mini|Aurifex brattiarius; Relief in den Vatikanischen Museen, Galleria delle Statue (Inventarnummer 753) Der Brattiarius (auch bractearius, bracteator, blattarius) war in der römischen Antike ein Metallschläger, der mit der Herstellung sehr dünner Metallblättchen betraut war. Insbesondere handelte es sich um Goldschläger, die Gold zu Blattgold trieben. Deren vollständigere Berufsbezeichnung lautete aurifex brattiarius, denn das Ergebnis der Arbeit, die bratteae, laminae oder lamellae, konnte auch aus anderen Metallen, etwa Silber,Plinius, Naturalis historia 37,105. gefertigt sein.
Die brattiarii waren in der Lage, aus einer Uncia Gold von 27,29 Gramm mehr als 750 Blätter von 73,9 Millimeter im Quadrat zu schlagen. Man unterschied verschiedene Arten von Blattgold nach ihrer Stärke. Die stärksten bratteae wurden nach der Statue der Juno in Praeneste, für deren Vergoldung sie genutzt wurden, als praenestinae bezeichnet. Die nächstdünneren Blätter hießen quaestoriae,Plinius, Naturalis historia 33,61. ohne dass eine Herleitung des Namens möglich ist. Die dünnsten Goldblattqualitäten wurden mit Begriffen wie „Spinnweben“Lukrez, De rerum natura 4,727: ut aranea bratteaque auri („wie Spinnweben oder Goldblättchen“). und „Nebel“Martial 8,33. umschrieben.
Die bekannten brattiarii waren durchweg Freigelassene und auch Frauen sind unter ihnen nachweisbar. Sie arbeiteten wahrscheinlich in Familienbetrieben, da die weiblichen Goldschläger in Grabinschriften gemeinsam mit männlichen erwähnt werden, ihr Beruf gleichwohl hervorgehoben wurde. Für Familienbetriebe spricht auch eine Votivinschrift, in der wohl zwei Brüder gemeinschaftlich unter Nennung ihres Berufs als Weihende auftreten. Alle inschriftlichen Nennungen stammen aus Rom und werden in das 1. Jahrhundert datiert. Die letzte literarische Erwähnung des Berufsstandes stammt aus dem 4. Jahrhundert: Iulius Firmicus Maternus nennt sie in seiner Mathesis unter weiteren Handwerkern.Firmicus Maternus, Mathesis 8,16. 26. Im 6. Jahrhundert kennt der Codex Iustinianus die brattiarii als letztgenannte der Berufsgruppen, die unter Konstantin von munera befreit wurden.Codex Iustinianus 10,61,1.
Inschriftlich ist ein collegium brattiariorum inauratorum überliefert. Die brattiarii inauratores fertigten vor allem Goldblättchen für das Vergolden von Statuen und Werken der Toreutik.Zu vergoldeten Statuen vergleiche Plinius, Naturalis historia 34,63; Juvenal, Saturae 13,152; Clemens von Alexandria, Protreptikos 4,52,3 (deutsch). Darüber hinaus wurden auch DeckenSidonius Apollinaris, Epistulae 2,10. und WändePlinius, Naturalis historia 33,54; 36,114; Seneca, Epistulae morales 115,9. sowie MöbelMartial 8,33,6; Sidonius Apollinaris, Epistulae 8,8. auf diese Weise vergoldet. Auch goldene Kränze konnten lediglich blattvergoldet sein,Vergil, Aeneis 6,209. zudem wurden Goldplättchen in großer Zahl als Dekorelement antiker Gewänder gefunden.Joachim Marquardt: Das Privatleben der Römer. 2. Auflage, besorgt von August Mau. Hirzel, Leipzig 1886, S. 543 f. (Digitalisat); siehe auch Jordi Pérez González: How Roman Sumptuary Specialists Called Themselves: A Corpus-Based Study. In: Latomus. Band 78, Nr. 4, 2019, S. 996–1037, hier S. 1000.
