mini|Luftbild der Burgruine Wildenfels (August 2021) Die Burgruine Wildenfels war eine spätmittelalterliche Adelsburg oberhalb von Wildenfels, einem Gemeindeteil der Gemeinde Simmelsdorf im mittelfränkischen Landkreis Nürnberger Land in Bayern.
Die Burgruine ist frei zugänglich.
Geographische Lage Die Ruine der Gipfelburg liegt im Naturpark Fränkische Schweiz – Frankenjura auf einem hohen felsigen Gipfel im Wildenfelser Wald, unmittelbar nördlich des Dorfes Wildenfels, etwa 3,3 Kilometer östlich von Hiltpoltstein.Lage der Burgruine im Bayern Atlas
Man erreicht die Ruine, indem man im nördlichen Teil des Dorfes Wildenfels einem Hinweisschild zur Burgruine nach oben folgt.
In Sichtweite liegt der Burgstall Strahlenfels, weiter östlich der Burgstall Spies, nordwestlich die Burgruine Stierberg, und westlich die Burg Hiltpoltstein. Etwa 2,8 Kilometer südsüdwestlich befindet sich der eher unbekannte Burgstall Spitzenberg auf dem hohen gleichnamigen Berg zwischen Großengsee und Winterstein, wo sich mit der Burgruine Winterstein ebenfalls ein mittelalterlicher Herrensitz befindet.
Am Fuß der Ruine liegt eine kleine Höhle, die Burghöhle in Wildenfels, sie wird im Höhlenkataster Fränkische Alb mit der Katasternummer D 180 geführt.
Geschichte mini|Ansicht der Burgruine Wildenfels auf einem Kupferstich von L. Schlemmer aus dem Jahr 1799 Die Burg wurde im ausgehenden 13. oder frühen 14. Jahrhundert von den Herren von Wildenstein errichtet. Als Bauzeit wird in der neueren Literatur ein Zeitraum um 1290/1300 angenommen.Robert Giersch, Andreas Schlunk, Bertold von Haller: Burgen und Herrensitze in der Nürnberger Landschaft – Wildenfels, abgerufen am 23. September 2026. Dietrich I. von Wildenstein saß ab spätestens 1289 auf der nahe gelegenen Burg auf dem alten Rothenberg (heute vollkommen abgegangen).Gustav Voit: Der Adel an der Pegnitz 1100–1400. (= Freie Schriftenfolge der Gesellschaft für Familienforschung in Franken. Band 20). Kommissionsverlag Degener & Co., Neustadt an der Aisch 1979, S. 279 Die Gemeinde Simmelsdorf setzt die Errichtung dagegen enger zwischen 1317 und 1323 an.Gemeinde Simmelsdorf: Wildenfels, abgerufen am 23. September 2026. Urkundlich sicher fassbar ist die Burg erst am 11. August 1323, als sich Dietrich III. von Wildenstein nach seinem Sitz als „Dietrich Wildensteiner von Wildenfels“ bezeichnete. Dietrich III. war der Sohn Heinrichs II. und Neffe von Dietrich I. von Wildenstein. Gemeinsam mit seiner Frau Adelheid und seinem Bruder Heinrich V. verkaufte Dietrich III. damals ein Gut zu Gersdorf (im heutigen Landkreis Nürnberger Land). An der Urkunde siegelten die beiden Brüder mit dem Mühlradwappen der Wildensteiner. Das Siegel zeigt ein Mühlrad mit einfachem Kranz und sieben Schaufeln sowie einen hohen Hut als Helmzier. Die Siegelumschrift lautet „+ S. DIETRICI WILDENSTEINERII DE WILDENVELS“.Gustav Voit: Der Adel an der Pegnitz 1100 bis 1400 (= Freie Schriftenfolge der Gesellschaft für Familienforschung in Franken. Band 20). Degener & Co., Neustadt an der Aisch 1979, S. 284–285, insbesondere Anm. 2968 (Quelle dort: „M RN 349“).Haus der Bayerischen Geschichte: Burgruine Wildenfels, abgerufen am 23. September 2026. Am 16. Oktober 1330 erscheint Dietrich erneut als „Dytrich Wildinstainer von Wildenvels“, als er für seinen Bruder Heinrich V. bei dessen Verkauf von Besitz an der Burg Henfenfeld bürgte. 1342 erwarb Dietrich III. von den Burggrafen von Nürnberg das Dorf Großengsee, die obere Naifermühle und den Zehnten zu Windsberg für 534 Pfund Heller. Noch am 21. Mai 1350 ist er als „Dietrich der Alte von Wildenstein zu Wildenfels“ belegt; damals vermachte er dem Kloster Michelfeld zwei Pfund Gült aus einem Gut zu Simmelsdorf für einen Jahrtag für sich und seinen Sohn.Gustav Voit: Der Adel an der Pegnitz 1100–1400. (= Freie Schriftenfolge der Gesellschaft für Familienforschung in Franken. Band 20). Degener & Co., Neustadt an der Aisch 1979, S. 284–285.
