mini|hochkant|Stolpersteine in Miltenberg Die Liste der Stolpersteine in Miltenberg beschreibt besondere Pflastersteine in Gehwegen, die an die Opfer der nationalsozialistischen Diktatur in der Stadt Miltenberg in Unterfranken, Bayern, erinnern sollen. Die Stolpersteine wurden vom Künstler Gunter Demnig konzipiert und werden von ihm in fast ganz Europa verlegt.
Verlegte Stolpersteine In Miltenberg wurden bis Ende 2020 insgesamt 44 Stolpersteine an siebzehn Adressen verlegt.
Die Tabelle ist teilweise sortierbar; die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach dem Familiennamen des Opfers. Stolperstein Inschrift Verlegeort Name, Leben120px HIER WOHNTECLEMENTINEBÖTTIGHEIMERJG. 1875DEPORTIERT 1942THERESIENSTADTERMORDET INTREBLINKA Hauptstraße 89 wurde am 2. November 1875 in Miltenberg geboren. Sie musste ihre Heimatstadt verlassen und fand Zuflucht im Krankenhaus der Israelitischen Gemeinde in Frankfurt am Main, welches sich in der Gagernstraße 36 befand. Am 18. August 1942 wurde sie mit dem siebenten Deportationszug aus Frankfurt am Main in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Am 23. September 1942 wurde sie in das Vernichtungslager Treblinka überstellt und noch am selben Tag in einer Gaskammer ermordet. Ihre Transportnummer war Bq-1366.Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken e. V.: Böttigheimer, Clementine, abgerufen am 13. Dezember 2020120px HIER WOHNTEFLORADAHLHEIMER GEB. KAHNJG. 1897DEPORTIERT 1941ŁODZ / LITZMANNSTADTERMORDET SEPT. 1942CHELMNO / KULMHOF Hauptstraße 68 geb. Kahn wurde am 11. August 1897 in Schotten geboren. Ihr Vater war der Kaufmann Lion Kahn (geboren 1867) und Lina geb. Stein .Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken e. V.: Kahn, Lion, abgerufen am 10. April 2021 Am 30. November 1925 heiratete sie in Schotten Wolfgang Dahlheimer (geboren 1889 in Miltenberg). Das Paar hatte einen Sohn, Martin (geboren 1931 in Miltenberg). Die Familie wurde verhaftet und deportiert. Flora Dahlheimer wurde im September 1942 im Vernichtungslager Kulmhof ermordet.Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken: Dahlheimer, Flora geb. Kahn, abgerufen am 13. Dezember 2020
Ihr Ehemann wurde am 3. Dezember 1942 im Ghetto Litzmannstadt ermordet, ihr Sohn wurde in der zweiten Jahreshälfte 1944 in Kulmhof ermordet. Ihr Vater wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert und konnte überleben, er wanderte 1946 in die USA, New York, aus.Terezin Memorial: LION KAHN, abgerufen am 16. Februar 2021Nachkriegszeitkartei, abgerufen am 16. Februar 2021 120px HIER WOHNTELEOPOLDDAHLHEIMER JG. 1885DEPORTIERT 1941ŁODZ / LITZMANNSTADTERMORDET 12.3.1942 Hauptstraße 68 wurde am 21. Juni 1885 in Miltenberg geboren. Seine Eltern waren Israel Dahlheimer (1850–1933) und Clara geb. Cohn (1853–1933). Er hatte drei ältere Schwestern, Johanna (geboren 1881), Frieda (geboren 1882) und Berta (geboren 1884), sowie einen jüngeren Bruder, Wolfgang (geboren 1889).Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken: Jüdische Gemeinde von Miltenberg, S. 110, abgerufen am 10. April 2021 Er war Kaufmann und führte ein Geschäft für Öle, Fette und Seife. Am 13. August 1922 heiratete er in Aschaffenburg Rosa Solinger. Am 14. Dezember 1925 wurde die Ehe vom Landgericht Aschaffenburg für nichtig erklärt. Am 18. Juli 1939 zog er nach Frankfurt am Main. Etwas mehr als zwei Jahre später, am 20. Oktober 1941 wurde er in das Ghetto Litzmannstadt verschleppt. Leopold Dahlheimer verlor dort am 12. März 1942 sein Leben.
