Das Mineralogische Museum, benannt nach A. J. Fersman (; , Abkürzung FMM) ist ein mineralogisches Museum in Moskau, das zur Russischen Akademie der Wissenschaften gehört. Es wurde 1716 als Mineralienkabinett der Kunstkamera in St. Petersburg gegründet, 1725 der neu gegründeten Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften unterstellt und 1873 zu einem geologischen Museum ausgebaut. Nach dem Verlust der Unabhängigkeit im Jahre 1930 zog es 1934 – im Zuge der Verlegung der Akademie der Wissenschaften der UdSSR – nach Moskau um. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es wieder unabhängig und erlebte einen Aufschwung. 1956 wurde es nach dem russisch-sowjetischen Mineralogen und langjährigen Museumsdirektor Alexander Jewgenjewitsch Fersman (1883–1945) benannt. Heute ist es mit seinen über 150.000 Einzelstücken die zweitgrößte mineralogische Sammlung in Russland (nach dem Bergbau-Museum der Staatlichen Bergbau-Universität Sankt Petersburg) und eines der größten mineralogischen Museen weltweit. In der ständigen Ausstellung werden derzeit ca. 8 % der Sammlungsstücke gezeigt. Das Museum ist ebenfalls eine wichtige mineralogische Forschungseinrichtung. Es verfügt über ein wissenschaftliches Labor, dessen technische Ausstattung allerdings als veraltet gilt. Es gibt seit 1907 die wissenschaftliche Zeitschrift New Data on Minerals (; in russischer Sprache mit englischem Abstrakt) heraus. Das Museum ist seit 2018 eine anerkannte Zertifizierungsstelle für mineralogische Proben.

Geschichte Gründung und Anfangsjahre des Mineralienkabinetts (1716–1747) Als Gründungsdatum wird das Jahr 1716 angesehen, in dem Peter der Große vom Danziger Naturforscher und Arzt Johann Christoph Gottwald nach dessen Tod eine Sammlung mit 1195 Einzelstücken für die Kunstkamera ankaufte. Weitere persönliche Geschenke, wie beispielsweise Silber aus der norwegischen Kongsberg-Mine, wurden der Sammlung hinzugefügt. Seit 1719 ist die Sammlung, die durch russische Minerale ergänzt wurde, der Öffentlichkeit zugänglich. In den folgenden Jahren ergänzten weitere Ankäufe, wie beispielsweise 1726 von Robert Erskine, die Sammlung. 1724 wurde die Russische Akademie der Wissenschaften gegründet und die Kunstkamera inklusive des Mineralienkabinetts ihr unterstellt. 1729 konnte dann ein neues Gebäude bezogen werden. Mit der Erforschung des Ostens und der zunehmenden Bergbautätigkeit in Russland wurden immer mehr Minerale aus dem Ural, dem Altai, der Region Transbaikalien und anderen Regionen Russlands an das Mineralienkabinett geschickt. 1745 verfügte die Sammlung bereits über mehr als 3000 Minerale, Fossilien, Edelsteine und sonstige Gesteinsproben.

Der Brand von 1747 und Wiederaufbau der Sammlung (1747–1790) mini|Erster Direktor des Mineralienkabinetts: Peter Simon Pallas (1741–1811)

Am 5. Dezember 1747 brach in der Kunstkamera ein Brand aus, der einen Großteil der Sammlung zerstörte. Erst 1766 konnten die Überreste der Sammlung in der wiederaufgebauten Kunstkamera der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Ab 1767 machte sich der neu ernannte Museumsdirektor Pallas daran, die Sammlung neu zu ordnen und den Bestand wieder aufzufüllen. Da in den Jahren 1768 bis 1773 viele Expeditionen in den Osten des riesigen Landes entsandt wurden, vergrößerten die mitgebrachten Proben den Bestand erheblich. Insgesamt gingen in diesen sechs Jahren mehr als 1500 Gesteins- und Mineralproben aus Sibirien, Jakutien, dem Altai, dem Ural und der Aralo-Kaspischen Niederung ein. Darunter waren bislang unbekannte Minerale wie Wiluit, Grossular, Baikalit und der bekannte Meteorit Krasnojarsk.

Parallel wurden Proben aus allen im Betrieb befindlichen russischen Minen gesammelt. Die Provinzämter sollten Proben von natürlichen Rohstoffen sammeln und an die Kaiserliche Akademie der Wissenschaften nach St. Petersburg senden. Dadurch wuchs der Bestand beträchtlich. Von 1770 bis 1781 wurden die Neuerwerbungen von Erich G. Laxmann (1737–1796) betreut. Pallas und der Naturwissenschaftler Iwan Iwanowitsch Lepjochin kauften gleichzeitig im In- und Ausland Privatsammlungen an und führten sie dem Mineralienkabinett zu. Mit mehr als 9000 Mineralproben wurde das Mineralienkabinett zur führenden mineralogischen Sammlung in Europa.