Ein Relief in den Vatikanischen MuseenVatikanische Museen, Galleria delle statue, Inventarnummer 753; . bringt einen aurifex brattiarius zur Anschauung.Zum Relief siehe Otto Jahn: Darstellungen antiker Reliefs, welche sich auf Handwerk und Handelsverkehr beziehen. Berichte über die Verhandlungen der Königlich-Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Leipzig. Philologisch-Historische Klasse. Teubner, Leipzig 1861, S. 291–374, hier S. 307–309 mit Taf. 7,2 (Digitalisat); Erich Pernice: Aurifex brattiarius. In: Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts. Band 26, 1911, S. 288 f. (Digitalisat); Gerhard Zimmer: Römische Berufsdarstellungen (= Archäologische Forschungen. Band 12). Mann, Berlin 1982, S. 188 f. Nr. 124; Edilberto Formigli: Tecniche dell’oreficeria Etrusca e Romana. Originali e falsificazioni. Sansoni, Florenz 1985, S. 104 f. Abb. 52; Hélène Guiraud: Les orfèvres en Gaule à l'époque romaine. In: Christiane Eluère (Hrsg.): Outils et ateliers d’orfèvres des temps anciens. Colloque international, Saint-Germain-en-Laye, 17–19 janvier 1991. Société des amis du Musée des antiquités nationales et du château de Saint-Germain-en-Laye, Saint-Germain-en-Laye 1993, S. 77–84, hier S. 78. 81, Anm. 5.
+ Bekannte brattiarii Name Art Datierung Gaius Fulcinius Hermeros Grabinschrift. 1. JahrhundertHeikki Solin: Die griechischen Personennamen in Rom. Ein Namenbuch. Zweite, völlig neu bearbeitete Auflage. Band 1. De Gruyter, Berlin / New York 2003, S. 55: Tiberius - Nero. Fulvia Melema Grabinschrift 1. JahrhundertHeikki Solin: Die griechischen Personennamen in Rom. Ein Namenbuch. Zweite, völlig neu bearbeitete Auflage. Band 1. De Gruyter, Berlin / New York 2003, S. 1335: Tiberius - Nero. Aulus Furius Grabinschrift. 1. Jahrhundert (?) Quintus Hordionius Pannychus Votivinschrift. 1. Hälfte 1. JahrhundertEintrag im Electronic Archive of Greek and Latin Epigraphy der Association Internationale d’Epigraphie Grecque et Latine Quintus Hordionius Primigenius Votivinschrift 1. Hälfte 1. Jahrhundert Septicia Rufa Grabinschrift. 1. JahrhundertHeikki Solin: Die griechischen Personennamen in Rom. Ein Namenbuch. Zweite, völlig neu bearbeitete Auflage. Band 1. De Gruyter, Berlin / New York 2003, S. 295: Tiberius - Nero. Aulus Septicius Apollonius Grabinschrift 1. Jahrhundert
Literatur Giovanni Becatti: Oreficerie antiche dalle minoiche alle barbariche. Istituto poligrafico dello Stato, Rom 1955, S. 14. Ida Calabi Limentani: Brattiarius. In: Enciclopedia dell’Arte Antica, Classica e Orientale. Band 2, 1959, S. 166. Herman Gummerus: Die römische Industrie: I) Das Goldschmied- und Juweliergewerbe. In: Klio. Band 14, 1914, S. 129–189, hier S. 133 (Digitalisat).
Jordi Pérez González: How Roman Sumptuary Specialists Called Themselves: A Corpus-Based Study. In: Latomus. Band 78, Nr. 4, 2019, S. 996–1037, hier S. 1004–1008 (online). Ettore De Ruggiero: Dizionario epigrafico di antichità romane. Band 1. Pasqualucci, Rom 1895, S. 1025 (Digitalisat). Edmond Saglio: Brattea ou Bractea. In: Charles Daremberg, Edmond Saglio: Dictionnaire des Antiquités Grecques et Romaines. Band 1,1. Hachette, Paris 1877, S. 747 f. (Digitalisat).
Anmerkungen
Kategorie:Römische Wirtschaft