Salomo Salman Zevi Hirsch, auch Salomon Tsebi, Shlomo Zalman Zvi Hirsh ben Elʿazar, Salmen Zewi Uffhusen, u. ä. (; geboren in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Aufhausen unter Schenkenstein; gestorben zwischen 1615 (1677?) und 1681 vermutlich in Regensburg) war ein Geldhändler und jüdischer Theologe.
Leben Sohn des Lazarus Hirsch Salman Zevi bzw. Salomon Hirsch war ein Sohn des Elasar (Lazarus)Eintrag in der Bibliography of The Hebrew Book des Institute for Hebrew Bibliography der Hebrew University of Jerusalem; Namensvariante in der Normdatei des Virtual International Authority File u. a.Prozessakten, Bayerisches Hauptstaatsarchiv München (RKG 7237); Manfred Hörner (Bearb.): Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Reichskammergericht, Bd. XIII Nr. 5283–5568 . München 2006, Nr. 5423, S. 183–186. aus dem Dorf Aufhausen (אופהױזן, אױפהוסן, אױפן הױזן) am Westrand des Nördlinger Ries. Die Schenken von Ehringen genannt von Schenkenstein (von Stein) hatten nach 1507 hier und in ihren Nachbardörfern viele aus Nördlingen vertriebene Juden aufgenommen.Felix Sutschek, Bernhard Hildebrand: Museum zur Geschichte der Juden im Ostalbkreis in der ehemaligen Synagoge Bopfingen-Oberdorf. Trägerverein Ehemalige Synagoge Oberdorf, Bopfingen 2004, S. 10. Der jüdische Familienname „Hirsch“ (צבי Zebi) – ursprünglich der verdeutschte Rufname אילה Ajjala „Gazelle“ des hebräischen Stammes Naftali –Leopold Zunz: Namen der Juden. Eine geschichtliche Untersuchung. L. Fort, Leipzig 1837, S. 50 (books.google.de) ist 1428 in Nördlingen belegt.Ludwig Müller: Aus fünf Jahrhunderten. Beiträge zur Geschichte der jüdischen Gemeinden im Riess. In: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben und Neuburg. Band 25, 1898, S. 1–124; Band 26, 1899, S. 81–182, bes. Band 26, 1899, S. 174.
Salomo Hirschs Vater Lazarus (geb. vor 1530; gest. nach 1602) unterhielt 1560/62 außer im schenkensteinischen Aufhausen noch einen weiteren Wohnsitz im etwa 10 km entfernten Ort Pflaumloch, der im Herrschaftsgebiet der Grafen von Oettingen lag.Kaspar Egertenmeier und Leonhard Scheitlin, beide aus Sechtenhausen, als Pfleger des Hans, Sohn des Klaus Scheitlin daselbst ./. Hirsch, Jude zu Aufhausen (zugestellt in Pflaumloch), und Samuel, Jude zu Trendel (zugestellt in Polsingen). Schuldklagen vor dem Hofgericht Rottweil und dem Reichskammergericht, 1560–1562; Landesarchiv Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart (Reichskammergericht, Nr. 3804 (S 2704)); Alexander Brunotte, Raimund J. Weber (Bearb.): Akten des Reichskammergerichts im Hauptstaatsarchiv Stuttgart. Inventar des Bestands C 3, Bd. XLVI/6 S–T. (= Veröffentlichungen der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg. 46). W. Kohlhammer, Stuttgart 2005, S. 128f. (books.google.de; eingeschränkte Vorschau). Er tätigte Kreditgeschäfte: Um 1548 war er Gläubiger des Gerbers Nikolaus Most (Klaus Mosch) aus Aalen.Alexander Brunotte, Raimund J. Weber (Bearb.): Akten des Reichskammergerichts im Hauptstaatsarchiv Stuttgart. Inventar des Bestands C 3. Bd. XLVI/4: I–M. (= Veröffentlichungen der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg. 46). W. Kohlhammer, Stuttgart 2000, Nr. 2899 (M 3274), S. 499. 1549/50 verschrieb ihm Melchior Rem genannt Pilatus ohne obrigkeitliche Zustimmung als Sicherheit für ein Darlehen über insgesamt 90 Gulden einen der Johanniterkommende Kleinerdlingen zins- und lehenbaren Hof. Bei späteren Prozessen in dieser Angelegenheit vor dem kaiserlichen Hofgericht in Rottweil und dem Reichskammergericht in Speyer wurde Hirsch durch einen Schirm- und Anleitbrief an Graf Friedrich V. (oder VI.) von Oettingen-Wallerstein geschützt.Prozessakten Philipp Riedesel von Camberg, Komtur des Johanniterordens zu Kleinerdlingen, vertreten durch seinen Verwalter Gebhard Koch, sowie deren Untertan Michael Dieterich zu Kleinerdlingen ./. (Bekl. 1. Instanz) Jude Hirsch zu Pflaumloch, 1576–1584; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München (RKG 7127); Manfred Hörner (Bearb.): Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Reichskammergericht, Bd. XIII Nr. 5283–5568. München 2006, Nr. 5383 (J 550), S. 133f. (books.google.de; eingeschränkte Vorschau). 1563, 1567Ratsprotokolle der Reichsstadt Bopfingen, Einträge vom 21. Oktober 1563 (Hirsch ./. Balthasar Enßlin) und 19. Juni 1567 (Jud Hirsch und Nemlin (wohl richtig: Henlin) aus Pflaumloch ./. Jakob Beck wegen einer Schuld von 380 Gulden); Wilfried Sponsel: Quellen und Bestände der Fürstlich Oettingischen Archive auf der Harburg zur Geschichte der Juden in der Grafschaft Oettingen. In: Peter Fassl (Hrsg.): Neuere Forschungen und Zeitzeugenberichte. (Geschichte und Kultur der Juden in Schwaben 2). Thorbecke, 2000, S. 161–174, bes. S. 163. und 1582Akte Schuldurkunde des früheren Müllers von Oberdorf Jakob Beck … bis zur Gesamtsumme von 380 Gulden des Kaiserlichen Reichshofrats (Hirsch, Jude, aus Pflaumloch ./. Bürgermeister und Rat der Bopfingen), 1582; Alte Prager Akten (K. 84; Akte 1954). werden Rechtsstreitigkeiten des Juden Hirsch aus Pflaumloch mit Bürgern der Freien Reichsstadt Bopfingen erwähnt.
