Der Bergbaubetrieb „Willi Agatz“ war ein Bergbaubetrieb zur Gewinnung von Uran und als selbständige Struktureinheit innerhalb der SDAG Wismut direkt der Hauptverwaltung unterstellt. Das Tätigkeitsgebiet des Betriebes umfasste die Steinkohlenlagerstätte des Döhlener Beckens.

Geschichte Im Juli 1960 bemühte sich die Leitung der Aufbereitung Fabrik 95 in Coschütz-Gittersee um Erzkohlen für Laborversuche. Im Juni 1961 wurden zwei Aufbereitungsversuche mit je 3 t Erzkohle gefahren. Die positiven Ergebnisse führten im November/Dezember 1961 zu einem Großversuch mit 1.138 t Erzkohle. Im Juli 1961 führte die SDAG Wismut im Revier radiometrische Messungen durch. Nach den positiven Aufbereitungsversuchen erwachte das Interesse der SDAG Wismut an der Lagerstätte neu. Im Juli 1962 ersuchte die SDAG Wismut das Steinkohlenwerk um Lieferungen von Erzkohle. Ab 1. April 1963 trat ein Vertrag zwischen dem Steinkohlenwerk Willi Agatz und der SDAG Wismut über die Lieferung von Erzkohle in Kraft. Vereinbart wurde die Lieferung von täglich 300 t Erzkohle. Der bis zum 31. Dezember 1963 befristete Vertrag wurde vom Werksleiter Gerhard Bratfisch und dem 1. Stellvertreter des Generaldirektors der SDAG Wismut, Werner Richter, unterzeichnet. Am 3. Januar 1964 wurde ein neuer Vertrag rückwirkend zum 1. Januar mit einer Gültigkeit bis zum 31. Dezember 1970 abgeschlossen. Im Jahresdurchschnitt wurden jetzt 350–500 t Erzkohle täglich geliefert. Neben der Lieferung der Erzkohle musste das Steinkohlenwerk einen Vorratsvorlauf von 12 Monaten schaffen. Neben den von der Wismut finanzierten Auffahrungen musste das Steinkohlenwerk auch selbst Auffahrungen zur Erschließung von Erzkohle tätigen. Die Wismut übernahm die Haftung bei durch den Erzkohleabbau auftretenden Bergschäden. Die Maßnahmen zum Strahlenschutz wurden von der dosimetrischen Abteilung der Wismut durchgeführt. Der Preis für die Tonne Erzkohle richtete sich nach dem Erzgehalt und lag zwischen 13,50 und 190 Deutsche Mark (DM) je Tonne. Zur Begleitung der Arbeiten gründete die SDAG Wismut am 1. April 1964 eine Geologische Abteilung im Steinkohlenwerk. Beschäftigt waren hier 1 Geologe, 1 Geophysiker, 5 Radiometristen und 1 Zeichnerin. Am 23. Dezember 1967 schloss der VEB Willi Agatz auf der Grundlage des Vertrages vom 3. Januar 1964 mit dem Aufbereitungsbetrieb 101 in Crossen einen Vertrag ab, in dem die Modalitäten der Lieferung der Erzkohle an die Aufbereitung geregelt wurden. Dieser Vertrag war unbefristet. Im Zeitraum 1965–1968 wurden 253 Tiefbohrungen zur Präzisierung der Ergebnisse der zwischen 1947 und 1953 niedergebrachten 397 Tiefbohrungen geteuft. Eine erste Berechnung der Erzvorräte durch das Steinkohlenwerk wies für die Lagerstätte per 1. Januar 1966 Uranvorräte von 3.095 t aus. Am 31. Dezember 1967 wurde die Gewinnung von Energiekohle nach Erschöpfung der Vorräte eingestellt und die Schachtanlagen der SDAG Wismut übergeben.

