mini|Sitz der German Property Group in Langenhagen (2020) Die German Property Group GmbH war eine in der Immobilienbranche tätige Unternehmensgruppe mit Sitz in Langenhagen, die 2020 insolvent wurde. Sie wurde im Jahr 2008 gegründet und trat anfangs unter den Firmennamen Dolphin Capital und Dolphin Trust auf. Zu der Firmengruppe gehört ein Geflecht aus mehr als 200 Gesellschaften, die teilweise generische Namen wie „Dolphin Capital 128. Projekt GmbH & Co. KG“ trugen.
Unternehmen Die German Property Group war eine Immobilien-Investmentgesellschaft, die 2008 aus einem Zusammenschluss von mehreren Firmen hervorging. Bei der Gründung durch den Deutsch-Briten Charles Smethurst, der Geschäftsführer war, hatte sie ihren Sitz im Stadtteil List in Hannover und firmierte unter Dolphin Capital. Im Jahr 2014 erfolgte eine Umbenennung in Dolphin Trust und 2019 in German Property Group. 2013 verlegte das Unternehmen seinen Sitz nach Langenhagen, wo es 40 Mitarbeiter im Jahr 2017 beschäftigte. Zu dem Zeitpunkt verfügte es über weitere Büros in Berlin, London und Singapur. in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 7. Juli 2017 2020 wurde der Sitz vorübergehend nach Bremen verlegt.
Das Unternehmen war spezialisiert auf historische Gebäude in Deutschland. Es erwarb rund 60 bis 100 denkmalgeschützte Objekte meist von Gemeinden, um sie unter Berücksichtigung ihres historischen Charakters zu sanieren und an private Käufer als Wohnraum weiter zu verkaufen.Prof. Hölzle zum vorläufigen Insolvenzverwalter der German Property Group bestellt bei Insolvenzportal vom 27. Juli 2020 Für den Ankauf warb die German Property Group im Ausland um private Anleger. Diesen wurden Investitionen in Grundstücke mit Gebäuden in Deutschland in Verbindung mit angeblichen Steuererleichterungen als sichere Anlageform mit überdurchschnittlicher Rendite angepriesen. Das Geld der Anleger sollte über den Wert der Immobilie abgesichert sein, der als beleihungsfähige Grundschuld eingetragen war. Journalistische Recherchen ergaben, dass oft zu hohe Grundschulden eingetragen wurden. So belief sich die für das Grundstück und die Ruine von Schloss Dwasieden eingetragene Grundschuld auf 117 Millionen Euro. 2018 hatte das Unternehmen das Objekt für 18 Millionen Euro erworben. Medienberichten zufolge verfielen viele der erworbenen Objekte und es fanden keine Sanierungen statt. Im Fall der denkmalgeschützten Wohnsiedlung Annastraße in Hanau äußerte Oberbürgermeister Claus Kaminsky, der Stadt sei klar, dass es sich bei Dolphin Capital um einen „unseriösen Spekulanten“ handele.Hat die Finanzaufsicht versagt? bei tagesschau.de vom 22. September 2020
Nach Recherchen von NDR, BR und Süddeutscher Zeitung sollen bei den ausländischen Investoren, vorrangig aus Großbritannien, Irland, Südkorea, Hongkong, Singapur und Malaysia, ungefähr eine Milliarde Euro eingeworben worden sein. Dabei soll es sich um 15.000 bis 25.000 überwiegend Kleinanleger mit Summen ab 10.000 Euro und institutionelle Investoren mit hohen Anlagesummen handeln. Nachdem in den ersten zehn Jahren der Firmenexistenz noch Zinserträge ausgeschüttet wurden, häuften sich ab 2018 Beschwerden der geschädigten Anleger. Vermutlich handelte es sich bei dem Geschäftsmodell um ein klassisches Ponzi-Schema. Dabei wird das Geld der Anleger nicht oder nur zum kleinen Teil investiert. Aus den Einlagen neuer Anleger werden die Zinszahlungen an die bestehenden Anleger geleistet, um das Vertrauen möglichst lange aufrechtzuerhalten. Die mutmaßlichen Betrüger leiten unterdessen die Gewinndifferenz in ihre eigenen Taschen. Sobald nicht mehr genug neue Anleger mit frischem Geld einsteigen, bricht das auf exponentiellem Wachstum beruhende Geschäft zwangsläufig in sich zusammen. Interne Unterlagen legen nahe, dass Anlegergeld in Millionenhöhe in die Modegeschäfte der Ehefrau des Geschäftsführers geflossen sind.