Geldhändler in Aufhausen mini|links|Jüdischer Friedhof in Aufhausen|150px
Lehensherren der vierherrischen Gemeinde Aufhausen waren der Fürstbischof von Augsburg, der Herzog von Pfalz-Neuburg, der Fürstpropst von Ellwangen und der Markgraf von Brandenburg-Ansbach; die heimgefallenen Lehen der Schenken von Schenkenstein und ihre allodialen Anteile fielen nach längeren Streitigkeiten um 1590/95 an die Herren von Gundelsheim. Die Herren von Gundelsheim verkauften ihren Anteil an Aufhausen 1613 und die Brandenburger den ihrigen 1615Hermann Bauer: Die Schenken von Ehringen und Schenkenstein. In: Jahresbericht des Historischen Kreis-Vereins im Regierungsbezirke von Schwaben und Neuburg. Band 32, 1867, S. 56–84, bes. S. 84 (books.google.de) an die Grafen von Oettingen. In den Nördlinger Missivenbüchern (Kopien des Kanzleiausgangs) werden die Namen der Juden genannt, die die Nördlinger Pfingstmesse besuchten, darunter in einem ausgewerteten Zeitraum zwischen 1587 und 1600 „Hirsch, Lazarus, Salomon“ in Aufhausen.Ludwig Müller: Aus fünf Jahrhunderten. Beiträge zur Geschichte der jüdischen Gemeinden im Riess. In: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben und Neuburg. Band 25, 1898, S. 1–124; Band 26, 1899, S. 81–182, bes. Band 26, 1899, S. 176, 179, 180 und 182 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München).Paul Sauer (Bearb.): Die jüdischen Gemeinden in Württemberg und Hohenzollern. Denkmale • Geschichte • Schicksale. (= Veröffentlichungen der Staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg 18; Inventar der Akten des Reichskammergerichts 16). W. Kohlhammer, Stuttgart 1966, S. 29. (books.google.de; eingeschränkte Vorschau). Salman Zevi erwähnt als Nachbardorf von Aufhausen auch Röttingen (ריטינגן).Salomon Zevi: יודישר טירייאק [= Judischer Theriak]. Typographia Orientalis, Hanau 5375 AM = 1615, Kap. 4, § 12, Bl. 25 (Digitalisat der Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg) = (lateinische Übersetzung) Theriaca Judaica, Sive Liber salutaris, ac planè pharmaceuticus. Nürnberg 1681, S. 225. (books.google.de) zum Jahr 1608.
„Salman Zevi oder Salomon Hirsch“ soll nach älterer Literatur Rabbiner in Aufhausen („Offenhausen“) gewesen sein; christliche Autoren erschließen dies aus seiner Verfasserschaft eines theologischen Buches.Sigismund Hosmann: Das schwer zu bekehrende Juden-Hertz. Hoffmann, Helmstedt 1699, S. 46 (ergänzt 2. Aufl. 1701, S. 48f); Johann Jacob Schudt: Jüdischer Merckwürdigkeiten … I. Theil und … II. Theil. Hocker, Frankfurt am Main 1714. (Google-Books und books.google.de) u. a. Nach urkundlichen Belegen war Salomo Hirsch wie sein Vater im Kreditgeschäft tätig und wird dabei – im Gegensatz zu anderen Personen in diesem Kontext – nicht als „Rabbi“ bezeichnet.