Ab den 1780er Jahren hielt Wassili Michailowitsch Sewergin (1765–1826) öffentliche Vorträge zu mineralogischen Themen, bei denen er auch ausgewählte Mineralien präsentierte. Diese Vorträge stießen auf reges Interesse der Öffentlichkeit. Die Sammlung wurde anfänglich auch für die Lehrzwecke der Kaiserlichen Universität St. Petersburg genutzt, die allerdings seit 1785 über ein eigenes Mineralogisches Museum verfügte. Um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden, teilte die Kaiserliche Akademie der Wissenschaften dem Mineralienkabinett zwei zusätzliche Säle in der Kunstkamera zu. Außerdem verstärkte Johann Gottlieb Georgi (1729–1802) das Forschungsteam. Die gesamte Sammlung wurde in zwei Gruppen aufgeteilt: russische und ausländische Mineralien und Gesteine. Die Fossilien wurden getrennt aufbewahrt. Allerdings existierte keine systematische Einteilung der Sammlungsgegenstände. Vielmehr wurden sie nach äußeren Ähnlichkeiten oder ähnlichen physikalischen Eigenschaften eingeteilt. Ein wichtiger Schritt stellte die vollständige Inventarisation und Katalogisierung der Sammlung im Jahr 1789 dar.

Ausbau des Mineralienkabinetts zur größten Mineraliensammlung in Russland (1790–1836) 1801 wurde der Sammlung eine große Anzahl von Mineralien aus dem Altai zugeführt. Im Jahr 1807 wurde Wassili Michailowitsch Sewergin (1765–1826) auf Vorschlag von Nikolai Jakowlewitsch Oserezkowskij (1750–1827) zum neuen Direktor des Mineralienkabinetts ernannt, der dieses Amt bis zu seinem Tode ausübte.

Wegen Napoleons Russlandfeldzug von 1812 musste die Sammlung nach Petrosawodsk evakuiert werden. Nach Beendigung des Feldzugs wurden die Materialien wieder in die Kunstkamera gebracht. Zusätzlich zur bestehenden Ausstellung wurden zwei neue Bereiche geschaffen: die pädagogische Sammlung für Lehrzwecke sowie die geografische Sammlung, die nun die Materialien nicht nach deren Aussehen und Eigenschaften geordnet zeigte, sondern nach ihrer Herkunft. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts war der Bestand des Mineralienkabinetts auf 10.550 Einzelstücke, davon 3460 aus Russland und 6125 aus dem Ausland, angewachsen.

Das erste Viertel des 19. Jahrhunderts war durch verstärkte Forschungs- und Publikationsarbeit gekennzeichnet, nicht zuletzt durch den Direktor Sewergin selbst. Allerdings endete die intensive Forschungsarbeit mit dem Tod Sewergins. 1829 wurde Adolph Theodor Kupffer (1799–1865) zu seinem Nachfolger ernannt. Unter seiner Führung wurde die Sammlung um schwedische, norwegische und englische Gesteinsproben erweitert. Außerdem wurden Teile der bedeutenden Sammlung des russischen Diplomaten und Mineralogen Heinrich von Struve aus Hamburg angekauft.

1835 wurde die Kunstkamera neu geordnet. Während die ethnografische und historisch-archäologische Sammlung im alten Gebäude verblieben, zog das Mineralienkabinett in ein neues Gebäude in der nahegelegenen Zollgasse () um.

Umwandlung des Mineralienkabinetts in das Mineralogische Museum und Jahre der Stagnation (1836–1873) 1836 wurde das Mineralienkabinett zu einer eigenständigen Einrichtung der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Das Museum wurde nun vom Geologen Gregor von Helmersen (1803–1885) geleitet. Mit dem Beginn der 1840er Jahre wurde die Forschung eingestellt und man beschränkte sich in den folgenden Jahrzehnten auf rein museale Aufgaben. Von 1845 bis 1857 war Constantin von Grewingk (1819–1887) Museumsdirektor. Ihm folgte in den Jahren 1857 bis 1866 der deutsche Geologe Friedemann Adolph Goebel (1826–1895) und in den Jahren 1866 bis 1873 Nikolai Iwanowitsch Kokscharow (1818–1893), der jedoch seine Aufmerksamkeit mehr dem Bergbau-Institut (der späteren Staatlichen Bergbau-Universität Sankt Petersburg) widmete. In diesen vier Jahrzehnten trug das Museum wenig zur Entwicklung der Mineralogie bei.