Ab dem 1. Januar 1968 begann der Abbau von Erzkohle im gesamten Grubenfeld. Da noch keine abschließenden Ergebnisse der Tiefbohrungen vorlagen, wurde in einer vorläufigen Vorratsberechnung am 15. Januar 1968 für die Lagerstätte ein Uranvorrat von 3.230 t ausgewiesen. Nach Abschluss der Bohrarbeiten wurde nach einer Neuberechnung zum 1. Januar 1969 ein Uranvorrat von 4.208,5 t ausgewiesen. Davon für die Baufelder Heidenschanze 811,5 t, Gittersee 1.323 t und Bannewitz 2.074 t. Die 274,3 t Uran im Baufeld Schweinsdorf gingen in die Vorratsberechnung nicht mit ein, da ein Abbau nicht geplant war. Zur Erschließung des Grubenfeldes Bannewitz Nord wurde der Querschlag 20 bis 1969 mit einer Länge von 1.800 m aufgefahren. In einer Entfernung von 125 m wurde nordöstlich des Querschlages 1969/70 der Blindschacht 1 aufgefahren. Auf der 1. Sohle des Blindschachtes bei −180,3 m NN wurde der 650 m lange Querschlag 804 nach Nordosten aufgefahren und an den 1970/71 geteuften Wetterschacht 402 angeschlossen. Ab 1974 pegelte sich die Jahresförderung bei 170 t Uran ein. Zur Vorrichtung des Nordwestbereiches des Grubenfeldes Gittersee wurde 1976 der Schacht 3 wieder ertüchtigt und 35 m westlich des Gustavschachtes der Blindschacht 2 von 1976–1978 aufgefahren. Auf seiner 1. Sohle bei +170 m NN wurde über den 580 m langen Querschlag 813 der Schacht 3 angefahren und hier ein Füllort aufgefahren. Diese neue 1. Sohle des Schachtes lag 22 m über der abgeworfenen alten 1. Sohle. Die Vorratsberechnung zum 1. Januar 1978 erbrachte bei einem Zuwachs von 300 t und einer Gewinnung von 1.342 t einen Vorrat von 3.166,5 t Uran.

1979 wurden nochmals 62 Tiefbohrungen zur Untersuchung der Schichten unter dem 5. Flöz bis in das Grundgestein niedergebracht. 1980 wurde mit einem Ausbringen von 172,3 t Uran der Höhepunkt der Uranförderung erreicht. Das ging allerdings mit einem beginnenden Absinken der Urangehalte einher. Zum 1. Januar 1983 ergab die Vorratsberechnung bei einer Gewinnung von 858 t und einem Zuwachs von 315,5 t einen Uranvorrat von 2.624 t. 1984 wurde mit der Förderung von 133,5 t Uran ein Tiefpunkt erreicht. Mit dem Einsatz von zwei sowjetischen Teilschnittmaschinen ab April 1983 erwuchs das Problem der Erzverdünnung durch taube Massen, die teilweise 30 % erreichten. Mit diesen Maschinen war die bisher praktizierte selektive Erzgewinnung nicht möglich. Die gestiegenen Selbstkosten der Urangewinnung beliefen sich auf 609,30 Mark der DDR (M)/kg Uran. Der Durchschnitt aller Förderbetriebe der SDAG Wismut lag bei 435,40 M/kg Uran. Unter diesen Bedingungen würde der Grubenbetrieb im Jahr 2000 auslaufen.

Die sich weiter verschlechternden Abbaubedingungen führten zu ständig steigenden Kosten. Diese begannen ab 1984 den zwischen der DDR und der UdSSR vereinbarten Preis von 65,97 Rubel je kg Uran im Konzentrat zu übersteigen. Analog dazu fiel der Weltmarktpreis 1985 auf 38 Rubel/kg. Daraufhin drängte die UdSSR die DDR, den Uranbergbau einzuschränken und die Vorräte neu zu bewerten.