Alle Geschwister wurden ebenso vom NS-Regime ermordet – Johanna in Auschwitz, Berta und Wolfgang ebenfalls in Litzmannstadt und Frieda verlor ihr Leben wahrscheinlich in Minsk. 120px HIER WOHNTEMARTINDAHLHEIMER JG. 1931DEPORTIERT 1941ŁODZ / LITZMANNSTADTERMORDET 1944CHELMNO / KULMHOF Hauptstraße 68 wurde am 12. Mai 1931 in Miltenberg geboren. Seine Eltern waren Wolfgang Dahlheimer und Flora geb. Kahn. Er war ein Einzelkind. Sein Vater führte ein Geschäft für Fette, Öle und Seifen, die vor Ort und ambulant verkauft wurden. Am 17. Juli 1939 übersiedelte die Familie nach Frankfurt am Main. Sie bezogen Quartier in der Güntersburgallee 29/II. Die geplante Flucht in die Vereinigten Staaten scheiterte, obwohl bereits Schiffsplätze reserviert waren. Am 19. Oktober 1941, im Zuge der ersten Deportation aus Frankfurt/Main, wurden Martin Dahlheimer und seine Eltern in das Ghetto Litzmannstadt (Łódź) verschleppt. Seine Mutter wurde im September 1942 im Vernichtungslager Kulmhof, sein Vater am 3. Dezember 1942 in Litzmannstadt ermordet. Eineinhalb Jahre später, am 29. Juni 1944 wurde auch Martin Dahlheimer im Vernichtungslager Kulmhof vom NS-Regime ermordet.Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken: Dahlheimer, Martin, mit einer Porträtfotografie im Alter von viereinhalb Jahren, abgerufen am 4. November 2020120px HIER WOHNTEROSADAHLHEIMER GEB. SOLINGERJG. 1895PATIENTIN IN MICHELFELDTAUBSTUMMENANSTALT'VERLEGT' 20.9.1940HARTHEIMERMORDET 20.9.1940'AKTION T4' Hauptstraße 68 geb. Solinger wurde am 8. Juni 1895 in Aschaffenburg geboren. 1911 wohnte sie drei Monate lang in Weinheim und war dort als Lehrmädchen tätig. Am 13. August 1922 heiratete sie in Aschaffenburg Leopold Dahlheimer. Trauzeugen waren der Kommissionär Siegmund Schafheimer und der Metzgermeister Isidor Strauß. Nach der Hochzeit wohnte sie eine Zeit lang in Miltenberg. Am 14. Dezember 1925 wurde die Ehe vom Landgericht Aschaffenburg für nichtig erklärt. In der Folge war sie in der Taubstummenanstalt Michelfeld untergebracht. Von 14. bis 20. September 1940 ist ein Aufenthalt in der Heil- und Pflegeanstalt Eglfing (Haar) verzeichnet. Am 20. September 1940 wurde sie in die Tötungsanstalt Hartheim „verlegt“ und noch am selben Tag dort ermordet.Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken: Dahlheimer, Rosa geb. Solinger, abgerufen am 14. Januar 2021
Ihr Ex-Ehemann wurde 1942 in Łódź ermordet.120px HIER WOHNTEWOLFGANGDAHLHEIMER JG. 1889DEPORTIERT 1941ŁODZ / LITZMANNSTADTERMORDET 3.12.1942 Hauptstraße 68 wurde am 22. November 1889 in Miltenberg geboren. Seine Eltern waren Israel Dahlheimer (1850–1933) und Clara geb. Cohn (1853–1933). Er hatte einen Bruder, Leopold, geboren 1885, und drei Schwestern, Johanna, Frieda und Berta.Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken: Dahlheimer, Leopold Leo, mit einer Porträtfotografie, abgerufen am 22. Dezember 2020 Die Familie Dahlheimer besaß ein Geschäft für Fette, Öle und Seifen, die vor Ort und ambulant verkauft wurden. Am 30. November 1925 heiratete er in Schotten Flora Kahn. Das Paar hatte einen Sohn, Martin, geboren 1931 in Miltenberg. Wolfgang Dahlheimer war von 1926 bis 1933 Kassier und von 1934 bis 1939 Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde Miltenberg. Am 17. Juli 1939 übersiedelte die Familie verfolgungsbedingt nach Frankfurt am Main. Sie bezogen Quartier in der Güntersburgallee 29/II. Die geplante Flucht in die Vereinigten Staaten scheiterte, obwohl bereits die Schiffsplätze reserviert waren. Am 19. Oktober 1941, im Zuge der ersten Deportation aus Frankfurt/Main, wurden Wolfgang Dahlheimer und seine Angehörigen in das Ghetto Litzmannstadt (Łódź) verschleppt. Dort verlor Wolfgang Dahlheimer am 3. Dezember 1942 ermordet.