Im März 2021 deuteten Presserecherchen und Angaben des Insolvenzverwalters darauf hin, dass die von der German Property Group bewegte Geldmenge weit höher als bis dahin angenommen war. Die Summe könne statt der anfangs angenommenen einen Milliarde bei drei Milliarden Euro liegen. Es sollen Geldströme in bislang unbekannter Höhe von Irland zu einer Firma des Geschäftsführers der German Property Group auf den Cayman Islands geflossen sein.Nils Naber, Anna Klühspies: Offenbar mehrere Milliarden Euro bewegt bei tagesschau.de vom 12. April 2021
Betriebsprüfung Laut dem Informationsdienst Business Insider habe das zuständige Finanzamt Hannover 2015 eine Betriebsprüfung durchführt. Die Betriebsprüfer stellten fest, dass es sich „offensichtlich um ein Schneeballsystem handele.“ Die Finanzverwaltung habe Ermittlungen zwar erwogen, aber „für nicht zielführend“ gehalten.Marta Orosz: Interner Bericht: Im Fall der German Property Group warnte das Finanzamt bereits 2015 vor einem Schneeballsystem bei Business Insider vom 20. April 2021 Es sei festgestellt worden, dass Unternehmensgelder in Höhe von 1,4 Millionen Euro an die später insolvent gewordene Teleshopping-Firma der Ehefrau des Unternehmensgründers Charles Smethurst geflossen seien. Auch habe es Zahlungsverkehr über 13 Millionen Euro aus der Steueroase der Cayman Islands gegeben. Das Finanzamt Hannover reichte 2017 das Ergebnis der Betriebsprüfung bei der Staatsanwaltschaft Hannover mit der Empfehlung, dem Verdacht der Veruntreuung, des Betruges und der Geldwäsche nachzugehen, ein. Das daraufhin von der Staatsanwaltschaft eingeleitete Ermittlungsverfahren wurde nach einem halben Jahr mangels hinreichendem Tatverdacht eingestellt.Marta Orosz: Interner Bericht: Finanzamt schlug schon 2017 wegen German Property Group Alarm, doch Geschäfte wurden nicht gestoppt bei Business Insider vom 2. Juni 2021
Ermittlungen und Prozess Ende 2019 ging eine erste Strafanzeige gegen den Unternehmensgründer und ehemaligen Geschäftsführer Charles Smethurst ein, gegen den unter anderem wegen Insolvenzverschleppung ermittelt wurde. Die Staatsanwaltschaft Hannover leitete Anfang 2020 Ermittlungen gegen drei Personen im Umfeld der German Property Group wegen des Verdachts des Anlagebetrugs und der Untreue ein. Auch bestand der Verdacht von Bankrotthandlungen. 2021 weiteten sich die Ermittlungen auf sechs Personen aus, bei denen es sich neben dem Hauptbeschuldigten Charles Smethurst um vier ehemalige Geschäftsführer und einen ehemaligen Mitarbeiter handelte.Marta Orosz: German Property Group: Leipziger Wirtschaftsprüfer schreibt positive Gutachten – offenbar ohne Bilanzen zu kennen bei Business Insider vom 27. Mai 2021 Für die Bearbeitung des Falls richtete die Polizeidirektion Hannover die EK Denkmal ein. Laut dem Informationsdienst Business Insider habe sich der ehemalige Geschäftsführer Charles Smethurst im Dezember 2020 durch seine Rechtsanwälte erstmals schriftlich gegenüber der Staatsanwaltschaft Hannover eingelassen. Dabei habe er zugegeben, Anleger getäuscht zu haben. Dies sei nicht vorsätzlich geschehen, da er den Investoren keinen Schaden habe zuzufügen wollen. Ihm und seinen Geschäftspartnern sei bekannt gewesen, dass die in den Grundbüchern der Immobilien eingetragenen Sicherheiten zugunsten der Anleger im Verhältnis zu den Investments wertmäßig zu gering waren. Dies wurde gegenüber den Investoren gegenüber nicht offen gelegt und Smethurst habe gehofft, die Investments unter Einfluss glücklicher Umstände noch zurückführen zu können.Marta Orosz, Kayhan Özgenc: Betrug in Milliardenhöhe: Chef von Immobilienfirma räumt erstmals ein, Anleger getäuscht zu haben bei Business Insider vom 22. Januar 2021
