mini|hochkant=0.8|Stolpersteine in Schwäbisch Hall Die Liste der Stolpersteine in Schwäbisch Hall beschreibt besondere Pflastersteine in Gehwegen, die an die Opfer der nationalsozialistischen Diktatur in der Stadt Schwäbisch Hall im gleichnamigen Landkreis in Baden-Württemberg erinnern sollen. Die Stolpersteine wurden vom Künstler Gunter Demnig konzipiert und werden von ihm in fast ganz Europa verlegt.
Jüdische Gemeinde Die 1933 noch 121 Menschen umfassende jüdische Gemeinde wurde durch Flucht ihrer Mitglieder sowie Deportation und Ermordung der hier gebliebenen Juden ausgelöscht. Etwa 46 Schwäbisch Haller Juden fielen der nationalsozialistischen Judenverfolgung zum Opfer. Die Seite Alemannia Judaica verzeichnet sie alle namentlich.Alemannia Judaica: Schwäbisch Hall (Kreisstadt) Jüdische Geschichte / Betsaal/Synagoge, abgerufen am 8. März 2021
Verlegte Stolpersteine In Schwäbisch Hall wurden 21 Stolpersteine an acht Adressen verlegt.
Die Tabelle ist teilweise sortierbar; die Grundsortierung erfolgt alphabetisch nach dem Familiennamen des Opfers. Stolperstein Inschrift Verlegeort Name, Leben 120pxHIER WOHNTEGUSTA LEWKOWITZGEB. ROSENBERGJG. 1899AUSGEWIESEN 1938POLEN? ? ? Haalstraße 4 , auch Lewkowicz, geb. Rosenberg wurde am 8. Juli 1899 in Stuttgart geboren. 1924 heiratete sie Salomon Lewkowitz, der in Schwäbisch Hall lebte und arbeitete. Das Paar bekam zwei Söhne, Heinrich, der bereits im Alter von drei Jahren starb, und Moses, geboren 1932. Ihr Ehemann war Synagogendiener. Am 28. Oktober 1938 wurde die Familie auf Grund der polnischen Staatsbürgerschaft von Salomon Lewkowitz nach Polen zwangsausgewiesen. Die Familie lebte zuletzt in Bentschen. Der Ehemann wurde am 6. August 1942 im Arbeitslager von Brieskow-Finkenheerd ums Leben gebracht. Gusta Lewkowitz und ihr Sohn wurden ebenfalls deportiert. Der Ort ist unbekannt. Sie gelten als verschollen.GUSTA LEWKOWITZ, Yad Vashem, abgerufen am 9. Dezember 2020 120pxHIER WOHNTEMOSES LEWKOWITZJG. 1932AUSGEWIESEN 1938POLEN? ? ? Haalstraße 4 wurde am 24. Januar 1932 in Schwäbisch Hall geboren. Seine Eltern waren Salomon Lewkowitz und Gustav geb. Rosenberg. Sein Bruder Heinrich starb bereits im Alter von drei Jahren. Die Familie wurde am 28. Oktober 1938 nach Polen abgeschoben, auf Grund der polnischen Staatsbürgerschaft des Vaters. Sie lebten dort in Bentschen. Moses Lewkowitz und seine Mutter wurde an einen unbekannten Ort deportiert. Sein Vater wurde am 6. August 1942 im Arbeitslager von ums Leben gebracht.MOSES LEWKOWITZ, Yad Vashem, abgerufen am 9. Dezember 2020 120pxHIER WOHNTESALOMONLEWKOWITZJG. 1898AUSGEWIESEN 1938POLENTOT 1942BRIESKOW-FINKENHEERD Haalstraße 4 , auch Lewkowicz, wurde am 17. Oktober 1898 in Wieluń geboren, damals russisch, später polnisch. 1923 kam er nach Schwäbisch Hall, 1924 heiratete er Gusta geb. Rosenberg. Das Paar bekam zwei Söhne, Heinrich, der bereits im Alter von drei Jahren starb, und Moses, geboren 1932. Die Familie wohnte im Haus Haalstraße 4. Salomon Lewkowitz war Hilfsvorbeter, Synagogendiener und Schächter in den Metzgereien Pfeiffer und Rothschild. 1938 musste die Familie in ein Quartier neben dem jüdischen Betsaal in der Oberen Herrngasse 8 übersiedeln. Am 28. Oktober 1938 wurde Salomon Lewkowitz und seine Familie – er war nach wie vor polnischer Staatsbürger – zwangsweise ausgewiesen und abgeschoben nach Bentschen. Ein Jahr später erfolgte Hitlers Überfall auf Polen und die Familie Lewkowitz befand sich wiederum im Herrschaftsbereich deutscher Nationalsozialisten. Salomon Lewkowitz wurde verschleppt, nunmehr in die andere Richtung, in das Arbeitslager in Brieskow-Finkenheerd in Brandenburg. Salomon Lewkowitz kam dort am 6. August 1942 ums Leben.SALOMON LEWKOWITZ, Yad Vashem, abgerufen am 9. Dezember 2020
