mini|Nicolau Pereira de Campos Vergueiro – Lithographie von Sébastien Auguste Sisson, 1861 Senator Vergueiro, geboren als Nicolau Pereira de Campos Vergueiro, (* 20. Dezember 1778 in Vale da Porca, Portugal; † 17. September 1859 in Rio de Janeiro) war ein portugiesischstämmiger Kaffeeproduzent, Importeur von Sklaven und einflussreicher Politiker im Kaiserreich Brasilien. Er leistete Pionierarbeit bei der Kolonisierung des Hinterlandes der Provinz São Paulo und der Einführung der freien Lohnarbeit im Land, indem er die ersten europäischen Einwanderer zur Arbeit auf die Ibicaba-Plantage brachte, die ihm gehörte. Dafür hatte er eigens einen Arbeitsvertrag ausgearbeitet, den sogenannten Halbpachtvertrag.

Biografie Der Vater von Nicolau Pereira de Campos Vergueiro war Luiz Bernardo Pereira Vergueiro und seine Mutter Clara Maria Borges Campos. Er studierte Rechtswissenschaften an der Universität Coimbra, Portugal, das er 1801 abschloss. Mit 25 Jahren zog er in die portugiesische Kolonie Brasilien und stieg schnell in die wichtigsten politischen und wirtschaftlichen Bereiche der Provinz São Paulo ein. Am 2. August 1804 heiratete er in der Kathedrale in São Paulo Maria Angêlica de Vasconcellos, Tochter des Hauptmanns José de Andrade e Vasconcellos. Sie war Anwältin im Forum von São Paulo, eine Position, die sie bis 1815 innehatte. Von 1816 bis 1825 wohnte die Familie in Piracicaba. Vergueiro ließ erste Verkehrswege anlegen, um die Kommunikation zwischen den sich entwickelnden Siedlungen zu verbessern.

Aus dieser Ehe gingen zehn Kinder hervor:

Alle Söhne und Töchter heirateten und gründeten eigene Familien. Sein Sohn Luís studierte in Göttingen Jura und heiratete Balbina da Silva, die Tochter des Barons von Antonina. Angélica Joaquina heiratete Joaquim Pereira de Faro, Baron von Rio Bonito. José machte eine kaufmännische Ausbildung, durchlief die Militärschule im Königreich Preußen und war Gardeleutnant im preußischen Heer. Er heiratete María Umbelina Gavião Peixoto; ihr Vater war Brigadier Bernardo de J. P. Gavião Peixoto. Schon früh begann Vergueiro, seine Söhne als Leiter einzelner Betriebe zu beschäftigen. José leitete das Handelshaus in Santos und ab 1846 die Gesellschaft Vergueiro & Cie. Der Senator behielt aber die Oberleitung unter seiner Kontrolle. Antônia Eufrosina heiratete Francisco Antônio de Souza Queiroz, Baron von Souza Queiroz.

Politische Karriere mini|Domenico Failutti: Porträt von Nicolau Pereira de Campos Vergueiro, Senator des Kaiserreichs, Sammlung des Museu Paulista der Universität São Paulo Im Jahr 1807 erwarb Vergueiro in Partnerschaft mit seinem Schwiegervater ein zu urbarisierendes Landstück der Krone (sesmaria)Aus der Besiedlung der Atlantikinseln kannten die Portugiesen bereits ein System, das sich für die Kolonisierung bewährt hatte: das System der donatorias, lehnsrechtliche Schenkungen an Mitglieder meist des niederen Adels. Diese hatten für die ihnen übertragenen Ländereien fortan die Verantwortung zu tragen. Diese Schenkungen werden wegen des anfangs meist militärischen Personals oft capitanias genannt. Sie bildeten die Keimzelle der allmählichen Besiedlung des Landes. Vorangetrieben wurde die Besiedlung durch neue Einwanderer, die von den Lehensherren einzelne Parzellen, sogenannte seismarias zur landwirtschaftlichen Nutzung übernahmen.Kersten Knipp: Das ewige Versprechen. Eine Kulturgeschichte Brasiliens. Berlin: Suhrkamp, 2013, S. 33, ISBN 978-3-518-46448-9. in Piracicaba, wo er die Zuckermühle Limoeiro gründete. Erster Verwalter dieser Zuckermühle war sein Bruder João Manuel Vergueiro. Sieben Jahre später erwarb er in Partnerschaft mit seinem Schwiegervater eine neue Urbarisierungsfläche. Monjolinho lag in den Feldern von Araraquara und war für die Viehzucht bestimmt. Einige Zeit später wurde er alleiniger Besitzer beider Ländereien.