1985 wurden alle Ausrichtungsarbeiten eingestellt. Die Uranvorräte wurden neu bewertet und alle kostenintensiven Lagerstättenteile abgeschrieben. Zum 1. Januar 1987 wies die Vorratsberechnung eine Gewinnung von 591 t und einen Zuwachs von 308 t aus. Abgeschrieben wurden 1.477 t Uran. Der gewinnbare Vorrat belief sich damit auf 864 t. Unter diesen Bedingungen war das Auslaufen des Grubenbetriebes für 1992 vorgesehen. Mit der Änderung der Konditionsparameter am 5. Januar 1987 wurden weitere 319 t Uran abgeschrieben. Die Betriebseinstellung wurde damit laut Ministerratsbeschluss vom 27. April 1989 auf den 31. Dezember 1990 festgelegt. Wenig später wurde dieser Beschluss geändert und die Betriebseinstellung auf den 31. Dezember 1989 vorverlegt. Mit der Förderung von 416 t bis 1989 blieb bei der Betriebseinstellung ein Restvorrat von 129 t Uran. Im Baufeld Gittersee wurde der letzte Hunt am 23. Juni 1989 und im Baufeld Bannewitz am 1. Dezember 1989 gefördert. Der Bergbaubetrieb Willi Agatz wurde zum 1. Januar 1990 juristisch aufgelöst und als Betriebsteil dem Bergbaubetrieb Königstein der SDAG Wismut unterstellt.

Ursprünglich sollten die 1.144 Beschäftigten des Betriebes von dem in Dresden-Gittersee im Bau befindlichen Reinstsiliziumwerk übernommen werden. Mit der Wende kam hier am 3. November 1989 der Baustopp.

Die Erzkohle wurde mit der Deutschen Reichsbahn vom Bahnhof Gittersee der Windbergbahn über den Dresdner Hauptbahnhof in die Aufbereitungsbetriebe der SDAG Wismut in Crossen und Seelingstädt transportiert.

Schächte mini|Die Fördergerüste der Schächte 2 (links) und 1 (rechts) Dresden-Gittersee mini|Schacht 3 in Freital-Burgk Revier RevierinterneNummer Rasensohle m NN angeschlagene Sohlen Gesamtteufe in m Revier Gittersee Schacht 1 +273,28 1., 2., 3. 575,90 Revier Gittersee Schacht 2 +273,38 1., 2. 231,60 Revier Gittersee Schacht 3 +250,74 1., 2. 165,72 Revier Gittersee Blindschacht 2 +188,20 1., 2., 3. 137,00 Revier Bannewitz Marienschacht +307,80 3. 550,50 Revier Bannewitz Blindschacht 1 −150,20 1., 3. 107,40 Revier Bannewitz Schacht 402 +253,05 1. 433,85

Geologie und Vererzung Das Döhlener Becken ist eine parallel zur NW-SO verlaufenden Elbtalzone liegende Senke. Die Längserstreckung beträgt 25 km und die Breite 7 km. Die Beckenfüllung wird in vier Formationen unterteilt. Die älteste Formation ist die Unkersdorf-Formation. Für den Bergbau war die darauf folgende Döhlen-Formation entscheidend. Die im Sakmarium des Unterrotliegenden entstandene bis zu 120 m mächtige Döhlen-Formation erstreckt sich auf einer Länge von 15 km und einer Breite von 3,5 km.

Die Schichten des Beckens sind durch längs der Beckenrichtung streichende Verwerfungen teilweise erheblich herausgehoben oder abgesunken. Im „Roten Ochsen“, der Hauptverwerfung des Beckens, treten Sprunghöhen bis 360 m auf. Die Teufe in der die Flöze liegen schwankt deshalb sehr stark. Während die Flöze am Nordrand der Lagerstätte bei +160 bis +200 m NN ausstreichen erreichen sie am Meiselschacht −200 m NN, am Marienschacht −354 m NN.