Im März 2021 führten Polizei und Staatsanwaltschaft Hausdurchsuchungen in sechs Wohn- und Geschäftsräumen durch, bei denen Datenträger und Akten sichergestellt wurden. Betroffen waren das Privathaus des ehemaligen Geschäftsführers Charles Smethurst in Niedersachsen sowie drei Büroräume der Red Rock Gruppe in Hannover und Langenhagen. Diese Firmen sollen aus dem Umfeld von Charles Smethurst stammen und ein ähnliches Geschäftsmodell wie das der German Property Group verfolgt haben.Anna Klühspies, Nils Naber: Erste Durchsuchungen im Fall German Property Group bei ndr.de vom 15. März 2021 Im Raum Dresden wurden die Räume eines weiteren ehemaligen Geschäftsführers durchsucht.Anna Klühspies, Nils Naber: Erste Durchsuchungen - nach Monaten bei tagesschau.de vom 15. März 2021
Den geschädigten Anlegern war unverständlich, dass der Gründer der Firmengruppe Charles Smethurst nicht inhaftiert worden ist. Laut der Staatsanwaltschaft Hannover lagen für die Anordnung der Untersuchungshaft nicht genügend Haftgründe vor. Von Fluchtgefahr ging die Staatsanwaltschaft nicht aus, da er sich kooperativ zeigte, über einen festen Wohnsitz verfügte und seinen Reisepass hinterlegt hatte. in Neue Presse vom 30. März 2021 2024 klagte die Staatsanwaltschaft Hannover den früheren Geschäftsführer der German Property Group Charles Smethurst wegen geschäftsmäßigen Betruges in 27 Fällen vor dem Landgericht Hildesheim an.Karl Doeleke: Betrug bei der German Property Group: Ex-Geschäftsführer aus Langenhagen angeklagt in Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 17. Oktober 204 Der Prozess fand 2025 statt. Von den ursprünglich 27 Anklagepunkten wurden nur fünf aufrechterhalten, da Smethurst ein umfassendes Geständnis ankündigt hatte. Zuvor hatten sich die Staatsanwaltschaft und der Angeklagte mit seinen Verteidigern auf einen Strafrahmen verständigt.Skandal um German Property Group: Einigung am ersten Prozesstag bei ndr.de vom 27. Mai 2025 Das Landgericht verurteilt ihn wegen schweren Betrugs in vier Fällen mit einem Schaden von 26 Millionen Euro zu einer Haftstrafe von fast sieben Jahren.Skandal um German Property Group: Ex-Chef muss ins Gefängnis bei ndr.de vom 17. Juni 2025
Insolvenzverfahren Im Juli 2020 meldete die Unternehmensgruppe, die unmittelbar zuvor ihren Sitz nach Bremen verlegt hatte, Insolvenz an. Im Oktober 2020 eröffnete das Amtsgericht Bremen das Insolvenzverfahren. Der vorläufige Insolvenzverwalter stellte bei der gesamten Unternehmensgruppe eine Liquidität von weniger als 200.000 Euro fest.Volker Votsmeier: Anlagebetrug-Ermittlungen: Neue Abgründe im Milliardenskandal mit Immobilien in Handelsblatt vom 17. September 2020 In seinem vorläufigen Gutachten ging er von betrügerischer Absicht aus und stellte fest, dass eine ordnungsgemäße Buchhaltung nicht vorhanden war. Es habe im Unternehmen eine mutmaßlich bewusst verschleierte Mittelverwendung gegeben, da die Investitionen nicht zweckgebunden verwendet wurden. Auch habe es Auszahlungen an Drittunternehmen gegeben, ohne dass Leistungen erbracht wurden.So funktioniert das System der German Property Group in Neue Presse vom 31. März 2021 Aus Sicht des vorläufigen Insolvenzverwalters war der Firmengründer Charles Smethurst während des gesamten Verfahrens um „Verschleierung, Verzögerung und Behinderung der Sachverhaltsaufklärung bemüht.“
Zur Durchführung des Insolvenzverfahrens wurde später ein anderer Rechtsanwalt der Bremer Kanzlei BBL Brockdorff berufen. Im November 2020 setzte das Amtsgericht Bremen einen fünfköpfigen Gläubigerausschuss ein. Das Gericht führte einen Prüfungstermin zu den per Insolvenztabelle angemeldeten Forderungen im Januar 2021 durch.
Über die Gesamtheit der Investitionsmodelle bestand im Dezember 2020 noch keine Übersicht. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young wurde mit der Überprüfung der geschäftlichen Verquickungen beauftragt. Die Wirtschaftsprüfer stellten in einem Zwischenbericht fest, dass möglicherweise „verschiedenste Straftatbestände von Buchführungs- und Bilanzdelikten und Steuerstraftaten über Untreuedelikte bis zu Betrugsstraftaten verwirklicht worden“ seien.Volker Votsmeier: Attacke mit Folgen: Gericht wechselt Insolvenzverwalter für Immobilienfirma aus in Handelsblatt vom 16. Oktober 2020