Im Jahr 1813 wurde er zum Stadtrat von São Paulo ernannt. Er war Richter der Kolonisierungsbehörde (sesmarias) bis 1816, als er nach Piracicaba zog und in Partnerschaft mit dem Brigadier Luís Antônio de Sousa Ländereien in der Region von Rio Claro erwarb. Im Jahr 1821, am Vorabend der Unabhängigkeit Brasiliens, wurde er Mitglied der provisorischen Regierung der Provinz São Paulo. Er hatte weitere Positionen in den Provinzen São Paulo und Minas Gerais inne. Als Vertreter der Provinz São Paulo nahm er zusammen mit den Brüdern Antônio Carlos Ribeiro de Andrada und José Bonifácio de Andrada e Silva sowie Martim Francisco Ribeiro de Andrada an der verfassungsgebenden Versammlung von 1823 teil.

Er war Senator und trat nach der Abdankung von Dom Pedro I. in die provisorische Regentschaft von Trina (1831) ein, die während der Minderjährigkeit von Dom Pedro II. den Agrarexportsektor repräsentierte. Am 13. September 1832 trat er dem Kabinett bei und übernahm das Ressort der Geschäfte des Kaiserreichs (bis zum 23. Mai 1833), des Schatzamtes (bis zum 14. Dezember 1832) und der Justiz (1847–1848).

Er war zehn aufeinanderfolgende Amtszeiten lang Senator. Als Parlamentarier vertrat er stets liberale und gegen die Sklaverei gerichtete Positionen. In den 1840er und 1850er Jahren leistete er Pionierarbeit bei der Einführung europäischer Einwanderer auf seinen Kaffeeplantagen in Limeira und auf der Fazenda Angélica, die nach Vergueiros Frau benannt wurde. Zudem spielte er eine wichtige Rolle bei der Urbanisierung und der Erschließung der Region von Piracicaba und Limeira. So gilt er als einer der Gründer von Limeira und Politiker, der sich für den Ausbau einer befahrbaren Verbindungsstraße via Campinas und São Paulo einsetzte.

Senator Vergueiro verstarb am 17. September 1859 in Rio de Janeiro. Sein Leichnam wurde auf dem Friedhof São João Batista in Rio de Janeiro beigesetzt.

Ämter Senator Vergueiro nahm unter anderem folgende Ämter und Funktionen wahr:

Ehrungen 1841 ― Großes Verdienstkreuz des Kaiserreichs Brasilien (Grã-cruz da Imperial Ordem do Cruzeiro) 1846 ― Gentil homem da Casa Imperial

Nach ihm wurden Straßen in verschiedenen brasilianischen Städten benannt. So erinnern Straßen und Avenidas in den Metropolen von São Paulo (in den Quartieren Santo André, Santo Amaro, São Caetano do Sul), Belo Horizonte und der ehemaligen Hauptstadt Rio de Janeiro an den Senator Vergueiro; aber auch auf dem Land im Bundesstaat São Paulo, erinnern beispielsweise in Limeira und Sorocaba Straßen an ihn. In Sorocaba erinnert zudem eine Straße an seinen Enkel gleichen Namens: Nicolau Pereira Campos Vergueiro.

Nachfolgende Generationen Sein Sohn, Nicolau José de Campos Vergueiro, erhielt 1879 vom Kaiser Dom Pedro II. den Titel eines Barons und 1881 den eines Vicomte Vergueiro.

Sein gleichnamiger Enkel, Nicolau Pereira Campos Vergueiro, Sohn von Luiz Pereira de Campos Vergueiro, verfolgte keine politische Karriere. Im Alter von zehn Jahren zog er mit zwei Brüdern nach Deutschland. Er studierte Medizin an der Universität Berlin und schloss sein Studium 1874 ab, spezialisierte sich in Chirurgie und Gynäkologie. Im Alter von 26 Jahren kehrte er nach Brasilien zurück. In Rio de Janeiro schrieb er eine Doktorarbeit über Operationen der Kehlkopf-Polypen (Das Operações dos Pólipos Laringeanos). Er praktizierte zwischen São Paulo und Rio de Janeiro, bis er 1881 nach Österreich ging. Im folgenden Jahr wurde sein Sohn Luis Pereira de Campos Vergueiro geboren, der erkrankte und seine Familie dazu veranlasste, auf der Suche nach einem geeigneten Klima für seine Genesung nach Brasilien zurückzukehren. In Sorocaba gründete er eine Klinik für Rekonvaleszente. Diese Klinik war die erste ihrer Art im Inneren der Provinz São Paulo. Außerdem legte er einen Weinberg an und kultivierte Wein.