Frau und Sohn wurden vom NS-Regime im Vernichtungslager Kulmhof (Chelmno) ermordet. Sein Bruder Leopold wurde 1942 ebenfalls in Łódź ermordet, dessen frühere Ehefrau, Rosa geb. Solinger, wurde am 20. September 1940 in der Tötungsanstalt Hartheim ermordet. Eine seiner Schwestern, Johanna Falkenstein, wurde in München verhaftet, deportiert und am 13. März 1943 in Auschwitz ermordet. Eine weitere Schwester, Frieda Stargardter, wurde gemeinsam mit ihrem Ehemann Adolf von Frankfurt/Main in das Ghetto Minsk verschleppt und wahrscheinlich dort ermordet. Ebenfalls in Łódź ermordet wurden eine weitere Schwester, Berta Heymann, und deren Ehemann Lyon.Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken: Dahlheimer, Wolfgang, mit einer Porträtfotografie, abgerufen am 4. November 2020120px HIER WOHNTERUDOLF FALKJG. 1919DEPORTIERT 1942GHETTO WARSCHAUERMORDET Hauptstraße 138 wurde am 20. November 1919 geboren. Er war körperlich behindert. Seine Eltern waren der Kaufmann Karl Falk und Johanna geb. Hirsch. Er hatte eine Schwester, Edith, geboren 1911. Der Vater führte eine Zigarrenhandlung und daneben eine Reiseagentur für die Schifffahrtslinie Lloyd. Die Mutter verstarb bereits am 29. August 1923 und wurde am Jüdischen Friedhof von Miltenberg bestattet. Sein Vater heiratete ein zweites Mal. Aus dieser Ehe stammten zwei Halbgeschwister, Lothar und Johanna. Als einziger seiner Familie erhielt Rudolf Falk wegen seiner Behinderung kein Visum für die USA. Er wurde deportiert und ermordet. Im Gedenkbuch des Bundesarchivs ist vermerkt, er sei von Beelitz über Magdeburg, Berlin und Potsdam – am 14. April 1942 – in das Warschauer Ghetto deportiert worden. In mehreren Quellen wird auch das SS-Ausbildungs- und Arbeitslager Trawniki als Deportationsort genannt. Rudolf Falk wurde an einem unbekannten Ort zu einem unbekannten Zeitpunkt vom NS-Regime ermordet.Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken: Falk, Edith, abgerufen am 11. April 2021
Vater, Geschwister und Stiefmutter konnten im Januar 1936 mit der MS Columbus in die Vereinigten Staaten emigrieren und dort die Shoah überleben.120px HIER WOHNTEELIAS FRIEDJG. 1875DEPORTIERT 1942KRASNICZYNERMORDET Hauptstraße 89 wurde am 24. Mai 1875 in Espa geboren. Er war Kaufmann und verheiratet mit Emilie geb. Levi aus Ahrweiler. Das Ehepaar wurde am 25. April 1942 von Würzburg aus nach Krasnystaw deportiert. Elias Fried und seine Frau wurden im Raum Lublin ermordet.Jüdisches Unterfranken: Elias Fried, abgerufen am 13. April 2021120px HIER WOHNTEEMILIE FRIEDGEB. LEVIJG. 1878DEPORTIERT 1942KRASNICZYNERMORDET Hauptstraße 89 , geborene Levi, wurde am 27. Dezember 1878 in Ahrweiler geboren. Sie war verheiratet mit dem Kaufmann Elias Fried aus Espa. Das Ehepaar wurde am 25. April 1942 von Würzburg aus nach Krasnystaw deportiert. Emilie Fried und ihr Mann wurden im Raum Lublin ermordet.Jüdisches Unterfranken: Emilie Fried, abgerufen am 13. April 2021120px HIER WOHNTEHERMANN FROMMJG. 1878DEPORTIERT 1942IZBICAERMORDET Hauptstraße 113 wurde am 10. Oktober 1878 in Großlangheim geboren. 1910 zog er nach Miltenberg und eröffnete ein Geschäft für Woll- und Weißwaren in der Hauptstraße 246 (heute 113). 1911 verkaufte er ein Haus in Mönchberg an Pius Eilbacher, der dort eine Gemischtwarenhandlung einrichtete. Fromm heiratete Friederike Rice Löb. Das Ehepaar hatte zwei Kinder, Max und Erna Babette. Verfolgungsbedingt übersiedelte das Ehepaar am 28. August 1940 nach Frankfurt am Main, wo sie am Bäckerweg 9 Unterkunft fanden. Es handelte sich um eine Sammelunterkunft für Juden, die dem Verfolgungsdruck in Dörfern und Kleinstädten entgehen wollten. Hermann Fromm wurde im Mai 1942 in das Ghetto Izbica deportiert. Er hat die Shoah nicht überlebt. Im Rahmen der amtlichen Toterklärung wurde sein Todesdatum mit 8. Mai 1945 festgesetzt, dem Tag des Inkrafttretens der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands.