Oscar Jack Piastri (* 6. April 2001 in Melbourne, Victoria) ist ein australischer Automobilrennfahrer. Er wurde 2020 Meister in der FIA-Formel-3-Meisterschaft und wiederholte diesen Erfolg 2021 in der FIA-Formel-2-Meisterschaft. Nachdem er sich 2022 als Testfahrer für das Alpine F1 Team in der Formel 1 betätigte, geht er seit der Saison 2023 als Teamkollege von Lando Norris für McLaren Racing als Stammfahrer an den Start.

Karriere Kartsport (2011–2015) Piastri begann seine Fahrerkarriere mit zehn Jahren in seiner Heimat Australien im Kartsport. Er war Teil des Oakleigh Go Kart Racing Club in Clayton South, einem Teil der Melbourne City, wo er vom fünfmaligen australischen Kartmeister James Sera speziell gefördert wurde. In den Jahren 2014 und 2015 gewann Piastri seine ersten Titel. Er konnte unter anderem die vereinsinterne OGKRC Championship, zweimal die Stadtmeisterschaft City of Melbourne Titles, die South Australian State Championship und die landesweite National Sprint Classic Champion of Champions allesamt in der Klasse Junior Clubman für sich entscheiden. Im Anschluss verlagerte Piastri seine Aktivitäten schrittweise nach Europa, wo sich mehr Möglichkeiten für die weitere Entwicklung seiner Karriere boten. Sein erstes internationales Rennen war das IAME International Final in Le Mans, was er auf dem dritten Platz in der Klasse X30 Junior beendete. Für Ricky Flynn Motorsport startete er 2016 in der Kart-Weltmeisterschaft und belegte den sechsten Platz in der Kategorie OK-Junior.

Formel 4 (2016–2017) mini|Piastri in der britischen Formel 4, 2017|links

Im Oktober 2016 gab Piastri in der Formel-4-Meisterschaft der Vereinigten Arabischen Emirate sein Debüt im Monopostosport. Er erhielt beim Team Dragon F4 in der Premierensaison 2016/2017 die Möglichkeit, zu drei der sechs Rennwochenenden zu starten. Die besten Ergebnisse waren zwei dritte Plätze. Er belegte am Saisonende den sechsten Platz der Fahrerwertung. 2017 wechselte Piastri in die britische Formel-4-Meisterschaft und wurde Teamkollege von Ayrton Simmons und Alex Quinn bei Arden International. Das Team verfügte in der Saison über eines der schnellsten Fahrzeuge und Piastri setzte sich deutlich gegen seine Teamkollegen durch. Er gewann sechs Rennen und erzielte neun zusätzliche Podiumsplätze. Letztendlich wurde er hinter Jamie Caroline, der durch eine lange Siegesserie am Saisonanfang mit großem Vorsprung Meister wurde, Gesamtzweiter. Zu diesem Zeitpunkt wurde Piastri laut dem damaligen Teamchef Christian Horner als Wunschkandidat für das Nachwuchsprogramm von Red Bull Racing in der Formel 1 gehandelt, eine Verpflichtung kam allerdings nicht zustande.

Formel Renault Eurocup (2018–2019) links|mini|Piastri auf dem Podium nach einem Sieg im Formel Renault Eurocup, 2019

2018 stieg Piastri in den Formel Renault Eurocup auf, der zu dieser Zeit nebst anderen Rennserien eine Stellung ähnlich der Formel 3 innehatte. Er blieb Stammfahrer bei Arden, seine Teamkollegen waren Sami Taoufik sowie die russischen Piloten Nikita Volegov und Aleksandr Vartanyan, die sich ein drittes Fahrzeug teilten. Zwar konnte Piastri nicht um Siege oder Titel mitfahren, beendete aber einen Großteil der Rennen in den Punkten und erreichte als bestes Saisonergebnis drei Podiumsplätze. Er setzte sich deutlich gegen seine Teamkollegen durch, die nur vereinzelt punkten konnten und beendete das Jahr auf dem achten Platz der Fahrerwertung. Für die Saison 2019 wurde Piastri vom französischen Rennstall R-ace GP unter Vertrag genommen, die zu diesem Zeitpunkt zum zweiten Mal in Folge den amtierenden Meister stellten. Seine Teamkollegen waren Alexander Smoljar und Caio Collet. Piastri konnte bereits bei der zweiten Veranstaltung des Jahres auf dem Silverstone Circuit beide Rennen gewinnen. Er siegte im Saisonverlauf noch bei fünf weiteren Rennen und wurde Meister, nachdem er sich mit 320 zu 312,5 Punkten gegen Victor Martins durchgesetzt hatte. Nach diesem Erfolg wurde er in das Förderprogramm von Renault F1, die Renault Driver Academy, aufgenommen.