Geschäftliche Aktivitäten Handel Nicolau Pereira de Campos Vergueiro betrieb verschiedene Geschäfte. Der Handel war sein wichtigstes Geschäft. Seine wirtschaftliche Aktivität als Plantagen-Pflanzer trat ihr gegenüber in den Hintergrund. Mit seinem Handelshaus in Santos betrieb er seit etwa 1820 Großhandel mit Zucker, Sklaven und Kaffee. Sein Handelsunternehmen verfügte sogar über eigene Schiffe. Er war der einzige comissário, der den Kaffee direkt nach Europa exportierte und direkt aus Afrika Sklaven importierte, um sie an Plantagenbesitzer zu verkaufen. Auch in Rio de Janeiro betrieb er mit seinem Partner Faro ein comissário-Geschäft. Dank dieses einträglichen Handels stieg Vergueiro zum finanzstärksten Händler in Santos auf. Eine zentrale Funktion des comissário bestand darin, Großkredite zu gewähren, eine Aufgabe, welcher das noch schwach ausgebaute Bankenwesen im brasilianischen Kaiserreich nicht gewachsen war. Dank seiner umfassenden Stellung als Kaffeeaufkäufer und -exporteur, Waren- und Sklavenimporteur und Kreditgeber für die Plantagenbesitzer hatte Vergeiros Stimme unter den Plantagenbesitzern Gewicht.

Kolonisation Bis 1850 erhob die brasilianische Krone Anspruch auf allen Boden Brasiliens als ihr zustehendes Eigentum. Die Abgabe von Land an Private erfolgte vor der Unabhängigkeit nur in der Form von weitflächigen Lehen, als sesmarias. Mit der Verleihung war die Pflicht verbunden, das verliehene Land zu bestellen. Nach der Ablösung von Portugal begann die Krone allerdings damit, die sesmarias gegen Entgelt zu verleihen. Bald wurde es üblich, sesmarias unter Privaten zu handeln. Die Bestellungspflicht für die sesmarias wurde nie durchgesetzt. Deshalb gab es in ganz Brasilien weite Landstriche, die zwar verliehen, aber vom sesmeiro, dem Lehensempfänger, nicht bestellt wurden. Das hatte zur Folge, dass sich Besetzer, so genannte Posseiros, widerrechtlich in solchen Landstrichen ansiedelten und gewissermaßen die Bestellungspflicht wahrnahmen, indem sie auf einem kleinen Stück Land das für ihren unmittelbaren Lebensunterhalt Notwendige anbauten.

Die unternehmungsfreudigen Kaffeebarone bewirkten Gesetze, die eine Konkurrenz der Einwanderer, aber auch der freien brasilianischen Arbeitskräfte zur Kaffeekultur wirksam verhinderten. So regulierte die Lei de Terra (Landvergabegesetz) von 1850 zum ersten Mal in Brasilien den Erwerb von Ländereien und beendete den Erwerb durch Verleihungen (sesmaria) oder Inbesitznahme (posse) von Land. Ab 1854 war der Kauf dann die einzige Möglichkeit, zu Land zu kommen. Hinter diesem Landgesetz verbirgt sich die Kolonisierungstheorie von Edward Gibbon Wakefield, wonach es unmöglich wäre, in einer Region, wo der Landerwerb einfach wäre, Arbeiter für die Plantagen zu bekommen, es sei denn, sie würden durch Sklaverei gezwungen. Die einzige Möglichkeit zur Rekrutierung von freien Arbeitern schien Wakefield die Schaffung von Hindernissen für den Erwerb von Landbesitz. Könnte der freie Arbeiter kein eigenes Land bekommen, würde er laut Wakefield notgedrungen in den Plantagen arbeiten. Für den Kauf von Land und für dessen Bestellung war aber viel Kapital nötig, das weder dem Siedler noch dem freien brasilianische Arbeiter zur Verfügung stand. Deshalb war das eine Art kapitalistischer Diskriminierung.

Die Ausweitung der Kaffeeplantagen in der Provinz São Paulo und der ansteigende Mangel an Arbeitskräften fiel zusammen mit den immer drängenderen Forderungen der britischen Regierung an Brasilien, dem Verbot des Sklavenhandels zuzustimmen und es vor allem durchzusetzen. Der Aberdeen Act von 1831 prägte den Sklavenhandel zwar als illegalen Akt. Bis etwa 1840 änderte sich aber an der Anzahl importierter Sklaven aus Afrika wenig. Von 1840 an nahmen die Importe sogar zu. Mit dem Verbot von 1850 sackte der Handel dann zusammen und trieb den Preis für Sklaven in die Höhe.