Gläubiger des Wolf Wilhelm von Knöringen Ende des 16. Jahrhunderts hatte sich Wolf Wilhelm von Knöringen (1560–1616) zu Weiltingen und Emersacker hoch verschuldet.Zum Folgenden Prozessakten Jude Bemmel (auch: Bimmel), gräflich oettingen-wallersteinischer Schutzjude, unter kaiserlichem Geleit zu Pappenheim, später zu Grünstadt wohnhaft ./. … Vormünder der Erben Graf Wilhelms II. von Oettingen-Wallerstein sowie deren Kanzler und Räte zu Wallerstein, 1603–1631; Bayerisches Hauptstaatsarchiv München (RKG 7237); Manfred Hörner (Bearb.): Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Reichskammergericht, Bd. XIII Nr. 5283–5568. München 2006, Nr. 5423, S. 183–186; (selbes Rubrum), 1608–1611 (RKG 7240); ebenda, Nr. 5424, S. 186; Jude Abraham Fräncklin, gräflich oettingischer Schutzjude zu Wallerstein (Bekl. 1. Instanz) ./. Jude Bemmel zu Grünstadt (Kl. 1 .Instanz), 1608–1612 (RKG 7244); ebenda, Nr. 5417, S. 175.Manfred Hörner: Bemmel, ein Geldverleiher und Viehhändler aus dem schwäbisch-fränkischen Grenzgebiet. In: Manfred Treml (Hrsg.): Lebensläufe. (Geschichte und Kultur der Juden in Bayern 12). Saur, München 1988, S. 31–35. Auch dem Juden Lazarus zu Aufhausen stellte er 1598 eine Schuldverschreibung über 8700 Gulden aus.Bayerisches Hauptstaatsarchiv München (RKG 7237 Q 31). Seit etwa 1600 bemühte sich Wolf Ulrich von Knöringen († 1602) zu Weitingen und Emersacker, der Vater des Wolf Wilhelm von Knöringen, die Schulden seines Sohnes heimlich aufzukaufen und zu begleichen.Zum Folgenden Manfred Hörner: Bemmel, ein Geldverleiher und Viehhändler aus dem schwäbisch-fränkischen Grenzgebiet. In: Manfred Treml (Hrsg.): Lebensläufe. (Geschichte und Kultur der Juden in Bayern 12). Saur, München 1988, S. 31–35. Er und sein Schwager Heinrich Steinhäuser von Neidenfels († 1606) beauftragten den Juden Bemmel Judt„Judt; Jud“ aus Bechhofen ist Familienname; vgl. Quittungen des Pimel (Bemel) Jud zu Oettingen und Pappenheim, 1604 und 1606; Staatsarchiv Ludwigsburg (B 113 I Limpurg-Obersontheim, Erbschenken, Bü 1935) u. a. – eigentlich Benjamin, Sohn Joels –, einen Geldverleiher und Pferdehändler,Claudia Steffes-Maus: Zum jüdischen Pferdehandel im Rothenburger Umland während des frühen 17. Jahrhunderts. In: Sigrid Hirbodian (Hrsg.): Pro Multis Beneficiis. FS Friedhelm Burgard. (Trierer historische Forschungen 68). Kliomedia, Trier 2012, S. 255–270, bes. S. 258, 261 und 265 (PDF auf der Website des Projekts Medieval Ashkenaz der Universität Trier). gegen Provision, die Schuldverschreibungen für maximal die Hälfte des NominalbetragsUm den in den Reichspolizeiverordnungen von 1548 und 1577 vorgeschriebenen Maximal-Zinssatz von 5 % (→ Wucher) zu umgehen, enthielt der Nominalbetrag in Darlehnsverträgen der Frühen Neuzeit manchmal bereits einen eingerechneten Zins-Anteil über das tatsächlich verliehene Kapital hinaus.„Für zehen schribt man eylff jnns buoch“ im Abschnitt „wuocher vnd furkouff“; Sebastian Brant: Das Narrenschiff. Johann Bergmann, Basel 1494 (staatsbibliothek-berlin.de) mit Kritik an christlichen Wucherern. aufzukaufen. Bemmel stammte aus Bechhofen und stand unter dem Schutz des Ortsadeligen Hans Jakob von Seckendorff-Pfaff (1559–1616/18) zu Bechhofen,Sohn des Hans Arnold von Seckendorff und der Magdalena Schenck von Schenkenstein. der mit Sibylla von Knöringen (1565–1653), einer Nichte des Wolf Ulrich von Knöringen, verheiratet war.Gerhard Rechter: Die Seckendorff. Bd. II Die Linien Nold, Egersdorf, Hoheneck und Pfaff. (= Veröffentlichungen der Gesellschaft für Fränkische Geschichte. Reihe 9 Darstellungen aus der fränkischen Geschichte. 36,2). Degener, Neustadt an der Aisch 1990, S. 219. Nach Vorwürfen seines Auftraggebers wegen angeblich überhöhter Provisionen kam Bemmel im November 1600 für eine Woche in Wallerstein in Haft, wurde jedoch auf Intervention seines Schutzherrn Hans Jakob von Seckendorff-Pfaff hin wieder freigelassen und musste Urfehde leisten.Bayerisches Hauptstaatsarchiv München (RKG 7237 Q 7).