Das Schicksal von Frau und Sohn ist unbekannt, sie wurden ebenfalls deportiert. Wohin ist unbekannt. Es ist davon auszugehen, dass sie ebenfalls Opfer der Shoah wurden. 120pxHIER WOHNTEHANNA NIEGHOGEB. ZAMORYJG. 1921DEPORTIERT 1943ERMORDET INAUSCHWITZ Gelbinger Gasse 25 geb. Zamory wurde am 6. Juni 1921 in Lauenburg in Pommern geboren. Ihre Eltern waren Hugo Zamory und Jenny geb. Markus. Nach der Scheidung ihrer Eltern wurde sie von ihrer Tante Paula Öttinger und deren Familie in Schwäbisch Hall aufgenommen. Ihr Onkel Hugo Öttinger besaß und führte das Textilgeschäft Maute in der Marktstraße 1. Im Jahr 1935 entschloss sich Hanna Zamory zur Auswanderung nach Palästina und wurde in einem Vorbereitungslager in Berlin aufgenommen. Zur Emigration kam es nicht. 1938 heiratete sie Josef Niegho, geboren am 23. April 1916 in Brüssel, einen Dachdecker. Das Paar hatte zwei Töchter, Elvira (geboren am 27. November 1939) und Gisela (geboren am 17. April 1942), und lebte in Berlin. Am 4. August 1943 wurde die ganze Familie verhaftet und nach Auschwitz deportiert. Hanna Niegho und ihre Töchter wurden unmittelbar nach der Ankunft vom NS-Regime in einer Gaskammer ermordet.HANNA NIEGHO (Gedenkbuch Berlins), HANNA EDELTRAUD NIEGHO (Bundesarchiv), HANA NIEGHO, (Zeugenbericht ihres Onkels Hugo Ettinger), alle Yad Vashem, abgerufen am 11. Dezember 2020ELVIRA NIEGHO (Zeugenbericht von Hugo Ettinger), Yad Vashem, abgerufen am 11. Dezember 2020GISSELA NIEGHO (Zeugenbericht von Hugo Ettinger), Yad Vashem, abgerufen am 11. Dezember 2020
Die Mutter, deportiert am 1. Dezember 1941 in das KZ Jungfernhof nahe Riga, wurde ebenfalls vom NS-Regime ermordet, Ort und Zeitpunkt sind nicht bekannt. Der Ehemann, der in Auschwitz zur Zwangsarbeit eingeteilt wurde, kam am 9. Februar 1945 im KZ Buchenwald ums Leben.JOSEF NIEGHO (Zeugenbericht von Hugo Ettinger), Yad Vashem, abgerufen am 11. Dezember 2020 120pxHIER WOHNTEEMIL OBENHEIMERJG. 1897DEPORTIERT 1942THERESIENSTADTERMORDET 1944AUSCHWITZ Gelbinger Gasse 42 wurde am 9. August 1897 in Creglingen geboren. Seine Eltern waren Max Obenheimer und Lina geb. Würzburger. Er hatte eine ältere Schwester, Rosa (geboren 1895). 1904 übersiedelte die Familie nach Schwäbisch Hall, 1908 starb der Vater. Die Mutter brachte die Kinder mit einer kleinen Rente durch. Emil Obenheimer wurde Kaufmann und war begeisterter Fußballspieler. 1912 zählte er zu den Gründern des Fußballvereins Sportfreunde Schwäbisch Hall. Er nahm am Ersten Weltkrieg teil und wurde durch Granatsplitter schwer verwundet. Es kam zur Amputation des linken Oberschenkels. Er wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet und erhielt eine kleine Versehrtenrente in Höhe von 79,85 RM. In einer Eingabe aus dem Jahr 1938 gab er an, er könne seinen Beruf als kaufmännischer Angestellter nur „mit den größten körperlichen Anstrengungen“ ausüben. Bemühungen um ein Visum für die USA scheiterten, vermutlich aufgrund seiner Invalidität. Ab 1939 wohnte er in Heilbronn, besuchte jedoch regelmäßig die Mutter in Schwäbisch Hall. Seine Verdienste um das Vaterland schützten ihn nicht vor der Deportation. Gemeinsam mit seiner Mutter wurde Emil Obenheimer am 23. August 1942 mit dem Transport XIII/1 von Stuttgart nach Theresienstadt verschleppt. Beider Transportnummern waren 861 und 862. Am 16. Mai 1944 wurden beide mit dem Transport Ea in das Vernichtungslager Auschwitz überstellt. Die Transportnummern waren nunmehr 1929 und 2483. Emil Oppenheimer und seine Mutter wurden in Auschwitz ermordet., Verlag W. Kohlhammer, S. 631f
