J., einem Schwager des Kölner Patriziers Hilger Quattermart von der Stesse.Uta Lindgren: Kölner Fehden als Problem von Verwaltung und Verfassung (1370–1400). In: Jahrbuch des Kölnischen Geschichtsvereins 54 (1983), S. 1–134, bes. S. 33. Der Onkel Gerhard (Gerit), Herr zu Alpen1382 von Geldern mit Alpen belehnt; Günter Aders (Bearb.): Urkunden und Akten der Neuenahrer Herrschaften und Besitzungen. (Inventare nichtstaatlicher Archive 21). Landschaftsverband Rheinland, Köln 1977, Nr. 325 und 366. († 1401) und Vogt zu Pulheim, war mit Katherina von Dyck († 1443)Tochter von Konrad V. von der Dyck († 1368/69) und (⚭ 1364) Adelheid von Schönau-Schönforst († nach 1393/96); Florian Gläser: Schönau • Schönforst. Eine Studie zur Geschichte des rheinisch-maasländischen Adels im Spätmittelalter. (diss. phil. Tier). Trier 1999, S. 268–272 (PDF; 3,2 MB). verheiratet und der Onkel Rutger von Alpen († 1409/12), Herr zu Garsdorf, mit Lukarde (Luitgart) von Mirlaer († 1412/18; ⚭ II. 1409/12 Wilhelm II. von Wevelinghoven,Wilhelm II. von Wevelinghoven ⚭ II. vor 1418 Rykarde van Alfter. Herr zu GrebbenBurg Grebben an der Maas aus dem Erbe der Aleid von Millen († 1354), verheiratet mit Friedrich I. von Wevelinghoven.), Tochter von Jakob von Mirlaer-Millendonk. Hermann II. Zobbe (Sobbe zu Ingendorf) († 1400), seit 1361 Abt von Brauweiler, galt als „Onkel“ der Alveradis von Alpen und ihrer Geschwister.Irene Crusius (Bearb.): Die Bistümer der Kirchenprovinz Köln. Das Erzbistum Köln, Teil 5 Die Benediktinerabtei Brauweiler. (Germania sacra. NF 29). Walter de Gruyter, Berlin 1992, S. 200f (Online der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen).

Konflikt mit Kurköln Die Familie von Neuenahr hatte die Grafschaft Neuenahr und die Herrschaft Merzenich im 14. Jahrhundert an Kurköln verloren. Der Grafentitel wurde von den Edelherren von Saffenberg in Anspruch genommen, die 1360/63 in die Familie eingeheiratet hatten.Johann III. von Saffenberg († 1397), (verlobt 1353) ⚭ 1360/63 Katharina von Neuenahr (* um 1351; † 1393). Gumprecht I. von Neuenahr-Rösberg führte – wie schon sein Vater – eine Fehde gegen den Erzbischof, das Domkapitel und die Geistlichkeit („pafschaft“) von Köln, um die verlorenen Herrschaften und den Grafentitel zurückzuerhalten. Am 13. Oktober 1393 kam es zu einem vorläufigen Ausgleich, durch den Gumprecht I. von Neuenahr die Burg Rösrath zurückerhielt.Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (AA 0001 / Kurköln, Urkunden AA 0001, Nr. 1219); Theodor Joseph Lacomblet (Bearb.): Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstifts Cöln, Bd. III. H. Voß, Düsseldorf 1853, Nr. 989, S. 876f.Sabine Picot: Kurkölnische Territorialpolitik am Rhein unter Friedrich von Saarwerden (1370–1414). Röhrscheid, Bonn 1977, S. 200f. Nach erneut erhobenen Forderungen verglich sich Gumprecht von Neuenahr 1396 mit dem Kölner Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden. Er verzichtete auf die Grafschaft Neuenahr und die Herrschaft Merzenich und wurde dafür mit Herrschaft und Dorf Rösberg belehnt. Außerdem verzichtete er auf eine neue Fehde in dieser Angelegenheit und erhielt eine Verschreibung von 100 Gulden jährlich auf den Zoll zu Bonn.Urkunde vom 24. Februar 1396; Günter Aders (Bearb.): Urkunden und Akten der Neuenahrer Herrschaften und Besitzungen. (Inventare nichtstaatlicher Archive 21). Landschaftsverband Rheinland, Köln 1977, Nr. 37, S. 17.

Gumprecht I. von Neuenahr nahm auf Seiten Herzog Wilhelms II. von Berg an einer Fehde gegen Graf Adolf II. von Kleve-Mark und dessen Bruder Graf Dietrich II. von der Mark teil und wurde am 7. Juni 1397 in der Schlacht von Kleverhamm gefangen genommen.Genannt in der Schuldurkunde des Rainald I. (IV.) von Jülich vom 13. Januar 1398; Theodor Joseph Lacomblet (Bearb.): Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstifts Cöln, Bd. III. H. Voß, Düsseldorf 1853, Nr. 1039, S. 925f.Ernst von Schaumburg: Die Schlacht im Cleverhamm den 7. Juni 1397. In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein, insbesondere die Alte Erzdiözese 9–10 (1861), S. 81–106, bes. S. 88 und 97 (Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf).

