miniatur|Nikola Karev Nikola Janakiev Karev (, bulgarische Schreibweise bis 1945 Никола Янакиевъ Каревъ , ; * in Kruševo, Osmanisches Reich, heute Nordmazedonien; † in Rajčani, Osmanisches Reich, heute Nordmazedonien) war ein bulgarisch-makedonischer Revolutionär und lokaler Anführer der Inneren Makedonisch-Adrianopeler Revolutionären Organisation (IMARO).Nikola Karev was a Bulgarian revolutionary, narrow socialist and teacher. He was an activist of the Macedonian-Adrianopolitan liberation movement and a participant in the Ilinden-Preobrazhenie uprising. Siehe: Пелтеков, Александър Г. Революционни дейци от Македония и Одринско. Второ допълнено издание. София, Орбел, 2014. ISBN 978-954-496-102-2, стр. 210-211. Karev war außerdem Lehrer im Schulsystem des bulgarischen Exarchats in seiner Heimatregion und Mitglied der Bulgarischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei.From 1900 to 1903, Karev was a teacher at the Bulgarian schools in the village of Gorno Divjaci and in his native Kruševo. Билярски, Цочо. „Никола Карев, Председателят на Крушовската република“, Сите Българи заедно. Jan 31, 2012.Bulgarians, inspired by the rise of nationalism, began to set up their own national churches and schools independently of the Patriarchate of Constantinople. In 1870 they were also allowed to establish an Exarchate, which, within the framework of the millet system, became more than a mere religious institution, coming to represent the Orthodox Bulgarians as a separate nation in the Ottoman Empire. As such, the Bulgarian Exarchate established a network of national schools where it took care of both religious and secular education of the Orthodox Bulgarians under its jurisdiction. Siehe: Maria Schnitter, Daniela Kalkandjieva, Teaching Religion in Bulgarian Schools in Adam Seligman (ed.) Religious Education and the Challenge of Pluralism. New York: Oxford University Press, 2014, S. 70–95.In Macedonia, the education race produced the Internal Macedonian Revolutionary Organization (IMRO), which organized and carried out the Ilinden Uprising of 1903. Most of IMRO’s founders and principal organizers were graduates of the Bulgarian Exarchate schools in Macedonia, who had become teachers and inspectors in the same system that had educated them. Frustrated with the pace of change, they organized and networked to develop their movement throughout the Bulgarian school system that employed them. The Exarchate schools were an ideal forum in which to propagate their cause, and the leading members were able to circulate to different posts, to spread the word, and to build up supplies and stores for the anticipated uprising. As it became more powerful, IMRO was able to impress upon the Exarchate its wishes for teacher and inspector appointments in Macedonia. Siehe: Julian Brooks, The Education Race for Macedonia, 1878—1903 in The Journal of Modern Hellenism, Vol 31 (2015) S. 23–58.Aleksandar Pavkovic, Christopher Kelen, Anthems and the Making of Nation States: Identity and Nationalism in the Balkans; Bloomsbury Publishing, 2015, ISBN 0-85772-642-0, S. 168. Während des Ilinden-Preobraschenie-Aufstands war er im August 1903 Präsident der kurzlebigen Republik Kruševo. Heute wird er sowohl in Bulgarien als auch in Nordmazedonien als Held angesehen. Leben Frühe Jahre mini|links|Karevs Geburtshaus in Kruševo, Nordmazedonien, heute ein Gedenkhaus.

Karev wurde in der Stadt Kruševo im damaligen Vilâyet Manastır des Osmanischen Reiches (heute in Nordmazedonien) geboren, wo er die dortige bulgarische Schule besuchte, jedoch nicht abschloss. Während der 1890er-Jahre arbeitete er in der bulgarischen Hauptstadt Sofia als Mauerer und Stuhlmacher für den Sozialisten Wassil Glawinow. Dort kam er mit sozialistischen Ideen in Berührung.Dimitar Bechev: Historical Dictionary of the Republic of Macedonia. Scarecrow Press, Lanham (MD)/Toronto/Plymouth 2009, S. 113–114, Eintrag Karev, Nikola. Karev schloss sich der von Glawinow angeführten sozialistischen Gruppe an und lernte durch ihn Dimitar Blagoew und andere Sozialisten kennen. Außerdem wurde er Mitglied der Bulgarischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Ab 1896 war er Mitglied der Sozialdemokratischen Gruppe Makedonien-Adrianopel, die als Teil der Bulgarischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei gegründet wurde.

1898 kehrte er nach Kruševo zurück, schrieb sich ein Jahr später das neu gegründete Bulgarische Gymnasium in Bitola ein, welches er mit dem Schuljahr 1900/01 auch abschloss. In Bitola wurde er Mitglied des dortigen Komitee der Inneren Makedonisch-Adrianopeler Revolutionären Organisation (IMARO). Zwischen 1901 und 1903 war er Exarchatslehrer an mehreren Schulen des Bulgarischen Exarchats in seiner Heimatregion (Kruševo und Gorno Divjaci) sowie Anführer einer lokalen IMARO-Tscheta. Die Lehrer und Leiter der bulgarischen Bildungsstätten wurden in dieser Zeit von der Bulgarisch-orthodoxen Kirche ernannt, zusammen mit der Kirchengemeinde oder dem Bildungsverein vor Ort mitfinanziert und unterstanden dem örtlichen Bischof. Um sich von den Bildungsstätten der Bulgarisch-katholischen Kirche zu unterscheiden, wurden die orthodoxen Schulen nach der zu dieser Zeit existierenden kirchlichen Organisation, dem Bulgarischen Exarchat, auch oft Exarchatsschulen und deren Lehrer Exarchatslehrer genannt. In beiden Bildungseinrichtungen, katholischen wie orthodoxen, zählten neben geistlichen Fächern wie Religion auch weltliche Fächer zum Unterrichtsspektrum. Zudem waren viele der Exarchatslehrer gleichzeitig Mitglieder und Anführer der IMARO.

Politische und revolutionäre Aktivitäten mini|Absolventen des bulgarischen Exarchat-Gymnasiums in Bitola aus den Jahren 1900–1901, darunter auch Nikola Karev. mini|IMARO-Komitadschi während des Ilinden-Preobraschenie-Aufstands, unter ihnen Nikola Karev, 1903.

Die erste Konferenz der Sozialdemokratischen Gruppe Makedonien-Adrianopel fand am 3. Juni 1900 in der Nähe von Kruševo statt. Dort definierten sie die Kernaspekte der möglichen Gründung einer eigenständigen Makedonischen Republik als kantonalisierten Staat, Teil einer zukünftigen Sozialistischen Balkanföderation, als multinationales Gemeinwesen mit gleichen Rechten für alle Bürger.We, the people: politics of national peculiarity in Southeastern Europe, Diana Mishkova, Central European University Press, 2009, ISBN 963-9776-28-9, S. 122. Sie hielten an der Parole „Makedonien den Makedoniern“ fest und verwendeten den Begriff „makedonisches Volk“ als Sammelbegriff für Bulgaren, Türken, Griechen, Aromunen, Albaner und Juden, die in Harmonie in einem unabhängigen Staat leben würden.Terrible Fate: Ethnic Cleansing in the Making of Modern Europe, Benjamin Lieberman, Rowman & Littlefield, 2013, ISBN 1-4422-3038-X, S. 56.Historical Dictionary of Macedonia, Historical Dictionaries of Europe, Dimitar Bechev, Scarecrow Press, 2009, ISBN 0-8108-6295-6, Introduction.

Am Vorabend des Ilinden-Preobraschenie-Aufstands im Mai 1903 wurde er in Bitola vom Korrespondenten der griechischen Tageszeitung „Akropolis“ Stamatis Stamatiou interviewt. In dem Interview äußerte Karev seine Position als radikaler Linker.Michalopoulos, G. (2014). Political parties, irredentism and the Foreign Ministry: Greece and Macedonia, 1878-1910 [PhD thesis]. Oxford University, UK. Stamatiou beschrieb ihn als bulgarisierten Makedonier. Laut Stamatiou präsentierte sich Karev als Voulgarofron (griechisch für Bulgarophiler)The term means someone with pro-Bulgarian convictions. For its English translation see Philip Carabott, "The Politics of Constructing the Ethnic 'Other': The Greek State and Its Slav-speaking Citizens, ca. 1912 - ca. 1949", S. 151, Anastasia Karakasidou, "The Slavo-Macedonian 'non-minority'", S. 129, 153, n. 26 and Nada Boshkovska, Yugoslavia and Macedonia Before Tito: Between Repression and Integration (London/New York: I. B. Tauris, 2017), S. 8. und antwortete, er sei Makedonier.Stamatis Stamatiou, From Bitola. Interview with a member of the Committee. Auf eine ironische Frage von Stamatiou behauptete Karev zudem, ein „direkter Nachfahre Alexanders des Großen“ zu sein, fügte aber hinzu, dass „die Geschichte besagt, dass er ein Grieche sei“. Auf die Frage, was die Revolutionäre für Makedonien wollten, erläuterte Karev ihre Pläne, eine Republik nach dem Vorbild der Schweiz zu gründen, die den verschiedenen „Rassen“ Autonomie und Demokratie bieten sollte.Michalopoulos, 163-164 Er fügte hinzu, Bulgariens Erwartungen, die Region zu annektieren, seien falsch eingeschätzt worden und die Revolutionäre würden jede Hilfe annehmen, um ihr Ziel zu erreichen.See Далибор Јовановски, Пред Коминтерната, S. 75–6.

Während des Ilinden-Aufstands war er Präsident der nur vom 3. bis zum 13. August 1903 bestehenden Republik Kruševo. Dafür wird er sowohl in Bulgarien als auch in Nordmazedonien als Held angesehen. Als Kruševo von den Rebellen eingenommen wurde, verfasste Karev angeblich das sogenannte Kruševo-Manifest,Dimitar Bechev Historical Dictionary of North Macedonia, Rowman & Littlefield, 2019, ISBN 1-5381-1962-5, S. 166.Keith Brown, The past in question: modern Macedonia and the uncertainties of nation, Princeton University Press, 2003, ISBN 0-691-09995-2, S. 230. in dem die lokale muslimische Bevölkerung dazu aufrief, sich mit den Christen zu verbünden. Dessen tatsächliche Existenz ist allerdings nicht dokumentiert.Torsten Szobries: Sprachliche Aspekte des nation-building in Mazedonien. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1999, S. 56. Karev wurde zum Oberhaupt der provisorischen Regierung ernannt. Unter den verschiedenen ethnisch-religiösen Gruppen (Millets) in Kruševo wurde ein Republikanischer Rat mit 60 Mitgliedern gewählt – jeweils 20 Vertreter: makedonische Bulgaren"Беше наполно прав и Мисирков во своjата фундаментална критика за Востанието и неговите раководители. Неговите укажуваньа се покажаа наполно точни во послешната практика. На пр., во ослободеното Крушево се формира градска управа составена од "Бугари", Власи и Гркомани, па во зачуваните писмени акти не фигурираат токму Македонци(!)..." Блаже Ристовски, "Столетиjа на македонската свест", Скопје, Култура, 2001, стр. 458. (mazedonisch) (Exarchisten), Walachen und slawisch-, aromunisch- und albanischsprachige griechische Patriarchisten.The past in question: modern Macedonia and the uncertainties of nation, Keith Brown, Publisher Princeton University Press, 2003, ISBN 0-691-09995-2, S. 81–82. Der Rat wählte außerdem ein Exekutivorgan – die Provisorische Regierung mit sechs Mitgliedern (zwei aus jeder der genannten Gruppen). Allerdings kam es schnell zu ethnischen Spannungen, da Karev alle Mitglieder des örtlichen Rates als „bulgarische Brüder“ bezeichnete, während die Aufständischen der IMARO bulgarische Flaggen hissten, mehrere griechische Patriarchisten töteten und diese beschuldigten, osmanische Spione zu sein. Zudem wurden anschließend die örtlichen türkischen und albanischen Muslime angriffen.Michael Palairet, Macedonia: A Voyage through History (Vol. 2), Cambridge Scholars Publishing, 2016, ISBN 1-4438-8849-4, S. 149. Karev selbst versuchte, die Angriffe auf die Muslime zu minimieren und die Aufständischen an wahllosen Plünderungen zu hindern.Keith Brown, Loyal Unto Death: Trust and Terror in Revolutionary Macedonia, Indiana University Press, 2013, ISBN 978-0-253-00847-3, S. 141–142. Vor der Einkesselung von Kruševo gelang ihm die Flucht. Die Republik Kruševo wurde nach nur zehn Tagen von osmanischen Truppen nach heftigen Kämpfen zerstört.

Nach dem Ilinden-Preobraschenie-Aufstand