Seine Schwester Rosa, verheiratete Stern und sein Schwager Samuel Stern konnten die Shoah überleben. Sie waren rechtzeitig aus Deutschland in die USA geflüchtet. 120pxHIER WOHNTELINA OBENHEIMERGEB. WÜRZBURGERJG. 1870DEPORTIERT 1942THERESIENSTADTERMORDET 1944AUSCHWITZ Gelbinger Gasse 42 geb. Würzburger wurde am 12. September 1870 geboren. Sie stammte aus Bieringen und heiratete Max Obenheimer. Das Paar hatte zwei Kinder, Rosa (geboren 1895) und Emil (geboren 1897). 1904 übersiedelte die Familie nach Schwäbisch Hall, 1908 starb der Ehemann. Mit Hilfe einer kleinen Rente brachte sie sich und die Kinder durch. Der Sohn diente im Ersten Weltkrieg und wurde schwer verwundet. Sein linkes Bein musste amputiert werden. Die Tochter heiratete einen Mann namens Samuel Stern und konnte mit ihm rechtzeitig in die Vereinigten Staaten flüchten. Der Sohn lebte ab 1939 in Heilbronn. Im Oktober 1940 wurde Lina Obenheimer auf Anweisung des Bürgermeisters Prinzing zwangsumgesiedelt in das Haus Klosterstraße 8, das so genannte "Löchnerhaus" diente als "Judenhaus".Im Jahr 1942 zog sie zu ihrem Sohn nach Heilbronn, wo sie etwas später einen Platz im jüdischen Altersheim Sontheim fand. Die Verdienste des Sohnes um das Vaterland schützten weder ihn, noch seine Mutter vor der Deportation. Lina Obenheimer und ihr Sohn wurden am 23. August 1942 mit dem Transport XIII/1 von Stuttgart nach Theresienstadt verschleppt. Beider Transportnummern waren 861 und 862. Am 16. Mai 1944 wurden beide mit dem Transport Ea in das Vernichtungslager Auschwitz überstellt. Die Transportnummern waren nunmehr 1929 und 2483. Unmittelbar nach der Ankunft wurden Lina Oppenheimer und ihr Sohn in den Gaskammern von Auschwitz ermordet. 120pxHIER WOHNTEKAROLINE PFEIFFERJG. 1891DEPORTIERT 1941RIGA? ? ? Klosterstraße 8(Löchnerhaus) wurde am 30. Juli 1891 in Braunsbach geboren. Ihre Eltern waren der Viehhändler Abraham Pfeiffer (1850–1939) und Terese geb. Reiß (1865–1923). Sie hatte vier Geschwister, darunter Schwester Meta und Bruder Meier. Ihr Großvater mütterlicherseits war der Kronenwirt Jakob Reiß, der Eigentümer des "Löchnerhauses". Er vererbte das Haus seinen Kindern. Karoline Pfeiffer, die unverheiratet blieb, lebte ihr ganzes Leben dort. Ihr Bruder betrieb dort einen Lederhandel. Während der Novemberpogrome des Jahres 1938 kam es dort zu Verwüstungen durch Nationalsozialisten. Drei Jahre später, am 1. November 1941, wurden die Geschwister Karoline Pfeiffer und Meier Pfeiffer von Stuttgart in das KZ Jungfernhof nahe Riga deportiert. Ihr Schicksal ist unbekannt. Auf der Website der Stadt Schwäbisch Hall ist zu lesen: „Sie starben entweder an den unmenschlichen Lebensverhältnissen im Lager oder wurden von der SS ermordet.“
Zumindest drei ihrer Tanten und Onkel mütterlicherseits wurden in Theresienstadt und Treblinka ermordet, darunter auch Berta Reiß. Das Haus wurde zwangsweise an die Stadt verkauft. 120pxHIER WOHNTEMEIER PFEIFFERJG. 1888DEPORTIERT 1941RIGA? ? ? Klosterstraße 8(Löchnerhaus) , auch Maier, wurde am 22. August 1888 geboren. Seine Eltern waren der Viehhändler Abraham Pfeiffer (1850–1939) und Terese geb. Reiß (1865–1923). Er hatte vier Geschwister, darunter die Schwestern Meta und Karoline. Sein Großvater mütterlicherseits war der Kronenwirt Jakob Reiß, der Eigentümer des "Löchnerhauses". Er vererbte das Haus seinen Kindern. Meier Pfeiffer führte dort eine Lederhandlung, dies geht aus den Adressbüchern von 1920 und 1928 hervor. In der Ausgabe von 1938 wurden Abraham und Meier Pfeiffer als Viehhändler gelistet. Seine Wohnung wurde im Zuge der Novemberpogrome des Jahres 1938 von NS-Schlägern verwüstet. Drei Jahre später, am 1. November 1941, wurden die Geschwister Karoline und Meier Pfeiffer von Stuttgart in das KZ Jungfernhof nahe Riga deportiert. Ihr Schicksal ist unbekannt. Auf der Website der Stadt Schwäbisch Hall ist zu lesen: „Sie starben entweder an den unmenschlichen Lebensverhältnissen im Lager oder wurden von der SS ermordet.“