mini|Abtei Chelles Gisela (* 757 in Aachen; † 810 in Chelles, Seine-et-Marne, Frankreich) war eine karolingische Prinzessin und angeblich Äbtissin der Abtei Chelles. Sie war eine Tochter von Pippin dem Kurzen und seiner Frau Bertrada und damit eine Schwester Karls des Großen und Karlmanns I.

Leben Gisela war neben ihren beiden Brüdern Karl und Karlmann das dritte Kind von Pippin und Bertrada, das das Erwachsenenalter erreichte und den Vater überlebte. In der Vita Karoli des Einhard ist sie erwähnt:

Seitens ihrer Familie wurde mehrfach ihre Vermählung aus Bündniserwägungen in Betrachtung gezogen: In den 760er Jahren durch Pippin mit Leo, dem Sohn des byzantinischen Kaisers Konstantin V., und in den 770er Jahren durch Karl mit Adelchis, dem Sohn des letzten Langobardenkönigs Desiderius. In beiden Fällen kam die Eheschließung mit Rücksicht auf den Papst nicht zustande.

Stattdessen entschied Gisela sich für das klösterliche Leben. Ob sie allerdings Äbtissin der Abtei von Chelles war, wie dies in Nachschlagewerken geschrieben steht, wird in der aktuellen Forschung angezweifelt.Tino Licht: Chelles in St.Gallen? Ein neuer Hinweis in der Stiftsbibliothek. Vortrag im Rahmen der Internationalen wissenschaftlichen Tagung zu Frauenskiptorien und Frauengelehrsamkeit im Mittelalter. 3.–5. Juni 2026, Stiftsbibliothek St. Gallen. Sicher ist, dass sie als Herrschertochter mit den Artes Liberales vertraut und gebildet war und vom Kloster aus mit dem Hof verbunden blieb. Insbesondere gibt es einen intensiven Briefwechsel mit Alkuin, zu dessen Freundeskreis sie unter dem Pseudonym „Lucia“ gehörte., Briefe Nr. 15, 84, 154, 195, 196, 213, 214, 216, und 228. Alkuin widmete ihr und ihrer Nichte Rotrud seinen Kommentar des Johannesevangeliums, dessen Erstellung auf ihre Anregung zurückging., Briefe Nr. 196 und 213.

Die Forschung geht davon aus, dass auf Anregung Giselas im Skriptorium der Abtei Chelles um 806 die Abfassung der Metzer Annalen erfolgte. Sie war auch verantwortlich für die Betreuung der umfangreichen und in ihrer Zeit wachsenden Reliquiensammlung des karolingischen Herrscherhauses in der Abtei Chelles.Jean-Pierre Laporte: Le trésor des saints de Chelles (= Bulletin de la Société Archéologique et Historique de Chelles. N. S. Band 8/9). Société Archéologique et Historique de Chelles, Chelles 1989, ISBN 2-9503561-0-9; Gisela starb 810 und ist in der Abtei Chelles begraben.

Judy Chicago widmete ihr eine Inschrift auf den dreieckigen Bodenfliesen des Heritage Floor ihrer Installation The Dinner Party. Die mit dem Namen Gisela beschrifteten Porzellanfliesen sind dem Platz mit dem Gedeck für Hrotsvit zugeordnet.

Literatur

Einzelnachweise

⚭Gisela Kategorie:Person des Mittelalters Kategorie:Äbtissin Kategorie:Geboren 757 Kategorie:Gestorben 810 Kategorie:Frau Kategorie:Familienmitglied (Karl der Große)