mini|St. Martin in Ober-Olm mini|Innenansicht von St. Martin St. Martin ist die römisch-katholische Pfarrkirche in der rheinhessischen Ortsgemeinde Ober-Olm. Die Gemeinde gehört zum Dekanat Mainz-Süd innerhalb des Bistums Mainz.
Geschichte Die Kirche existierte schon zur Merowingerzeit. Sie war „in der Verfügung“ der Mainzer Bischöfe. In früheren Jahrhunderten teilten sich der Mainzer Dompropst und das Stift St. Viktor vor Mainz die hier eingenommenen Steuern, den so genannten Zehnten. Der ungegliederte romanische Turm stammt aus dem 12. Jahrhundert, die Glockengeschosse und der Spitzhelm aus dem 15. Jahrhundert. Das Langhaus ist neugotisch, es wurde 1879–81 von dem Dombaumeister J. H. A. Lucas aus Mainz errichtet. Im Jahr 1899 wurde der Bau vom Dombaumeister Ludwig Becker um ein rechts anschließendes Seitenschiff und um einen Chor erweitert.regionalgeschichte.net: St. Martin in Ober-Olm. Abgerufen am 14. Dezember 2020
Heute bildet die Kirchengemeinde St. Martin (für Ober-Olm und Essenheim) zusammen mit der Kirchengemeinde St. Andreas aus Klein-Winternheim eine gemeinsame Pfarrgruppe innerhalb des Dekanats Mainz-Süd des Bistums Mainz.Bistum Mainz: Katholische Pfarrgruppe Klein-Winternheim, Ober-Olm, Essenheim abgerufen am 14. Dezember 2020
Ausstattung mini|hochkant|Napoleonstein von 1842 für die Opfer der napoleonischen Kriege Vesperbild um 1520, eine vorzügliche Arbeit aus der Werkstatt von Hans Backoffen mit ursprünglicher FarbfassungDehio-Handbuch; S. 664 Heiliger Urban, Anfang des 16. Jahrhunderts Mutter Gottes und Heiliger Valentin, Mitte des 18. Jahrhunderts Augsburger Monstranz in Silber, 1757–60 Veteranenstein (Napoleonstein) auf dem Friedhof, 1842
Orgel Im Jahr 1764 ist eine Orgel nachweisbar. 1806 folgte ein Neubau durch Franz Xaver Ripple. 1887 baute Balthasar Schlimbach & Sohn die heutige Orgel als Opus 126 mit mechanischen Kegelladen. Der Mainzer Bildhauer Josef Landmann fertigte das Gehäuse mit fünfachsigem Prospekt im Stil der Neugotik mit einem überhöhten trapezförmigen Mittelturm und zwei breiten spitzbogigen Flachfeldern, die seitlich von zwei schmalen Feldern flankiert werden. Fialen, Krabben und Kreuzblumen bekrönen das Werk. Das Instrument ist überwiegend original erhalten. Die Prospektpfeifen wurden 1917 abgeliefert und später ersetzt. Im Rahmen einer Sanierung 1979 durch Erich Breitmann, Nieder-Olm, wurden diese Zinnpfeifen durch solche aus Zink ersetzt. Die Orgel erhielt einen neuen Spieltisch, neue Bälge, einen neuen Motor und zum Teil eine neue Traktur. Bei der letzten Restaurierung im Jahr 2001 rekonstruierte die Giengener Orgelmanufaktur Gebr. Link die Prospektpfeifen, die Bälge und den Spieltisch. Die Orgel verfügt über 19 Register, die auf zwei Manuale und Pedal verteilt sind. Die Disposition lautet wie folgt:Orgel in Ober-Olm, abgerufen am 22. April 2023. I Manual C–f3 Bourdon 16′ Prinzipal 8′ Hohlflöte 8′ Gedackt 8′ Gamba 8′ Oktave 4′ Rohrflöte 4′ Cornett IV (ab g) Mixtur IV ′ Trompete 8′ II Manual C–f3 Geigenprincipal 8′ Salicional 8′ Harmonika 8′ Lieblich Gedakt 8′ Flauto dolce 4′ Pedal C–d1 Subbass 16′ Violon 16′ Violoncello 8′ Tuba 16′ Koppeln: II/I, I/P, II/P Spielhilfen: 4 feste Kombinationen (f und ff auf I, pp und Tutti auf II)
Bibelgarten Seit 2021 wurde ein brachliegendes Gelände aus dem Besitz der Kirche zwischen St. Martin und einer alten Bruchstein-Pfarrscheune zum öffentlich zugänglichen, barrierefreien Bibelgarten umgestaltet.Lokale Agenda Klein-Winternheim: Der neue Bibelgarten von Ober-Olm, von 2023 Bei der Anlage sind dem Team um die Initiatorin und Vorsitzende des Pfarrgemeinderates Kathrin Fiederling nach eigenem Bekunden „Klimaschutz und Ökologie“ wichtig, so wurde z. B. ein Wildbienenhotel errichtet und eine fünf Kubikmeter Wasser fassende Zisterne eingebaut, die Regenwasser vom Dach der Pfarrscheune auffängt. Wesentlich für einen Bibelgarten seien aber auch Pflanzen mit einem Bezug zur Bibel, wie ein Ölbaum oder Zypressen und zahlreiche biblische Symbole wie eine Arche als Sitzbank, Tafeln mit zehn Geboten etc.Bistum Mainz, Presse Medien: Ein Hauch Bibel mitten im Ort, abgerufen am 12. Juli 2024Katholische Pfarrgruppe St. Andreas & St. Martin: Bibelgarten in Ober-Olm – die Idee, abgerufen am 10. September 2024
Die Initiative, die das umfangreiche Vorhaben weitgehend über Spenden und Eigenleistungen realisierte, bekam 2022 den Ehrenamtspreis der VG Nieder-Olm.AZ Mainz: VG Nieder-Olm vergibt erstmals Preis für Inklusion, vom 30. Nov.2022 Die Einweihung fand mit einem ökumenischen Gottesdienst im Juli 2023 statt.AZ-Mainz: Bibelgarten in Ober-Olm eingeweiht vom 26. Juli 2023 Im Juli 2024 wurde an zentraler Stelle ein Brunnen mit der Bronzeplastik einer knienden Frau eingeweiht, die von der Klein-Winternheimer Künstlerin Maya B. Albrecht geschaffen wurde. Die Figur stellt die biblische Gestalt der Rut dar, die aus Not ihre alte Heimat verlassen und eine neue suchen muss.AZ-Mainz: Ausdrucksstarker Mittelpunkt für den Bibelgarten in Ober-Olm, vom 2. Juli 2024
Literatur Landesamt Denkmalpflege (Hrsg.): Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz. Band 18.2: Kreis Mainz-Bingen. Bearb. v. Dieter Krienke. Worms 2011. Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Rheinland-Pfalz/Saarland, Deutscher Kunstverlag; Auflage: 1972; S. 664
Weblinks
Youtube: St. Martin, neugotische Kirche von Ober-Olm I (Drohnenvideo, 2'52") Youtube: St. Martin, neugotische Kirche von Ober-Olm II (Drohnenvideo mit Innenaufnahmen, 3'43")
Einzelnachweise
Kategorie:Kirchengebäude im Landkreis Mainz-Bingen Martin Kategorie:Martin-von-Tours-Kirche (Patrozinium) Kategorie:Kirchengebäude im Bistum Mainz Kategorie:Neugotisches Bauwerk in Rheinland-Pfalz Kategorie:Neugotisches Kirchengebäude Kategorie:Bauwerk von Ludwig Becker Kategorie:Erbaut in den 1870er Jahren Kategorie:Erbaut in den 1890er Jahren