Von den in der Döhlenformation eingeschalteten 7 Flözen war für den Steinkohlenbergbau nur das 1. Flöz interessant. Der zwischen 1947 und 1990 im Becken umgehende Bergbau auf Uran erfasste nur den rechts der Weißeritz liegenden Beckenteil. Links der Weißeritz war keine bauwürdige Vererzung nachweisbar. Abgebaut wurden vererzte Partien des 1., 3. 4. und 5. Flözes. In die im Artinskium des Unterrotliegenden vor 288 Millionen Jahren entstandene Niederhäslich-Formation ist ein als Schweinsdorfer Flöz bezeichnetes Brandschieferflöz eingeschaltet. Das sich von Niederhäslich über Hainsberg bis Zauckerode erstreckende Flöz war zwischen Schweinsdorf und dem Edelstahlwerk Freital auf einer Länge von 1,3 km und einer Breite von maximal 800 m mit Uran vererzt.

Die Kohlen sind aber nicht nur mit Uran vererzt. Neben 6.000–7.000 t Uran werden 15.000 t Zink, 10.000 t Blei, 7.000 t Vanadium und 7.000 t Arsen als geologische Vorräte ausgewiesen. Der Vererzungstyp wird als synsedimentär beschrieben. Die Uranvererzung ist nicht gleichmäßig ausgebildet. Die Erzgehalte wechseln sehr schnell auf kurze Distanzen. In den verschiedenen Flözen sind verschiedene Kohlelithotypen vererzt. Im Baufeld Gittersee lieferte die Grauharte Kohle 70 % des Uranerzes. Diese Kohle liegt mit einem Aschegehalt von 30 % im Bereich der Brandschiefer. Sie wurde nicht als Energiekohle abgebaut. Mit dem hohen Schwefelanteil von 10–20 % neigte sie sehr stark zur Selbstentzündung. Abgebaut wurde hier vor allem die noch vorhandene untere Bank des 1. Flözes. Die mittleren Urangehalte betrugen 0,30 %. Die gewinnbaren Mächtigkeiten lagen zwischen 0,80–1,00 m. Das 3. und 4. Flöz wurden zusammen abgebaut, da das Zwischenmittel nur zwischen 0,50–1,00 m mächtig ist. Beide Flöze bestanden aus 1,00–1,20 m Brandschiefer mit eingeschalteten dünnen Bogheadkohlelagen. Das 5. Flöz mit Mächtigkeiten von 1,40–2,50 m bestand zur Hälfte aus Grauharter und unreiner Kohle und zur anderen Hälfte aus Brandschiefern. Im Grubenfeld Bannewitz war die Gelkohle mit einem Anteil von 78 % und einem mittleren Urangehalt von 0,49 % die wichtigste Erzkohle. Gelkohle kann man mit der Glanzkohle vergleichen. Im Südteil des Feldes bestand das zwischen 1,00–2,00 m mächtige 5. Flöz zu 50 % aus Gelkohle und zu 50 % aus Brandschiefern. Lokal bestand es komplett aus Gelkohle. Das 3. Flöz bestand bei Mächtigkeiten bis 1,50 m zu 70 % aus Kohle und zu 30 % aus Brandschiefer. Im Grubenfeld Bannewitz Nord waren die Brandschiefer mit Urangehalten bis 0,77 % wichtigster Erzträger. Abgebaut wurden hier das 3. und 4. Flöz mit Bauhöhen von 1,10–2,10 m und das 5. Flöz mit Bauhöhen von 2,10–5,40 m. Das 1. Flöz war unbauwürdig. Im nordöstlichsten Teil des Feldes herrschten die schwierigsten tektonischen Bedingungen. In einer abgesunkenen Mulde erreichte das 5. Flöz Mächtigkeiten bis zu 6 m. Richtung Nordosten lagen die Flöze dann auf der steil aufragenden Südostflanke des unterlagernden Monzonits auf und hatten ein Einfallen von teilweise 70°.