1398 wurde Gumprecht I. von Neuenahr als Nachfolger des Ritters Wilhelm von Muysbach (Mausbach), dem Amtmann von Zülpich, Pfandherr von Dreiborn (Drimborn),Johannes Krudewig (Bearb.): Übersicht über den Inhalt der kleineren Archive der Rheinprovinz, Bd. III. Behrend, Bonn 1909, S. 281 (Nachtrag zu Kreis Schleiden. Dreiborn, Burg, S. 15, Nr. 80) (Digitalisat im Internet Archive). das er als Lehen des Herzogs Wilhelm von Jülich-Geldern besaß.Joseph Strange: Beiträge zur Genealogie der adligen Geschlechter, Heft 2. Heberle und Lempertz, Köln 1865, S. 2f (Google-Books). Im Juni 1400 warnte „Gumprecht von Nuwenayre“ die Stadt Köln, den Mörder seines Neffen „Konrad von Nuwenaire“ aufzunehmen,Eintrag vom 20. Juni 1400; Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 21 Briefeingänge, Nr. 727). was die Stadt auch ablehnte.Kaspar Keller (Bearb.): Die stadtkölnischen Kopienbücher. Regesten II. 1373–1401. In: Konstantin Höhlbaum (Hrsg.): Mitteilungen aus dem Stadtarchiv von Köln, Bd. II/4. Du Mont-Schauberg, Köln 1883, S. 52–112, bes. S. 105 (Google-Books). Der Kanoniker an St. Gereon Konrad von Neuenahr († 1399) war von dem Kölner Bürger Servatius (Voysz) am Rheinufer vor der Stadt rechtlos getötet worden.Einträge vom 27. Juni 1399 und 22. Oktober 1400; Norbert Andernach (Bearb.): Die Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter, Bd. X 1391–1400 (Friedrich von Saarwerden). Droste, Düsseldorf 1987, Nr. 1817, S. 641, und Nr. 2181, S. 764; Ute Rödel (Bearb.): Urkundenregesten zur Tätigkeit des deutschen Königs- und Hofgerichts bis 1451, Bd. XV Die Zeit Ruprechts. 1400–1403. Böhlau, Köln 2009, S. 2. Seinen Schwager Johann II. von Loen († 1438), Herrn zu Jülich, Heinsberg und Lewenberg, unterstützte Gumprecht I. von Neuenahr in einer Fehde gegen den Abt von Stablo Walram von Schleiden († 1410), der bei Monschau eine Niederlage erlitt.Urkunde vom 1. Oktober 1400; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (AA 0581 / Heinsberg, Urkunden AA 0581, Nr. 253). 1404 stellte Gumprecht I. von Neuenahr, Herr zu Dollendorf, dem Ritter Dietrich Schinmann (Schynnen) von Mozenborn, der wie er selbst auch 1397 in Kleverhamm gefangen worden war,Ernst von Oidtman: Die Eigenthümer der Rittersitze Birgel, Boisdorf, Drove und Mozenborn im Kreis Düren. In: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins 24 (1902), S. 258–294, bes. S. 284. einen Schuldbrief über 500 Gulden aus.Urkunde vom 8. August 1404; Heinrich Schaefer (Bearb.): Pfarrarchiv von S. Aposteln. In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 71 (1901), S. 130–181, bes. S. 140.

Nach weiteren Auseinandersetzungen mit dem Kölner Erzbischof entschieden 1405 die erbetenen Schlichter Graf Emich VI. zu Leiningen-Hartenburg (* um 1364; † 1452) und Burggraf Godert von Drachenfels († nach 1425) in Linz gegen Gumprecht I. von Neuenahr.Urkunde vom 6. April 1405; Norbert Andernach (Bearb.): Die Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter, Bd. XI 1401–1410 (Friedrich von Saarwerden). Droste, Düsseldorf 1992, S. 320; Christian von Stramberg: Denkwürdiger und nützlicher rheinischer Antiquarius, Bd. III/9. Hergt, Koblenz 1862, S. 532f (Google-Books). Er erhielt jedoch im folgenden Jahr von Johann von Siegburg († um 1423),Klaus Militzer: Verwaltete Herrschaft. Die kurkölnischen Residenzen im Spätmittelalter. (Veröffentlichungen des Historischen Vereins für den Niederrhein. NF 4). Böhlau, Köln 2019, S. 122. dem Rentmeister des Erzbischofs, eine Ausgleichszahlung von 500 Gulden. Am 7. April 1406 nahm Friedrich III. von Saarwerden Gumprecht I. von Neuenahr förmlich in seinen Dienst, erhöhte die jährliche Zahlung aus dem Bonner Zoll auf 300 Gulden und bestellte ihn zum Amtmann von Hardt.Urkunden vom 6. und 7. April 1405; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (AA 0001 / Kurköln, Urkunden AA 0001, Nr. 1429); Norbert Andernach (Bearb.): Die Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter, Bd. XI 1401–1410 (Friedrich von Saarwerden). Droste, Düsseldorf 1992, Nr. 1495, S. 425f. Gumprecht I. von Neuenahr musste alle Urkunden herausgeben, die einen Anspruch der Familie auf Neuenahr und Merzenich belegten, darunter einen – vom Kölner Erzbischof nicht anerkannten – Schiedsspruch des Grafen Simon III. von Sponheim.Christian Renger (Bearb): Inventar des herzoglich arenbergischen Archivs in Edingen/Enghien (Belgien), Teil 2. Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, Koblenz 1997, Nr. 372, S. 145f. Der Stadt Köln schwor Gumprecht I. von Neuenahr 1407 gegen eine Jahresrente (Bürgerrente; Mannlehen) von 20 Gulden und ein Darlehen von 150 Gulden den Edelbürgereid; die letzte Zahlung an ihn ist am 8. Juli 1409 belegt.Urkunden vom 23. Juni 1407; 28. Juni 1408 und 8. Juli 1409; Historisches Archiv der Stadt Köln (Best. 1 Haupturkundenarchiv, U 1/7566 und U 1/7807); Hermann Keussen (Bearb.): Das Urkunden-Archiv der Stadt Köln seit d. J. 1397. Inventar II. (1401–1410). In: MStAK 14 (1888), S. 1–64, bes. S. 53 und 58.

Nach dem Tod Gumprechts I.