Long COVID bezeichnet vorübergehende oder dauerhafte gesundheitliche Folgen einer SARS-CoV-2-Infektion. Eine einheitliche Definition liegt bislang nicht vor. Eine akute COVID-19-Erkrankung dauert in der Regel bis zu vier Wochen, sie kann allerdings, etwa bei erforderlicher stationärer Behandlung auf einer Intensivstation, auch mehrere Monate anhalten. Längerfristige Symptome, die über diesen Zeitraum hinaus bestehen oder zusätzlich auftreten, werden oft als Long COVID bezeichnet.

Als Post-COVID(-19)-Syndrom oder Post-COVID-Syndrom (PCS), bzw. Post-COVID-Zustand werden Folgen einer akuten SARS-CoV-2-Infektion bezeichnet, die länger als zwölf Wochen (bei Kindern und Jugendlichen acht Wochen) nach Infektion andauern oder neu auftreten.

Die Ausprägungen von Long COVID sind sehr unterschiedlich. Sie umfassen eine Verschlechterung bestehender Krankheiten, neu aufgetretene Erkrankungen, Organschäden und postinfektiöse Symptome. Häufige Symptome sind Fatigue (eine starke Entkräftung), post-exertionelle Malaise (Zustandsverschlechterung nach Belastung), Störungen der geistigen Leistungsfähigkeit und autonomer Körperfunktionen, Atembeschwerden sowie mehrere Arten von Schmerzen.

Die genauen Krankheitsmechanismen sind unbekannt. Beschrieben werden vor allem Störungen des Immunsystems, des Nervensystems, der Durchblutung, des Stoffwechsels und des Magen-Darm-Trakts. Die Behandlung richtet sich nach den jeweiligen Ausprägungen. Eine ursächliche Therapie gibt es nicht, einige Symptome können jedoch gelindert werden.

Zur Verbreitung gibt es verschiedene Schätzungen. Long COVID betrifft Erwachsene häufiger als Kinder und Jugendliche. Frauen haben ein höheres Risiko als Männer. Langzeitfolgen kommen nach schwerem Krankheitsverlauf häufiger vor, können aber auch nach mildem Verlauf oder einer unbemerkten Infektion auftreten.

Bezeichnungen und Definitionen

Long COVID Bereits im Mai 2020, kurz nach Beginn der COVID-19-Pandemie, berichteten Menschen in verschiedenen sozialen Netzwerken, dass sie sich nicht von einer COVID-19-Erkrankung erholt hatten. Die Bezeichnung Long COVID (auch Long-COVID oder Long Covid) wurde erstmals zur Beschreibung von eigenen anhaltenden Beschwerden nach durchgemachter COVID-19 als Hashtag #longcovid in einem Tweet auf der Kurznachrichtenplattform Twitter (heute: X) von Elisa Perego verwendet.

Mit der Zeit hat sich Long COVID zu einem Sammelbegriff aller langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen einer SARS-CoV-2-Infektion entwickelt. Er umfasst die Gesamtheit gesundheitlicher Probleme im Zusammenhang mit einem überlangen Verlauf einer zuvor akuten SARS-CoV-2-Infektion und ist der meistverwendete Begriff im Zusammenhang mit Langzeitfolgen einer SARS-CoV-2-Infektion.

Die National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine beschreiben Long COVID als komplexen, chronischen Krankheitszustand, der mehrere Organsysteme des Körpers betrifft.

Long COVID – Post-COVID-Syndrom Eine einheitliche Definition des Begriffs Long COVID existiert noch nicht. Derzeit werden einige unterschiedliche Definitionen parallel verwendet. Der Begriff Long COVID wird häufig vom Begriff Post-COVID-Syndrom abgegrenzt, teilweise werden die Begriffe aber auch synonym benutzt. In den aktuellen deutschen und österreichischen Leit- und Richtlinien wird wie folgt unterschieden:Richtlinie über eine berufsgruppenübergreifende, koordinierte und strukturierte Versorgung für Versicherte mit Verdacht auf Long-COVID und Erkrankungen, die eine ähnliche Ursache oder Krankheitsausprägung aufweisen (Long-COVIDRichtlinie/LongCOV-RL) (PDF; 0,1 MB), Gemeinsamer Bundesausschuss, 21. Dezember 2023, S. 2, abgerufen am 29. Juli 2024., S. 71.

Als Long-COVID werden sämtliche anhaltenden oder neu auftretenden Symptome oder Krankheitsbilder in Folge einer akuten SARS-CoV-2-Infektion bezeichnet, die länger als vier Wochen nach Infektion andauern oder ab einer Zeit von vier Wochen nach Infektion auftreten.