Formel 3 (2020) Für die Saison 2020 der im Vorjahr zur direkten Nachwuchsförderung auf dem Weg in die Formel 1 als Nachfolge der GP3 neu begründeten FIA-Formel-3-Meisterschaft wurde Piastri auf Vermittlung von Renault vom amtierenden Meisterteam, Prema Racing, unter Vertrag genommen, nachdem er bereits im Oktober des Vorjahres in Valencia für das Team getestet hatte. Seine Teamkollegen wurden Frederik Vesti und Logan Sargeant. Erneut stellte Prema seinen Fahrern das beste Material zur Verfügung und die drei Piloten sowie Théo Pourchaire lieferten sich um den Meistertitel untereinander einen engen Kampf über die komplette Saison. Piastri gewann auf dem Red Bull Ring das Auftaktrennen der Saison, nachdem er vom dritten Startplatz kommend bereits in der ersten Kurve die Führung übernommen hatte. Außerdem siegte er beim Sprintrennen auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya in Spanien. Zusätzlich dazu erzielte er sechs Podiumsplatzierungen. Zu Beginn der vier letzten Saisonläufe auf dem Autodromo Nazionale di Monza lag Piastri zunächst deutlich hinter seinem Teamkollegen Sargeant, doch profitierte er von drei punktelosen Rennen des US-Amerikaners und gewann mit 164 Punkten den Meistertitel knapp vor Pourchaire mit 161 und Sargeant mit 160 Punkten.

Bereits im Oktober 2018 hatte Piastri bei den Testtagen im Anschluss an das Saisonfinale auf dem Yas Marina Circuit in Abu Dhabi für Trident Racing einen Rennwagen der damaligen GP3-Serie getestet, ein Engagement ergab sich aber nicht.

Formel 2 (2021) mini|Piastri im Prema in der Formel 2, 2021

Nach seinem Formel-3-Meistertitel wurde Piastri von Prema für die Saison 2021 der FIA-Formel-2-Meisterschaft als Nachfolger von Mick Schumacher verpflichtet, der 2020 den Meistertitel gewonnen und in die Formel 1 aufgestiegen war. Robert Schwarzman verblieb als zweiter Stammfahrer im Team. Das erste Rennen der Saison beendete Piastri auf dem fünften Platz, seinen ersten Saisonsieg erzielte er gleich danach beim zweiten Rennen auf dem Bahrain International Circuit nach einem Überholmanöver gegen Zhou Guanyu in der letzten Runde. Im Hauptrennen fiel er nach einer Kollision mit Daniel Ticktum zwei Runden vor dem Ziel in Führung liegend aus. Bei den Rennen auf dem Circuit de Monaco erzielte Piastri zwei zweite Plätze und einen achten Platz. Nach einem engen Duell mit Zhou kristallisierte er sich aber spätestens ab dem letzten Saisondrittel als der klare Titelfavorit heraus. Mit fünf Siegen am Saisonende unterstrich er diese Ambitionen. So gewann er mit einem komfortablen Vorsprung von 60,5 Punkten vor seinem Teamkollegen Schwarzman bereits in der Debütsaison den Meistertitel. Für diese Leistung erhielt Piastri von der Fédération Internationale de l’Automobile die Ehrung als Rookie of the Year, mit der seit 2014 die vielversprechendsten Nachwuchsfahrer in einer von der FIA sanktionierten Meisterschaft ausgezeichnet werden.

Formel 1 (seit 2022) 2022: Testfahrer bei Alpine und Vertragsstreit mini|Renault R.S.18 aus der Saison 2018, mit dem Piastri im Herbst 2020 seine ersten Formel-1-Erfahrungen sammelte

Ende Oktober 2020 steuerte Piastri in Bahrain mit dem Renault R.S.18 im Zuge eines Testtages für Nachwuchsfahrer und als Belohnung für seine kurz zuvor gewonnene Meisterschaft in der Formel 3 erstmals ein Formel-1-Fahrzeug. Ein Jahr später im November 2021 wurde bekannt gegeben, dass er offizieller Test- und Ersatzfahrer für das inzwischen als Alpine F1 Team bezeichnete Renault-Werksteam in der Formel-1 Weltmeisterschaft 2022 sein wird. Zeitgleich wurde er im Zuge eines Abkommens zwischen den Rennställen bei McLaren Racing Teil einer Gruppe von Fahrern, die nach Bedarf und Wunsch des Teams als Ersatzfahrer verpflichtet werden können. Als amtierender Meister der FIA-Formel-2-Meisterschaft durfte er dort nicht erneut an den Start gehen. Piastri kam im Gegensatz zu Nico Hülkenberg und Nyck de Vries, die jeweils vereinzelt für die erkrankten Stammfahrer ihrer Teams nachrückten, zu keinem Renneinsatz. Er testete aber sowohl offiziell im Rahmen des Freitagstrainings für Alpine als auch privat mit einem älteren Formel-1-Fahrzeug für McLaren.