Aufschwung der Sammlung und Weiterentwicklung zum Geologischen Museum (1873–1919) Mit dem Amtsantritt des Paläontologen Friedrich Schmidt (1832–1908) im Jahr 1873 kam der Umschwung und die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts war durch ein weiteres Anwachsen der Sammlung gekennzeichnet. Es wurden bedeutende Privatsammlungen, wie beispielsweise 1868 von Iwan Petrowitsch Balaschow (; 1842–1919/1924), 1877 von Graf Alexander Grigorjewitsch Stroganow (; 1795–1891) oder 1877 von Alexander Fjodorowitsch Folbort (; 1800–1876), angekauft. Unter seiner Amtszeit verlagerte sich der Sammlungsschwerpunkt hin zu geologischen und paläontologischen Gegenständen. Diese Entwicklung spiegelte sich dann auch 1898 in einer Umbenennung in „Geologisches Museum der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften“ wider. Die Abwendung von den Wurzeln der Mineralogie blieb nicht ohne Widerspruch. So forderte der Präsident der Kaiserlichen St. Petersburger Mineralogischen Gesellschaft, Alexander Petrowitsch Karpinski (1847–1936), vehement die Rückbesinnung auf die Mineralogie, die dann auch erfolgte.

1900 wurde Feodossi Nikolajewitsch Tschernyschow (1856–1914) zum neuen Direktor ernannt. In seine Zeit fiel die Vereinigung der vorher unabhängigen mineralogischen Abteilungen mit der geologisch-paläontologischen Abteilung. 1903 wurde das Museum in Geologisches Museum, benannt nach Kaiser Peter dem Großen der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften umbenannt. Tschernyschow berief 1900 Wiktor Iwanowitsch Worobjow (, 1875–1906) zum Leiter der mineralogischen Abteilung. Dieser sorgte 1906 dafür, dass die umfangreiche Sammlung der Kaiserlichen St. Petersburger Mineralogischen Gesellschaft an das Museum übertragen wurde. Im selben Jahr wurde der Mineraloge Wladimir Iljitsch Kryschanowski (1881–1947) eingestellt, der ab 1930 Leiter der mineralogischen Abteilung und dann ab 1945 bis zu seinem Tod Leiter des Mineralogischen Museums wurde.

Die Sammlung war durch einen regen Ausstellungsbetrieb in Unordnung geraten. Kryschanowski machte sich an die Erstellung eines Inventars, die Signierung der Ausstellungsstücke, die Erstellung eines Kartenkatalogs für Minerale und Lagerstätten sowie die Errichtung eines Dublettenfonds für den Austausch von Gegenständen mit anderen Sammlungen. Für die Einordnung benutzte er die Systematik des amerikanischen Geologen James Dwight Dana (1813–1895), die bis 1984 im Museum verwendet wurde, bevor auf die Systematik nach Strunz umgestellt wurde, die auch die International Mineralogical Association (IMA) und ihre wichtigste Kommission CNMNC (Kommission für neue Minerale, Mineralnamen und Klassifikation) bis 2009 aktualisierte.

1912 wechselte Wladimir Iwanowitsch Wernadski von der Lomonossow-Universität Moskau nach St. Petersburg und wurde dort neuer Direktor des Museums, das im selben Jahr in Geologisches und Mineralogisches Museum, benannt nach Kaiser Peter dem Großen der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften umbenannt wurde. Er errichtete ein neues mineralogisches und geochemisches Labor, in dem sein Schüler Konstantin Awtonomowitsch Nenadkewitsch (, 1880–1963) arbeitete. Das Labor für Spektroskopie wurde von Boris Alexandrowitsch Lindener geleitet. Bekannte Laboranten waren Jelisaweta Dmitrijewna Rewuzkaja (, 1866–1942) und Alexander Jewgenjewitsch Fersman (1883–1945), der spätere langjährige Museumsdirektor. Untersucht wurden seltene Elemente (beispielsweise Cäsium oder Thallium) oder radioaktive Elemente, deren spezielle Eigenschaften erst 1896 durch Henri Becquerel entdeckt wurden. Alle mineralogischen und später geochemischen Einrichtungen der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften nahmen ihren Ursprung in diesem Labor. Auch wurden unter der Leitung Wernadskis Expeditionen ausgesandt, um neue Mineralien zu entdecken und der Sammlung zuzuführen. Weiterhin legte Wernadski besonderen Wert auf außerirdisches Material. Sein Mitarbeiter Leonid Alexejewitsch Kulik wurde zum Experten für Meteoriten.