Als Post-COVID(-19)-Syndrom bzw. Post-COVID-Zustand werden Folgen einer akuten SARS-CoV-2-Infektion bezeichnet, die länger als zwölf Wochen (bei Kindern und Jugendlichen acht Wochen) nach Infektion andauern oder neu auftreten. Dies gilt auch für Patienten, die infolge einer Infektion mit SARS-CoV-2 den Verdacht oder die Diagnose einer Myalgischen Enzephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndromes (ME/CFS) aufweisen oder nach einer Impfung zur Prophylaxe einer COVID-19-Erkrankung Long-COVID-ähnliche Symptome aufweisen.

In Anlehnung an den Cochrane Rehabilitation-Review von 2020M.G. Ceravolo, C. Arienti, A. de Sire et al.: Rehabilitation and COVID-19: the Cochrane Rehabilitation 2020 rapid living systematic review. Eur. J. Phys Rehabil. Med. 2020; 56, S. 642–651. doi:10.23736/S1973-9087.20.06501-6. kann gemäß deutscher Leitlinie eine der folgenden Kategorien herangezogen werden, um ein Post-COVID-Syndrom zu diagnostizieren:, S. 11.

Symptome, die nach einer akuten COVID-19 oder deren Behandlung fortbestehen, neue Symptome, die nach dem Ende der akuten COVID-19-Phase auftreten, aber als Folge der SARS-CoV-2-Infektion verstanden werden können, Verschlechterung einer vorbestehenden Erkrankung in Folge einer SARS-CoV-2-Infektion.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert gemäß österreichischer Leitlinie einen Post-COVID-Zustand (, PCC) wie folgt:

In der Regel Auftreten bis 3 Monate nach Beginn der COVID-19/SARS-CoV-2-Infektion, Symptome, die über mindestens 2 Monate bestehen und nicht durch eine andere Diagnose erklärt werden können, Symptome haben generell Bedeutung für die Alltagsfunktion der Betroffenen, Symptome, die eventuell nach ausgehender Erholung von der akuten COVID-19-Episode aufgetreten sind oder seit der ausgehenden Erkrankung bestehen, Symptome, die wechselhaft sind oder im Verlauf wiederkehren.

Weitere Bezeichnungen Bezeichnungen, die ebenfalls im Zusammenhang mit Langzeitfolgen einer SARS-CoV-2-Infektion verwendet werden, sind unter anderem: Anhaltende Folgen von COVID-19, postvirales Zustandsbild nach COVID-19, Post COVID (auch Post-COVID oder Post Covid), postviraler Zustand nach COVID, chronisches COVID Syndrom (CCS), (PASC) oder .

Long-COVID-ähnliche Symptome infolge einer Impfung gegen das Virus werden als Post-Vac-Syndrom bezeichnet.

Symptome und Krankheiten Long COVID manifestiert sich in vielfältigen Symptomen oder Krankheiten, die vorübergehend (über Wochen, Monate oder Jahre) oder dauerhaft anhalten können,Signs and Symptoms of Long COVID. Centers for Disease Control and Prevention, 11. Juli 2024, abgerufen am 31. Juli 2024. und umfasst neue oder bereits vorhandene Krankheitszustände, die sich verschlechtern. Es werden bis zu 200 verschiedene Symptome beschrieben, die jeden Bereich des Körpers betreffen können.Carmen Scheibenbogen, Herbert Renz-Polster, Bettina Hohberger et al.: Post COVID und Post-Vakzin-Syndrom. Die Pandemie nach der Pandemie. In: Deutsches Ärzteblatt. Band 120, Nr. 13, 31. März 2023, S. A-566, https://www.aerzteblatt.de/archiv/230502/Post-COVID-und-Post-Vakzin-Syndrom-Die-Pandemie-nach-der-Pandemie (abgerufen am 31. Juli 2024). Die Symptome können einzeln oder in Kombination auftreten und sich über die Zeit verändern, zeitweilig unterbrochen sein und wieder neu auftreten.Wissenswertes für Erkrankte und Interessierte. In: BMG-Initiative-Long-COVID. Bundesministerium für Gesundheit, Juni 2023, abgerufen am 1. August 2024. Aktueller Forschungsgegenstand ist es, Untergruppen und Symptomcluster herauszubilden.

Der Schweregrad der Symptome reicht von leichten bis schweren Einschränkungen und einer Behinderung. Die Fähigkeit an Aktivitäten des alltäglichen Lebens teilzuhaben kann eingeschränkt sein. Ein Teil der Betroffenen ist nur eingeschränkt schul- bzw. arbeitsfähig oder schul- bzw. arbeitsunfähig. Einige Erkrankte sind pflegebedürftig.Carmen Scheibenbogen, Herbert Renz-Polster, Bettina Hohberger et al.: Post COVID und Post-Vakzin-Syndrom. Die Pandemie nach der Pandemie. In: Deutsches Ärzteblatt. Band 120, Nr. 13, 31. März 2023, S. A-570, https://www.aerzteblatt.de/archiv/230502/Post-COVID-und-Post-Vakzin-Syndrom-Die-Pandemie-nach-der-Pandemie (abgerufen am 31. Juli 2024).