Anfang August 2022 gab Alpine in einer Pressemitteilung bekannt, dass Piastri für die Saison 2023 zum Stammfahrer neben Esteban Ocon befördert und Nachfolger von Fernando Alonso werden soll, dessen Vertrag am Saisonende auslief. Piastri selbst hatte laut eigener Aussage aber keinen entsprechenden Vertrag unterschrieben und löste durch einen entsprechenden Post auf dem Kurznachrichtendienst Twitter ein internationales Medienecho aus. Alpine-Teamchef Otmar Szafnauer kritisierte diese Aussage des langjährigen Renault/Alpine-Nachwuchsfahrers scharf, drohte rechtliche Schritte an und äußerte, dass er von Piastri „mehr Loyalität“ erwartet habe. Die Angelegenheit wurde letztendlich vom Contract Recognition Board, einer unabhängigen Schlichtungsstelle für Streitigkeiten im internationalen Motorsport, verhandelt und zugunsten Piastris entschieden. Bei einem Urteil zugunsten von Alpine hätte der Rennstall dagegen millionenschwere Schadenersatzzahlungen beim zukünftigen Arbeitgeber Piastris geltend machen können. Im Zuge der Untersuchungen stellte sich zusätzlich heraus, dass Piastri bereits im Juli 2022 einen Vertrag mit McLaren Racing unterschrieben hatte, den das Team kurz nach dem Urteil offiziell verkündete. Als Reaktion stimmte Alpine einer vorzeitigen Vertragsauflösung mit Piastri zu, trennte sich im November 2022 zudem von der Chefjuristin des Rennstalls und kündigte bereits vorher an, maßgebliche Grundsätze des kostenintensiven, teameigenen Juniorprogramms bis hin zur möglichen Einstellung des Projektes überdenken zu wollen. Piastri nahm so im Dezember 2022 bereits für McLaren an den offiziellen Nachsaisontests 2022 in Abu Dhabi teil.

2023: Debütsaison für McLaren mini|Piastri beim Großen Preis von Österreich 2023

In der Formel-1 Weltmeisterschaft 2023 ging Piastri als Teamkollege von Lando Norris und Nachfolger von Daniel Ricciardo bei McLaren Racing an den Start. Sein Debüt gab er beim Großen Preis von Bahrain, musste aber nach nur 13 gefahrenen Runden aufgrund technischer Probleme aufgeben. Bei seinem Heimrennen in Australien erzielte er als Achter seine ersten WM-Punkte in der Formel 1. In Monaco sammelte Piastri als Zehnter einen weiteren Zähler, kam in den folgenden Läufen aber nicht über das Hinterfeld hinaus. Zur Saisonmitte führte McLaren umfangreiche Änderungen an seinen Fahrzeugen durch, was sich sehr positiv auf die Konkurrenzfähigkeit des MCL60 auswirkte. Piastri erreichte schon beim ersten Rennen mit dem verbesserten Wagen den vierten Platz und wurde und beim folgenden Lauf Fünfter. Das Sprintrennen im Rahmen des Großen Preises von Belgien schloss er auf dem zweiten Platz ab, nachdem er das Rennen einige Runden lang sogar angeführt hatte. Im eigentlichen Großen Preis musste Piastri aufgrund einer Kollision mit Carlos Sainz in der ersten Rennrunde aufgeben. Beim Großen Preis von Japan wurde er Dritter und stand somit zum ersten Mal in der Formel 1 auf dem Podium. Beim Rennwochenende in Katar gelangen ihm mit der Pole-Position und dem Sieg beim Sprintrennen am Samstag sowie dem zweiten Platz im Hauptrennen weitere Erfolge. Er beendete seine erste Formel-1-Saison mit 97 Punkten auf dem neunten Platz der Fahrerwertung und wurde zum zweiten Mal nach 2021 von der FIA als Rookie of the Year ausgezeichnet.

2024: Erste Grand-Prix-Siege mini|Piastri im McLaren MCL38, 2024