Willy Günther (* 4. November 1937 in Wachstedt; † 7. Februar 2023 in Dambeck) war ein deutscher Maler und Grafiker.
Leben und Werk Günther kam aus einer Eichsfelder Zigarrenmacher-Familie. Er besuchte von 1956 bis 1959 die Arbeiter- und Bauernfakultät für Bildende Künste an der Hochschule für Bildenden Künste Dresden (HfBK). Danach arbeitete er vorübergehend im Mitteldeutschen Industrieofenbau Hainichen. Von 1960 bis 1965 studiert Günther Freie Graphik und Malerei an der HfBK. Sein Diplom machte er bei Hans Theo Richter. Von 1965 bis 1967 war er als freier Künstler in Herrnhut tätig, von 1967 bis 1969 arbeitete er als Fachmethodiker im Pionier- und Kulturhaus Spremberg und von 1969 bis 1972 in Dresden wieder als freischaffender Künstler. Dann zog er nach Drispeth, wo er zur Künstlerkolonie Drispeth gerechnet wurde.Willy Günther: Der ewig Malende, auf kultur-mv.deGünther, Willy, auf insularugia.de
Er arbeitete in Ateliers in Drispeth und Freiberg. Er erhielt u. a. Aufträge von volkseigenen Betrieben über Grafiken, Bilder und die Gestaltung großflächiger Werke. Neben seiner künstlerischen Arbeit leitete er Malzirkel in Neustadt-Glewe, 1969 in Löbau und 1975 bis 1982 im VEB Schweinezucht Bad Kleinen-Losten.
Günther war bis 1990 Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR. Er nahm unter anderem 1973 an Pleinairs in Gager, 1973 in Juliusruh und in den 70er Jahren auf Mönchgut teil. Günthers bevorzugte Technik war in den letzten 40 Jahren die Gouache. Er reiste regelmäßig und hatte auch Ausstellungen und -Beteiligungen in Polen, Tschechien, Bulgarien, Rumänien.Maximilian Keller: Sophienedition. Sylvia Hagen und Willy Günther. In: Die Welt, Berlin, 2. Dezember 2005 1989 erhielt er den Fritz-Reuter-Kulturpreis.
Wegen seiner Kontakte zu kritischen Künstlern in Drispeth und seiner unkonventionellen Lebensweise geriet er in das Visier der Staatssicherheit. Sie schrieb 1981 in einem Bericht über ihn: „...muß eingeschätzt werden, daß er ein sehr potenter Maler und Grafiker ist“. Seine fordernde, impulsive Art machte den Umgang mit ihm nicht immer leicht.
Günther hatte sechs Kinder.
Werke Günthers befinden sich u. a. im Kupferstichkabinett Dresden, in den Brandenburgische Kunstsammlungen Cottbus, im Staatlichen Museum Schwerin und im Historischen Museum Hanau Schloss Philippsruhe.
Rezeption „Die Farbe ist sein Markenzeichen. Hier ein kräftiges Blau oder ein sattes Grün, dort harmonieren ein leuchtendes Rot und ein dichtes Gelb. Expressiv kombiniert und auf Papier gebracht. Mal als Akt oder Porträt, mal als Menschengruppe oder Landschaft. Der Maler Willy Günther schafft es mit seinen Gouachen, dass die Blicke der Betrachter nicht an ihnen vorbeikommen. In der Tradition der Expressionisten hat Günther seine eigene Farb- und Formgebung entwickelt. Eine bestechende Handschrift, die von der existentiellen Notwendigkeit ästhetischen Schaffens Zeugnis ablegt.“
„Seine konsequente Bearbeitung klassischer Themen der Malerei – mit dem Menschen und der Landschaft im Zentrum – orientierte sich an den Avantgarden der Moderne und kam damit in der DDR einem politischen Statement gleich.“
Werkbeispiele
Tafelbilder Der Mensch auf dem Lande (1980/1981; Folge von Gouachen; u. a. Facharbeiterin und Schweinezuchtanlage L.; auf der IX. Kunstausstellung der DDR) Kopf (1984; Gouache)
Traum der Gedanken (1985; Gouache; 74 × 51 cm, auf der X. Kunstausstellung der DDR) Gedanken zur Landschaft (1986; mittleres Blatt einer dreiteiligen Arbeit; Gouache; 64 × 86 cm, auf der X. Kunstausstellung der DDR)
Urlaub (2010; Gouache)Kunstausstellung Kühl: Willy Günther, Schüler von Hans Theo Richter, HfBK Dresden (kunstausstellung-kuehl.de) Wandertour (2013; Gouache)
Druckgrafik
Oberlausitzer Episode (1969; Kaltnadelradierung)
Ausstellungen (unvollständig)
Einzelausstellungen 1972 Dresden, Galerie Kunst der Zeit 1974 und 1994/1995 Dresden, Leonhardi-Museum 1975 Wismar, Schabbelhaus 1978 Neustrelitz, Museum der Stadt Neustrelitz 1979 Berlin, Galerie Arkade 1980 Karl-Marx-Stadt, Pablo-Neruda-Club 1981 Schwerin, Galerie am Dom 1982 Dresden, Galerie Nord 1983/84 Poel, Museum Poel 1984 Gadebusch, Galerie Gadebusch 1985 Berlin, Galerie Mitte 1987 Schwerin, Galerie am Pfaffenteich 1988 Erfurt, Predigerkloster, Kunstdienst der evangelischen Kirche (Farbige Blätter) 1990 Chemnitz, Galerie Oben 1990 Schwerin, Galerie am Dom 1992 Hanau, Galerie 88 1993 Lübstorf, Schloss Wiligrad 2005 Berlin, Galerie Sophienedition (mit Sylvia Hagen) 2015 Ludwigslust, Gelber Salon 2020 Schwerin, Kunstverein Schwerin und Finanzministerium Mecklenburg-Vorpommern 2020 Sellin, Galerie Hartwich
Teilnahme an zentralen und wichtigen regionalen Ausstellungen in der DDR
1974: Dresden, Bezirkskunstausstellung 1974: Berlin, Altes Museum („25 Jahre Graphik in der DDR. 1949-1974“) 1979 und 1985: Schwerin, Bezirkskunstausstellungen 1980: Leipzig, Galerie am Sachsenplatz („Gouachen und Temperablätter von Künstlern der DDR“) 1982/1983 und 1987/1988. Dresden, IX. und X. Kunstausstellung der DDR 1985: Erfurt, IGA-Gelände („Künstler im Bündnis. Kunstausstellung aus Anlass des 40. Jahrestags der Bodenreform“) 1985/1986: Cottbus, Staatliche Kunstsammlungen („Zeichnungen in der Kunst der DDR. 1974- 1984“)
Literatur
Saur. Allgemeines Künstlerlexikon. Band 64, 2009, S. 413/414
Günther, Willy. In: Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin, 2010, S. 297
Weblinks
Willy Günther bei kunstausstellung-kuehl.de Willy Günther: Der ewige Maler
Einzelnachweise
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