Zu den häufigsten Symptomen von Long COVID zählen Kurzatmigkeit, Fatigue (eine starke Entkräftung) und Störungen der geistigen Leistungsfähigkeit () wie Konzentrations- und Gedächtnisstörungen.S. Morgan, J. M. Smith, B. Thomas, M. Moreno, C. Visovsky, T. Beckie: Risk Factors and Predictors for Persistent Dyspnea Post-COVID-19: A Systematic Review. In: Clinical nursing research. [elektronische Veröffentlichung vor dem Druck] Januar 2025, doi:10.1177/10547738251314076, PMID 39876047. Berichte über anhaltende Kurzatmigkeit liegen zwischen 26 % und 41 %, wobei auch weitere Atembeschwerden wie Atemnot bei Belastung und anhaltender Husten möglich sind.Wissenswertes für Erkrankte und Interessierte. In: BMG-Initiative-Long-COVID. Bundesministerium für Gesundheit, Juni 2023, abgerufen am 1. August 2024. Über 50 % der Betroffenen sind von post-exertioneller Malaise (Zustandsverschlechterung nach Belastung) betroffen. Weitere mögliche Symptome sind Störungen autonomer Körperfunktionen wie eine orthostatische Intoleranz mit unter anderem Benommenheit, Schwindel, kurzzeitiger Bewusstlosigkeit und Herzklopfen nach dem Aufrichten,Carmen Scheibenbogen, Herbert Renz-Polster, Bettina Hohberger et al.: Post COVID und Post-Vakzin-Syndrom. Die Pandemie nach der Pandemie. In: Deutsches Ärzteblatt. Band 120, Nr. 13, 31. März 2023, S. A-567, https://www.aerzteblatt.de/archiv/230502/Post-COVID-und-Post-Vakzin-Syndrom-Die-Pandemie-nach-der-Pandemie (abgerufen am 31. Juli 2024). Gelenk- und/oder Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, psychiatrische Manifestationen wie eine Angststörung oder depressive Verstimmungen, Störungen oder Verlust des Riech- und/oder Schmeckvermögens, Schlafstörungen, Brustschmerzen oder Brustenge, sexuelle Fehlfunktion, Menstruationsstörungen und -beschwerden, Bauchschmerzen, Übelkeit und Verdauungsbeschwerden, Nervenschmerzen und andere Missempfindungen, Haarausfall sowie Hörstörungen wie Tinnitus.

Die Symptome von Long COVID weisen Gemeinsamkeiten mit den Symptomen anderer postakuter Infektionssyndrome auf. Bei einem Teil der Long-COVID-Betroffenen wird die Myalgische Enzephalomyelitis/das Chronische Fatigue-Syndrom (ME/CFS) diagnostiziert. Manifestationen, die das autonome Nervensystem betreffen, sind vor allem das posturale (orthostatische) Tachykardiesyndrom (POTS) und seltener die vasovagale Synkope sowie die orthostatische Hypotonie. Auch die Small-Fiber-Neuropathie kann eine Ausprägung sein. Symptome des Mastzellaktivierungssyndroms (MCAS) treten bei Long COVID vermehrt auf. Einige Erkrankte erfüllen die Kriterien einer Fibromyalgie.

Außerdem werden Diabetes Typ 2, Autoimmunerkrankungen wie das Guillain-Barré-Syndrom, Diabetes Typ 1, autoimmune Polyneuropathien und Enzephalitiden oder Lupus erythematodes und Venenthrombosen beobachtet. Des Weiteren kann Long COVID als Folge der Infektion oder der COVID-19-Therapie zu Schädigungen an Organen wie Lungenfibrose, Schlaganfällen, Herz- oder Nierenerkrankungen führen.

Abzugrenzen sind Symptome des Post-Intensivpflege-Syndroms (, PICS) und einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS), die nach intensivmedizinischer Behandlung eines schweren COVID-19-Verlaufs auftreten können.

Verbreitung

Gesamtverbreitung Stand 2024 ist keine Aussage über die genaue Verbreitung von Long COVID möglich.Wissenswertes für Erkrankte und Interessierte. In: BMG-Initiative-Long-COVID. Bundesministerium für Gesundheit, Juni 2023, abgerufen am 1. August 2024. Beschreibungen unterscheiden sich in wissenschaftlicher Literatur.