Die freieigene Burg wurde 1356 von den Wildensteinern Kaiser Karl IV. zum Lehen aufgetragen und geöffnet. Alexander I. von Wildenstein war der letzte Vertreter des auf Wildenfels ansässigen Familienzweigs. Seine Tochter Christina von Wildenstein war mit Christoph von Lentersheim, Pfleger zu Lauf, verheiratet, der die Burg nach dem Tod Alexanders um 1500 in Besitz nahm. Nach dem Tod Christinas im Jahr 1503 gelangte Wildenfels vermutlich durch Kauf an die verwandten Wildensteiner von Strahlenfels. Die Wildensteiner verkauften die Burg 1509 an die Nürnberger Bürger Conrad und Friedrich Pelck, die sie 1511 an die Reichsstadt Nürnberg weiterveräußerten. 1511 ging die Burg für 1300 Gulden in Nürnberger Besitz über. Die Stadt richtete 1518 dort das Pflegamt Wildenfels ein.
1525 wurde die Burg während des Bauernkrieges zerstört. Nachdem die Nürnberger sie wieder aufgebaut hatten, wurde sie 1553 im Zweiten Markgrafenkrieg durch den Markgrafen Albrecht Alcibiades erneut zerstört und in der Folge nicht wieder aufgebaut.
Im Jahr 1827 stürzte nach einem Blitzschlag die Westhälfte des bis dahin noch weitgehend erhaltenen, quadratischen Bergfrieds ein. 1913 fanden erste Sicherungsmaßnahmen der Bausubstanz statt. Ab 2012 fanden umfangreiche Sicherungs- und Sanierungsarbeiten an der Ruine statt. Die Bayerischen Staatsforsten verzeichneten 2013 bis 2014 eine umfangreichere Sanierung der Burgruine. Von der Burg sind noch Mauerreste des Palas, des Bergfrieds, weiterer Gebäude und der Umfassungsmauern erhalten.
Heute ist die Ruine als landschaftsprägendes Baudenkmal D-5-74-158-80 „Burgruine, erhebliche Reste des Bergfrieds und von daran anschließenden Gebäuden, Kalksteinquader bzw. Kalkbruchstein, 13.–15. Jahrhundert“, sowie als Bodendenkmal D-5-6334-0016 „Mittelalterliche und frühneuzeitliche Befunde im Bereich der Burgruine Wildenstein“ vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege erfasst. (PDF; 137 kB)
Bilder
Literatur
Ruth Bach-Damaskinos, Jürgen Schnabel, Sabine Kothes: Schlösser und Burgen in Mittelfranken. Verlag A. Hofmann, Nürnberg 1993, ISBN 3-87191-186-0, S. 143 Robert Giersch, Andreas Schlunk, Berthold von Haller: Burgen und Herrensitze in der Nürnberger Landschaft – Ein historisches Handbuch nach Vorarbeiten von Dr. Gustav Voit. Selbstverlag der Altnürnberger Landschaft e. V., Lauf an der Pegnitz 2006, ISBN 978-3-00-020677-1, S. 494–497 Walter Heinz: Ehemalige Burgen im Umkreis des Rothenbergs – Eine Auswahl, 1. Teil: Von Schnaittach bis Wildenfels. (Vom Rothenberg und seinem Umkreis. Heft 15/1). Herausgegeben vom Heimatverein Schnaittach e. V., Schnaittach 1992, S. 29–42 Ursula Pfistermeister: Wehrhaftes Franken – Band 3: Burgen, Kirchenburgen, Stadtmauern um Bamberg, Bayreuth und Coburg. Fachverlag Hans Carl GmbH, Nürnberg 2002, ISBN 3-418-00387-7, S. 131 Gustav Voit, Brigitte Kaulich, Walter Rüfer: Vom Land im Gebirg zur Fränkischen Schweiz – Eine Landschaft wird entdeckt. (Schriftenreihe des Fränkische-Schweiz-Vereins, Band 8) Verlag Palm und Enke, Erlangen 1992, ISBN 3-7896-0511-5, S. 167–171 Gustav Voit, Walter Rüfer: Eine Burgenreise durch die Fränkische Schweiz. Palm und Enke Verlag, Erlangen 1984, ISBN 3-7896-0064-4, S. 231–234 Joachim Zeune: Burgruine Wildenfels. In: Rainer Hofmann (Bearb.): Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland, Band 20: Fränkische Schweiz. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1990, ISBN 3-8062-0586-8, S. 223
Weblinks
Burgen und Herrensitze in der Nürnberger Landschaft Burgruine Wildenfels auf der Seite Burgen und Herrensitze in der Nürnberger Landschaft Burgruine Wildenfels auf der Seite Burgenwelt
Einzelnachweise
Wildenfels, Burgruine Wildenfels, Burgruine Kategorie:Baudenkmal in Simmelsdorf Kategorie:Bodendenkmal in Simmelsdorf Kategorie:Fränkische Schweiz Kategorie:Bauwerk in Simmelsdorf Wildenfels Kategorie:Ersterwähnung 1323